Fantasy Filmfest 2017


#609

Ich finde das Festival bislang richtig gut. :joy: Starker Jahrgang offenbar mit vielen positiven Überraschungen. Gute Laune habe ich auch von Tag zu Tag mehr. :smile: Habe gerade das Gefühl das ich dieses Jahr belohnt werde für die langjährige Treue und entschädigt für die doch näher am Durchschnitt liegenden Filme der letzten paar Jahre. Aber wie heißt es? Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben? Es ist ja erst Halbzeit. Vielleicht habe ich bei der Auswahl auch nur ein gutes Händchen gehabt…Mit Blick auf meinen Timetable glaube allerdings nicht mehr daran das Spaß und Qualität noch abwärts gehen. Wie geht’s den Anderen?


#610

Es sind einfach starke Filme bis jetzt.

Angefangen habe ich heute mit Reset. Schön gefilmt, hätte noch besser in 3d gewirkt allerdings storytechnisch dürftig. Die Zeitreisegeschichte war in Zurück in die Zukunft stimmiger.

Mayhem war der Knaller, blutig, lustig, das Highlight des Tages.

Mit Jungle hingegen konnte ich mich nicht anfreunden. Der Film ist für die große Leinwand wegen seiner Landschaftsaufnahmen geschaffen, zur Geschichte kann ich nur eins sagen: dämliche Touristen.

Puuh, schon wieder ein Tag vorbei.


#611

So, nun hab’ ich den “Survival” monday doch tatsächlich auch irgendwie überstanden - bislang der bisher beste Tag, mit zwei ganz wunderbaren Filmjuwelen…

…auf “Replace” hatte ich mich ja vorher am Meisten gefreut, seitdem ich den Trailer gesehen hatte… und was soll ich schreiben, ich hab’ mich Hals über Kopf in den Film verknallt :heart_eyes: …sorry für die seltsame Wortwahl, aber ich kann das gerade gar nicht anders ausdrücken. Wobei, es war definitiv keine Liebe auf den ersten Blick - eingangs hatte ich nämlich ziemliche Schwierigkeiten, mich in den Film hineinzufinden, trotz der von Anfang an betörenden visuals (viele Close-Ups, tolle Farbgebung (oftmals monochromatisch eingefärbte Bilder (dieses Rot…hach!))). Die etwas sperrige Erzählweise macht es Einem aber auch nicht gerade einfach, die erste Viertelstunde oder so verstand ich jedenfalls nur “Bahnhof!”. Irgendwann machte es dann aber “Klick”, und von da an war ich dann rettungslos an den Film verloren. Sehr tolles Sounddesign auch, neben dem ja schon erwähnten Over the Top-Soundtrack. Storymäßig lässt sich das ganze vielleicht am Ehesten als Death becomes her meets Frankenstein, garniert mit viel Cronenberg’schem Body Horror beschreiben. Eigentlich dürfte da ob der Disparatheit der einzelnen Elemente garnichts zusammen funktionieren, tut es aber irgendwie dann doch, bzw. ist das (zumindest mir) irgendwann auch egal. Bei mir hat’s jedenfalls gefunkt, und ich will will will den möglichst bald wiedersehen (demands Blu Ray release as soon as possible!!!). Gut LAUT war’s übrigens auch noch (auch nachher bei “Jungle”), und ich finde, das hat ganz gut zu diesem Viel-zu-Viel-von-Allem-Prinzip des Streifens gepasst.

“Jungle” dann ein absolutes Highlight, ein Film, der unbedingt (!!!) auf der GRRROSSEN Leinwand gesehen werden muss, und welchen Alle, die auch nur ein Fünkchen Begeisterung für Survival-Filme aufbringen können, auf gar keinen Fall verpassen sollten - Ihr werdet Euch sonst nachher richtig ärgern. Die Landschaftsaufnahmen waren ja schon bei “Sicilian Ghost Story” wunderschön - hier sind sie schlichtweg breathtaking und tragen viel dazu bei, diese creepy Atmosphäre von menschlicher Bedeutungslosigkeit ob der schier überwältigenden Weite der Amazonas-Regenwald-Natur zu etablieren. Selten auch hat ein Survival-Film die schieren physischen Dimensionen all der durchlittenen Strapazen so sehr nachvollziehbar und beinahe erlebbar machen lassen wie “Jungle” (der Wildwasser-Rafting-Trip!). And writing 'bout that: Gäb’s eine Checkliste für die obligaten Zutaten bei Survial movies, “Jungle” würde eine Eins mit zwei blauen Vogeleiern bekommen, ob Plansoll-Übererfüllung (Eitrige Beulen mit Würmern drin, das Verspeisen von crunchy Vogeleiern nebst gut entwickelter Küken, Feuerameisen-Bisse galore, völlig kaputtgelatschte Füsse, die mehr schwärende Wunde denn gesunde Haut sind, erschöpfungsbedingte Halluzinationen, lustiges Im-Kreis-Laufen - es ist Alles da, was das Survival-Film-Fanherz begehrt, und noch viel viel mehr…). Daniel Radcliffe hat sich in den letzten Jahren ja immer mehr zu einem wirklich beachtenswerten Schauspieler gemausert - hier legt er eine One Man Show-Ausnahmeperformance hin, die sich sehen lassen kann (und auch gesehen werden sollte). Interessant auch noch, dass auch diese Geschichte wieder auf einer wahren Begebenheit beruht (vor dem Abspann gibt’s Fotos der echten Verschollenen zu sehen).

