David Lynch und seine Filme


#1

Da wir in einem anderen Thread bereits einen Regie-Dinosaurier zum Thema haben und auch David Lynch im Laufe der Jahre eine ganz eigene Filmsprache entwickelt hat, die viele Fans hat, dachte ich mir, wär es vielleicht ganz angebracht, ihn ebenfalls mit einem eigenen Thread zu würdigen.

Ich hätte mir zwar gewünscht, diesen Thread hätte ein echter Fan aufgemacht aber hier wird sich ja sicherlich auch so der ein oder andere finden. Denn ein Fan bin ich nicht. Wollte den Thread dennoch…naja, hab ich ja erklärt.

Vielleicht kommt mir auch noch die Lynchne Erleuchtung. Dass er in vielen Bereichen künstlerisch aktiv ist (Malerei, Musik) dürfte ja bekannt sein. Mir sagt das jedoch alles nicht so zu, es ist mir in der Regel immer zu düster. Von seinen Kurzfilmen kenn ich, mein ich, genau einen. Daher beschränk ich mich in meiner Einordnung mal überwiegend auf seine Spieflilme. Freue mich über regen Austausch.

Eraserhead - Gilt als Überklassiker. Nie gesehen aber ich weiß auch nicht, ob ich will. Ist das denn tatsächlich ein Must-See oder nur ein Must-See, weil man das so sagt?

The Elephant Man - Kurios. Eigentlich die gleiche Frage wie oben.

Dune - Hab ich immer gezockt. Der Film ging jedoch voll an mir vorbei. Für mich auch der Film, den ich am allerwenigsten mit Lynch in Verbindung bringen würde. Ich glaube, ich habe mal in den reingeschaut. Irgendwie kam der nicht so ganz in die Gänge, war sehr gemächlich.

Blue Velvet - Puh, auch so ein Kult-Ding. Kann man dem logisch folgen? Macht der Sinn? :smiley:

Wild at Heart - s. Blue Velvet. Hier reizt mich allerdings Nicolas Cage in der Hauptrolle.

Twin Peaks - DAS habe ich wirklich nie gerafft. Mich aber auch zugegebenermaßen nie wirklich mit beschäftigt. Ist die Serie empfehlenswert?

Lost Highway - Ja, da hätten wir so eine typische Lynch Nummer. Dieser Film markiert wohl den Start seiner zweiten großen Erfolgswelle und die endgültige Manifestierung als “Kult-Regisseur”. Natürlich hat der Film gute Einstellungen, Sound, etc. aber es gibt da in dem Film diesen einen Moment, wo man nicht so wirklich dahinterkommt, wie das jetzt gemeint ist. Und dann fängt das bei mir schon an, etwas anstrengend zu werden. Aber nicht weil es was zu rätsteln gibt. Sondern so aus Lynch-mäßigen Gründen halt. :smiley:

The Straight Story - Noch die am ehesten stringenteste Story. Förmlich ein Feel Good Movie. Fast schon untypisch für Lynch.

Mulholland Dr. - Auch ok aber geht auch so in die Richtung Lost Highway.

Inland Empire - Ja, keine Ahnung. Ich hab’s damals echt versucht. Vorurteilsfrei an die Sache rangegangen, Nicht nur die Video-Optik ist grässlich, auch kam ich nicht hinter den Sinn von dem ganzen. Pass.

Twin Peaks (2017) - Hand aufs Herz: Muss man das sehen? Rafft man das, wenn man Twin Peaks von früher nicht kennt? Rafft man da überhaupt was?

So bin mal gespannt, welcher Lynch Fan mich zuerst…äh…lynchen wird…höhö…


#2

Huhu.

Eraserhead steht noch auf meiner watch list.

Elephant man war, wenn ich mich richtig erinnere, nicht typisch lynchesk, aber eigentlich eher traurig.

Mullholland Drive fand ich sehr faszinierend. Hatte was twin peaks ähnliches.

Lost Highway hat mich sehr gegruselt, Geschichte etwas wirr, aber gut.

Bei Inland Empire hab ich bei der Hälfte aufgegeben. Ich mag Laura Dern nicht umbedingt, auch wenn sie in diesem Film super ist. Da würde ich eher zu perfect blue raten. Wer jetzt da wen angekupfert hat, weiß ich nicht.

Twin Peaks, die Mutter aller Mysteryserien, ist schon irgemdwie ein Muss. Diese Serie hat Fermsehgeschichte geschrieben. Wird von mir dann irgendwann im november nochmal gesichtet zusammem mit dem neuen twin peaks.

Dune ist halt eher 80er scifi Kost mit einem jungen Kyle MacLachlan, würd als ähnliche Beispiele da vielleicht noch sowas wie Flash Gordon oder den Raketenwurmfilm mit Kevin Bacon in die Runde werfen.

Wild at heart und blue velvet liegen noch ungesehen bei mir rum. Denk aber allein wegen Nic Cage, der erste Film, und wegen Dennis Hopper, der andere Film, schon sehenswert.


#3

Was ich eigentlich am allermeisten wissen möchte ist, haben die beiden erst genannten (Eraserhead, Elephant Man) oder auch Twin Peaks eine griffige Story oder ist das eher so arty-farty Kram?


#4

Elephant man hat eine schlüssige geschichte.

