Giallorossa kommt in seiner UNDER THE SKIN-Review zu folgendem Fazit:
“Und wie Zwerg-im-Bikini schon festgestellt hat: Ein Film ohne spannende oder fesselnde Geschichte ist kein Film!”
Mal abgesehen davon, dass ZiB das eher abgeschwächt unter der Prämisse Form follows Function gesehen hat, teile ich diese Auffassung nicht. Denn ich bin der Meinung, dass der Zwang, eine Geschichte erzählen zu müssen, auch eine Fessel sein kann.
Ich empfand die Geschichte als spannend und fesselnd. Im Grunde sicher einfach, aber das reicht in dem Fall auch vollkommen aus. Die Komplexität liegt in anderen Bereichen des Films, in der Darstellung der Geschichte in Bild und Ton, einzelnen Szenen, Feinheiten, Entwicklungen der Hauptperson usw.
Daher: Eine Geschichte kann minimal sein und der Film funktioniert trotzdem bzw. gerade deswegen.
[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: bewitched240 am 05.09.2014 11:28 ]
Sehe ich ganz und gar nicht so. Ein Film muss bei mir in der Regel nur eines erreichen: Er muss mich unterhalten.
Ob der Film das nun mit einer stringent erzählten Geschichte, die mir alles vorgekaut serviert, tut oder einfach nur mit schönen und interessanten Bildern, ist mir dabei dann allerdings egal
Über den Kommentar bin ich heute morgen auch schon gestolpert. Nur verstehe ich ihn nicht, denn meiner Auffassung nach erzählt “Under The Skin” eine Geschichte, nur eben auf eigentümliche Art und Weise.
hängt davon ab, was man von einem Film erwartet. Daher kann ich diese Meinung schon nachvollziehen, kann mich ihr aber nicht anschließen.
Under the Skin hat andere Stärken. Und eine rudimentäre Handlung ist vorhanden, nur die Darstellung ist eigenwillig. Ich bin da sehr offen eingestellt und freue mich immer über Filme, die etwas anders machen, als man es gewohnt ist.
Ich wollte das nicht verallgemeinern. Natürlich ist ein Film ohne Geschichte auch ein Film - für mich ist es dann allerdings zu 99%iger Wahrscheinlichkeit ein Film, der mir nicht gefällt. So wie andere Leute vielleicht Filme nicht mögen, in denen nur gesungen wird. Oder welche, die nur in einem Zimmer spielen und bloß aus Dialogen bestehen. Ich zitiere mich mal eben, damit das nicht missverstanden wird .
Ich habe mich gelangweilt. Die Handlung kann man nach kurzem Nachdenken in zwei Sätzen zusammenfassen und eine tiefere Botschaft fehlt mir genau so wie erinnerungswürdige Dialoge. Für mich war UNDER THE SKIN ein extrem oberflächlicher Film, weil er so sehr in seinen Bildern schwelgt. Aber nur schön aussehen... das gibt mir nichts. Platt gesagt: Dann gehe ich lieber ins Museum. Ich sehe mir Filme an, weil ich gute Geschichten mag, die mich fesseln. Wenn das ganze dann auch noch visuell begeistern kann, ist das wunderbar, aber an erster Stelle steht für mich immer der Inhalt. Form follows Function.
Also: Ja, es gibt eine Geschichte. Aber diese ist sehr minimal gehalten und wenn die schönen Bilder drum herum nicht wären, würde sie niemals in Spielfilmlänge passen. Ich glaube niemand würde sich diesen Film nur wegen der Geschichte ansehen, oder? Er hat andere Stärken. Und wenn man diese Stärken nicht zu würdigen weiß, bleibt nicht sonderlich viel übrig.
Hier stellt sich natürlich auch die Frage der Definition einer “Geschichte”. UTS bietet ja eine Geschichte, diese ist für sich genommen nur extrem vereinfacht gehalten.
Das erinnert mich auch an die Kritiken zu Eden Log, der in diesem Punkt sehr vergleichbar ist. Welcher häufig genau dafür kritisiert wurde, weil der keine “richtige” Geschichte erzählt, sondern sich darauf verlässt, dass der Zuschauer Gefallen daran findet dem Hauptcharakter durch das Labyrinth zu folgen.
Bei Eden Log hat das bei mir besser funktioniert, weil diese Welt von vorne bis hinten ungewöhnlich war.
Was ich bei UTS problematisch findde ist, es macht viel mehr spass und Sinn den Film zu sehen wenn weiss, was Johansson für ein Geheimnis verbirgt. Das erfährt man aber eigentlich erst am Ende.
weiss man das nicht, folgt man die ganze Zeit im Gedanken einem normalen Menschen durch normale Alltagszenen, und das ist langweilig.
Der Film erzählt definitiv eine Geschichte! Eine Art Roadmovie, wobei die Sicht der Dinge durch die Augen einer fremden Spezies dargelegt werden! Was ich besonders stark fand, war die Darstellung der fehlende Emotionen die im Verlauf des Films immer wieder auftraten.
Mit Sicherheit ein Spalter aber das finde ich gerade spannend…
Ich weiß nicht, ob UTS eine Geschichte erzählt, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Mir geht es auch eher allgemein um die Frage, ob ein Film eine Geschichte wirklich braucht. Und ob die Form nur dazu da ist, eine Geschichte zu erzählen.
Ich will nicht gegen Erzählkino wettern. Doch manche Filme lösen sich im Lauf des Films von der Geschichte bzw. ignorieren sie einfach ab einem gewissen Punkt. In diesem Fall folgt also die Form eben genau nicht der Funktion, sondern die Form bekommt ein Eigenleben.
Einige der schönsten Filme vezichten sogar bewusst von Anfang an auf eine Geschichte. Sie zeigen eher assozioative Bilderfolge. Ich finde solches Kino oft ziemlich aufregend, weil es zeigt, wie viel mehr möglich ist, wenn man den üblichen Erzählrahmen verlässt.
Ich versuche gerade, mich an einen Film zu erinnern, der bewusst auf eine Geschichte verzichtet hat, und mich trotzdem begeistern konnte… schwierig. Welche waren das denn bei dir?
Nahezu alle Filme von Jess Franco oder Mario Bava, zwei meiner Lieblingsregisseure, lösen sich oder verzichten auf eine Geschichte.
Exemplarisch: “Nightmares comes at Night” (Franco) - dort gibt es eine Geschichte, wenn überhaupt, nur in den letzten 10 Minuten. Der Rest ist bloßes Tagträumen. Und “5 Dolls for an August Moon” (Bava). Der ignorierte einfach die vorgegebene 10-kleine-Negerlein-Geschichte.
Der italienische Giallo ist ein ganzes Genre, bei dem die Form wichtiger ist als der Inhalt. Nur fällt es da nicht sofort auf, weil die Geschichte immer noch da ist. Aber es sind gerade die opulent gedrehten Morde, die opernhafte, ausladene Inszenierung und die kräftigen Farben, die zwar in keinem Verhältnis zur eigentlich erzählten Geschichte stehen, die den Giallo aber so faszinierend machen.
[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: GeorgeKaplan am 05.09.2014 14:50 ]
Wenn du in dem Zusammenhang diese zwei ansprichst (Franco und Bava), wundert es mich nicht, dass ich kein ausgemachter Fan ihrer Filme bin. Denn ich persönlich brauche schon eine Story, es sei denn ich stell mich darauf ein. Ich kann aber verstehen, dass es da Liebhaber gibt und es ist ja auch nicht schlecht, nur ich brauche da mehr.
Ein Film mit einer mini Story war auch “Enter The Void”. Da ging es ja viel weniger darum, der einfachen Story zu folgen, sondern um die konkrete Darstellung des Drogenrauschs. Kunstvoll war das allemale aber eben kein gradliniger Film mit üblicher Erzählweise.
Ich denke, es kommt darauf an: wenn ein Film durch CGI-Effekte darüber hinwegtäuschen will, dass er eigentlich keine story hat, finde ich ihn langweilig. Mir ist eine gute story schon wichtig - die Erzählform kann dann ganz unterschiedlich sein, aber eine gewisse “Aussage” muss schon da sein. Auch muss die story nicht geradlinig erzählt sein, sie kann durchaus auch Rätsel aufgeben oder interpretationswürdig sein (so wie letztes Jahr der Film “Upstream Color”), aber da sein sollte sie.
Von Franco fällt mir nur der eine Dracula Film ein - und der hat ja eine Geschichte.
Sagt mal, wenn ich mir so eure Reviews zu “Strange Color” durchlese (kreative Überschriften übrigens ), dann stellt sich mir die Frage, gibt es zu Anfang des Films kein Warnhinweis für Epilepsie anfällige Personen? So etwas gibt es ja und habe ich schon vor Filmen gesehen, ich überlege grad welche (Gaspar Noe?). Oder ist es bei “Strange Color” nicht so extrem?
[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: Neck am 06.09.2014 16:20 ]
Ja, ich meine auch bei “A Field in England”. Solches Geflacker versteh ich ja nie… ich sehe dann immer genervt weg und hoffe, dass es schnell vorbei geht.
Bei “A Field in England” fand ich es gar nicht mal so schlimm - beim Universal Soldier schon, da waren das irgendwie so Stroboskop-Effekte, die fand ich ganz schlimm, wohl auch weil es 3D war.
Ich denke da muss man “Geschichte” definieren. Obwohl die meisten sagen würden, dass z. B. A Field in England keinen Plot hat und z.B. ein Film wie Kindsköpfe 2 schon, hat A Field in England für mich trotzdem viel mehr Geschichte.