„Fascinating that something can look so believable when in reality, it’s all a façade!“
„MaXXXine“
(Ti West / 2024 / Kino (DCP) / englischsprachige Originalversion / Erstsichtung)
"In the land of gods and monsters
I was an angel / Living in the garden of evil
Screwed up, scared / Doing anything that I needed
Shining like a fiery beacon
You got that medicine I need
Fame, liquor, love / Give it to me slowly
Put your hands on my waist, do it softly
Me and God we don’t get along, so now I sing
No one’s gonna take my soul away
Living like Jim Morrison
Headed towards a fucked up holiday
Motel sprees / Sprees, and I’m singing
‚Fuck yeah, give it to me‘ / ‚This is heaven, what I truly want‘
It’s innocence lost
Innocence lost"
(Lana Del Rey, „Gods And Monsters“)
In einer zentralen Szene von „MaXXXine“, Ti Wests (vielleicht doch nicht) abschliessendem Film seiner Trilogie über das Filmemachen, Filmesehen und Filmeverstehen, wird das Haupt unserer Protagonistin von der Maskenbildnerin des (Horror)Film-im-Film „The Puritan II“ zwecks Erstellung einer Gumminachbildung ihres Kopfes mit flüssigem Latex übergossen, und sie dann daraufhin zu zehnminütigem Stillsitzen verdonnert, auf dass die schlibberige Masse aushärten kann. Während ihr Antlitz also von einem weißmatschigen Schlier bedeckt und sie für eine Weile völlig auf sich selbst zurückgeworfen ist, wird ihre Erinnerung von abrupt sich aufdrängenden und eindringlichen flashbacks an das unterdrückte sexuelle Verlangen der greisen Antagonistin aus „X“, dem Auftakt der Reihe, heimgesucht. Ein atemabschnürender Moment der Beklemmung, dem weder Maxine Minx (eigentlich Miller, wie wir zuvor bereits gelernt haben) noch der Film selbst standhalten können. Sie kippt kurzerhand mitsamt ihrem Sitzmöbel rückwärts nach hinten, nur um mit glibberig-verschmoddertem Gesicht auf dem Rücken liegend nach Luft zu schnappen („I guess I only ever seen you lying on your back.“ sagt der von Kevin Bacon mit diabolischer Spielfreude verkörperte Privatschnüffler mit süffisant-hochmütigem Tonfall in einer Szene). Aber ebendieses nur mühsam zurückgehaltene weibliche Begehren, welches sowohl in „X“ als auch in „Pearl“ nie seine angemessene Verwirklichung erleben durfte, und deshalb mittels grausig-grotesker Bluttaten sublimiert werden musste, dieses Begehren wird in „MaXXXine“ beinahe ausschliesslich in Ms. Minx’ longing for fame transformiert. Weshalb dem Streifen ultimativ eine ausschlaggebende Komponente fehlt, um als Zuschauer:In ganz an ihn andocken zu können. Wer Maxine Minx wirklich ist, was genau nun hinter ihrer hübschen Stirn so vorgeht, was sie - abgesehen von ihrem desire to make it big - antreibt, das wird auch in diesem Film nicht befriedigend geklärt. Er selbst ist - wie eine Gussform ja auch - in seinem Innersten hohl. Die entscheidende Frage ist nun: Gerät ihm das endeffektiv zum Nachteil, oder ist das eventuell nicht sogar eine verborgene (naja, eigentlich auch nicht verborgen, denn wirklich verborgen ist in diesem movie tatsächlich mal so gar nichts) Stärke, die er als letzte Trumpfkarte ausspielen kann, wenn sein Blatt auf den ersten Blick auch sonst mau ausschauen und nichts Anderes mehr stechen mag. Ich muss zugeben, ich bin auch gute dreiundzwanzig Stunden nach dem Ende des Abspanns, immer noch nicht zu einer abschliessenden conclusio gekommen, was das anbelangt. Was ich aber definitiv sagen kann: „MaXXXIne“ ist eine große Gaudi mit unbestreitbaren Schauwerten und einer wieder mal formidabel aufspielenden Mia Goth (welche sich allerdings im Fortgang des Films etwas mehr zurücknimmt als in „Pearl“, was der Rezeption durchaus auch guttut). Und hat über seine 104 Minuten Laufzeit beinahe mehr 80s-Referenzen vorzuweisen als „Robot Dreams“, „Stranger Things“ und „It Follows“ zusammengenommen. Was sich glücklicher Weise aber nicht in einer bloßen Zitatensammlung erschöpft.