Twin peaks auch. Ist im Prinzip eine Mordgeschichte ausgeschmückt mit skurrilen Typen und fantastischen mystery Elementen.


#5

Lynchs Hauptwerk ist ja recht übersichtlich und gut einteilbar in eher konventionelle Filme, sehr hermetische Werke, die eher die Hardcore-Fans glücklich machen und die andere tendenziell mit „artsy-fartsy“ bezeichnen würden – und dann die Filme, die Elemente von beidem enthalten.

In der eher konventionellen Kategorie finden sich THE ELEPHANT MAN (ein tragisches Drama) und DUNE (ein etwas weirder SciFi-Film, Lynchs Totalflop) sowie vor allem THE STRAIGHT STORY (der wohl „unlynchigste“ seiner Filme, zumindest im Vergleich mit dem Rest seines Werkes). Hier wird jeweils eine relativ klassische Geschichte erzählt.

Zu den extremeren Filmen gehören ERASERHEAD (ein surrealer Alptraum und einer der verstörendsten Filme, die ich je gesehen habe), TWIN PEAKS - FIRE WALK WITH ME (eigentlich nur für echte Fans von Lynch und der Serie zu empfehlen) sowie INLAND EMPIRE (großartig, aber eben auch eine Tour-de Force und auch nur für Fans).

Die Filme (und die Serie), die Elemente beider Welten enthalten, gehören zu Lynchs erfolgreichsten Werken: BLUE VELVET, WILD AT HEART, LOST HIGHWAY, MULHOLLAND DRIVE und natürlich die Serie TWIN PEAKS. Das Genre ist hier meist eine düstere Film-Noir- bzw. Ermittlungs-Story, die mit sehr weirden Figuren und mysteriösen Vorkommnissen durchzogen ist. Auch hier sind BLUE VELVET WILD AT HEART noch näher am Mainstream als LOST HIGHWAY und MULHOLLAND DRIVE. Da Lynch bei der ersten TWIN PEAKS Serie nur sechs Folgen selbst inszeniert hat, sind die ersten beiden Staffeln von unterschiedlicher „Lynchhaftigkeit“.

Letztlich ist es natürlich Geschmackssache, was man sich anschauen will und was man als „must see“ betrachtet.

Meine persönliche Lynch-Bestenliste:

  1. LOST HIGHWAY
  2. MULHOLLAND DRIVE
  3. BLUE VELVET
  4. ERASERHEAD
  5. INLAND EMPIRE
  6. WILD AT HEART
  7. TWIN PEAKS

#6

Bevor man sich die neue Twin Peaks Staffel ansieht, würde ich schon empfehlen, sich vorher noch die alten Staffeln zu Serien anzusehen. In FIRE WALK WITH ME werden viele bereits etablierte Figuren und die erschaffene Welt ansich, regelrecht abgefeiert. Zwar geht Lynch gänzlich neue Wege, aber es ist mit Leib und Seele Twin Peaks und man weiß es erst richtig zu schätzen, wenn man Lynchs Universum bereits inhaltiert hat.
Einen großen Fehler sollte man bei den meisten Werken von Lynch aber nicht begehen, nämlich die Sinn Frage zu stellen. Man nimmt es am besten so roh zu sich, so wie es serviert wird, genießt das Ambiente und lässt sich verzaubern.
Persönlich finde ich auch Lynch als Person absout faszinierend, alle die Ihn getroffenen haben bezeichnen Ihn als absoluten Gentleman. Er stellt im Leben, dem ersten Anschein nach, wahrscheinlich genau das Gegenteil von dem dar, was er auf die Leinwand wirft. Erst wenn man Ihn richtig kennenlernt, gibt er sein eigentliches Ich preis. Das Gleiche trifft dann wohl auch auf seine Werke zu.
Lynch muss man nicht mögen, aber Ihn und seine Werke zu schätzen und zu respektieren, ist eigentlich schon Pflichtprogramm! :wink:

Mein Lieblingsfilm von Lynch ist eindeutig Mulholland Drive, einfach schon wgn. dieser dunkel-romantischen-melancholischen Magie.


#7

David Lynch ist für mich ein dunkles, komplett eigenständiges, oft überraschend menschliches Genie, mit dem sich kaum einer in der Geschichte des Kinos messen kann, will, sollte. Absolut einzigartig! Er hat zwei Seiten in sich, die kaum weiter auseinander ragen könnten und sich gerade deswegen fast schon wieder berühren.

Einer dieser Regisseure, dessen Werke auf mich reifen, wie guter Wein. Anfangs noch zu verkopft und fremdartig, ich zu unreif und klein - mittlerweile immer unumgänglicher. Mit ERASERHEAD hat er einen meiner größten Brainfucks ever, mit ELEPHANT MAN einen meiner traurigsten und emotionalsten Filmmomente überhaupt geschaffen. Seine Filmographie ist nicht von dieser Welt. Ein wahrer Künstler und Poet des menschlichen Grauens.

Hier meine persönliche Rangliste, auch wenn ich noch nicht ganz durch bin (Twin Peaks mir z.B. noch schändlicherweise komplett fehlt):

  1. Elephant Man
  2. Mulholland Drive
  3. The Straight Story
  4. Blue Velvet
  5. Eraserhead
  6. Lost Highway
  7. Wild At Heart
  8. Dune
  9. Inland Empire