Hach ja, meine drei Tage FFF sind rum bzw. waren am Montag abend schon vorbei und ich bin in etwas melancholischer Stimmung wieder gen Heimat gefahren. Gern wäre man noch länger geblieben, denn ich habe sie schnell lieben gelernt, die einzigartige Atmosphäre dieses Filmfestes. Früh da sein und trotzdem anstehen, mit Unbekannten plaudern, Fast Food im Kinosessel essen, immer wieder die gleiche Werbung sehen und es trotzdem genießen. Filme schauen mit Gleichgesinnten hat mir noch nirgends so viel Spaß gemacht wie hier und ich bin zwar einerseits verärgert, dass Festival erst in den letzten zwei Jahren für mich entdeckt zu haben, aber andererseits auch dankbar, es jetzt miterleben zu dürfen. Klingt alles sehr sentimental und ist es wohl auch. Jedenfalls hab ich mir 8 Filme angesehen und bin mit der Ausbeute sehr zufrieden. Richtig ins Fettnäpfchen ist keiner der Streifen getreten, heißt also auch, dass 80 Euro gut investiert wurden. Einzig Imperium hat mich ein wenig ratlos zurück gelassen. Eigentlich ein feiner Film, der mit seinem Ende aber ganz viel an Kredit verspielt.
Die Highlights kamen für mich recht spät, aber umso nachhaltiger. Liebling ist für mich ganz knapp und entgegen der großen Mehrheit (?) Here Alone geworden. Der hat mich ordentlich auf dem falschen Fuß erwischt und damit noch mehr beeindruckt. Somit liegt er knapp vor Under The Shadow, der mal eben zu einem der besten Gruselfilme der letzten Jahre avancieren dürfte und mit seinem minimalistischen aber extrem wirkungsvollen Horror den Bruder im Geiste (The Babadook) locker in die Schranken weist. Auf Platz 3 kommt dann der Downer des Festivals (ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster, auch weil ich es nicht für möglich halte, dass 2016 beim FFF ein Film noch ergreifender in die Gefühlswelt des Zuschauers brettert): Kidnap Capital. Ein schonungsloses und schmerzhaftes Abbild einer Realität, die keinen interessiert.
Der Rest folgt dann knapp dahinter, ob nun blockbusterartiges Entertainment bei Mojin, Psychospielchen bei Psycho Raman, eine herausragende Darstellerin in The Girl with all the Gifts oder überraschend frisches (Anti)superheldenfutter mit Jeeg Robot… unterhalten wurde man immer.
So rückblickend ärgere ich mich doch ein wenig, dass ich mir The Eyes of my Mother nicht zugetraut habe und am Montag recht früh gefahren bin und so Carnage Park verpasst habe. Nun denn…
Rezis zu den Filmen folgen (hoffentlich) noch, bis dahin erstmal ne fixe und recht emotionale (daher wohl oft etwas zu hohe) Einzelwertung:
Here Alone (9/10)
Under The Shadow (9/10)
Kidnap Capital (8,5/10)
Mojin (7,5/10)
Psycho Raman (7,5/10)
They call me Jeeg Robot (7,5/10)
The Girl with all the Gifts (7/10)
Imperium (6/10)
(ja und im coolen Videoladen würde ich gerne mal rumstöbern wollen).
) - THE NEIGHBOR hat auch was, fies und teilweise spannend (erinnert aber immer wieder an die alten Filme von Marcus Dunstan). TRAIN TO BUSAN ist irgendwie der zweite Teil von WORLD WAR Z nur in koreanisch und dass diese zweistündige Zombiebombe es ordentlich krachen lässt war letztendlich ein schönes Ding. Als Abschlussfilm macht das natürlich Sinn. Der Eröffnungsfilm SWISS ARMY MAN dagegen war irgendwie nur nett! Diesen Film jedoch als besten 2016 zu bezeichnen ist dann doch etwas daneben!

Ich habe schon oft gehört: oh, gerade für den Jubiläumsjahrgang eher blass. Nein, für mich stimmt das nicht. Klar wären mehr Specials, Gewinnspiele (gabs diesmal gar keine!) oder auch Ansagen toll gewesen. Vielleicht sogar ein Best Of von Bad Taste über Dobermann bis Eden Lake - ich denke die Massen die ein paar Klassiker hätten sehen wollen, hätten ein Stadion füllen können, nicht nur das Residenz. Außerdem gab es weniger allgemeine Hits, also Überfilme die allen gefallen. Wie z.B. nur Train To Busan oder mit kleineren Abstrichen Swiss Army Man. ABER, und das ist nicht umsonst groß: es gab eine Menge kleinerer Hits, Special Interest-Dinger die alle ihre angetanen Fans finden werden. Von Bombast wie Mojin oder Final Fantasy über Abstruses wie den Greasy Strangler über Arthouse wie Eyes of My Mother oder schlicht plattes Entertainment wie Don’t Kill It - die Mischung macht’s & die stimmt hier auffällig gut. Nur die Mitternachtsslots waren etwas schwachbrüstig & auch oft zu spät zu Ende/nicht perfekt gelegt.
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Ich bin erst etwa die Hälfte davon dabei, aber in dieser Zeit hatte ich eine Menge Spaß, habe viele wunderbare Filme auf dem Festival entdeckt und der Kinosaal hat sich zu meinem traditionellen Sommerurlaubsort entwickelt. Deshalb freue ich mich, dass es das FFF immer noch gibt, und ich hoffe, dass sie noch mindestens weitere 30 Jahre durchhalten.