11. Französische Filmtage Hamburg 15. - 30. Juni 2018 im Metropolis Kino


#1

Die nächste Ausgabe dieses hochwertigen kleinen Events steht in den Startlöchern. Wieder mit einer Retrospektive. Dieses Jahr steht die Schauspielerin Stéphane Audran im Fokus. Im Zuge dessen werden auch sieben Filme des Regisseurs Claude Chabrol gezeigt. Ich muss zugeben, das mir die Beiden bislang so gut wie nichts sagen. Von Chabrol habe ich noch keinen Film gesehen, mit Audran soweit ich weiß nur IM ZEICHEN DES LÖWEN, der mir gar nicht zugesagt hat. Daher bin ich dankbar für Tipps ob sich unter den Gezeigten Filme befinden, die man sich im Kino nicht entgehen lassen sollte. Schade ist, das die Kopien nur in der deutschen Synchro gezeigt werden. Dies sind die Filme der Retro zu Stéphane Audran:

Schrei, wenn du kannst - Les Cousins, F 1959, Claude Chabrol
Im Zeichen des Löwen - Le signe de lion, F 1962, Eric Rohmer
Zwei Freundinnen - Les Biches, F/I 1968, Claude Chabrol
Der Champagner-Mörder - Le Scandale, F 1967, Claude Chabrol
Die untreue Frau - La femme infidèle, F/I 1969, Claude Chabrol
Der Schlachter - Le Boucher, F/I 1970, Claude Chabrol
Vor Einbruch der Nacht - Juste avant la nuit, F/I 1971, Claude Chabrol
Der Fall Serrano - Mort d’un pourri, F 1977, Georges Sautner
Der diskrete Charme der Bourgeoisie - Le Charme discret de la bourgeoisie, F/S 1972, Luis Buñuel
Au petit Marguery, F 1994, Laurent Bénégui
Betty, F 1992, Claude Chabrol

So richtig interessiert mich bislang nur Der diskrete Charme der Bourgeoisie weil der schon lange auf meiner Watchlist steht.
Kaum erwarten kann ich hingegen den Abschlussfilm The Wild Boys (Les garçons sauvages) von Bertrand Mandico, einfach nur weil der Trailer außergewöhnlich aussieht und vom Label Bildstörung häufig besondere Filme kommen. Kürzlich lief er auf dem IFFR (International Film Festival in Rotterdam).

Das Programm auf der Homepage Französische Filmtage ist glaube ich noch nicht ganz vollständig.


#2

Puh, jetzt wird’s aber cineastisch hier… :smile::smile: Und verdammt, bitte nicht noch mehr Filme auf meiner Watchlist!! :smile:

Stéphane Audran hätte ich so nicht auf dem Schirm gehabt. Die Filme klingen aber fast alle zumindest interessant. Gesehen habe ich davon Der Schlachter, Der diskrete Charme der Bourgeoisie und Betty.

Der Schlachter: An den kann ich mich leider nicht mehr erinnern, um irgendwas davon wiedergeben zu können. Bewertet hab ich ihn nicht gut.
Der diskrete Charme der Bourgeoisie: Der ist amüsant aber auch “speziell”. Kein stringenter Film im klassischen Sinne. Hatte mehr was von einem Theaterstück.
Betty: Vor kurzem noch. Es ist, wie bei so vielen französischen Filmen, oft nur eine Beobachtung, ein Blick auf das mehr oder weniger spannende Alltagsleben einer oder mehrerer Personen. Ohne großartige Highlights oder gar Effekte. HIer ist das auch so. Aber das weiß man ja vor dem Anschauen oder sollte man. Ich fand ihn gut.


#3

Das Programm auf der Homepage ist jetzt vollständig, also auch die aktuellen Produktionen. Von denen ist mir neben dem Abschlussfilm Die brillante Mademoiselle Neïla - Le Brio aufgefallen, weil das eine Regiearbeit von Yvan Atall ist. Macht mich neugierig. Ziemlich wahrscheinlich schaue ich:

Der diskrete Charme…
Der Fall Serrano
The Wild Boys

@Neck: Danke für Deine Anmerkungen aber so richtig weiter helfen die mir leider auch nicht, ich bin immer noch planlos. Gibt es niemanden sonst, der schon Seherfahrungen mit den Filmen hat? @GeorgeKaplan vielleicht? Ich hatte jemanden sagen hören, Chabrol wäre ein bisschen wie ein französischer Hitchcock…dann kennst du den evtl. :wink: Welche drei aus dem Programm empfiehlst du? Einige laufen allerdings in dt. Synchro.


