11th Korean Film Festival Frankfurt

Ich denke, heute kam mit The Hill of Secrets der bislang beste Film des Festivals. Leider sind ja einige Indie- und Arthouse-Kracher wie Broker, Decision to Leave, Gyeong-ah’s Daughter und Jeong-sun nicht dabei. Aber The Hill of Secrets ist ein würdiger Vertreter.

Im Mittelpunkt steht die fünftklässlerin Myeong-eun, die sehr clever, talentiert und motiviert ist, der aber auch ihre Familie peinlich ist. Es ist wirklich bewundernswert, wie vielschichtig die ganzen Figuren im Film sind. Jede Szene im Film regt zur Diskussion an. Das weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. 9/10

Danach gab es noch Hansan: Rising Dragon. Sehr ähnlich zum Vorgänger. Da hatte ich einen der neuen Premium-Sitze. Echt angenehm. Aber dieser Wireless-Charger am Platz ist etwas übertrieben. Dadurch animiert man die Leute ja fast dazu, im Kino das Handy neben sich zu legen. Und dadurch auch zum mehrmaligen draufschauen.

Ab jetzt geht es im Eldorado weiter und vor jedem Film wird ein Kurzfilm gezeigt.

Gerade gesehen, Decision to Leave startet am 2. Februar 2023 in Deutschland.

Läuft aktuell auf dem Filmfestival Cologne.

Ah ok. Könnte ja evtl. noch auf den white nights laufen. Aber das würde sich überschneiden.

Das wäre ein Schwergewicht im Programm, wäre cool.

Ich hoffe nicht. Die meisten werden bestimmt enttäuscht sein… :cry:

Ich war nicht enttäuscht. Nicht jeder Film kann auf Parasite-Level sein.

Das Festival war wieder ein hervorragendes Vergnügen. Mal wieder ein sehr abwechslungsreiches Programm, gut bis sehr gut besucht, von einem absolut sympathischen Team organisiert.

Hier mal ein paar Zeilen zu den gesehenen Filmen:

Hunt {2022, Lee Jung-jae}
Extrem souverän inszenierter Polit- und Spionagethriller, dessen 80er-Jahre-Setting gut eingefangen wurde. Regisseur und einer der beiden Hauptdarsteller ist Mr. Squid Game Lee Jung-jae. Sowohl er als auch sein Gegenpart Jung Woo-sung liefern eine exzellente Performance ab. Man muss jederzeit absolut hochkonzentriert zuschauen, um den ganzen Wendungen und Verstrickungen folgen zu können. Da passiert einiges. Einige geschichtliche Hintergründe, um das Geschehen einzuordnen, sind auch nicht von Nachteil, wenn auch kein absolutes Muss. Macht dadurch aber noch mehr Spaß. Die Action ist auch amtlich und trotz der 130 Minuten Laufzeit gibt es nicht eine Sekunde Leerlauf. Geschichte, Optik, Charaktere, Action … ein formidabel geschnürtes Paket.
8,5/10

The Roundup {2022, Lee Sang-yong}
Man bekommt das, was man erwartet. Der Dicke holt wieder seinen Dampfhammer raus und stampft die Böswatze ordentlich ein. Die Action passt, Humor gibt’s ebenfalls genügend. Ist teilweise recht hart, obwohl die Kamera nicht komplett draufhält. Fand auch cool, dass der Film zum Teil in Vietnam spielt, ganz gute Abwechslung. Einer gegen alle, mit etwas Unterstützung vom Team, Marke „Wo der hinlangt, wächst kein Gras mehr“. Gerne mehr. Teil 3 schon in Arbeit.
8/10

Emergency Declaration {2022, Han Jae-Rim}
Die erste dreiviertel Stunde bis Stunde bis zum Ableben des Psychopathen war im Prinzip ziemlich gut. Schöner Aufbau der Geschichte, Einführung der Charaktere etc. Danach geht aber ziemlich die Luft raus und das Ding zieht sich wie Kaugummi. Immerhin gibt es hie und da den ein oder anderer Wachrüttler und das Szenario mit dem Verhalten der Menschen gibt doch Anlass zur Selbstreflexion. Hätte man aber gut und gerne mindestens um eine halbe Stunde kürzen können und auch noch mehr Nailbite-Szenen hinzufügen können. So eiert man eher durch die Wolken. Mit den Charakteren wurde ich leider nicht warm. Bis auf den Bösewicht blieben die eher blass bis nervig. Einen gewissen Unterhaltungswert kann man dem Streifen aber nicht absprechen und so werden es unter dem Strich noch recht gute
6/10

