Das böse Kino

ganz inoffiziell melde ich mich mit meinen persönlichen Eindrücken (und ein paar Informationen) kinoseitig zu Wort.

Ich kenne das Frankfurter FFF schon seit vielen Jahren, früher im Turmpalast (UFA) und nun im METROPOLIS (CineStar).

Es hat sich mit Sicherheit einiges in den letzten Jahren verändert - und anderes nicht.

Die Eintrittspreise - über die wurde irgendwie schon immer geschimpft. Ich finde sie auch im Verhältnis zu den normalen Kinopreisen unter der Woche rel. hoch. Aber da ich selbst einmal bei einem Videolabel & Filmverleih gearbeitet habe kenne ich auch die Kosten, die mit der Planung, der Verschiffung/Spedition, Werbung,… verbunden sind. Da muß man sagen, dass das FFF immer noch recht moderate Preise hat. Denn irgendwie rechnen muß es sich halt auch.

Das Filmangebot/Programm ist kaum beeinflußbar. Es werden halt die Filme gezeigt, die es gibt und die man bekommt. Natürlich werden auch kleine und schwächere Filme gezeigt, die nur den Geschmack von wenigen treffen. Aber gerade deshalb geht man doch auf ein Festival um auch Filme zu sehen, die es nicht ins Kino und nur schwer auf DVD schaffen werden. Hier fand ich das Programm dieses Jahr recht abwechslungsreich. Mit vielen Filmen, die ich mir gerne angeschaut hätte (wenn ich nicht hätte arbeiten müssen). Aber wenig RICHTIGEN BRINGERN. So sah es auch von den Besucherzahlen aus. Kaum Filme die richtig gut besucht waren. Aber auch fast keinen Film, der ganz schlecht besucht war. - Es war halt für jeden was dabei.

Deko: Ja, es stimmt. die Kinos sind selbst für die Deko verantwortlich. d.h. neben der Miete bekommen sie auch kein Geld dafür. Ja, ich kenne die Deko aus dem Turmpalast von früher - die ist über Jahre gewachsen. Ein Multiplex lässt sich auch nicht wirklich einfach ohne Budget ‘umdekorieren’. Vieles, was im Turmpalast selbstverständlich war geht leider(!) in einem Multiplex nicht so einfach, weil der Brandschutz, der Architekt oder die aufgeregte Mutter des 6 jährigen, der die Simpsons schauen will etwas dagegen haben. - Dennoch werde ich mich - sofern ich noch da bin - persönlich dafür einsetzen, dass wieder was neues dazu kommt und es doch noch ein bissl gemütlicher wird.

Die Popcorntheken und ihre Preise: Ich weiß, wie teuer eine Kinowoche sein kann, wenn man sich nur im Kino ernährt. Aber ich seh es auch so: Jeder hat ein ganz persönliches Festivalbudget. Für die Verpflegung wird dann soundsoviel eingeplant. Dieses Geld reicht, wenn man beim Rewe um die Ecke das nötigste einkauft, im Kino dann mal ein Bierchen oder NicNacs kauft und sich zwischendurch mal im Alex in die Sonne setzt und nen Kaffee schlürft. Ich kann 1/4 Jahr lang versuchen Sonderpreise für eine Woche Festival in unserer Zentrale durchzuboxen. Da schag ich nach langem hin und her noch 10% raus. Aber damit ist das Budget des FFFlers noch nicht gewachsen. Ende des Monats darf ich mir wieder anhören müssen, dass der Pro-Kopf-Umsatz so extrem nach unten gegangen ist und ich muß sagen’wir hatten ein Festival - x% unserer Besucher dadurch x% weniger Umsatz’ hm… und anstatt, dass wie beim Restjahr darauf achten lasse, dass keine externen Getränke und Snacks mit ins Kino genommen werden, bekommen die Einlasser eine Memo: '… drücken wir aber natürlich ein Auge zu…'
Und das, wo jeder Kinoschaffende mittlerweile weiß, dass die Kinos von der Kinokarte nicht leben können. Mit dem Preis einer Karte kann man im Schnitt nichteinmal die Kosten für Miete und Strom decken. Überleben tun die ‘nichtgeförderten’ Kinos nur durch die Popcorntheke.

Aber auch hier haben sowohl die Rosebuds als auch ich einige Ideen für die Zukunft. Helft uns, dass das nicht vom Alltagsschaum weggewaschen wird. Nur jammern hilft nix - Ideen, Gegenideen und Kompromisse bringen uns bestimmt weiter.

