Fantasy Filmfest 2017


#769

Das war jetzt schon mein letzter Tag. Aber bevor ich mich morgen ans Fazit setze, kann ich ja schon mal sagen, dass ich sehr zufrieden mit meiner diesjährigen Auswahl war. Mein Abschluss war mit “Victor Crowley” wirklich ein perfekter Festivalfilm. Ich schätze, alleine vorm Fernseher wäre ich da etwas kritischer gewesen, aber so war es ein sehr kurzweiliger Spaß. :slight_smile:

Außerdem habe ich heute “Marlina” gesehen, der zwar wunderschön gefilmt war und eine ungewöhnliche Geschichte erzählt, der aber für meinen Geschmack dann doch zu… ruhig war? Ich weiß gar nicht, woran es genau liegt, aber es war auf jeden Fall eine Geschmackssache und nicht Fehler des Films. Ich bin trotzdem froh, ihn gesehen zu haben, alleine schon für das ungewohnte Setting.

Dann habe ich noch “This is your Death” gesehen, der nicht schlecht war, aber irgendwie auch nicht mehr, als man bei dem Titel von Anfang an erwarten konnte.

Der Tag der “ganz guten” Filme bei mir, ohne dass etwas richtig schlechtes oder richtig gutes dabei war. :wink:


#770

Liest hier eigentlich noch irgendjemand aus Berlin mit, der heute in der Vorstellung von FIGAROS WÖLFE war? Mich würde interessieren, wie er dort angekommen ist – ob es etwa eine Art “Herkunftsbonus” (oder auch “Cast & Crew sind anwesend”-Bonus) gab oder das Publikum genauso konsterniert war wie hier in Frankfurt.


#771

Ich fand den furchtbar! Eben eine Review dazu geschrieben. Gibt ne Menge Murks dieses Jahr :frowning:


#772

Ich habe mir nach der Beschreibung und den ersten Stimmen gestern die WÖLFE ganz bewußt geschenkt, konnte allerdings in der Warteschlange am Saalausgang die völlig perplexen Gesichter der (spärlichen) Besucherschar genießen. Meine Spontanumfrage unter vier Stammgästen, auf deren Meinung ich viel gebe, brachte durchweg Fassungslosigkeit. Das war so mit Sicherheit lustiger, als wenn ich den Film mit durchlitten hätte.

Während der Vorstellung haben wohl nur Cast und Crew Stimmung gemacht; den Verdacht hatte ich auch schon ansatzweise bei SCHNEEFLÖCKCHEN.

BLACK HOLLOW CAGE war übrigens mein gestriges Highlight, der hat mir ausgesprochen gut gefallen. Der Streifen gewinnt deutlich, wenn man denn die Story ganz entschlüsselt hat. Das war trotz später Stunde dann auch nicht sooo schwierig.


#773

Marlina war dieses Jahr der Film bei mir mit der größten Diskrepanz zwischen Bildern und Erzählung/Story. Geniale Kompositionen + langweilig-nichtssagende inhaltliche Leere. Visuell/Bild: 9/10 Pkt, Story: 4/10


#774

Marlina nennt man wohl einen FFF-unkompatiblen Film und fällt somit in die oft gescholtene Arthouse-Wolke im weiteren Sinne. Ich fand ihn ganz vorzüglich.
Abgesehen vom Miike-Double neben 68 KILL mein Favorit bis jetzt. Hab anderswo ein paar Zeilen geschrieben:
Der männliche Teil der indonesischen Bevölkerung kommt bei diesem beeindruckenden Film nicht gut weg. Die titelgebende Marlina widersetzt sich Ihrer Unterwerfung in beeindruckender (gleich tödlicher) Weise. Die Mischung aus Rachethriller, Roadmovie, Drama und Arthousefilm funktioniert bestens und wird in ganz wunderbaren statischen Bildern präsentiert. Die Kameraarbeit ist hervorragend, es wird schön mit Unschärfen gespielt. Ein intensiver Film mit vielen tollen Momenten, feinen Details und einem außergewöhnlichen Score.
8,5/10