Chun Tae-Il {2021, Hong Jun-Pyo}
Der Zeichenstil dieses Animes hat zum Glück nichts mit den leblosen CGI-Animationen US-amerikanischer Machart gemein, erinnert eher an klassische Zeichentrick-Kunst. Der junge Chun Tae-Il setzt sich für die Rechte der ausgebeuteten Arbeiter in einem Textilbestrieb ein, kämpft aber gegen eine Übermacht an. Der Film hat einen schönen Erzählfluss, gibt gute Einblicke in die damalige Zeit Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger. Das eindrückliche Ende bleibt auf jeden Fall noch lange im Gedächtnis haften.
7,5/10

Kingmaker {2022, Byun Sung-hyun}
Man sollte schon ein wenig ein Faible für politische Taktiererei und grundsätzliches Interesse an politischen und geschichtlichen Themen haben, dann eröffnet sich ein ausgezeichnet besetztes charakterbasiertes Politthrillerdrama, das vom Agieren der beteiligten Personen und vor allem auch von den teils scharfzüngigen Dialogen lebt. Der Aufbau der Geschichte belohnt den Zuschauer mit stetig steigender Intensität und guten Wendungen, ohne dass allzu sehr auf den Putz gehauen wird. Das Finale setzt dem ganzen die Krone auf. Auf Action muss man verzichten, braucht man aber auch nicht.
8,5/10

Alienoid {2022, Choi Dong-hoon}
Korea meets abgefahrenen Japan-Stil meets Stephen Chow. Irres Ding, das Regisseur Choi Dong-hoon (The Thieves, Assassination) hier aufgefahren hat. Schräge Charaktere, absurder Humor, flotte Sprüche, ordentliche Portion Action, das alles im Fantasygewand. CGI gibt’s natürlich ordentlich, sieht manchmal nicht gerade optimal aus, oft aber auch richtig gut. In den gut 140 Minuten passiert so viel, dass es einem garantiert nicht langweilig wird. Jetzt heißt es nach dem abrupten Ende warten auf Teil 2 in 2023.
8/10

In Our Prime {2022, Park Dong-hoon}
Follows Ji-woo, an outcast in a prestigious private high school who meets Hak-sung, the school’s security guard, and asks him to teach him math and become friends, but their friendship is at risk after an incident in school.
Sympathisches Drama, bei dem man ein Wiedersehen mit Choi Min-sik hat. Seine Rolle füllt er auch mit Bravour aus. Allerdings plätschert die Geschichte ein wenig vor sich hin. Alles ordentlich gemacht, jedoch fehlen die echten Höhepunkte. So bleibt ein etwas zwiespältiges Gefühl über ein gut gemeintes, aber etwas geschmacksarm inszeniertes Werk.
6,5/10

The Hill of Secrets {2022, Lee Ji-eun}
Die zwölfjährige Myung-eun ist eine Vorzeigeschülerin. Sie ist beliebt, hat gute Noten und wird sogar zur Klassensprecherin gewählt. Als sie eines Tages in der Schule ihre Eltern vorstellen muss, hat sie jedoch ein Problem. Denn ihre Eltern sind nicht wie die Eltern der anderen Kinder.
Unglaublich feinfühliges inszeniertes Jugenddrama mit einer starken jungen Hauptdarstellerin und ganz vielen kleinen Highlights, sowohl in der Geschichte als auch im Verhalten der Akteure. Wann ist Ehrlichkeit angebracht, wann verspricht eine Lüge die bessere Wahl zu sein, um sich sozial nicht zu isolieren? Schwierige Entscheidungen, die viel Mut erfordern, extrem effektiv inszeniert.
8,5/10

Hansan: Rising Dragon {2022, Kim Han-min}
Der Film Hansan: Rising Dragon ist der zweite Film in einer Trilogie, in der Regisseur KIM Han-min historische Schlachten des Admiral YI Sun-sin darstellt. In diesem Film wird die Schlacht um die Hansan-Insel im Jahr 1592 erzählt.
Ist quasi das Prequel zu THE ADMIRAL - ROARING CURRENTS. Gegner auch hier die Japaner. Die erste Hälfte schildert die Kriegssituation, in der sich Koreaner und Japaner befinden. Die Charaktere werden eingeführt und historischen Hintergründe erklärt. Das Erzähltempo ist da schon recht gut und es gibt einige spannende Szenen. In der zweiten Hälfte geht’s dann mächtig ab und es gibt Seeschlacht am Stück. Spannend und optisch beeindruckend inszeniert. Da kracht es gewaltig, die Kanonenkugeln fliegen einem um die Ohren und man weiß manchmal nicht, wie einem geschieht. Da ist extrem viel Druck drauf. Macht genauso viel Spaß die der Vorgängerfilm und eignet sich gut für wiederholte Sichtungen.
8,5/10

