Aktuelle Genrefilme


#122

Die „Story“ von BABY DRIVER (wenn man sie so nennen will) ist ebenso simpel wie old school und kreuzt naheliegenderweise Motive ähnlich stilisierter Vorbilder wie Walter Hills THE DRIVER und NWRs DRIVE und die Figuren sind genau das – bekannte Figuren innerhalb ihres Genres (man könnte sie auch Klischees nennen). So ist BABY DRIVER auch mehr als Liebeserklärung an das Mini-Subgrenre des Getaway-Driver-Thrillers zu sehen denn als Actionfilm.

Was den Film dennoch eigenständig macht, ist sein Musikeinsatz: Edgar Wright inszeniert kein Heist Movie sondern einen Musikfilm. Die Art, wie Baby nicht nur seine Einsätze sondern auch seinen Alltag nach dem Rhythmus seiner (vornehmlich aus klassischen, jedoch wenig gespielten Soul- und Rocknummern bestehenden) Playlists choreographiert, verschafft dem Film anfangs eine schöne Leichtigkeit und Beschwingtheit. Da es Wright damit aber leider etwas übertreibt, schlägt das Gimmick gegen später in einen etwas nervigen Manierismus und aufgesetzte Coolness um. Ist das schon der Film oder ist das noch der Trailer? Auch die Action ist natürlich gut, aber nicht so gut, dass man nach dem Filmende noch die eine oder andere Verfolgungsjagd in Erinnerung hätte. Und so bleibt zwar der Eindruck von flotten, unterhaltsamen knapp zwei Stunden, aber von Edgar Wright darf man eigentlich etwas mehr erwarten.

Ein schönes muikalisches Making of (mit Spoilern) gibt es hier:

Den EMPIRE Spoiler Special Podcast mit Edgar Wright kann man sich hier herunterladen:
http://www.empireonline.com/movies/baby-driver/empire-podcast-baby-driver-spoiler-special-edgar-wright/


#123

Valerian and the City of a Thousand Planets

Von Valerian… könnte man locker 10 Teile herausbringen wenn man die unterschiedlichen Welten als Quelle für neue Stories nimmt. Ich fand ihn unterhaltsam, charmant, hübsch bunt mit ordentlichem Soundtrack von Desplat und Rihanna. Toller Showdown, der mir auch gut gefiel. Ich mag ja SCi-fi mit viel Fantasy Elementen. Dennoch war mir das teilweise zu überladen an Bildern und Eindrücken. Die 80er Jahre Pop Art Bilder sind bestimmt nicht jedermanns Sache…Klasse Intro zu David Bowie. Meine Lieblings Sequenz war Rihanna’s Tanz.


#124

Mike Flanagans besondere Gabe ist die Atmosphäre, die Ernsthaftigkeit und das Interesse für realistische Figuren, mit denen er auch altbekannte Genreplots und -motive immer wieder neu und spannend gestaltet: Der tragische Wiedergänger in ABSENTIA. Der verfluchte Spiegel in OCULUS. Das verzweifelte Katz-und-Maus-Spiel in HUSH.

Nun also der bereits dritte Film in 2016, BEFORE I WAKE, den der Regisseur als übernatürliches Drama eingeordnet haben möchte, was er im Kern natürlich auch ist – ein Drama über den Schmerz des Verlusts, wie es auch ABSENTIA war und auch der thematisch verwandte, wenn auch harmlosere BABADOOK. Was Flanagan nicht davon abhält, uns auch hier mit einigen eiskalten Schocks den Atem stocken zu lassen. Dafür bietet sich die Geschichte auch an: Der kleine Junge, dessen Träume Wunschvorstellungen ebenso wie Monster manifestieren, erinnert an das NIGHTMARE ON ELM STREET-Motiv und einige Szenen stehen den Jumpscares aus INSIDIOUS & Co. nicht nach, sind jedoch deutlich sparsamer dosiert und wirkungsvoller.

Ein paar Wermutstropfen gibt es (von Thomas Janes unglücklich gewählter Perücke mal abgesehen) dennoch: Zum einen ist der Film mit seinen leuchtenden CGI-Schmetterlingen bisweilen etwas kitschig geraten, zum anderen erinnert das ebenfalls computeranimierte und viel zu oft gezeigte Alptraummonster sehr an Jack Skellington aus A NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS. Doch am Ende ergibt auch das Monster einen ungewöhnlich stimmigen Sinn und der Film erhält einen runden und intelligenten Abschluss. Mit leuchtenden Schmetterlingen.

Wer sich für Flanagan interessiert, dem sei der Post Mortem Podcast mit Mick Garris ans Herz gelegt. Ohnehin eine eindrucksvolle Reihe mit aufschlussreichen Gesprächen unter Genregrößen wie Don Coscarelli, Stuart Gordon, Neill Marshall, Roger Corman, Walter Hill & Co.