Sie wolle einen „B movie with A ideas“ machen, eröffnet die von Elizabeth Debicki mit herrisch-strenger Gefühlskälte gespielte Regisseurin Liz Bender Maxine bei einer Führung über den studio backlot. Sollte Ti West in seinem neuesten Film dasselbe beabsichtigt haben, so ist ihm das auch nicht mal im Ansatz gelungen. „MaXXXine“ ist zum völligen Verwirren inkohärent, totally messy, unentschlossen umher mäandernd, läuft niemals richtig rund, an keiner Stelle kommt wirkliche Spannung auf, jeder plot point und twist ist Lichtjahre im Voraus vorhersehbar. Alles, über das ich zuvor spekuliert hatte, tritt auch genauso ein, wie von mir vermutet - und dennoch beeinträchtigt all das die amüsiert-belustigte Freude beim Ansehen kein bisschen. Nun könnte man es sich ja bequem machen und sagen: " Genauso war’s damals in den Achtzigern mit vielen B-movies ja auch!" Aber ganz so einfach wollen wir Herrn West dann ja auch nicht vom Haken lassen.
Was also ist es denn dann genau, das mich auch Wests neuen vergifteten love letter to film making in general and to Hollywood in particular in spite of all it’s obvious flaws hat geniessen lassen? Nun, da wären natürlich an allererster Stelle wieder einmal die bloßen Schauwerte zu nennen. Wie auch schon in den beiden Vorgängerfilmen gelingt es West und long time partner in crime, Kameramann Eliot Rockett, auch hier wieder, den Geist der Filmgenres, welchen stilistisch gehuldigt wird (in diesem Fall vor Allem 70s-Neo Noir und 80s-slasher movies, aber auch diverser sonstiger U.S.-B-Movie-Horror-Schlock, welcher von der moral majority als „satanischer Schund“ abgetan wurde und dann vor Allem in der Videotheken-Auswertung zu eher zweifelhaftem Ruhm gelangte) nahezu perfekt zu channeln und einzufangen. Die top ausgewählten Drehorte tragen immens viel zur Glaubwürdigkeit des Achtziger-Ambientes bei. Angefangen von den blutigrot neonbeleuchteten Gehsteigen, dampfwolkenvernebelten back alleys und Hinterhöfen eines heruntergekommenen Downtown L.A., über halb ironisierend, halb ernsthaft „The Landing Strip“ benannte, Kaschemmen-hafte Stripschuppen in Flughafen-Nähe, deren verranzte Hinterzimmer als Drehorte für ultrabilligst abgekurbelte DTV-Pornos dienen, und mit VHS-tapes bis unter die Decke nur so vollgepackten Wohnzimmer-winzigen neighbourhood video rentals, bis hin zu einem luxuriös finsteren Villen-Setting samt oversized Swimming Pool und Palmen gesäumtem backyard direkt unterhalb des (in Santa Clarita nachgebauten, um auch gleich mal die Frage von @Neck zu beantworten - mehr dazu siehe auch hier (<— Link / Klick’ mich!) Hollywood Sign.
