Aktuelle Genrefilme


#191

Den Film werde ich mir mit dem Arsch nicht anschauen.


#192

Zu viele Muppets und mehr RETURN OF THE JEDI als EMPIRE STRIKES BACK. So ist der neue Star Wars.


#193

Starker Einstieg ins Kinojahr:


#194

Sehr gut. Hatte mich schon gewundert, dass der hier bisher noch gar kein Feedback bekommen hat.

Ich war letztes Wochenende zu The Killing of a Sacred Deer. Und obwohl er an einem Samstag zur Prime Time lief und das Wetter (beschissen) dementsprechend mitspielte, war ich trotzdem überrascht, dass das kleine Programmkino bis auf den letzten Platz besetzt war. Sogar Klappstühle wurden noch bereit gestellt, um dem Andrang gerecht zu werden. Sehr schön, dass sich die Leute noch aufmachen, um einen Film in der Originalversion zu sehen. Gerade bei diesem Streifen nicht selbstverständlich.
Im Anschluss musste ich mir dann direkt noch Alpen ausleihen. Wenn man schon mal in Lanthimos Stimmung ist, dann gleich die volle Dröhnung.

The Killing of a Sacred Deer

Gut, ich war schon darauf gefasst, dass Lanthimos nicht mal im Traum daran denkt, einen Film zu drehen, der auch nur im Ansatz gut konsumierbar sein könnte. Mit einem derartigen Brett hatte ich dann allerdings nicht gerechnet. Für mich definitiv sein schwerster Film. Er treibt seine eigenen Trademarks mit aller Gewalt auf die Spitze und serviert dem Zuschauer eine Brocken, der wie Blei im Magen liegt. Dabei ist The Killing of a Sacred Deer im ersten Drittel vor allem eins: zäh. Man hat zu kämpfen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Alle Figuren sind - wie bei Lanthimos üblich - seltsam apathisch, Emotionen als solche sind kaum auszumachen, robotergleich wandeln sie durch ihren Alltag. Von Sympathie kann des Weiteren keine Rede sein, jeder Einzelne ist seltsam verachtenswert und im Grunde ist es einem egal, was passiert. Eigentlich, denn mit zunehmender Laufzeit wird langsam aber sicher an der Spannungsschraube gedreht und der eigene Herzschlag geht deutlich nach oben, als die Katze aus dem Sack ist und die Downward spiral beginnt, sich in Bewegung zu setzen…
Man kann schwer beschreiben, warum man bis zum Ende sitzen bleibt. Irgendwas hat auch dieser Film wieder an sich, dass einem das Blut in den Adern gefriert und die Spucke wegbleibt, obwohl einem bis zum diesem Zustand ordentlich Steine in den Weg gelegt werden. Wer bisher nichts mit den Streifen des Griechen anfangen konnte, sollte einen großen Bogen um seine neueste Arbeit machen, denn selbst Fans wie mich hat er damit arg auf die Folter gespannt. Dabei entlohnt Lanthimos am Ende reichhaltig, denn als Gesamtwerk betrachtet ist The Killing of a Sacred Deer schon wieder unglaublich, vor allem der Score ist schlicht fantastisch. Allein die Eingangssequenz hat bei mir extreme Gänsehaut ausgelöst. Im weiteren Verlauf weiß die Musik genau die Akzente zu setzen, um das eigene Unbehagen ins Unermessliche steigen zu lassen. Auch schauspielerisch kann man nicht meckern, Farell und Kidman ohne Makel und vor einer derart unheimlichen Leistung wie die von Barry Keoghan kann man nur den Hut ziehen. Die Wertung fällt schwer, ich mache es mir mal einfach und sage fürs Erste:

