„Bugonia“, Yorgos Lanthimos’ „Save The Green Planet“-Adaption, läuft ja nun auch regulär in den bundesdeutschen Kinos. Hier mal eine subjektive Auswahl an lesens- und sehenswerten Kritiken, Texten, Videos und reviews dazu… mein eigener Text ist ja nun auch schon wieder über einen Monat her (und der Text zu Ducournau’s „Alpha“ immer noch nicht fertig… Seufz!)
Dunja Bialas analysiert auf artechock überaus lesenswert Lanthimos’ Bildsprache und seine filmischen Motive, während Rüdiger Suchsland indes reichlich ernüchtert beklagt, dass die „Lanthimos-Stone“-formula nunmehr ihr endgültiges Verfallsdatum erreicht, wenn nicht sogar längst schon überschritten habe.
Michael Kienzl’s Text zum Film hat wohl von allen Kritiken die unschlagbar beste Überschrift, während der Autor in seinem „Perlentaucher“-review Lanthimos attestiert, dass dessen „kunstsinnige Eitelkeit“ dem Stoff nicht guttue, und letzten Endes so gut wie alles Leben aus den Bildern saugen würde (war das jetzt schon story-bezogener Spoiler, oder am Ende unbeabsichtigter coincidence?). Egal, Plemmons’ und Stones exzeptionelle schauspielerische Leistungen würden den Film letztlich vor sich selbst retten. Es ist ein bisschen sehr seltsam, wie das Ende (allzu) oft bloß als blanker Zynismus interpretiert wird. Was vermutlich von Lanthimos so intendiert war, ich selbst aber anders verstehe.
An Luca Mattys’ Besprechung des Streifens auf „Filmtoast“ ist vor Allem der letzte Absatz des Textes interessant, in welchem er noch einmal besonders auf das Ende des Films eingeht, und recht denkwürdige Dinge darüber zu sagen hat - während viele andere von mir gelesene Kritiken den Film scheinbar entweder partout nicht verstehen wollen, oder sich die Autor:innen ausserordentliche Mühe geben, ihn absichtlich misszuverstehen, und vermittels vorgefertigtem Schablonen-Denken in Bausch und Bogen zu verdammen.
Mark Kermode meint auf youtube, dass es in „Bugonia“ Szenen gäbe, die ausschauen, als könnten sie Eins zu Eins aus einem versifft-schmierigen Slasherfilm stammen - „Eine Frau wird von zwei mörderischen incels entführt, in deren Keller angekettet und gefangen gehalten, ihr wird der Kopf rasiert, und sie wird grausam gefoltert“ - Kommt dann letzten Endes aber dennoch zu der Ansicht, dass er den Streifen irgendwie wohl doch mag.
Argentos „Dracula“-Variation kenne ich gar nicht… habe aber, wo ich mir jetzt mal eben innert 2,3 Minuten einige Fotos angesehen, und diverse reviews überflogen habe, auch gar keine große Lust, an diesem Umstand etwas ändern zu wollen. Mei, sieht Thomas Kretschmann als Vampirfürst bescheuert aus. Und Asia Argento mochte ich ja in „La sindrome di Stendhal“ ganz gerne, aber dass die im Leben und sich daran anschliessenden Untotsein niemals nicht die chops hat, eine so komplexe und vielschichtige weibliche (Mit-)Hauptrolle wie die der Lucy glaubhaft und überzeugend darzustellen, dürfte ja wohl klar sein. Dazu noch Rutger Hauer (R.I.P.), dem zu jenem Zeitpunkt vermutlich auch schon Alles egal war - Nee, lass’ ma’ lieber. Davon ist, wie’s scheint, schon ganz Anderen der Schädel zum Platzen gebracht worden.
Oder ist das am Ende gar ein „Dracula VS. Scanners“-movie franchise crossover mashup?