Auch der cast ist ganz famos assembled, und harmoniert wirklich gut miteinander. Elizabeth Debicki hatte ich ja schon erwähnt, und Kevin Bacon spielt als schmierig-trotteliges Zerrbild von Jack Nicholsons ikonischer private investigator-Paraderolle aus Polanskis „Chinatown“ Mia Goth in jeder seiner Szenen glattweg an die Wand. Aber auch die tolle Michelle Monaghan und Bobby Cannavale als seltsam-ungleiches Ermittler:Innen-Duo sowie Giancarlo Esposito als Ms. Minx’ Künstler:Innen-Agent, der notfalls auch mal zu derben Mafia-Methoden greift, wissen in ihren supporting roles zu glänzen. Moses Sumney als Maxines gay best friend, Halsey als befreundete Arbeitskollegin und Lily Collins als „The Puritan II“-co star liefern auch solide performances ab.
Die filmischen Stil- und Gestaltungsmittel zitieren ein ums andere Mal den Esprit und das Flair der Achtzigerjahre, seien es nun der verwaschen-farbentsättigte VHS-look (in krassem Kontrast zur bonbonbunt-knalligen Technicolor-Überfarbigkeit von „Pearl“), die Brian De Palma-Split Screens oder die quasi direkt bei den video nasties abgeschaute Kameraführung. Und auch der ohne Umwege in die Beine und ins limbische System gehende, pulsierend vibrierende Soundtrack voller wohlbekannter Popsongs jener poppigsten aller popkulturellen Dekaden (u.A. ZZ Top, Ratt, Animotion, Frankie goes to Hollywood, Judas Priest, New Order, Kim Carnes) sowie der dräuend-lauernde Original Score von Tyler Bates (inclusive mal drohend-klagendem, dann wieder lustvoll-lockendem Alt-Saxophon) komplettieren die zeitgenössische Atmosphäre. Zeit- und Lokalkolorit wie Dee Sniders PMRC hearing, der conservative rollback der Reagan-Ära, und das der satanic panic und dem Umfeld der moral majority entstammende, hysterisch-absurde sign picketing vor Filmstudios und Kinos dienen hier allerdings eher als bloßes back drop, denn dass sie wirklich zweckdienlich und sinnvoll in die Handlung mit einbezogen werden (und ja, dazu zählt letztlich dann auch der in den Trailern ja beinahe bis zum Geht-nicht-mehr erwähnte real life serial killer Ricardo Ramirez (a.k.a. Night Stalker), welcher tatsächlich nur als red herring herhalten muss).
Auch die feministische Grundhaltung des Films ist unbedingt zustimmenswert. Nachdem eine casting audition (in welcher Goth noch einmal mit ihrer schon aus „Pearl“ sattsam bekannten enormen Ausdrucksstärke brillieren darf) bereits zu aller Anwesenden Zufriedenheit beendet scheint, wird Maxine kurz vorm Weggehen dann noch von der versammelten Produzent:Innen-Riege gebeten, doch bitte kurz noch ihre Brüste zu entblößen. Was ihr als Porno-Starlet und Peepshow-Stripperin bereits bestens bekannt sein dürfte, und auch im weiteren Fortgang des Films durch fremdschämhaft-entblößende, beiläufig eingestreute Kommentare von Männern unterschiedlicher sozialer Provenienz („I admire your work.“, „Of course you are [Maxine Minx].“) immer wieder aufs Neue unterstrichen und herausgestellt wird: At the end of the day ist ganz Tinseltown eben doch nur eine weitere Tittenshow. Und dass eine Produzenten-Party in den Hollywood Hills für junge Frauen einer der gefährlichsten Orte der Traumfabrik ist, dürfte auch allerspätestens nach der causa Harvey Weinstein allseits bekannt sein. Doch Maxine Minx wäre nicht Maxine Minx, wenn sie nicht konsequenter Weise Alles, was ihr bei der angestrebten Verwirklichung ihres großen Traums im Wege zu stehen droht, rücksichtslos aus ebenjenem räumen würde. „In the land of gods and monsters / I was an angel / Lookin’ to get fucked hard“ singt (die im Laufe ihrer Karriere ja immer auch die düster-grausamen Seiten der in ihren Songs