Auf die nächsten Festivals wird man sich bestimmt auch wieder freuen dürfen.

der Mischa

Da ich auch aus Frankfurt komme möchte ich mal ein gutes Wort für das Cinestar einlegen… Ich bin sehr zufrieden mit dem Kino :slight_smile: Es war bisher beim FFF nie ein Problem, eigene Getränke und was zu essen im Rucksack mit zu nehmen, denn als Dauergast kann man sich nicht alles immer im Kino kaufen. Die beiden Säle sind super, die Deko gefällt mir und natürlich die großen Kommentarwände.
Ich habe noch die letzten FFFs im Turm mitbekommen, und sie haben mir dort nicht so gut gefallen. Ich erinnere mich nämlich vor allem an enges Gedränge vor dem Einlass, fehlende Klimaanlagen und damit verbundene Kreislaufprobleme. :wink:

Was die Kartenpreise angeht: Für mich lohnt sich die Dauerkarte, allerdings auch nur, weil ich sehr zentral wohne. Ein 10-Karten Rabatt oder ähnliches wäre wirklich eine nette Ergänzung. Die Preise für die Einzelkarten finde ich mit 8 Euro noch okay, aber teurer werden sollten sie nicht.

Das böse alles… : -> hier FFM

Eigentlich wollte ich mich schon die ganze Zeit mal zum allgemeinen Genörgel über Preise, Kinos, Rosebud, usw. melden, da ist dieser Thread doch gerade richtig.

Da ich schon seit Harmoniezeiten dabei bin, kenne ich die gesamte Entwicklung. Die Vergangenheit wird ja gerne verklärt, ganz nach dem Valentinmotto “Früher war auch die Zukunft besser”.

Preise:
Ich denke das ganze ist dem Aufwand entsprechend angemessen, von dem Einnahmen werden die Rosebuds bestimmt nicht mehrfach in die Südsee fliegen können. Für die Einzeltickets ist allerdings das Limit erreicht.
Deko:
Im Turm war das ganze doch nicht viel anders, besser waren eigentlich nur die ganz langen Kommentarplakate. In diesem Jahr hat mir die Deko übrigens ziemlich gut gefallen. In der Galerie (hier auf der Seite) sind ein paar Bilder dazu. Das eine oder andere werde ich noch hochladen.
Filmauswahl:
In den letzten Jahren ist trotz viel grösseren Angebot, die Qualität gestiegen. Die Anzahl der absoluten Gurken ist viel kleiner geworden, obwohl die Filmanzahl gestiegen ist. Von den Filmen hätte man früher 3 FFF bestücken können.

Die kleine Crew für das grosse Metropolis hat die Sache wieder super hingekriegt. Sehr freundlich, sehr entspannt. Danke dafür.

Wirklich nett wäre eine kleine Abschlussfeier am Schluss des Festivals. Die letzten Jahre verläuft sich das ganze meist völlig unkoordiniert.
Mal 'nen ordentlichen Kaffee, direkt an einer Theke, damit man nicht lange auf die Bedienung im ALEX warten muss.

Die Rosebuds (Freddie, Rudi, der neue, den Namen kenne ich nicht) zeigten doch viel Präsenz und waren immer ansprechbar. Früher, um mal den Kreis zum Anfang zu schliessen, gab es die Ansprache zum Eröffnung- und zum Abschlussfilm, das wars dann.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die nächsten Termine (Focus Asia, FFF-Nights und das nächste FFF).

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: mm_tid am 11.08.2007 08:48 ]

Kann mich mm_tid nur anschließen … war eigentlich von dem Außenrum durchweg zufrieden … so darf es weitergehen :slight_smile: Und bequemer als im Metropolis ists doch eigentlich nicht möglich…

Un schließlich gibt’s ja für die Dauerkarteninhaber immer auch ein kleines Präsent - ich weiß ja nicht wieviel die T-Shirts kosten. Aber immerhin :slight_smile:

… dieses Präsent hat allerdings wiederum nichts mit dem Kino zu tun :wink:

Was mich interessieren würde: wer entscheidet eigentlich über die Ticketpreise? Bzw., in welchem Rahmen? Denn es gibt ja durchaus zwar kleine, aber feine Preisunterschiede zwischen den einzelnen FFF-Städten.