#775

Ich mag Arthouse, und nachdem man sich auch nach 30 Jahren nicht von dem Namen “Fantasy Filmfest” trennen will, sehe ich es als durchaus legitim an, wenn unter diesem Label alles zusammenkommt, was irgendwie abseitig ist und keinen Weg in die Kinos finden wird. Also gerne weiter mit REALITÉ oder BEASTS OF THE SOUTHERN WILD. Ein bisschen Gemetztel ist ja doch jedes Jahr dabei, Ich mag die Mischung,


#776

Ich war auch nicht in Wölfe drin aber ein Kollege von mir und er fand den Film auch grausam. Wollte das gar nicht so laut und in Gegenwart von zu vielen Leuten (falls die Macher in der Nähe sind) sagen.


#777

Hatte bei der Vorführung in Berlin das Gefühl, dass sehr viele der Zuschauer irgendwie in die Produktion des Films miteingebunden waren und vor allem deswegen immer wieder euphorisch in Applaus und Freudenjuchzer ausgebrochen sind. Gerade beim anschließenden Q&A wurde nach meiner Erinnerung so gut wie nach jedem einzelnen Statement der Gäste auf der Bühne gejubelt.

Das mag aus deren Sicht verständlich sein, aber ohne diese Involvierung lassen sich diese Begeisterungsstürme meiner bescheidenen Meinung nach nicht erklären. Fand den Film ziemlich unerträglich. Deine Review unterschreibe ich sofort.


#778

Witzig, exakt das gleiche Gefühl hatte ich in Frankfurt bei der Vorführung von “Der Bunker” vor 2 Jahren. Da saßen sehr seltsame und anstrengende Menschen zwischen uns, die mit ihrem gewollten Lachen vollkommen abgenervt haben.


#779

…und dein Hauptproblem mit MARLINA ist laut deines Reviews also, dass Männer hier nicht gut wegkommen und das dieses Jahr bei mehreren FFF-Filmen der Fall ist? Dann schau dir mal das Gesamtverhältnis an. In locker 75% der FFF-Filme (und beim “normalen” Kino ist der Wert noch höher) werden weiterhin traditionelle Rollenverhältnisse dargeboten, also starker Mann/schwache Frau. So, als wäre das das Normalste der Welt. Ist doch gut, wenn es auch ein paar Filme gibt, welche die Dinge mal auf den Kopf stellen und für ein etwas ausgeglicheneres Verhältnis sorgen.

(Etwas zu “langsam” fand ich MARLINA auch. Aber das hat ja nichts mit dem Revenge-Inhalt zu tun. Der ja übrigens schon seit den 70ern recht klassisch ist. Oder hat der dich damals schon gestört? :wink: )


#780

Das Thema ist doch nicht neu! Frage mich, wieso man sich heutzutage da drüber aufregen muss?
Ist doch 'ne feine Kritik am indonesischen Gesellschaftssystem, und ich denke, dass das absolut berechtigt ist.


#781

Bitte nicht falsch verstehen! Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn Männer in Filmen “nicht gut wegkommen”, siehe z.B. 68 Kill, das war sehr geil, aber dieses Jahr ist da einfach ein auffälliger Trend da, wird man ja mal sagen dürfen. Ich habe übrigens 2 Jahre in Indonesien gelebt und finde indonesische Männer grässlich, und dies sage ich sogar als Mann. Ich wollte meine kulturellen Erlebnise aber nicht in eine Filmreview einfließen lassen. Marlina jedenfalls gefiel mir nicht und ist mit 5 Sternen noch sehr wohlwollend “weggekommen”. Und den Bewertungen zufolge gibt es da wohl noch ein paar Leute mehr in Deutschland, denen der Film missfallen hat. Scheint ein Spalter zu sein. Und nochmal : Als Gesellschaftskritik, hier spez. Indonesien, ein vielleicht wichtiger Beitrag. Als Unterhaltung war es für mich die gähnende Langeweile. Und ich geh halt immer noch zur Unterhaltung ins Kino.

ps: und der “Revenge” Inhalt wie z.B. in “I spit on your grave” (Das Original) hat mich natürlich nicht gestört, aber irgendwann nutzt sich das einfach ab, so wie mich letztes Jahr die endlosen Zombiefilme irgendwann gelangweilt haben…
.
pps : Sehe gerade das DU dem Ding gerade mal EINEN Stern mehr gegeben hast, als ich :smiley:


#782

Wenn man Kino rein als Unterhaltungsmedium betrachtet, kann ich das natürlich nachvollziehen bei einigen Filmen. So richtig verstehen mag ich es aber nicht, da Kino so viel mehr bieten kann als das.