allerorten aufgerufenen americana thematisiert habende) Lana Del Rey mit Kokain-sedierter numbness im dunklen Timbre in (dem mich irgendwie an diesen Film erinnernden Song) „Gods And Monsters“. In scharfem Kontrast dazu sucht Maxine Minx aber gerade nicht danach, gefickt zu werden - nein, sie will im Gegenteil Alles und Alle ficken, die ihr in die Quere und / oder dumm kommen… mögen das nun ein als Buster Keaton ausstaffierter mitternächtlicher street burglar (dem sie seine Männlichkeit mit ihren hohen Lederstiefeln auf dem harten Asphalt wortwörtlich zu Brei stampft), ein allzu aufdringlicher Privatdetektiv (der dann eben mal kurz die Nase durch einen mittels Schlüsselbund in der geballten Faust improvisierten Schlagring gebrochen bekommt, und der schlussendlich mitsamt seinem Automobil in der Schrottpresse zerquetscht wird), oder aber der eigene Daddy (dem im Finale kurzerhand die Rübe mit der shotgun weggepustet wird) sein. Das in „MaXXXine“ für die bigott-selbstgerechte Männlichkeit äusserst schmerzlich und qualvoll ausbuchstabierte female empowerment mag dabei etwas arg penetrant, vulgär und schmuddelig wirken (genau wie Maxine selbst eben auch), aber ebendas ist ja genau der Punkt: Auch Frauen, die Einer:Einem selbst nicht unbedingt allzu sympathisch oder auf den ersten Blick gefällig sein mögen, steht ja aber dennoch eine eigene agency zu. Und auch ihre Anliegen sind - eventuell mangelnder Sympathie zum Trotz - ja dennoch nicht weniger valide. Wohl eher im Gegenteil.
Während sowohl „X“ als auch „Pearl“ (allem auch dort zunehmend ausuferndem Wahnsinn zum Trotz) immer noch in einer film-immanenten Realität verhaftet zu sein schienen, kann ich mir bei „MaXXXine“ beim besten Willen nicht helfen - es ist mir schlichtweg unmöglich, den Streifen als etwas Anderes als bloßen Meta-Text anzusehen. Ähnlich wie schon bei Finchers „Gone Girl“ (bei dem Ben Affleck ja gleich zu Beginn mal eben kurzerhand zum Müll mit rausgestellt wird) und „Promising Young Woman“, Emerald Fennells ätzender Abrechnung mit toxic masculinity, kann ich mir einfach nicht vorstellen, wie jemand diesen Film anders als auf einer reinen Meta-Ebene funktionierendes Narrativ wahrnehmen kann. Eine Erzählung, bei der Emulation und Ejakulation so nahe beieinander liegen, dass allerhöchstens noch eine oder zwei lines Koks dazwischen passen. Wenn Maxine zum Ende hin ihre SAG-Mitgliedskarte dazu benutzt, sich mit ebendieser das weisse Pulver zum Snorten zurecht zu machen, dann trieft das - ungeachtet aller 1980er-Klischeehaftigkeit - geradezu vor höhnisch-entlarvender Bloßstellung. Überhaupt agieren und chargieren alle Filmfiguren immerzu und allerorten, Jede und jeder war irgendwann mal, ist es jetzt gerade oder will alsbald Schauspieler:In sein, Alle (selbst der größenwahnsinnig-bigotte Sekten-Anführer a.k.a. Herr Papa ) drehen irgendwie gerade einen Film… Eine Simulation voller Simulakren. Der (nicht immer ganz passende) Humor kommt dabei auch nicht zu kurz. Bei der gestrigen (Fast-)Mitternachtsvorstellung (perfekt passende Zeit!) wurde jedenfalls durchaus viel und oft gelacht. Den Höhepunkt bildet dabei die wohl absurdeste Verfolgungsjagd seit der ultra slow motion chase vor der Kulisse der Iguaçu-Wasserfälle in „OSS 117 - Rio ne répond plus“, wenn Maxine von Bacons Privatschnüffler durch diverse Filmsets gehetzt wird, und sich letzten Endes in Mutters Haus aus Hitchcocks „Psycho“ verstecken muss. „MaXXXine“ pendelt dabei zwar arg fahrig und etwas sehr unentschlossen zwischen Satire, Parodie und Pastiche hin und her. Was dem bei seiner Sichtung empfundenen Vergnügen aber trotzdem weiter keinen Abbruch tut.