Hab’ ich schon erwähnt, dass niemand, wirklich niemand, “Jungle” auslassen sollte? Gut… :grin:

Morgen dann leider nur ein Film, ich bin nämlich abends zum Essen bei Marlina der Mörderin eingeladen. Auf der Menükarte stehen Hühnersuppe mit Reis, und zum Dessert Gruppenverwaltigung :frowning2:. Bin noch nicht ganz sicher, ob mir das wirklich munden wird…
Allen Anderen schon mal viel Spass mit der israelischen Kinderbande und dem deformierten Sumpf-Axtmörder.


#612

Das erinnert mich an etwas. Danke. Hätte ich dieses Jahr fast vergessen. Filme für die große Leinwand


#613

Hounds of love war ziemlich nice. Er läuft zwar nicht immer rund, hatte mich aber fast die gesamte Spielzeit über fest in den Sitz gedrückt. Top gespielt, schön gefilmt und echt sehr intesiv. In der Mitte des Filmes ist vielleicht einer der krassesten Schreie der Filmgeschichte zu hören, hat mich schon ganz schön erwischt. Empfehle den Film einfach mal vorsichtig. Sicher kein Film, der allen gefällt. Sein Publikum wird er aber mit Sicherheit finden.

Morgen stehen dann Hatchet und Marlina auf dem Programm.


#614

Tag 6 in Stuttgart begann mit einem überraschenden Highlight: LAND OF THE LITTLE PEOPLE ist ein starker (ich nenne es mal) Antikriegsfilm ohne Moralkeule, für mich bislang der beste Fresh-Blood-Beitrag. Ein krasseres Kontrastprogramm als PSYCHOPATHS gleich danach ist kaum vorstellbar. Für mich eine echte Zumutung und bisher der Bodensatz des Festivals. JUNGLE – gut gespielter Abenteuerfilm, der Realitätsnähe vor Spektakel und Spannung setzt. Und schließlich ein weiteres Festival-Highlight mit HOUNDS OF LOVE – heftig und packend. Reviews kommen.


#615

So ging es mir auch.

Absolut.

Genau! Und danke, denn ich bin nach wie vor verwirrt weil der mir gefiel und ich versteh einfach nicht warum.:upside_down: Muss ich auch noch einmal sehen.


#616

Ich glaub’, da bist Du durchaus nicht alleine… auch mir geht’s so, dass ich diesen FFF-Jahrgang als einen der stärksten nicht nur seit einiger Zeit, sondern vielleicht sogar überhaupt (wobei es noch zu früh ist, das jetzt abschliessend zu sagen, es ist ja gerade mal knapp die Hälfte rum) empfinde… nicht nur ist es dieses Jahr eine unglaublich grosse Vielfalt sowohl an Stoffen / Themen / Subgenres, als auch an unterschiedlichsten filmischen Herangehensweisen - nein, auch die Qualität des Gezeigten ist (jedenfalls bei meinen picks ) durchgehend ausgesprochen hoch. Dazu kommt noch, dass ich zur Zeit auch Urlaub habe, und deshalb das Festival auch unbeschwerter geniessen kann, als wenn ich wüsste, ich muss morgen früh um halb sechs schon wieder aus den Federn, will meinen, Alpaka-Haaren…