#783

Nun, deswegen setzen wir uns ja auf einem recht intellektuellen Niveau mit den Filmen auseinander, diskutieren, schreiben Reviews. Ich denke mal das tun die meisten Kinogänger im Lande eher seltener… aber ich brauch einfach nicht unbedingt belehrende Zeigefinger und Sozialstudien auf dem FFF, das habe ich auf arte und 3Sat genug. Zugegebenermaßen habe ich allerdings heute morgen in meiner Review zu “This is your death” auf die im Film enthaltene Sozialkritik positiv hingewiesen. Da bestätigt mal wieder die Ausnahme die Regel :slight_smile:


#784

Ich füchte, da muss ich mich auch zu denen rechnen, die von einem Spielfilm in erster Linie unterhalten werden wollen. Das bedeutet nicht, dass ich vor Alltagsproblemen die Augen verschließe, nur informiere ich mich darüber lieber über einen gut geschriebenen Artikel oder eine Dokumentation. Marlina war nicht meine Art von Film… aber dennoch finde ich es sehr gut, dass er gezeigt wurde. Diese Diskrepanz in einer Bewertung auszudrücken fällt schwer. Gerade denke ich darüber nach, ob Marlina weniger Sterne bekommt als Victor Crowley, und ich fühle mich schlecht dabei. Sie sind einfach viel zu unterschiedlich, und während der eine kurzweilig unterhalten hat, hat der andere eine viel größere Relevanz. Wenn mich Leute fragen würden, welchen der beiden Filme sie sich ansehen sollen, würde ich Marlina empfehlen. Aber selber mitgucken würde ich nicht noch mal wollen.


#785

Dieses “schlechte Gewissen” hatte ich übrigens auch. Ursprünglich wollte ich nur 4 Punkte geben, Ich glaube das ist irgendwie der Bonus den solche FIlme mitunter einfahren, auch wenn sie einem gar nicht so richtig gefallen haben.