„Fascinating that something can look so believable when in reality, it’s all a façade!“, sagt Debickis Charakter während einer Rundfahrt durch die Straßenkulissen auf dem Studiogelände. Was sowohl auf die innere Verfasstheit der Hauptfigur sowie die gesamtgesellschaftlich verhandelten Diskurse der in „MaXXXine“ bebilderten Dekade, auch auf den Film als Ganzes zutrifft. Die Achtziger selbst waren nur eine blosse Fassade, die Reaganomics, die PMRC, die unerträglich selbstgerechte und heuchlerische moral majority - Alles, was sie zu sagen hatten, Alles, was sie zu verlangen behaupteten, war reines Deckmäntelchen, unter dessen Oberfläche in Wahrheit ganz andere Anliegen durchgesetzt werden sollten. Nichts als Worthülsen im Namen von sozialer Fürsorge und religiöser Gefühlsverletzung, um krasse Restriktionen zu rechtfertigen und implentieren zu können, deren rabiate Umsetzung in allererster Linie der Einschränkung und rigiden Reglementierung diverser individueller Freiheitsrechte diente. Die gesellschaftlichen Eliten wollten verhindern, dass all die an den Rand gedrängten Freaks, social misfits, Weirdos und cultural outcasts ihre Stimmen erhoben und im soziokulturellen Diskurs Gehör fanden, denn das hätte letztlich bedeutet, dass sie ihnen allzu unbequeme Wahrheiten ausgesprochen hätten, und diese weitere unangenehme Nachfragen nach sich gezogen hätten. „Angry people are so easy to lead!“, sagt Liz Bender im Angesicht der nächsten „Satan Stole my Daughter“-Demo, und trifft damit voll ins Schwarze. Die Instrumentalisierung moralisch entrüsteter Massen durch die leading class dient letztlich nur ihrer eigenen Entmündigung. West setzt alldem in „MaXXXine“ ein genüssliches Sich-Suhlen in gutter smut, Schund und Schmutz entgegen. Was aber dennoch immer noch nicht ganz davon ablenken kann, dass, obwohl es hier soviele mirror scenes gibt, wie in den beiden vorhergegangenen Filmen zusammen nicht, letzten Endes hinter den Spiegeln rein gar nichts sich verbirgt. Dass - allem postmodernen Spiel mit Doppelbödigkeiten zum Trotz - darunter immer nur der (Ab)Sturz ins Bodenlose droht. Das innerste Zentrum von „MaXXXine“ ist tatsächlich nichts Anderes als eine blosse Leerstelle. Der ganze Film selbst ist eine reine Kulisse, hinter der sich nichts mehr offenbart, nichts mehr offenbaren kann. Ob das nun kalkuliert gewesen ist, und im Kontext des Films vielleicht sogar (den einzigen) Sinn ergibt, ist und bleibt wohl auch vorerst eine offene Frage, über die sich allerlei Filmtheoretiker:Innen in der näheren Zukunft sicherlich vortrefflich werden streiten können. Klar ist aber erstmal Eines: Ti West und Mia Goth ist es - meinen eigenen Erwartungen zuwider - nicht ganz gelungen, eine der besten Horrorfilm-Reihen dieses Jahrzehnts, oder gar des (bisherigen) Jahrhunderts zu vollenden. Dafür dann aber eine der interessantesten Filmreihen über das Filmemachen und -sehen der jüngeren Vergangenheit. Und nur ganz vielleicht ist das letztlich ja sogar die bessere Alternative von beiden Möglichkeiten.