…einen Gutteil der Festivalfreude machen aber auch die vielen positiven Reviews und Wortmeldungen der anderen Begeisterten sowohl hier im Forum als auch auf dem Gehsteig vor’m Savoy aus… im Ernst, ich freue mich über jedes freudige Posting hier, auch und gerade auch zu denjenigen Filmen, die ich selbst als nicht ganz so dolle ansehe (zum Beispiel “Jane Doe”), die Geschmäcker sind zum Glück ja nun mal doch verschieden, und es ist immer schön zu lesen, wenn und warum Anderen dieser oder jener Film, den man selbst eher fürchterlich fand, gefällt… so gute Festival-Laune ist richtiggehend ansteckend.:blush: Insofern nochmal ein ganz fettes “Dankeschön” von mir an alle hier Postenden und Review-Schreibenden - keep up the good work! :+1:

Am Allermeisten aber freue ich mich für alle Diejenigen, in deren jeweiligen home bases das Festival noch gar nicht begonnen hat… Ihr habt die ganze Chose ja noch vor Euch, und könnt Euch schon mal ordentlich vorfreuen, während es bei uns ja bald schon wieder halb rum ist.:grin:

Danke @Herr_Kees für’s zusätzliche Belasten meines Geldbeutels :wink: - nach den sehr positiven Worten zu “Land of the little People” kann ich jetzt ja gar nicht mehr anders, als mir noch ein weiteres Kinoticket zu kaufen (ich fand’ ja schon den Trailer äusserst ansprechend). Krieg’ ich also doch noch die 20 voll.


#617

Ich finde auch, dass das bisher ein echt guter Jahrgang ist. Andreas hatte in seiner Eingangsrede auch von “womöglich bestes Programm ever” gesprochen. Ich denke, das muss man im Verhältnis und vielleicht mit etwas Abstand in ein paar Jahren sehen. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass in den 80ern und 90ern Filme wie RE-ANIMATOR, NEKROMANTIK, THE HIDDEN, OPERA, HELLRAISER II, HENRY, A CHINESE GHOST STORY, DUNE, DAY OF THE DEAD, SILENCE OF THE LAMBS, MISERY, DELICATESSEN, BRAIN DEAD, BULLET IN THE HEAD, TRUE LIES (!), SCREAM, CUBE, AMERICAN PSYCHO und FINAL DESTINATION sowie zahlreiche Werkschauen (Cronenberg, Argento) und Retrospektiven auf dem Festival liefen, und zwar viele davon im selben Jahr!


#618

Eine zu präzise Antwort könnte man evtl. als Spoiler auffassen. :zipper_mouth:

Es ist nicht wie ein komplett visuell umgesetzter Drogenrausch aber es gibt einige Elemente, die in diese Richtung gehen.

Puh, die Zeit ist dieses Jahr leider sehr knapp. Ich geh eigentlich chronologisch vor. Die Reviews zum ersten Tag sind raus. :slight_frown: :dizzy_face: Mal schauen, Jungle läuft bei Euch ja erst am vorletzten Tag.


#619

Ja, bisher ist das Festival sehr sehr gut im Vergleich zu den letzten Jahren. Und ich habe auch den Eindruck, dass es besser besucht ist, was mich sehr freut :). Und München hat gefühlt viel mehr “Liebe” abbekommen also noch vor einigen Jahren. Es waren schon mehrere Regisseure da mit Team und Q&A. Sehr schön :slight_smile: und die ersten Tage gab es fast vor jedem Film eine kurze Ansage :slight_smile: Das war die letzten Jahre bei Weitem nicht so.
Eins vermisse ich im Programm schon. Es sind keine französischen Filme mehr bei (Raw zähle ich jetzt nicht, der ist ja ein “Überbleibsel” der letzten Festivals, wo es nicht geklappt hatte). Und über einen guten Thriller (gerne französisch) hätte ich mich auch gefreut :slight_smile: .

Aber jetzt erstmal die 2. Hälfte weiterschauen. Wahnsinn schon die Hälfte vorbei, das ging schnell…


#620

Hallo ihr Lieben, wir sind von Moviebreak.de wieder auf dem Fest unterwegs und teilen gerne unsere Kritiken. Gibt schon ein paar geile Highlights zu entdecken:

Mayhem 8/10

Vidar the Vampire 8,5/10

Blade of the Immortal 7,5/10

Bitch 5,5/10

It Comes at Night 8/10

Kuso 9/10

Killing Ground 6/10

Raw 7,5/10

68 Kill 3/10

Have a Nice Day 6/10

Hounds of Love 7/10

Colossal 6,5/10

The Autopsy of Jane Doe 7/10

47 Meters Down 6,5/10


#621

Finde ich auch, liebe den Film…
Apropos: https://www.facebook.com/events/280403332459479/

:wink:


#622

Bin gespannt, was du zu Malina zu sagen hast, bin noch unschlüssig, ob ich den ansehen soll. Hat eine ganz gute Bewertung und Exotenbonus.