-/10

Alpen

Wo wir schon bei ungemütlich sind. Die Story des dritten Films von Lanthimos ist so ungewöhnlich wie merkwürdig: eine kleine Gruppe von Leuten hat es sich unter dem Namen Alpen zur Aufgabe gemacht, trauernden Menschen zu helfen, indem sie die Rolle der verstorbenen Person einnehmen und quasi den normalen Alltag vor ein paar Stunden in der Woche wieder zum Leben erwecken. Was zunächst wie eine gute Idee klingt, entpuppt sich im Film zu einer wahnsinnig unangenehmen und sehr schmerzhaften Erfahrung… für den Zuschauer. Viele Szenen zwischen den Alpen-Leuten und den trauernden Personen sind derart holprig und unbeholfen, dass man sich im wörtlichen Sinne peinlich berührt fühlt. Und auch wenn es nur ein “Nebenjob” ist, gerade die Krankenschwester (im Film bleiben die Namen der Hauptakteure unbekannt) bekommt zunehmend Probleme, Arbeit und Privates zu trennen. Jene wird übrigens von Angeliki Papoulia gespielt, die schon in Dogtooth und The Lobster tolle Leistungen ablieferte. Alpen macht traurig. Hilflosigkeit ist angesagt, man leidet mit den Trauernden ebenso wie mit denen, die das Leid lindern wollen. Denn Jene ersticken selbst an ihrer eigenen Einsamkeit und können dieses Loch auch durch ihren Einsatz (übrigens gegen Geld) nicht füllen. 90 Minuten Beklemmung. Man ist irgendwie froh, wenn der Abspann läuft…

7/10


#195

Warum so drastisch? Und wieso ist der Film so eine Niete?


#196

Ganz einfach: Ich fand schon das Original fürchterlich. Da werde ich bestimmt keine wertvolle Lebenszeit mit dem noch schlechter bewerteten Remake vergeuden. Abgesehen davon hat mir auch der Trailer schon gereicht.


#197

Noch eine Empfehlung:

Und meine Kurzreview dazu:
https://ssl.ofdb.de/view.php?page=comment&fid=302552


#198

Creep 2

Der erste Teil hatte sich ja relativ schnell zu so einer Art gefeiertem Festival Indie-Hit gemausert. Ich fand ihn gut und Mark Duplass aka Josef spielt darin wirklich furchteinflößend gut.

Als ich vor ein paar Wochen den Inhalt zu Creep 2 gelesen hatte, musste ich mit dem Kopf schütteln. Und auch im Verlauf des Filmes runzelt man bei der ersten Begegnung der Bloggerin mit - jetzt - Aaron :wink: die Stirn. Der gibt sich nämlich ganz offen als Serienmörder zu erkennen. Die Bloggerin geht dennoch den Deal ein, ihn mit der Kamera zu begleiten und eine Nacht mit ihm in seinem abgelegen Waldhaus zu verbringen. Bitte was??? Welcher normal denkende Mensch würde sich auf sowas einlassen? Zwar gibt es eine Szene, in der die Bloggerin realisiert, dass sie wohl in einer Falle sitzt, ansonsten scheint sie sich aber gut mit der Situation abzufinden. Nun ja…

Aaron ist in Creep 2 noch unangenehmer und das ist vielleicht auch seine einzige Stärke. Denn mit der Story wurde ich nicht so ganz warm. Das Ende ist ganz dazu ausgelegt, dass es einen dritten Teil geben wird.


#199

Ein grundsätzlich toller Film mit ein paar massiven Problemen.


#200

mother!

Jawohl. mother ist sowas wie eine wunderbar positive Überraschung mit einer Erwartungshaltung, die in sämtliche Richtungen gegangen ist. Nachdem ich damals vom Hype geblendet Black Swan im Kino erlebt habe und nach dem Abspann ziemlich enttäuscht den Saal verließ, ärgere ich mich gerade ein wenig, mother nicht auf großer Leinwand gesehen zu haben. Aber seis drum, denn die Wucht, mit der Aronofsky den Zuschauer vor allem in der zweiten Hälfte geradezu gnadenlos an die nächstbeste Wand fährt, ist ohne Frage auch auf dem eigenen Sofa mehr als bemerkenswert. Dabei war vor allem die latente und unerwünschte Überbevölkerung ein Fakt, der mich durchgehend in eine extrem unbequeme Stimmung versetzt hat. Als sich der Wahnsinn dann am Ende endgültig seine Bahn bricht, steht man auch selber kurz vor dem finalen Overload. Man fühlt sich wie erschlagen und dennoch würde ich nicht behaupten, dass Aronofsky zu weit gegangen ist, vielmehr hat er meines Erachtens nach mit brutaler Konsequenz seine Geschichte zu Ende gesponnen, die gerade dank der mehr als reichhaltigen Interpreationsmöglichkeiten an Faszination kaum zu überbieten ist. Alle Achtung.