Bestes Zitat aus der Kritik zum Film auf filmstarts:
„Wie grobschlächtige Hooligans hüpfen der einst so souveräne Nachtfürst und seine Gefährten aus der Finsternis und erschrecken dabei alles, was ihnen im nächtlichen Unterholz Osteuropas in die Quere kommt – ganz sicher aber nicht ihr Kinopublikum.“
Wird zwar ein bisschen off topic, da nicht mehr „aktuell“, aber ich habe gerade mal meine Review von vor 5 Jahren revisited und zitiere mich passend selbst:
„Als Thomas Kretschmann als der Herr Graf zum ersten Mal fauchend die Zähne fletschte, musste ich laut loslachen. Da hat mir Graf Zahl früher deutlich mehr Angst eingejagt.“
„Rutger Hauer tut als Dr. Van Helsing das Bestmögliche und taucht erst zum dritten Akt auf, läuft dann ein wenig mit seinem Arztköfferchen umher wie Spinal Tap auf der Suche nach dem Bühneneingang, bevor er noch ein paar seiner Holzpflöckchen verteilt.“
Zurück zum Thema: Ich hatte letzte Woche auch schon das „Vergnügen“, BUGONIA zu sehen. Das Original hatte ich tatsächlich seit dem FFF 2004 nicht mehr gesichtet, weshalb ich das gleich in derselben Nacht nochmal nachgeholt habe. Im Vergleich muss man sagen, dass Lanthimos den Stoff nicht nur aktualisiert, sondern auch auf ein deutlich höheres Niveau gehoben hat, was natürlich auch den drei Schauspielern zu verdanken ist. Obwohl BUGONIA stilistisch wirklich sehr viel anders geworden ist als SAVE…!, war ich erstaunt, wie „werkgetreu“ die Neuverfilmung doch inhaltlich ist. Lediglich die Rolle der Polizei wurde für das Remake – mit Gewinn – verändert.
BUGONIA
SAVE THE GREEN PLANET
Edit: Gute Gegenüberstellung der beiden Versionen mit massiven Spoilern für beide.
Und noch ein Double Feature. Ich gebe zu, dass ich mit dem Predator nie so richtig viel anfangen konnte – im Grunde wie die Macher der Fortsetzungen und Rebootversuche. Ich habe aber auch die Arnie-Filme der 80er nie besonders abgefeiert. Dan Trachtenbergs PREY war daher für mich eine echte Überraschung und ich finde es heute noch schade, dass ich den Film damals „nur“ auf Heimkinoleinwand genießen konnte. Um so gespannter war ich auf den nächsten Teil der Saga, der ja nun wieder ganz anders werden sollte als PREY. Der Trailer sah schon mal noch großem SciFi-Spaß aus und der Film liefert genau das. Als Companion Piece empfiehlt sich dazu die Animationsanthologie, die bereits seit einer Weile auf Disney+ zur Verfügung steht.
PREDATOR – KILLER OF KILLERS
Der Animationsfilm KILLER OF KILLERS ist bestimmt kein „must“, aber für alle „echten“ Predatorfans sowie für alle Freunde spektakulärer und brutaler SciFi-Animation à la LOVE, DEATH & ROBOTS (Netflix) und SECRET LEVEL (amazon) absolut sehenswert.
PREDATOR – BADLANDS
Predator-Hardcorefans aufgepasst: Dieser Film wird Euch ziemlich sicher nicht gefallen, ja, es könnte sogar sein, dass Ihr ihn aus tiefstem Herzen hassen werdet. Die gute Nachricht für aufgeschlossene Kinogänger: BADLANDS ist eine echte Wucht und bringt das Predator-Franchise auf Augenhöhe mit dem Mandalorian und den Marvelfilmen von James Gunn. Space-Metzelei für die ganze Familie!
Und das sagt Wolle M. Schmitt (der eingangs gleich mal die Vorlage „Save The Green Planet“ als „Trash-Wirrwar, das man kaum im Kopfe aushält“ abkanzelt - ansonsten sehr gutes review):
Für alle möglicherweise noch daran Interessierten und / oder es noch nicht gelesen Habenden hier nochmal der Link zu meinem „Bugonia“-review (<— Link / Klick’ mich!) von Anfang Oktober… in dem ich über weite Strecken auch d’accord mit @Herr_Kees gehe, Zitate:
" Im mittleren Teil des Films, wenn sich die Beiden zunehmend mehr und mehr in scharfzüngig-pointierte Rede-Duelle verwickeln, und einem word battle von widerstreitend-gegensätzlichen world views und ideas on and about the meaning of (human) life and a meaningful existence hingeben, gewinnt „Bugonia“ nochmal so richtig an drive, und nimmt nicht nur in Sachen Dialoge ordentlich Fahrt auf […]. Wobei ebendieser ätzend-spöttische Kommentar auf den vorherrschenden Zeitgeist und die soziokulturellen Verwerfungen der jüngeren Zeit schon von Beginn an in die dramaturgische DNA des Streifens eingearbeitet sind."
"„When will they ever learn?“
Wir Alle kennen die schmerzliche Antwort auf diese Frage nur allzu gut.
Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet derjenige Film von Yorgos Lanthimos, welcher vom Ende der Menschheit erzählt, zugleich auch sein wohl zutiefst humanster Film ist."
…in anderen kleineren Details dennoch aber auch anderer Meinung bin, abermals Zitat:
" Die Nebenrollen können da nicht ganz mithalten. Zumal Aidan Delbis als geistig zurückgebliebener, minderbemittelter Kidnapper-side kick Don wohl auch eine der wirklich auffälligen Schwächen in Sachen Veränderungen am Original darstellt. Und nicht viel mehr zu tun hat, als ab und an als gutmütig-schwachsinniger Stichwortgeber für Plemons’ Teddy zu dienen. Da hatte mir im 2003er-Koreaner die Figur von Byeong-gus empathisch-liebevoller girlfriend Su-ni doch bedeutend besser gefallen, und war vor Allem auch viel stärker konturiert, und wies erheblich mehr Eigenleben auf als dieser doch eher schwach geschriebene delusional retarded fool (disclaimer : Ich habe den Film seit bestimmt über einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen, und es mag sein, dass mir meine (kaum noch wirklich präsente) Erinnerung da auch einen Streich spielen mag). Auch Stavros Halkias als päderastischer adipös-dusseliger County Sheriff und Alicia Silverstone in der Rolle von Teddys schwerkranker und ans Bett gefesselter pflegebedürftiger Mutter wirken ein wenig verschenkt. Macht aber weiter auch nichts, weil sich ohnehin der Großteil der Handlung und Laufzeit auf Plemons und Stone konzentrieren."
Predator Badlands war besser als ich dachte. Ein Abenteuerfilm mit lauter coolen Creature Einfällen und Action Setpieces. Die eine Szene ist aus Aliens übernommen. Sie haben es hinbekommen dass der Film trotz der Baby Kreatur nicht kindisch wirkt, im Gegensatz zu vielen anderen Filmen.
Wohl wegen Arm abhacken ab 16, wobei das ja nicht hart rüberkommt bei grünem Blut bzw. Metall.
Auf dem Italian Filmfest nachgeholt. Ja, es gab gute Action bzw. Kämpfe, vor allem der im Laden gegen die ganze Horde, also nach dem Einsatz der CD’s, Fische und dem Blumenstrauß. Es waren auch zwei Filme in einem, Asia Action und Italo Gangsterfilm. Das zweite ist einfach nicht mein Fall, obwohl ich ihn ganz gut weggucken konnte, paar mal hab ich auf dem Handy gesurft. Er war halt auch echt zu lang. Nach dem ersten Ende kam noch ein zweites Ende was sich gezogen hat, da hat der Film einen weiteren Punkt bei mir verloren. Im Grunde war er doch relativ simpel gestrickt.
Aber so ist das, ich hab auf Facebook einen Typen gesehen der mehrere komplett unterschiedliche Filme gesehen und gut gefunden hat. Das kann ich nicht, ich bin kein Allesgucker, sondern mag nur Genre. Ich frage mich immer warum man solche Mischfilme macht, wer ist die Zielgruppe, ich denke mal eben solche Allesgucker wie er. Statt sich zwei Filme anzuschauen guckt man eben nur einen und kriegt trotzdem beides oder sogar noch mehr. Dabei meine ich nicht sowas wie Fantasy Horror oder Sci Fi Action sondern konträre oder verschiedene Genres. Gibt ja auch Zombie Romanzen.
THE RUNNING MAN basiert zwar auf einer Vorlage von Stephen „Richard Bachman“ King, war aber bereits bei seiner Erstverfilmung 1987 in eine Plagiatsklage verwickelt. Sowohl das deutsche MILLIONENSPIEL von 1970 als auch der französische Film LE PRIX DU DANGER (KOPFJAGD – PREIS DER ANGST) von 1983 waren offizielle Verfilmungen der Kurzgeschichte „The Prize of Peril“ (1958) von Robert Sheckley. Sheckley hatte damit seine eigene Kurzgeschichte „Seventh Victim“ von 1953 variiert (verfilmt wiederum 1965 als THE TENTH VICTIM mit Ursula Andress und Marcello Mastrioanni). In beiden Stories geht es um eine öffentliche kathartische Menschenjagd nach dem Brot und Spiele-Prinzip. Man darf King unterstellen, die Sheckley-Geschichten vor dem Schreiben seines Romans gekannt zu haben. Wer sich für die Vorlagen interessiert, kann sich die beiden Stories hier anhören:
Und dann hauen die Verleiher innerhalb weniger Tage auch noch die neuen Werke von Lynn Ramsey, Ari Aster und Jalmari Helander raus:
DIE MY LOVE
EDDINGTON
SISU: ROAD TO REVENGE
Darüber hinaus gibt es dieses Jahr noch den zweiten Osgood Perkins KEEPER, und, nun ja, für uns Vielgucker auch noch den neuen AVATAR. Unabhängig von der Qualität der Filme, die ja jeder ohnehin unterschiedlich bewertet, finde ich das ein Hammerjahr!