The Girl on a Bulldozer {2022, Park Ri-woong}
Eine junge Frau muss sich durch jede Menge Widrigkeiten im Leben kämpfen und ihr Kampf scheint aussichtslos. Aber sie nimmt ihn an und versucht Gerechtigkeit für sich und ihren kleinen Bruder zu finden.
Kim Hye-yoon spielt die Rolle der aufmüpfigen und wütenden Tochter eines in Problemen steckenden Vaters einfach fantastisch und trägt den Film im Alleingang. Was sie dabei alles erlebt, ist spannend und intensiv inszeniert, steckt voller guter Ideen und die Energie des Films entlädt sich in einem grandiosen Finale.
8,5/10

Dust and Ashes {2019, Park Hee-kwon}
Dust and Ashes stellt die schwierige Lebenssituation der jungen Fabrikarbeiterin Hae-su dar. Eines Tages kommt sie von der Arbeit zurück und findet ihre Mutter tot im Haus vor, das kurz vor dem Abriss steht. Der Film stellt die Tage nach dem Suizid ihrer Mutter dar, in denen Hae-su unter merkwürdigen Umständen die Beerdigung ihrer Mutter vorbereitet. Neben den auszuführenden bürokratischen Formalitäten, versucht Hae-su mit Hilfe eines Polizisten, den Suizid ihrer Mutter wie einen natürlichen Tod aussehen zu lassen.
Ein inszenatorischer Leckerbissen ist der Film definitiv nicht. Vieles ist einfach sehr dunkel gefilmt. Das passt als Stilmittel zum trostlosen Setting zwar gut, ist aber auf Dauer etwas anstrengend. Ein typisches Arthouse-Drama, in das man sich reinkämpfen muss, das aber interessante Einblicke in gesellschaftliche Probleme gibt und sich unterm Strich lohnt, wenn man sich drauf einlassen kann.
7/10

The Killer: The Girl Who Deserves to Die {2022, Choi, Jae-hoon}
Ein Auftragskiller im Ruhestand erklärt sich bereit, sich um ein jugendliches Mädchen zu kümmern, doch als sie sich mit zwielichtigen Leuten einlässt, muss er sie retten.
Der macht schon sehr viel Spaß. Charismatischer, cooler Hauptdarsteller, exzessive und viel Gewalt, schwarzer Humor und eine bunte Ansammlung fieser Fressen. Macht keine Gefangenen und hat ein durchgehend hohes Tempo. Klasse!
8,5/10

When Spring Comes {2022, Lee Don-ku}
When Spring Comes handelt von Ho-Sung, der wegen seiner kriminellen Machenschaften eine achtjährige Haftstrafe absitzen musste. Nach seiner Entlassung trifft er auf der Beerdigung seines Vaters auf seine Familie, die enttäuscht von seinen bisherigen Lebensentscheidungen ist. Auf der Trauerfeier kollidieren unerwarteterweise seine kriminelle Vergangenheit, die er hinter sich lassen möchte, sowie seine Familienmitglieder aufeinander.
Lustigerweise ist der Anlass für die Tumulte auf der Beerdigungsfeier ein etwas anderer als erwartet. Das passt aber zum ganzen Stil des Films. Etwas tragisch, vor allem aber recht lustig mit vielen schönen Szenen. Zumindest eine etwas andere Trauerfeier, als man es erwartet. Flott inszeniert, holt aus dem engen Szenario viel raus und die Charaktere passen gut.
7,5/10

The Novelist’s Film {2022, Hong Sang-soo}
Novelist Joon-Hee has not heard from her colleague Se-Won lately. After visting Se-Won’s book store, Joon-Hee goes up to a tower. She happens to meet movie director Hyo-Jin and his wife Young-Joo there and talks with them. Joon-Hee later takes a walk in the park and meets actress Kil-Soo.
Ein typischer Hong in Schwarzweiß, der von den Personen und vor allem den Dialogen lebt. Wie üblich eine sehr statische Kamera, die immer wieder minutenlange Sequenzen einfängt ohne Schnitt, so den Schauspielern viel abverlangt. Auch hier gibt’s wieder einiges an Improvisationen, was dem Film einen sehr ehrlichen Anstrich gibt. Wer Hong mag, kann auch hier bedenkenlos zusehen.
7,5/10

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