#125

Auf Wunsch von Frank:
DUNKIRK
Optisch mitunter recht beeindruckend, wirkt der Film viel zu sauber und harmlos. Wenigstens etwas Blut, Dreck, Gewalt, Verderben - Fehlanzeige. Da Nolan völlig auf emotionale Bindung zu den Charakteren verzichtet und auch sonst die Ereignisse weitgehend frei von Emotionen erzählt, bleibt leider nicht mehr viel übrig, außer der eher peinliche Versuch einer Heldenschöpfung, die manchmal in solchen Filmen passend und verstärkend sein kann, hier aber isoliert ins Leere läuft und einfach draufgeklebt wirkt. Und leider verschwindet jegliches Feingefühl und Gespür für besondere Augenblicke sowieso unter Zimmers absolut nervtötenden Dauerbeschallung. Noch nicht mal beim Abspann ist einem Ruhe vergönnt. Gibt leider nicht viel Positives zu berichten außer der relativ kurzen Laufzeit und einiger ganz guter Einzelsequenzen (den Anfang im Städtchen fand ich z. B. gelungen) und Einstellungen.
4,5/10

Gibt aber auch viele positive Stimmen.


#126

Hier meine, positive Gegenstimme :wink:


#127

Das habe ich ganz ähnlich gesehen wie @bewitched240, hier aber bislang nicht gepostet, da eigentlich ja kein “Genrefilm”:


#128

Danke Euch dreien für die nachgereichten Eindrücke zu Dunkirk. Nun habe ich langsam trotz unterschiedlicher Sichtweisen zum Film eine ungefähre Ahnung wohin die Reise geht und weiß vor Allem das das heute garantiert nichts für mich ist. Ich kenne noch jemanden der ihn bereits zweimal gesehen und mit gut 9/10 Pkt. bewertet hat aber die hier angesprochenen Kritikpunkte sind genau die Punkte, die mich eh schon zweifeln ließen. Hans Zimmer’s Kompositionen finde ich einerseits herausragend und höre z.B. den INCEPTION Soundtrack häufig mal zwischendurch, doch waren mir sowohl INCEPTION als auch INTERSTELLAR z.B. teilweise zu “übervertont” und akustisch an der Nervgrenze. Die 70mm Vorführung im Savoy ist natürlich verlockend. Sehe gerade, es gibt nächste Woche noch drei Vorstellungen die zumindest zeitlich möglich wären…
Habe mir erst einmal (wieder) eine Karte für Blade Runner Final Cut geholt. Macht im Kino einfach richtig Spaß.


#129

Auch wenn ich von DUNKIRK enttäuscht war (was ja vor allem an meinen Erwartungen an Nolan liegt), ist es ein handwerklich teilweise hervorragend gemachter Film, den man sich auf Großleinwand ansehen sollte, wenn man das Kino liebt, allein der Bilder wegen. Bilder sind halt nicht alles. Ich fand auch INTERSTALLAR schon schlimm, allerdings storytechnisch. Hans Zimmer hat mit seinem INCEPTION Soundtrack ein Novum in Sachen Bombast geschaffen, der uns seitdem leider in jedem zweiten Blockbustertrailer um die Ohren gehauen wird. Im Honest Trailer zu INTERSTALLAR heißt es, der Soundtrack klinge, als sei Hans Zimmer auf seiner Orgel eingeschlafen ist, daran denke ich seither immer, wenn ich einen solchen Soundtrack von ihm höre.


#130

Hab DUNKIRK im IMAX gesehen und meine Meinung ist: Die bloße Existenz eines Scores zerstört die Wirkung, die dieser Film haben könnte, egal ob von Zimmer oder jemand anderem. Es ist unmöglich in den “Vibe” der Geschichte einzutauchen, man wird nonstop daran erinnert, es ist nur ein Film! Allerdings ist auch die (zumindest im IMAX) monströse Soundkulisse an einigen Stellen fehl am Platz, da sie in offensichtlich ruhigen Szenen fernab der Front weitergehen. Oder gehörte das zum Score? :open_mouth:

Handwerklich und bildlich auf jeden Fall ein beeindruckender Film, wenn mich auch das häufige Umschalten zwischen Vollbild und Cinemascope etwas gestört hat…

Lieber noch mal Leviathan hören & sehen. Okay, völlig anderes Thema aber da fühlte ich mich tatsächlich mittendrin. :wink:


#131

Erstaunlich wie unterschiedlich dieser Film offenbar wahrgenommen wird und wie viel Einigkeit über dessen visuelle Qualitäten bestehen.