#4

Jawohl, und so wie’s ausschaut gibt es hier zur Zeit wenige Cineasten mit Interesse an französischem Kino :wink: ? Nun denn, die Filmtage sind vorüber und auch dieses Jahr wurden wir wieder mit einer wunderbaren Retrospektive verwöhnt. Mit den Retros zu Yvan Atall oder Isabelle Adjani kann Stephane Audran zwar nicht ganz mithalten, dennoch gab es einiges zu entdecken. Meine große Entdeckung ist Chabrol. Von ihm wird ja gesagt er sei so etwas wie der französische Hitchcock. Und in der Tat finde ich viele Eigenschaften vom Altmeister in den Werken Chabrol’s die ich sah. Zum Beispiel die Kamera wie sie die Personen vor dem Hintergrund ihrer Umgebung in Les Biches einfängt. Dort findet sich auch eine bezeichnende Szene im Zusammenhang mit Nahrungsaufnahme. Hitchcock hat das Thema Essen ja gerne in seine Filme eingebaut. Nun bin ich jedoch bis heute nach “nur” gut 10 Hitchcock’s nicht zu einem großen Fan seiner Filme geworden. Chabrol hat mir in gewisser Weise gezeigt warum das so ist. Er arbeitet seine Geschichten konsequent aus den emotionalen Zuständen seiner Figuren heraus, begleitet von einer magisch-mysteriösen Aura, die ich beim Altmeister vermisse und die wohl typisch französisch ist. Kurzum: Chabrol’s Atmosphäre/Stilistik gefällt mir besser, soweit ich das nach drei Filmen sagen kann. Grandios auch der Musik Einsatz. Seine Filme sind allerdings größere potenzielle Downer, melancholischer als Hitchcock’s, dessen Filme, glaube ich, grundsätzlich mehr lebensbejahendes Potenzial haben, irgendwie hoffnungsfroher…? zu sein scheinen und auch visuell bunter sind. Ich hüte mich wegen dieser tendenziellen Unterschiede der emotionalen Gewichtung vor einem finalen Urteil welcher der “bessere” Regisseur ist. Die Chabrol’s die ich sah, haben mich jedenfalls komplett vereinnahmt. Ich sah:

Zwei Freundinnen 7,5/10 Pkt.
Die untreue Frau 8,5/10 Pkt.
Vor Einbruch der Nacht 9/10 Pkt.

Der Schlachter wird die Tage nachgeholt, hab ich für wenig Geld bei Prime gemietet. Vom Rest der Retro aber nicht Chabrol, sah ich noch den sehenswerten, Dialog reichen Film Der Fall Serrano, den ich mir offen gestanden nur wegen Ornella Muti angeschaut habe. Hat sich aber als insgesamt dramaturgisch gelungen und unterhaltsam herausgestellt. Polit Thriller mit einigen Action Szenen und einer Rolle für Alain Delon, die keine Romanze bzw. Sex Szene beinhaltet. Gute 7/10 Pkt.
Der Abschlussfilm The Wild Boys war dann wie von Bildstörung gewohnt Unique, irgendwo zwischen grandios und unsinnig. Stilistisch absolut sehenswert mit einer ganz starken Vertonung. Würde ihn gerne einfach mal als “Hörspiel” laufen lassen. Ein weniger plattes Fazit als dieses, das ein bisschen wie “Männer sind Scheiße” anmutete, wäre allerdings wünschenswert gewesen. Erhält vorerst keine Bewertung von mir.

Wieder einmal ein tolles Jahr. Aus terminlichen Gründen und wegen der Fußball WM musste ich leider auf Der diskrete Charme der Bourgeoisie und Die brillante Mademoiselle Neila verzichten.