#786

Ich denke, das musst Du nicht, dich schlecht fühlen, auch wenn das schon in meinen Augen ein krasser Vergleich ist. Filme sollen Spaß machen. Auch schwere Kost sollte doch in einer Form präsentiert werden die ein befriedigendes Kino Erlebnis ermöglicht. Was nützt mir eine Doku wenn sie mich langweilt? Ich sehe jedenfalls für mich auf dem FFF den Unterhaltungsfaktor weiter vorn als die sozio-politische oder sonst wie Bedeutung.
Gegensätze in Bewertungen auszudrücken, gerade wenn man noch Reviews schreibt, empfinde ich besonders dieses Jahr auch nicht als so easy. Wahrnehmung und das entsprechende Kinoerlebnis sind i.d.R. eine vielschichtige Angelegenheit. Angefangen bei der Tagesstimmung, über die persönlichen Präferenzen für bestimmte Themen, Genres, Schauspieler usw., über Erwartungen bis zur allgemeinen Stimmung im Saal, spielt alles mit rein.
Mir geht es z.B. so, das ich meistens bei Verlassen des Saals schon eine 80% Einordnung in Punkten treffen kann wie ich den Film fand. Das ist dann mein persönliches Stimmungsbild und ich bemühe mich diesen Eindruck in der Punktebewertung festzuhalten.
Ziehen wir aber Vergleiche, schreiben eine Review und machen uns evtl. Gedanken über die Relevanz (gesellschaftlich/politisch/kulturell/historisch oder wie auch immer), dann befassen wir uns intellektuell und mehr oder weniger analytisch mit dem Film. Es ist nicht unbedingt ungewöhnlich, das man da mitunter eine Sicht auf den Film erhält die sich anders als das Erlebnis darstellt. Vielleicht wird einem das Konzept des Films auch erst durch solche Aufarbeitung klar.
Nur: Das Film Erlebnis kann es logischerweise nicht mehr ändern, sollte jedem einleuchten, denn dieses liegt ja bereits in der Vergangenheit.
Ich finde es daher nicht weiter schlimm (allerdings kann es persönlich extrem wurmen) wenn Du solche Diskrepanzen hast und einen möglicherweise “hochwertigeren” Film weniger magst und schlechter bewertest, gerade wenn man anfängt sich über “Fairness” Gedanken zu machen.
Ich habe dieses Jahr einige Filme bei denen mein Erleben und die vorgesehenen Punkte nicht so ganz zum Geschriebenen zu passen scheinen und mir auch Vergleiche zu anderen Filmen Probleme bereiten. Es geht dabei zwar meistens nur um einen halben Bewertungspunkt aber die Grundfrage ist die Gleiche: Kann ich diesen Film, der eigentlich schlechter als jener ist oder zu sein scheint, besser bewerten?
Ich habe mich entschlossen die Aufarbeitung zum Film, die ja immer auch analytisch ist, nicht zu engstirnig an die Punkte Bewertung zu koppeln, sondern noch genug Bewertungsraum zu lassen, das notfalls eben der erste Eindruck als Stimmungsabbild in Punkten bestehen bleibt. Vor diesen Überlegungen kann ich dann auch besser mit solchen Diskrepanzen leben und es kann vorkommen das ein Film mit tendenziell positiver klingendem Review eine schlechtere Bewertung erhält als ein Film mit einigem Genörgel im Text.

Ähh… Ich glaube, ich bin gerade ein wenig abgeschweift. :nerd:


Fazit FFF 2017
#787

Ok, langsam Endspurt:

It Came from the Desert 4/10

The Strange Ones 7/10

Rendel 3,5/10

Game of Death 2/10

The Night of the Virgin 4/10

Land of the Little People 4,5/10

Replace 3/10

Marlina the Murderer in Four Acts 7/10


#788

Tag 2 in Köln

Ein Ausfall, der Rest war ganz okay, ganz gut bis spitze. Tolle Mischung. Abwechslung satt, Aussagen und Unterhaltung im Einklang. Ich merke gerade wie mich das Festival mal wieder richtig packt, fordert und gleichzeitig entspannt.

Keine Gewinnspiele weit und breit. Extrem wenig Gäste dieses FFF für Köln. Dafür mag ich die persönlichen Video-Ansagen mancher Regisseure.

Vidar The Vampire (7,5/10)
Wunderbar sympathische Blasphemie - dem Macher in Personalunion gehört jedes Lob. Tolles kleines Ding. Witzig, frech, hat was zu sagen. Ob man mit dem einhergeht ist etwas Anderes. Positive Wundertüte für mich.

Trench 11 (3/10)
Klaustrophobie selten lahm - was für ein langweiliges Gürkchen unter feindlichen Linien. Grabenkrampf. Ermüdend. Unnötig. Faul. Fail. DTV-Stangenware. Nur die Spaghetti-Würmer wären cool.

Autopsy of Jane Doe (7,5/10)
Die gruseligste Leiche seit… ever?! Sehr sehr scary und so noch nie gesehen und gleichzeitig mit Oldschool-Vibe. Erwartung erfüllt, selbst wenn das letzte Drittel etwas abfällt und generischer wird.

RAW (8/10)
Luis Suarez’ Lieblingsfilm. Cannibal College. Hardcore Coming-of-Age. Geschmacksache. I like. Auch als Vegetarier. Jedoch kein Magendreher fürs FFF-Publikum. Marketing halt.

Rendel (4,5/10)
Sympathisch-düsterer “Punisher”-Verschnitt. Will mehr als er kann. Stets bemüht würde ich sagen. Zäh und überfordert in weiten Teilen. Regisseur ist ein netter Typ!