„No Other Choice“
Was Du nicht willst das man Dir tut, das mache andern – das tut gut!
Regisseur Park Chan-wook wird sich mit diesem Film nicht nur Freunde machen. Denn es gelingt ihm auf eine vollkommen schamlose Art und Weise, die papierdünne Fassade all jener armen Teufel einzureissen die sich in ihrem Leben fast ausschließlich über ihren Job definiert haben und diesen schließlich trotzdem verlieren.
Das dürfte vor allem in einem Land wie Korea nicht unbedingt auf sehr viel Gegenliebe stoßen. Zu gemein, zu peinlich und zu schmerzhaft sind nämlich die Szenen von in Selbstmitleid zerfließenden Ex-Managern, die mitunter mit ihrem Gejammer ihre Ehefrauen langsam in den Wahnsinn zu treiben scheinen.
Eigentlich kein schönes Thema und auch bei uns leider hochaktuell. Aber es gelingt Park Chan-wook, daraus fast so etwas wie eine Tragikomödie zu machen. „No Other Choice“ ist eine einzige Reseptlosigkeit, und genau das macht ihn so grandios. Eine Respektlosigkeit vor Kultur, Ehre, Tradition der Wahrung des Scheins und des Gesichts, vor allem, aber auch vor einer sich manifestierten, hierarchischen und in alten Traditonen verankerten Denkweise. Dabei ist der Film gleichzeitig eine ernst zu nehmende Kritik an der modernen Arbeitswelt.
Die Feinzeichnungen der reich an Zahl vorhandenen und superb herausgearbeiteten Charaktere, die mit subtilem Witz nahezu überquellenden Dialoge, die grotesken Ideen und aberwitzigen Situationen, in die unser Antiheld, Man-su, gerät, all dies lässt dem Filmfreund, die auf den ersten Blick recht lang scheinenden 2 ½ Stunden, wie durch Zauberhand blitzschnell verstreichen. Diese pechschwarze Komödie hätte für mich keine Minute kürzer sein dürfen, und ich hätte dem bunten Treiben sogar gerne noch länger zugesehen.
Dazu kommen die mit liebevollen Details und einer glücklichen Hand für stimmige Atmosphäre und dem Plot zuträglichen, perfekt in Szene gesetzten Bilder, in denen man förmlich schwelgen kann - sofern man nicht ständig auf die Untertitel schauen müsste –tolle Bilder, die auch Spaß machen, wenn die Augen gezwungen sind, permanent zwischen opulenten Settings und glücklicherweise nicht ZU schnellen Dialogzeilen hin- und herspringen. Aus manchen Einstellungen tropft förmlich die Liebe und Verehrung Park Chan-wook‘s zu Alfred Hitchcock heraus.
Ganz bestimmt nicht der böse, harte Thriller, den man aus der Geschichte hätte machen können, dafür aber endlich mal eine schwarze „Komödie“, die nicht in Klamauk absäuft, sich dafür aber irgendwie „oldschool“ anfühlt. Ein Film, wie für mich gemacht.
9 Punkte