Vielleicht hätte Nolan ihn aus der Sicht eines Soldaten erzählen sollen, dessen Trommelfelle durch Explosionen schwer geschädigt wurden um ihn ohne Score als beinahe Stummfilm zu präsentieren? :stuck_out_tongue_winking_eye:


#132

Nolan und der Soundtrack… Das scheint ein “running problem” zu sein, ich fand den Soundtrack bei Interstellar schon streckenweise unerträglich, was am meisten an der übertrieben lauten Vordergründigkeit lag. Dann war da noch der unverständliche Bane in TDKR - hat Nolan vielleicht was an den Ohren? Ich habe Dunkirk bisher nicht gesehen, weil er mich thematisch überhaupt nicht interessiert, aber die 70mm Vorführungen im Savoy reizen mich schon etwas, mal sehen, ob sich doch noch was ergibt…


#133

Noch ein netter Nachklang zum Thema Score (in Trailern). BWAAA!


#134

Treffend! :smiley: Und sie hatten sogar die traurig singende Frau dabei.


#135

Es ist schon ungewöhnlich, dass ein renommierter Genre-Auteur wie Mike Flanagan sich eines solch mittelprächtigen Horrorfranchise annimmt. Wenig ungewöhnlich dagegen ist, dass sein Prequel der bisher wohl mit Abstand gelungenste Teil der Reihe geworden ist.

Flanagan inszeniert die Vorgeschichte im originalgetreuen aber nie aufdringlichen Retro-Look inklusive original Universal-Logo, altmodischer title card und cigarette burns. Dabei schafft er es auch hier wieder, eine ganz genreuntypische emotionale Tiefe zu erzeugen und Charaktere zu entwickeln, mit denen man eine Verbundenheit spürt, so dass es einem eben nicht gleichgültig ist, wenn einer davon sterben muss. Vor allem aber gelingen ihm einige wirklich unheimliche Szenen. Zum Finale hin wird’s dann doch etwas zu sehr Geisterbahn, aber das ist wohl dem Franchise geschuldet.


#136

Heftige Fights, brachialer Soundtrack und Charlize Theron in Bestform. Warum sich für ATOMIC BLONDE trotz Til Schweiger, Nena und fehlender Raffinesse der Kinobesuch lohnt.

Und im Vergleich dazu die quälend unwitzige Billigaction, die so gerne ein Film von Shane Black wäre:


#137

Herr Kees, Sie sind für mich schon ein Wunder. Auf der einen Seite proklamieren und studieren Sie ultrakommerzielle Langweilerfilme wie “Atomic Blonde” und “Valerian” und so manche andere bescheuerte und ultrakommerzielle Superheldenfilme werden von Ihen ausgelobt, Filme die ich nicht mal mit der Beiszange anfassen, geschweige denn im Kino zahlkräftig konsumieren würde, auf der anderen Seite ziehen Sie großartige Indieperlen wie “Pet” in die Tiefe. Dabei möchte ich Ihnen die Ihnen gegebene Gabe , gute Reviews zu schreiben , nicht mal absprechen, denn die Filmbeschreibungen sind wirklich gut. Aber vielleicht überlegen Sie mal ob es neben Mainstream und gefällig mit von Effekt-heischenden, grob mainstreamlastigen Produzenten vermarkteten Filmen VIELLEICHT auch andere Kunst gibt die es hier zu beschreiben gibt.


#138

Ach nicht doch.

Geschmack ist eben Geschmackssache.

Danke.

Gibt es sicher. Steht ja auch jedem frei, dazu hier etwas zu schreiben. Ich reviewe hier eben die aktuellen Genrefilme, die ich gesehen und zu denen ich etwas zu sagen habe. Was meinst Du denn konkret mit “anderer Kunst”? Doch nicht so etwas wie PET? Den kann man ja wegen mir gerne gut finden aber “Kunst”?


#139

Danke das Du es mit Humor nimmst. Ich verfolge ja alle Deine Reviews und kratz mich manchmal am Kopf was Du an bestimmten Blockbustern so toll gefunden hast, aber wie gesagt (siehe Zitat)…


#140

Ich bin hier auch immer etwas zwiegespalten bei den Reviews von Herr Unterstrich Kees.
Aber ich lese sie wirklich gerne und Sie treffen meines Erachtens bei den Blockbustern auch meistens ins Schwarze, genauso wie ich mich auch gerne an den Reviews von Alexander orientiere, denn auch hier gibt es meistens meinerseits eine gewisse 80% Übereinstimmung!
Jeder Review egal welcher Stimmungslage ist immer besser als KEIN Review!
Also bitte weitermachen wie bisher.

Ich muss noch unbedingt meinen positiven Review zu der Authopsie von der süßen Jane Doe schreiben!
Ich kann Euch aber schon jetzt verraten, wenn Ihr es nicht schon selbst wisst, dass dieser Film definitiv ein Must See ist und auf allen Bereichen punktet, die wir Genre Junkies sehr gerne sehen wollen!


#141

Ganz dicke Genre-Empfehlung für den Kinobesuch vor, während oder nach des FFF: Darren Aronofskys mother! ist der absolute Irrsinn…egal ob man ihn nun liebt oder hasst (dazwischen geht definitiv nichts!).
Mit Sicherheit noch sehr lange Gesprächsstoff in den Filmforen…

Hier meine Kritik: