Aktuelle Genrefilme

Den hätte ich mir auf den White Nights gewünscht, jetzt kommt er regulär ins Kino. Herr Dewi ist sehr angetan:

„Was COLD STORAGE von dem ganzen Monster-Müll abhebt, der auf dem Fantasy Filmfest gerne den Mitternachts-Programmplatz belegt, ist die schiere Geschwindigkeit: der Film wirkt, als habe man eine dreiteilige Miniserie um jede überflüssige Dialogzeile und jede Füllszene bereinigt, bis nur noch das „best of“ übrig war. Action, Gags, Action, Action, Gags, Action, Action, Action. Ein Sprinter mit Bestzeit. Goldmedaille.“

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„No Other Choice“

Was Du nicht willst das man Dir tut, das mache andern – das tut gut!

Regisseur Park Chan-wook wird sich mit diesem Film nicht nur Freunde machen. Denn es gelingt ihm auf eine vollkommen schamlose Art und Weise, die papierdünne Fassade all jener armen Teufel einzureissen die sich in ihrem Leben fast ausschließlich über ihren Job definiert haben und diesen schließlich trotzdem verlieren.

Das dürfte vor allem in einem Land wie Korea nicht unbedingt auf sehr viel Gegenliebe stoßen. Zu gemein, zu peinlich und zu schmerzhaft sind nämlich die Szenen von in Selbstmitleid zerfließenden Ex-Managern, die mitunter mit ihrem Gejammer ihre Ehefrauen langsam in den Wahnsinn zu treiben scheinen.

Eigentlich kein schönes Thema und auch bei uns leider hochaktuell. Aber es gelingt Park Chan-wook, daraus fast so etwas wie eine Tragikomödie zu machen. „No Other Choice“ ist eine einzige Reseptlosigkeit, und genau das macht ihn so grandios. Eine Respektlosigkeit vor Kultur, Ehre, Tradition der Wahrung des Scheins und des Gesichts, vor allem, aber auch vor einer sich manifestierten, hierarchischen und in alten Traditonen verankerten Denkweise. Dabei ist der Film gleichzeitig eine ernst zu nehmende Kritik an der modernen Arbeitswelt.

Die Feinzeichnungen der reich an Zahl vorhandenen und superb herausgearbeiteten Charaktere, die mit subtilem Witz nahezu überquellenden Dialoge, die grotesken Ideen und aberwitzigen Situationen, in die unser Antiheld, Man-su, gerät, all dies lässt dem Filmfreund, die auf den ersten Blick recht lang scheinenden 2 ½ Stunden, wie durch Zauberhand blitzschnell verstreichen. Diese pechschwarze Komödie hätte für mich keine Minute kürzer sein dürfen, und ich hätte dem bunten Treiben sogar gerne noch länger zugesehen.

Dazu kommen die mit liebevollen Details und einer glücklichen Hand für stimmige Atmosphäre und dem Plot zuträglichen, perfekt in Szene gesetzten Bilder, in denen man förmlich schwelgen kann - sofern man nicht ständig auf die Untertitel schauen müsste –tolle Bilder, die auch Spaß machen, wenn die Augen gezwungen sind, permanent zwischen opulenten Settings und glücklicherweise nicht ZU schnellen Dialogzeilen hin- und herspringen. Aus manchen Einstellungen tropft förmlich die Liebe und Verehrung Park Chan-wook‘s zu Alfred Hitchcock heraus.

Ganz bestimmt nicht der böse, harte Thriller, den man aus der Geschichte hätte machen können, dafür aber endlich mal eine schwarze „Komödie“, die nicht in Klamauk absäuft, sich dafür aber irgendwie „oldschool“ anfühlt. Ein Film, wie für mich gemacht.

9 Punkte

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Oha, echt jetzt? Wtf? Dann schraub ich meine Erwartungen wieder a bissl höher :slight_smile:
Jessas, 2-3 Reviews zu einem Film und ebenso viele unterschiedliche Meinungen.
Ihr machts einem auch nicht leicht…also doch zeitnah im Kino mitnehmen. Danke!

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Da im März die Oscars verliehen werden, habe ich im Februar ein paar der Filme nachgeholt, die für den besten fremdsprachigen Film nominiert sind und die mir fast alle besser gefallen haben als der m. E. ziemlich überschätzte SENTIMENTAL VALUE (interessant hier übrigens ein Vergleich zu dem sehr ähnlich gelagerten und in meinen Augen deutlich überlegenen JAY KELLY auf Netflix). Meine Stimme bekäme jedenfalls immer noch SIRÂT, da IN DIE SONNE SCHAUEN ja nun leider nicht nominiert wurde. Als Bonus und weil er so schön in meinen Politmonat gepasst hat, gibt’s auch noch eine Review zum etwas untergegangenen ANNIVERSARY.

THE SECRET AGENT

IT WAS JUST AN ACCIDENT

THE VOICE OF HIND RAJAB

ANNIVERSARY

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Anniversary hat mich extrem abgeholt. Das ist kein innovatives Script aber die Umsetzung erinnerte mich an eine überlange Folge von Black Mirror (im positiven Sinne). Voice of Rind Hajab war tendenziell manipulativ, aber ging mir trotzdem sehr nahe.

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Bruce Campbell via Facebook (as usual, click directly (and twice) on the picture to enlarge):

:worried:

Auch an dieser Stelle, und von mir, Gute Besserung und die besten Wünsche!

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Danke @gregor und @die_Lachsschaumspeise für Eure Gedanken zu ALPHA.

Da ich komplett den Überblick verloren habe: Hattest Du dazu inzwischen noch was Längeres geschrieben? Ich konnte den Film nämlich gerade in der Preview sehen und wäre gespannt auf mehr Input und Austausch.

Ich muss zugeben, dass ich anfangs etwas gelangweilt war, obwohl ich meine Erwartungen nach den eher verhaltenen Stimmen deutlich runtergeschraubt hatte. Dann wurde aus Langeweile Verwirrung und dann Faszination. Gegen Ende stellten sich bei mir sogar MULHOLLAND DRIVE Vibes ein.

Ich habe es ähnlich empfunden wie Ihr, dass der Bruder wohl schon lange tot war, sich jetzt aber wieder in Alphas Leben manifestierte, möglicherweise aufgrund der traumatischen Situation mit der potenziellen Infektion. Es gibt ja eine Sequenz, in der beide sich nachts quasi im Einklang in ihren Betten wälzen, als würden sie Synchronschmerzen erleiden.

Ich sehe die Poe-Rezitation des Englischlehrers als einen Schlüssel zur Interpretation der seltsamen Seuche – ein Traum in einem Traum. Für mich sind diese apokalyptischen Teile des Films Allegorien und Angsprojektionen. Aber das ist jetzt erst mal nur mein spontaner Eindruck, Review folgt, morgen aber erst mal Hochzeit, THE BRIDE! ruft,

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Näh, noch nicht - der damalige review-Text wurde zwar angefangen, harrt aber immer noch als Buchstaben-Ruine seiner Verwirklichung. Nach all der Zeit würde ich den Streifen eigentlich vor der endgültigen Fertigstellung auch gerne nochmal sehen. Bei mir selbst isses aber leider so, dass sich trotz ursprünglicher Begeisterung direkt während / nach der Sichtung dann doch relativ bald Ernüchterung einstellte, und ich - trotz der Tatsache, dass Ducournau hier teilweise so ergreifend und empatisch inszeniert, wie bislang noch nicht - den Film als Ganzen dann leider doch eher als missglückt empfinde, weil er für mein Empfinden stellenweise einfach zu verquast erzählt ist, und das Narrativ IMHO auch vollkommen überfrachtet ist, was der Story und vor Allem auch dem beabsichtigen impact meiner Meinung nach nicht gut tut. Zudem hat die junge Hauptdarstellerin Mélissa Boros für mich auch nicht so ganz die chops, um das zentnerschwere Gewicht der Geschichte über die ganze Länge des Films zu tragen, bzw. ist gerade auch der part ihrer Figur leider doch auch eher undankbar geschrieben. Tahar Rahim und Golshifteh Farahani spielen aber beide absolut grandios. Wie schon gesagt, für mich liegen die grössten Probleme des Film im script begründet, und dass Ducornau für meinen Geschack hier eindeutig zu viel wollte, und den Film mit way too much Diskursen voll gestellt hat. Was ihm zumindest für mich dann leider einen Gutteil seiner emotionalen Wucht genommen hat. Dennoch, auch hier gilt wieder: Mag ich den Film gerade auch in seinem Scheitern sehr, und liegt er mir weitaus mehr am Herzen, als alle durchkalkuliert glatt-gefälligen Independent-Dramen der Welt. Nur von einer Julia Ducournau hatte ich da doch schon ein bisschen mehr erwartet, das war - gerade auch in the long run - bedauerlicher Weise dann doch eher underwhelming, und für mich leider doch eine ziemliche Enttäuschung, aller auch hier wieder vorhandenen Inszenierungskunst und abgedreht-poetischen Metaphern-Haftigkeit zum Trotz.

Gut, so weit erstmal. Aber witzig, ich hatte gerade gestern noch an den Film gedacht, und seinen Kino-Start-Termin nachgeschlagen. Wird dann wohl endlich auch mal Zeit, meine Aufzeichnungen von dem Ducournau-Q&A zu „Alpha“, sowie zum FilmFest-Werkstatt-talk aufzubereiten, und hier einzustellen. Das Alles aber später, muss nun erstmal zur Arbeit, und von da aus gleich gen HH, zur Zweitsichtung von „The Chronology Of Water“, und dann noch 'nen anderen Film im Kino sehen (ich weiss, ich mach’s in letzter Zeit immer unnötig spannend, aber glaubt mir einfach, wenn ich hier schreibe, dass das aber auch seine Gründe hat… :wink: ).

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