#623

Tag 6 in Hamburg. 3 Filme. Kein besonders guter Tag. Hoffe das läutet keine Kehrtwende ein. Land of the Little People war schön gefilmt mit einer Kamera nah bei ihren Figuren und ordentlichen Schauspiel, verfehlt aber seine Message und bleibt daher ungefähr durchschnittlich. Hatchet sah man zwar die Bemühungen an, Atmosphäre und Witz des ersten Teils wieder aufleben zu lassen, bleibt aber mit seinem engen Setting dermaßen einfallslos während die Charaktere einem egal sind, das man das Franchise damit wohl endgültig ad Acta legen kann. Marlina the Murderer in four Acts ist ein reiner Mood Film mit einer Story dünn wie Spinnenseide, die man auf ein DIN A 4 Blatt bekommt (oder DIN A 5?). Die hellen Bilder sind aber sehr schön komponiert, die Loge war genau richtig. Auch der Soundtrack hatte was mit seinen Morricone Anklängen. Deutlich unter dem was ich erhofft hatte, als entspannter Absacker nach HATCHET aber ganz gut geeignet. Und ja, er ist ein Exot.


#624

Mal in aller Kürze:

Hatchet IV (oder wie auch immer der heißt): doof.

Marlina: Nicht doof, aber nicht mein Film. Zumindest heute.


#625

Gib Bescheid wie der Film A Sicilian Ghost Story bei dir und deinem Papa angekommen ist. Interessiert mich sehr.

Nachtrag zu Jungle : abgesehen von der Geschichte an sich, hat man schon den Eindruck, dass die Dreharbeiten ziemlich anstrengend gewesen sein müssen, vor allem für Daniel Radcliffe, der ja doch den ganzen Film auf seinen schmalen Schultern trägt und sehr überzeugend in seiner Rolle ist.


#626

Tag 6 in Stuttgart, eingerahmt von starken Frauenfiguren: Mein erneut überraschendes Tageshighlight war MARLINA, sehr stark inszeniert und gespielt, wortkarg aber ausdrucksstark. VICTOR CROWLEY bietet einfach mehr vom selben, muss man mögen, ich mochte schon die ersten drei nicht besonders. RADIUS hat eine schöne Idee, die in den richtigen Händen bestimmt etwas geworden wäre und MFA zeigt eine starke Francesca Eastwood mit einem enttäuschend schwachen Drehbuch, das seinem Thema leider überhaupt nicht gerecht wird.


#627

Filmisch gesehen ist für mich heute Schluss mit den Motto-Tagen (der morgige Mittwoch steht vermutlich zwar auch noch unter einem Motto (stormy wednesday), dafür ist aber dann das Wetter verantwortlich, und nicht meine filmische Auswahl) - es war nämlich “Drama-Dienstag”… :wink:

…der mit “Land of the little People” startete. Puh, ich weiss dazu leider gar nicht soviel zu schreiben (was entweder ein gutes Zeichen ist, weil mich der Film komplett aus den Socken gehauen hat, oder aber ein schlechtes Omen, weil mir einfach gar nichts dazu einfallen mag - hier ist bedauerlicherweise Letzteres der Fall). Na gut, versuchen wir’s mal so:

Als ich Mitte / Ende der Neunziger “Life according to AGFA” sah, da war das eine filmische Erfahrung, die mich ebenfalls absolut sprachlos zurückliess, weil das ein Streifen war, der sein Sujet in eine nahezu perfekte Form zu giessen vermochte… die Idee, die Gäste in einer Tel Aviver Bar als Mikrokosmos und Spiegel der israelischen Gesellschaft darzustellen, war so einfach wie wirkungsvoll - man feiert zusammen, man diskutiert miteinander, man streitet sich, man verträgt sich wieder, man lernt einander mögen oder auch hassen, und am Schluss geht Alles, die ganze vorangegangene Nacht, in einem unvermittelten Ausbruch vollkommen sinnloser Gewalt unter. Nun mag es vermutlich unfair sein, einen Film wie “Land of the little People” mit einem der Klassiker des modernen israelischen Kinos zu vergleichen - der Punkt ist aber der, dass “Land…” eine Storykonstruktion gewählt hat, die das, was er erzählen will und problematisieren möchte, niemals wirklich zu fassen bekommt. Es geht um eine zunehmend militarisierte Gesellschaft im permanenten Ausnahmezustand, und was das für das soziale Zusammenleben bedeutet. Die Väter sind mit den Israeli Defense Forces im Krieg, und die Kinder spielen quasi stellvertretend daheim den Krieg der Erwachsenen nach - sie verteidigen “ihr” Territorium gegen die ihrer Ansicht nach unrechtmässig dort Lebenden. Am Schluss verlieren beide Seiten, die Einen ihr Leben, die Anderen ihre Menschlichkeit. Soweit, so grob vereinfachend. Nun ist das Alles leider auch nicht gerade besonders differenzierend und komplex erzählt. Sämtliche Charaktere bleiben eher Chiffren für die jeweilige Position, die sie im grossen Ganzen einzunehmen haben, für die Rolle in dem Spiel, aus dem relativ schnell blutiger Ernst wird, denn dass sie wirkliche persönliche Tiefe gewinnen und somit als Menschen aus Fleisch und Blut wahrgenommen werden könnten. Was “Life according to AGFA” vermittels seiner bestechenden Dialoge im Handumdrehen gelingt, nämlich seine handelnden Personen mit einer je eigenen Lebensgeschichte und einer individuellen, vielschichtigen Perspektive auf das Leben in Israel / Palästina auszustatten, das bleibt bei “Land…” ob seiner doch eher einfach gestrickten Grundkonstellation immer nur blosses Schema, eine grobe Skizze, die der Film nicht wirklich mit Leben und Substanz auszufüllen vermag. Und mir damit leider auch ziemlich egal geblieben ist, trotz der Dringlichkeit seines Sujets.

Hmm, da hab’ ich dann ja doch noch eine ganze Menge zu sagen gehabt - ich wünschte nur, es wäre positiver gewesen…

“Marlina the Murderer in four Acts” hat mir da schon bedeutend besser gefallen. Im Gegensatz zu vielen Anderen mochte ich den auch sehr gerne. Die kärgliche Schlichtheit der Geschichte, die perfekt mit der öden Unwirtlichkeit der Landschaft korrespondiert, hat mich auch gar nicht gross gestört. Auch, dass den lieben (gar nicht so) langen Film über im Grunde nicht viel passiert. Es ist eine sehr ruhige, extrem unaufgeregte und aufs Allernotwendigste reduzierte Erzählweise, welche die Geschichte um die Witwe, die ob der patriarchal-misogynen Gesellschaftsstrukturen im ländlichen Indonesien unfreiwillig zur Mörderin wird, nur ganz allmählich entspinnt. Ich habe das aber sehr genossen, dass der Film sich so viel Zeit lässt, als würde er gerade ein Nickercken an einem trägen, sonnendurchfluteten Nachmittag machen, und die Story eher so nebenbei erzählen. Wieder sehr viele schöne Landschaftsbilder in der Totalen, und ich bin gerade zu faul, nachzuschauen, wer genau da die Kameraarbeit gemacht hat, aber waren das mal meisterhafte Bildkader, oder was? Viele framings waren ja schon eher Tableaus denn blosse Bildausschnitte, so gemäldehaft war das in Szene gesetzt.
En passant wurde dann auch viel über die Rolle der Frau in der indonesischen Gesellschaft vermittelt - zum Beispiel auf einer Busfahrt geführte Diskussionen über Sex oder keinen Sex während der Schwangerschaft. In einer Szene sitzt Marlina mit einem jungen Mädchen auf einer mit Maschendraht vergitterten Veranda, und sie schauen einer Gruppe Jungen zu, die auf einem Sandplatz Fussball spielen. Dann gibt es einen Schnitt, man sieht dieselbe Szene von “aussen”. Es wirkt, als sässen die beiden Frauen im Gefängnis. Ich schrieb es ja schon - superbe Bildkonstruktion.
Der vierte Akt hätte dann tatsächlich auch auf einer Theaterbühne spielen können, so spartanisch war der inszeniert. Was mir auch noch gut gefallen hat, war, dass das Geschlecht des Neugeborenen am Schluss nicht mit einem Wort erwähnt wird. Weil es eben keinen Unterschied machen sollte, ob Mädchen oder Junge. So einfach ist das. Und am Ende fahren die beiden Freundinnen mitsamt dem Baby auf dem Motorrad mal eben aus dem Bildkader heraus und lassen die ganze patriarchale Ödnis einfach hinter sich.

Ich mochte “Marlina”. Ich mochte den wirklich sehr.

Mal sehen, was dann morgen die “Anne Hathaway und die Riesenmonster”- sowie “I went to School with a future Serial Killer”-Filme so hermachen.


Letzter Film, den ich gesehen habe
#628

Die meisten von Euch werden es wissen. Auf iTunes USA gibt es RAW, Killing Ground