Ansonsten bleibt mir hier nur zu sagen: danke für den ausführlichen Beitrag! Was Multiplexe angeht, ist das Metropolis definitiv das Beste, das ich kenne. Und ich unterstelle auch keinem der “normal” dort Angestellten irgendeinen bösen Willen. Es geht eben um eine grundsätzliche atmosphärische Frage, und ein Multiplex - auch das Metropolis - hat für MICH nun mal schon automatisch eher den Charme einer Massen-Abfertigungshalle bzw. eines Fließbandes. Aber daran kann man ganz grundsätzlich kaum etwas ändern, es DIENT ja schließlich auch der Massen-Abfertigung bzw. -Befriedigung in Sachen Kino-Konsum.

Ist dann (wie schon lange diskutiert) Geschmacksfrage, ob man bestmögliche Technik und Komfort einem größeren “Festival-Flair” bzw. einem “unter Gleichgesinnten sein” vorzieht.

PS @ Zwerg: Turmpalast 1 und 7, also die damaligen FFF-Kinos, HABEN aber eine Klimaanlage. Die ist nur mal (oder öfter? :wink: ) ausgefallen…

In Köln haben wir ja eine ähnliche Entwicklung hinter uns. Wir haben heute noch mal diskutiert, dass es früher im Residenz schon schöner war, unter Gleichgesinnten. Auch die Technik war zumindest im Residenz 1 (das große) wirklich gut. Eine recht große Leinwand (früher einer der größten in Köln, bis der Cinedom und das UCI in Hürth kamen), sogar für Cinemascope etwas nach vorne gewölbt (wegen der besseren Schärfe am Rand) und auch toller Sound (war zwar kein THX, dafür hätte der Saal abgerissen werden müssen, aber sonst blieben keine Wünsche offen). Und dann noch diese tolle 50er Jahre Atmosphäre.

Es fehlte halt “nur” die Klimananlage. Im Winter hätte das niemanden gestört, aber im Hochsommer gab es schon die Situation, dass man die Kinos nach Länge des Films umsortiert hat, um im größeren Saal (mit mehr Luft) den längeren Film zu zeigen und in der Brutkammer des Residenz 2 die Zuschauer nicht ganz so arg lang zu quälen.

Sämtliche Bitten nach einer Klima wurden immer vertröstet, oder man hat der Form halber zugestimmt, aber getan hat sich nichts. Quittung: Das Festival zog ins Cinedom und das Residenz ging pleite.

Ich will nicht meckern, das Cinedom ist schon ok. Aber schade ist es trotzdem.

Stimmt, mit den T-Shirts haben wir (Kinos) nix zu tun.
… und mit den Preisen auch nicht.
@todaystomorrow: Die Klimaanlage im Turm gibt es erst etwa seit 6 oder 7 Jahren und ist - da im Sommer ja immer wenig im Kino los war nur für eine Auslastung von ca 25% ausgelegt. Wenn nun im Sommer ein Festival (und evtl zusätzlich noch ein Blockbuster) läuft wird fast mit Aussenluft ‘gekühlt’. Die Luftfeuchtigkeit bleibt aber im Saal…

Erinnert Ihr Euch noch an die Standventilatoren, die setlich im Gang standen? Die Luft war etwa die ersten 3 Sitze weit in Bewegung - und selbst darüber hat man sich gefreut :wink:
Aber Ihr habt recht. Ein Multiplex wird nie die ‘Geborgenheit’ erreichen, wie es ein kleines Kino hat - egal, wie sehr man sich bemüht. Alle Unzulänglichkeiten machen in einem kleinen Kino auch einen Teil des Flairs aus.
In einem Multiplex kann man es immer nur so gut wie möglich versuchen wenn es zeitlich geht sich auch die Zeit für die Gäste zu nehmen. Aber Pannen sind in einem Multiplex nie ‘Flair’ sondern immer gleich ‘…eine Zumutung/ Unverschämtheit…’ usw. :wink:
Nach 5 Jahren Theaterleitung muß ich mich manchmal zusammenreißen nicht loszulachen, wenn jemand nur rumzickt… schuldigschau :wink:

Hab zwar hier im Forum schon vermehrt über den Kino Luxus im FFM geschrieben, aber ich kann es nicht lassen u muß meinen Senf erneut zum bösen Kino beitragen.
Das Metropolis ist fürs FFF Entspannung pur. Keine Sitzplatz Reservierungs Panik, Null UT Sichtverlust zwecks Treppen Formation, bequeme breite Sitze, keine Schweißausbrüche. Kinofreund was willst du mehr. Die pure Konzentration auf den Film ist uneingeschränkt möglich, aus allen erdenklichen Perspektiven. Von meinen gesichteten 22 Filmen waren lediglich die Schafe und Stuck etwas voller. Aber nichtsdestotrotz war noch immer ein Einsitzfreiraum links und rechts gewährleistet. Ich hätte ja zu gerne einen Botched im ausverkauften M6 gesehen. Und hier sind wir schon beim Thema Festival Athmosphäre. Die geht im Multiplex natürlich etwas verloren u bleibt nur Insidern grüppchenweise erhalten. Selbst das kleinere M8 konnte diese gewünschte Stimmung leider nicht verbreiten u war bei meinen Vorstellungen max nur halb gefüllt. Resultierend würde ich das Cinestar insgesamt also eher als Festival athmosphärisch ungeeignet bezeichnen, aber für den ungestörten Filmgenuß, einsam u allein in einer Reihe als absolutes Luxus Kino deklarieren.
Die Dimensionen sind halt doch eher dem Mainstream Publikum angepasst. Aber lieber zuviel Platz als vor ausverkauftem Saale schmollen!

Nix für ungut.

Der Meikl grüßt.

Um nochmal auf den Kinoaspekt zu kommen:

Die größten Unterschiede zwischen Turm und Cinestar sind finde ich wirklich in den architektonischen Beschränkungen und den Vorführern zu finden.
In den 4 Jahren Turm die ich miterlebt habe haben es
zwei Jungs in 12 Stunden Schichten geschafft, zu 95%
perfekte Vorführungen zu leisten. Im Cinestar schaue ich
im Schnitt sogar 2 Filme weniger und habe bei den 4 Vorführern öfter was zu bemängeln. Kann aber natürlich bei den für Dauerkartenhaltern sicherlich niedrigen Schnitt von etwa 19 Filmen liegen.

Um aber etwas konstruktives vorzuschlagen:

Obwohl es Klasse ist, in einem Riesensaal wie dem Kino 6
große Filme wie Ghost in the Shell 2 oder ähnlich audiophile Bomben zu sehen, wäre ein Umzug in den
"Untergrund" eventuell eine Lösung- Denn die Kinos 9 & 10 sind im kalten Keller der :

1- Einen großen Freiraum hat den man komplett umbauen könnte und mit ein paar Bänken und den Posterwänden echt gemütlich gestalten könnte

2-Eine eigene Toilette im gleichen Stockwerk(ist gut neben/hinter der Treppe versteckt

3- Eigene Bar hinter dem Rollo

4- Da dort null Publikumsverkehr ist gibt es keinen
"Feindkontakt" mit Mainstreampublikum der sich verlaufen hat. :grin:

Nachteile sind halt die kleineren Kinos und das man etwas von der Außenwelt abgeschottet ist…moment, das WOLLEN wir doch oder? :wink:

Die U-Bahngeräusche die man dort unten wahrnimmt wären auf jeden Fall ein Plus. Da denkt man an Kontrol oder die Wächterfilme…

Vielleicht testen die Jungs von Metropolis das mal zum FFF Asianights. Wäre doch mal einen Versuch wert, oder?

Ich frage mich, warum sich so viele an der Atmosphäre im Cinestar stören… denn bei mir war es z.B. dieses Jahr so, dass ich meistens nur 10 Minuten zweischen zwei Filmen Zeit hatte. Da gehe ich direkt zum nächsten Saal oder vielleicht noch kurz aufs Klo, und ob das jetzt auch von “Mainstream”-Besuchern besucht wird oder nicht ist mir in dem Moment relativ egal :wink: Die allermeiste Zeit verbringt man also IM Kino, und deshalb denke ich, dass ein ordentlicher, großer Kinosaal das wichtigste ist. Wenn das Drumherum schön ist ist das natürlich ein Pluspunkt, aber letztendlich zweitrangig, weil es ja um den Filmgenuss geht.

Also ich habe dieses Jahr schon einige Male erlebt, dass hier im Cinedom vor den Kinosälen eine riesige Ansammlung von Menschen war und wenn ich mir vorstelle, dass die alle unten im Keller des Metropolis stehen (ich kenne das, habe vor 2 Jahren noch in FFM gewohnt), na dann gute Nacht. Das ist im Cinedom teilweise schon echt eng.