8,5-9/10

A Ghost Story

Es fällt mir schwer, hierfür Worte zu finden. A Ghost Story lässt einen einsam zurück. Allein, traurig, verlassen. Ein minimalistisches Meisterstück, so karg, so leer, so ruhig. Stille Verzweiflung, gehüllt in ein Laken. Die ersten 45 Minuten gehörten zum Ergreifensten, was ich seit ganz langer Zeit gesehen habe. Mir wurden nicht nur einmal die Augen wässrig. Allein wie er seine Frau berührt, als sie allein auf ihrem Bett liegt… wann hat es so geschmerzt, nichts tun zu können? Im zweiten Drittel ist mir der Film etwas entglitten, nur um mich am Ende wieder umso mehr abzuholen. Die finale Sequenz ist dann wie ein Stich ins Herz. Mehr will und kann ich nicht sagen. Man möchte A Ghost Story jedem ans Herz legen und bleibt am Ende doch stumm, unfähig, dass Gesehene adäquat in Sprache zu übersetzen. Vllt. trifft es ein Wort: Ergreifend.

9/10


#201

War für mich neben “Girl on a train” und “A Cure For Wellness” einer der ganz wenigen, wirklich sensationell genialen Filme im letzten Jahr. Wird nur noch von Aronofsky’s “Requiem For A Dream” übertroffen, der einen noch fertiger macht!


#202

Gleich zwei recht spektakuläre Genrefilme feierten in den letzten Monaten Premiere bei Netflix. Beide wurden von der Presse ziemlich verrissen. Einer davon zu Recht, wie ich finde.

Und dann war da noch dieser Superheldenblockbuster, der diesmal nicht nur die Welt, sondern auch gleich das schwarze Hollywood retten soll und (möglicherweise deshalb?) bei Kritik und Publikum wahre Begeisterungsstürme auslöste. Bei mir eher nicht so.


#203

The Shape of Water zieht handwerklich alle Register. Und wird daneben vom sehr guten Schauspiel aller Protagonisten getragen, vorne weg Sally Hawkins, die dafür - ich sagte es bereits - den Oscar einheimsen wird. Zeitlich spielt der Film in den 60 Jahren, als Schallplatten und Unterhaltungssendungen im Fernsehen (Bonanza) Einzug ins traute Heim halten. Dabei ist die Story gar nicht soo spektakulär und schnell erzählt. Frau verliebt sich in Unterwasserkreatur, die in einer geheimen Forschungseinrichtung gefangen gehalten wird. Eine Fantasy-Liebes-Mär würd ich sagen. Es ist die Umsetzung, die den Film so hervorhebt.

Etwas befremdlich fand ich allerdings die Tatsache, dass es offenbar niemand so wirklich eigenartig findet, dass eine junge Frau eine Liebesbeziehung mit einer unbekannten und seltsamen Unterwasserkreatur eingeht, bis hin zum Geschlechtsverkehr. Überhaupt wird in dem Film das Thema Sex nicht bloß angedeutet, sondern damit sehr freizügig umgegangen. Das hatte mich hier und da etwas gewundert.