Der in meinen Augen wohl schönste Moment in „MaXXXine“ ist eine kurze Sequenz, in welcher unsere titelgebende Figur völlig ungeschminkt (auch das natürlich eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, denn selbstverständlich können wir davon ausgehen, dass Goth auch für diese Szene das komplette make up und hair styling-Prozedere durchlaufen hat) vor dem Spiegel steht und sich darin selbst betrachtet. Und dabei so natürlich strahlend schön aussieht, wie an keiner anderen Stelle im Film, sodass es beim blossen Ansehen fast schon wehtut. In Anbetracht der Film-immanenten Quintessenz, dass „Nur der Schein ist wirklich rein“ (Ideal), ist es nicht sicher, beziehungsweise eher zweifelhaft, ob Maxine das wirklich gefällt, was sie da und dort in ihrem eigenen Spiegelbild zu sehen bekommt. Aber ach, auch dieser Moment ist so schnell vorbei, wie er gekommen ist. All things must pass.
Ganz am Ende, nach einem Showdown, bei dem wir nicht mehr wirklich wissen können, ob er sich tatsächlich in der filmeigenen Realität zugetragen hat, doch wieder nur Film-im-Film (nämlich die angekündigte Verfilmung von Maxines Lebensgeschichte, starring herself, of course) ist, oder vielleicht sogar nur bloss herbei imaginierte Wunschvorstellung von Maxine, und das mittlerweile eigentlich auch vollkommen egal ist, wird Maxine von Liz Bender gefragt, was sie denn jetzt, wo sie endlich ihr Ziel erreicht hat, einer der weltgrössten Filmstars zu werden, weiter noch vorhabe. “I just never want it to end.", ist Alles, was sie antwortet.
Well, despite our better knowledge, don’t we all?
Bevor die Kamera auf die Gumminachbildung ihres abgetrennten Kopfs, welche kunstvoll auf einem Bett drapiert ist, zufährt, und danach während des Abspanns die Studiohalle verlässt, die gesamte umgebende Szenerie des großstädtischen Los Angeles als eine einzige gigantische Filmkulisse entlarvt, und dann über die Wolken und bis ganz hinaus ins Weltall entschwebt, mit dem Leuchten der unendlich weit entfernten Sterne als einziger noch verbliebener Lichtquelle.
„Shooting stars never stop / Even when they reach the top.“
(Frankie Goes To Hollywood, „Welcome To The Pleasuredome“)
Gerahmt ist „MaXXXine“ von zwei Referenzen an Bette Davis. Mit einem vorangestellten Zitat der Diva aus Hollywoods goldenen Jahren („In this business, until you’re known as a monster, you’re not a star.“) zum Einen, mit dem als musikalische Untermalung des Abspanns dienenden 1980er-Hit „Bette Davis’ Eyes“ von Kim Carnes zum Anderen.
Bette Davis, auf deren Grabstein die Worte eingraviert sind: „She did it the hard way.“
Oh but honey, you ain’t seen nothing yet.
"In the land of gods and monsters
I was an angel / Lookin’ to get fucked hard
Like a groupie incognito posing as a real singer
Life imitates art
You got that medicine I need
Dope, shoot it up straight to the heart please
I don’t really wanna know what’s good for me
God’s dead / I said ‚Baby, that’s alright with me‘
No one’s gonna take my soul away
Living like Jim Morrison
Headed towards a fucked up holiday
Motel sprees / Sprees, and I’m singing
‚Fuck yeah, give it to me‘ / ‚This is heaven, what I truly want‘
It’s innocence lost
Innocence lost"
(Lana Del Rey, „Gods And Monsters“)
P.S. / Edit-to-Add: Entweder @Herr_Kees hat hellseherische Fähigkeiten, oder aber er sollte mit dem Management der Film-Produzent:Innen über eine Beteiligung verhandeln…