#204

Ich wollte erst eine Review schreiben, vielleicht mach ich das auch noch, aber der Film hat mir die Lust darauf verleidet. Ich finde den Film unerträglich langweilig, da helfen auch nicht die großartige Kamera, die schönen Bilder, das innovative Setting und die teils zauberhafte Atmosphäre. Inhaltlich ist “The Shape of Water” so leer wie eine ausgelassene Badewanne, dabei vorhersehbar, unlogisch bis zum Boden des Atlantiks und repetitiv ohne Grenzen. Darüber können auch nicht die zu Anfangs noch an Meisterwerke von Gilliam oder Jeunet erinnernden Bilder 2 wirklich sehr lange Stunden über hinwegtäuschen. Ich fands entsetzlich. Del Toro und ich dürften wohl keine Freunde mehr werden. Ich fand seine FIlme bislang durch die Bank zu eindimensional und optisch maßlos übertrieben (oder zu laut - oh wie habe ich Hellboy damals auf dem FFF 2004 gehasst!), als wolle man damit über die Inhaltsleere hinwegzutäuschen versuchen. Es bringt mir nämlich nix, wenn ich in einen kunterbunten Bonbonladen gesteckt werde, wenn ich dann doch nur 2 Stunden lang immer die selbe grüne Sorte naschen darf. Dabei war ich 1993 von “Cronos” noch wirklich fasziniert, aber seitdem ist viel Wasser die Kommerzmühle heruntergelaufen.


#205

Das gilt aber hoffentlich nicht auch für “Devils Backbone”, Alexander? :open_mouth:


#206

Den habe ich (noch) nicht gesehen. Interessanterweise klingen ein paar der Reviews von 2002 (!) aber fast genau so, wie ich den neuen “Del Torro” empfunden habe :

“Die Story ist so vorhersehbar, dass keine wirkliche Spannung auftauchen kann. Krampfhaft versucht, sich wenigstens an den guten Bildern festzuhalten, rutscht der Film in Langweile und Enttäuschung.”

"Wer bis zum Schluss noch nicht eingeschlafen ist, bekommt noch ein einigermasen lässiges Ende zu sehen. Alles in allem aber zu wenig, die Optik reicht halt einfach nicht aus … "

Wenn ich also mal wieder Lust auf Kunst und einen ruhigen Film habe, werde ich mir den ansehen :wink:


#207

Gegen den allgemeinen Trend war ich nicht restlos begeistert von der neuen Netflix-Exklusivpremiere. Trotz großer Erwartungen doch nur eine minderwertige ARRIVAL-Variante mit deutlich geringerer Komplexität und weniger Stimulanz von Auge und Gehirn.


#208

Ich hatte in den letzten Tagen eher das Gefühl, der Trend sei, dass Annihilation ganz okay, aber nicht so großartig wie erwartet ist? Zumindest war ich bereits ein wenig ernüchtert von den vielen leicht enttäuschten Kommentaren, als ich ihn mir gestern angesehen habe. :wink: Aber dafür hat er mir dann doch ganz gut gefallen.

Gerade was die Optik angeht, war ich ziemlich beeindruckt, und finde, dass er alleine dafür einen Kinostart verdient hätte. Zwischendurch schwächelt er bei den CGi-Kreaturen etwas, aber im Großen und Ganzen war es für mich definitiv ein Erlebnis fürs Auge. Außerdem mochte ich die Schauspielerinnen.

Was das im Vorfeld angekündigte “fürs Hirn” angeht, sollte man allerdings nicht zu viel erwarten. Mir haben die ersten zwei Drittel sogar besser gefallen als das Ende, und das liegt nicht einmal an der experimentellen Umsetzung. Das Rätselraten und Erkunden der geheimnisvollen Landschaft fand ich sehr spannend, aber am Schluss verlor mich der Film ein wenig. Ähnlich sind zwar auch “Arrival” oder “Contact” aufgebaut, die am Ende ebenfalls sehr eigen werden, aber bei den beiden hat es für mich besser funktioniert.

Trotzdem hatte ich beim Abspann das Gefühl, einen ordentlichen Sci-Fi Film gesehen zu haben. Einen, dem es vielleicht besser getan hätte, an einigen Stellen weniger künstlerisch sein zu wollen - aber ich bin gespannt auf die Fortsetzungen.

7/10


#209

Doch, leider schon. Aber es reicht ja, wenn wir Freunde sind … :slight_smile:


#210

Schöner Nachtrag zu BRIGHT: