Nun denn - Ich hatte ja am Wochenende erst noch erwogen, diesen thread hier frecher Weise selbst eröffnen zu wollen, dann aber doch wieder Abstand davon genommen. Alldieweil ich der Meinung war und bin, dass niemand, die:der hier reinschaut, und als ersten post gleich so einen umzusammenhängend-unentzifferbaren, unleserlich-unsinngen Murks zu Gesicht bekommt, wie meine obligaten Buchstabensalate, und Bleiwüsten, dann hier guten Gewissens weiterlesen wollen würde… Da nun aber schon einige von Euch den Anfang gemacht haben, kann ich mich ja einfach brav mit einreihen, und falle dann in der Menge vielleicht nicht mehr ganz so sehr auf.
40 Jahre FFF: Vom Mut zum Hässlichen, der Wut gegen das Unzumutbare, und der Trauer um das unwiderbringlich Verlorene - Ein Glückwunsch-post
Meine Güte, ist das irre - 40 lange Jahre FantasyFilmFest. Und nunmehr auch schon meine persönlich 29ste Ausgabe, bei der ich mit von der Partie bin (nachdem ich anno 1998 und auch 2002 aus persönlichen Gründen ausgesetzt hatte, und auch die Pandemie-Jahre von 2020 bis einschliesslich 2022 (zwangs-)pausierte..). Hier in Hamburg war im „Savoy“-Foyer eine Art Glückwunsch-Gabentisch / Anniversary-Altar, inclusive Fotoband zum Drinblättern (da waren, AFAIK, wohl aber nur die Poster-Motive der bisherigen Jahrgänge drin verewigt), aufgebaut. Welcher von unserem lokalen „Vor Ort“-Rosebud-die Sven dann noch mit leckeren Muffins, und allerlei anderem Krimskrams (was genau, habe ich schon wieder vergessen) geschmückt, und verziert wurde. Auch hier von mir nochmals allerherzlichste Glückwünsche zum Vierzigsten!
Für mich selbst war’s heuer nur ein recht kurzes, arg zusammengestutzes FFF-Jubiläums-Programm. Alldieweil ich in diesem Jahr ja leider keinen Urlaub hatte, es mir bedauerlicher Weise auch absolut gar nicht möglich, und machbar war, denselben vorzuverlegen, wie noch anno 2025 (zu welchem Jahrgang ich, wie mir gerade auffällt, auch immer noch, und gar kein Gesamt-Fazit abgetippt habe… Na, mal schau’n, eventuell kommt das beizeiten dann doch auch nochmal (wobei ich jetzt nicht so vermessen wäre, auch nur irgend zu vermuten, dass irgendjemand da nach über einem Jahr auch nur einen feuchten Kehricht sich drum scheren würde… nein, das würde dann eher meiner persönlichen Filmtagebuch-artigen Reminiszenz dienen)). Von daher war ich leider nur an zwei Abenden, mit je zwei Filmen, und zwei Tagen, mit je vier Filmen zugegen. Und musste schweren Herzens einige Perlen schon im Voraus sausen lassen (unter Anderem „Never After Dark“ und „You Are The Film“. Aber auch „Buddy“ hätte ich wohl noch mitgenommen, da ich dann ja eh schonmal vor Ort gewesen wäre). Und fühlte sich das Ganze für mich persönlich auch eher wie ein extended cut der FFF-Nights, denn eine „richtige“, ausgewachsen-vollumfängliche Haupt-Festivität an. Andererseits will ich mich aber auch nicht beschweren, denn wäre nicht die überaus entgegenkommende, und nachsichtig-gütige Kulanz meiner hochgeschätzten Kolleginnen gewesen, welche es mir ermöglichten, etwas früher als im Dienstplan vorgesehen mich von der Arbeit zu entfernen, dann wären mir tatsächlich auch noch der Eröffnungsfilm „Leviticus“, und das crime drama „Carolina Caroline“ durch die Lappen gegangen. Was das Programm, und meine Auswahl anbelangt, so habe ich daran im Grunde genommen nichts, oder zumindest nicht allzuviel, zu bekritteln. Ich fand es eine wirklich facettenreiche, vielseitige, und rundum gelungene Auswahl, bei der doch eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei gewesen sein sollte. Und die üblichen Wehklagen, von wegen „Früher war Alles besser!“, und das alle Jahre wiederkehrende Mi-Mi-Mi, das Festival habe sich mittlerweile doch viel zu sehr von seinen Ursprüngen entfernt (And guess what? Welches Filmfestival, dem an seiner fortwährenden Relevanz gelegen ist, würde das im Verlauf von gut vierzig Jahren nicht tun? Zumal ja auch die (immer noch in der Mehr-, und Überzahl in der Film-Programmierung vertretenen, und abgebildeten Genres ebendas, also sich weiter entwickeln, genauso getan haben, und auch beständig immer noch tun… und ich für meinen Teil bin tatsächlich auch heilfroh darüber), allerspätestens jetzt und hier, gerne ein für allemal und bitteschön verstummen können. Dass es heuer wieder ein paar mehr (und nicht nur ein einziges, wie in den letzten Jahren) Retro-screenings gab, und diese allesamt auch sehr schön ausgewählt (und ja, das schliesst für mich auch den ganz wunderbaren „Beasts Of The Southern Wild“ mit ein, obwohl auch ich mir da lieber einen anderen Film gewünscht hätte (wenn schon aus den 2010ern, warum dann kein Streifen vom Kaliber eines „It Follows“, oder „Under The Skin“?), und auch mehr als gut besucht waren, erfreute auch mein Film-Fan-Herz sehr. Und kann Rosebud gerne auch so weiterführen. Ein ausreichend grosses Publikum dafür scheint ja doch vorhanden zu sein. An der filmischen Kuratierung habe ich jedenfalls nach wie vor nicht nur nichts auszusetzen, sondern trifft die meinen persönlichen Geschmack recht gut.
Zum Kino selbst, dem „Savoy“-Team, den Rosebud-dies Fredi und Sven, sowie auch ansonsten dem ganzen Drumherum, habe ich eigentlich weiter nichts zu sagen, und zu schreiben, was ich nicht bereits in all den vergangenen Jahren schon gesagt, und geschrieben hätte. Und mich demzufolge hier und jetzt auch nur wiederholen würde. Ausser, dass die Pausen zwischen den Film-slots gelegentlich doch etwas arg knapp bemessen waren (ist mir vor Allem am Sonntag aufgefallen). Einmal (ich glaube, es war vor „Mutter“) wurden zwei andere Menschen und ich selbst, als wir uns krass festgequatscht hatten, sogar noch von Sven ermahnt: „So Leute, wenn Ihr Euch jetzt nicht auf den Weg in den Kinosaal macht, dann fängt der Film gleich ohne Euch an!“. Woraufhin ich dann ultraschnell noch das WC frequentierte, und wirklich punktgenau, und auf die absolut allerletzte Sekunde, mich auf meinem Stamm-Sitzplatz einfand, gerade und genau in dem Moment, als „Mutter“ dann begann. Puuuh - Das war (zu) knapp gewesen!
Die vielen Gespräche und (Wieder-)Begegnungen mit altbekannten, und auch ganz neuen Gesichtern, sowie die wirklich bereichernden, und vielschichtig-komplexen Konversationen mit anderen FFF-Gästen, und Besucher:Innen, sind jedes Mal wieder das Salz in der (ohnehin schon überaus schmackhaften) FFF-Suppe, und habe ich auch heuer wieder jede Menge vertrauter Menschen begrüssen, und mich mit ihnen austauschen dürfen (unter Anderem @todi , @Brain3ug , @Frank , Hagen, und auch @Umelbumel (Ja-Ha, @Brain3ug - Anknüpfend an unseren kurzen talk nach dem screening von „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, ob er denn in diesem Jahr überhaupt mit dabei sei, habe ich ihn dann später am Nachmittag wirklich und wahrhaftig noch erspäht, und mich auch ganz kurz noch mit ihm unterhalten… er war dieses Mal aber tatsächlich nur für eine einzige Film-Vorstellung mit dabei, nämlich zu „The Plague“)). Aber auch mit Ed vom „Savoy Film Club“, sowie mit André Hecker (von unter Anderem „Kino+“, „Devils & Demons“, und „Genre Geschehen“) habe ich noch eine ganze Weile lang über diverse Genrefilme, dies und das, and life in general geplauscht. Sowie, last but by no means least, mich nach der Vorstellung von „Mutter“ mit Carly May Borgstrom, der Regisseurin von „Spirit In The Blood“ und auch „Fear Good“ Jury-Mitglied, noch kurz über unsere jeweilige Rezeption von Alphan Eşelis grossartigem Charakter-Drama unterhalten. Von daher habe ich, selbst wenn ich in einer Film-Pause mal nicht indisch essen war, die Pausen auch zwischen den einzelnen Vorstellungen für mich optimalst ausgenutzt, und wie immer jede Menge wehrlos-unschuldiger und ahnungslos-überraschter Opfer gefunden, die ich mit meinem unsinnig-unqualifizierten Wortschwall zutextete, bevor sie die Flucht ergreifen konnten…

Na gut, kommen wir dann also mal zu den Filmen selbst. In meiner Wahrnehmung war’s ein guter, bis okayer Festival-Jahrgang… Nicht so herausragend superb, wie 2023, 2024, oder gar 2014, oder 2017. Aber auch nicht so enttäuschend wie (jedenfalls für mich) anno 2019. Gutes, und solides Mittelmaß, mit einigen Ausreisser:Innen nach oben (die dann aber allesamt nicht so spektacoolär-phänomenal waren, wie diejenigen in den zuvor genannten Spitzen-Jahren), und - jedenfalls was meine personal picks anbelangt - mal gar keinen wirklich faulen Eiern, bzw. fade geschmacksarmen Gurken. Der mit Abstand beste Film des ganzen Festivals, wiewohl ausser Konkurrenz, selbstschreibend „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (a.k.a. „Don’t Look Now“). Siehe dazu meine hier zu findenden (<— Link / Klick’ mich!) Sichtungs-Impressionen (ein vollständiges Langtext-review folgt irgendwann demnächst noch). Auch den zweiten der vier unsterblichen Klassiker, nämlich „A Chinese Ghost Story“ (<— Link zum Quasi-review) habe ich sehr genossen… obwohl ich bei dieser Sichtung, ob der schon fortgeschrittenen Uhrzeit, und schon drei davor gesehener Filme, mit mich zunehmend mehr überkommender Müdigkeit zu kämpfen hatte. Vier Filme pro Festival-Tag, inclusive einer Essenspause dazwischen, sind mitterweile wirklich mein absolutes Maximum! Mit Mitte Fünfzig haut das eben Alles nicht mehr so ganz hin, mit dem tagtäglichen Film-Marathon, und bauen sowohl meine eigene körperliche Verfasstheit als auch Serotonin-Spiegel bedeutend schneller, und rapider ab, als noch mit Mitte Zwanzig, plus lassen dann auch meine Konzentrations-Fähigkeit und Aufmerksamkeit mehr und mehr nach. Was die aktuellen, und (für mich) „neuen“ Festival-Beiträge anbelangt, so werde ich da auch in diesem Jahr wieder mein bewährt-bekanntes Schema zu Rate ziehen und bemühen:
The Fab Four (Meine vier Lieblingsfilme des diesjährigen Festivals)
“Mommy loves you.” (Isabella Rosselini, “Blue Velvet“)
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John Lennon: Der ungestüme Wilde, der gerne mal die Klappe zu weit aufreißt - ”Sanguine”
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Paul McCartney: Der Konservativ-Bodenständige, der insgeheim rebellieren möchte - ”Carolina Caroline”
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George Harrison: Der esoterisch angehauchte Mystisch-Sinnsuchende - ”Hex”
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Ringo Starr: Der schweigsame Stille, der ab und an mal einen Witz erzählt - ”Mutter”
Bester (aktueller) Film des Festivals
So manch Eine:r mag sich da jetzt verwundert die Äuglein reiben, und nochmal kontrollieren, ob er:sie richtig geschaut hat, aber ich hatte es ja zu Beginn des Festivals schon angedeutet, und ist es in der Tat dann auch dabei geblieben: Maja Holands formidabel-fabulöse (Längst nicht nur-)Musik-Doku „Hex“ ist der für mich persönlich (mit gehörigem Abstand sogar) allerbeste Film des gesamten FFF 2026! Ein unglaublich reichhaltiges, komplex-vielschichtiges, üppig überquellendes filmisches Füllhorn an tabulosen Themen, betörenden Bildern, magischen Momenten, kompromissloser Kreativität, widerständigen Praxen, eigensinniger Expressivität, Selbstbehauptung und wiederkehrenden Selbstzweifeln, dem Mut zur Hässlichkeit und der Schönheit des Monströsen (nicht nur in der Musik), ein wahnsinnig mitreissend-fesselndes, illuster-intimes, still-nachdenkliches, laut-lebensbejahendes, involvierend-inspirierendes, und glaubhaft-genuines Musik-Mosaik. Eine monumental-magische, musikalisch-genialische Reise zwischen Corpse Paint und Menstruationsblut, zwischen Hexenprozess und Festival-Auftritt, zwischen Zelebration und Initiation, zwischen Bühnen-Ritus und Nachsinnen über den Koitus, zwischen Takthalten und Aus-der-Reihe-Tanzen. Ein unfassbar bereichernder Einblick in den kreativen Schaffensprozess, eine ergründend-erfüllende Sinnsuche und anstiftend-anregende persönliche Reise, ein wunderbar warmherzig inszeniertes und behutsam berührend gefilmtes Portrait dreier junger Frauen, die sich eines Tages dazu entschliessen, eine Black Metal-Band mit dezidiert feministischem Anspruch und einer weiblich solidarischen Haltung, und Einstellung zu gründen. Ein reflektiert-raffinierter Film, der mir so unendlich viel tiefsinnigen Stoff zum Nach- und Weiterdenken mitgegeben hat, wie alle anderen Streifen des diesjährigen FFF-Ausgabe zusammen genommen nicht, und von dessen vielfältigen Sensationen und thought provoking trajectories ich immer noch zehre… und das wohl auch noch eine ganze Weile lang tun werde. Der hätte von mir aus gut und gerne auch noch doppelt so lange, mindestens aber eine Stunde länger, laufen können und dürfen, nein, müssen! Ein faszinierendes filmgewordenes Wunder, über das Finden der subjektiv eigenen verborgenen Intentionen, und das mühsame Gehen des individuell eigenen (Lebens-)Wegs. Mir persönlich auch vollkommen egal, dass da viele Szenen und Begebenheiten ganz eindeutig und unschwer erkennbar gescripted, und extra für den Film inszeniert worden sind… solche seltsamen Niggeligkeiten können ohnehin nur irgendwelche borniert-eingefahrenen „trveness“ bone heads stören. Zumal die Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm ja ohnehin keine allzu trennscharfe, und mehr eine verwischt-verschwommene ist.
Herausragend
“The whole hill… smelt like… victory!” (Robert Duvall, “Apocalypse Now”)
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”Mutter: Diary Of A Mother”
Der lichtlos-emotionale Tiefpunkt und melancholisch-trübsinnige Downer des Festivals. Einerseits… und aber dann doch wieder voll widerständig-selbstbehauptender Humanität, voll stoisch-unbeirrter Zuversicht. Voll der wuterfüllten Weigerung, einfach aufzugeben, und das Feld kampflos der chauvinistisch-sexistischen Männlichkeit zu überlassen. Die schnörkellos-spröde, ungemein anrührende, und empathisch-mitfühlende Schilderung eines unbarmherzigen Überlebenskampfes. Das deprimierend-dringliche, prägnant-präzise Psychogramm einer Frau, der nichts geschenkt wird, und die dennoch trotzig auf ihrem, und dem Recht ihres Kindes beharrt, wenn schon nicht wirklich leben, dann aber doch wenigstens über-leben zu können, und dürfen. Mit der fesselnd-faszinierendsten, eindringlichsten, und herausragend-glanzvollsten performance des ganzen Festivals… Was Haupt-Darstellerin Hazar Ergüçlü hier für eine (tor-)tour de force hinlegt, muss mensch schon mit eigenen Augen gesehen haben, um es wirklich glauben zu können.
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”Carolina Caroline”
Ein thrilling unfulfilling wild ride, eine düster-desolate, adrenalingeladene und Contenance-entsicherte Irrfahrt durch Fata Morgana-hafte Trugbilder von im Verschwinden begriffenen americana, eine joyous-juxtaposed, and darkly twisted, melancholy tinged journey into the rotten heart of the american dream. Das allmähliche, atemabschnürend beklemmende Gewahrwerden der eigenen Selbst-Täuschung. Ein mitreissend-magenboxender road trip, eine elektrisierend-faszinierende amour fou, eine stürmisch-steuerlose Odyssee zweier verirrt verlorener Seelen durch lost landscapes, und cursed countrysides. Ein Film voller soziokultureller Anspielungen und zeitgenössisch-aktueller Rück-Bezüge auf vielfältige ökonomische und politische Meta-Texte. Mit einer superbly stunning Samara Weaving und einem lässig-coolen Kyle Gallner. "American Nightmare, running scared" (Misfits)
Sehr gut
“Louis, I think this is the beginning of a beautiful friendship.” (Humphrey Bogart, “Casablanca”)
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”Le vertige”
Quentin Dupieux’ (nicht mehr ganz so) neuester, funkensprühend-vergeunwissernder Geniestreich. Eine irrwitzig-impertinente, interventionistisch-implodierende Parallax-Parabel um Simulations-Räume, Alternativ-Realitäten, Kinder und Karriere, glitchende Vögel und inhaltslos hohle technische Spielzeuge. Viel tiefgründiger, als mensch zuerst denken mag, und dabei dennoch immer luftig-leicht, und unbändig-unbeschwert. Der Meister des absurd-hintersinnigen französischen Anarcho-Humors at his very best.
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”Blades Of The Guardians”
Wirbelnd-windumtostes, sandig-sturmgebeuteltes Wuxia-Wusel-Epos mit einer doppelt und dreifach so hohen Zahl von im Minuten-Takt eingeführten Pro- und Antagonist:Innen, als an abrupten Schnitt-Gewittern in den beeindruckend-blitzschnellen Kampf-Szenen, und drastisch-drauflos preschenden Duellen. Eine einzige grosse Kämpferei, Raufereien und Ränkespiele, Komplotte und Krawall, Intrigen und Siegen in der chinesischen Wüste. Bildgewaltig-betörender Fuchtel-Fun für die ganze grosse Fernost-Film-Fan-Familie.
Gut
“Good enough for Paul Newman, good enough for you!” (Dolph Sweet, “The Wanderers”)
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”Leviticus”
Sensibel-intime Beziehungs-Geschichte(n) in der sozial-mentalen Einöde der strikt-sekludierten Glaubensgemeinschaft einer australischen Kleinstadt. Wenn derjenige Mensch, den Du am meisten liebst, Dir durch an- und umerziehende Gehirnwäsche urplötzlich wie eine dämonisch Dich besessen machen, und verletzen wollende fremde Entität erscheint. Personal queer desire rendered infernally impossible, and painstakingly possessive. Quasi „It Follows“ nach vollendeter Konversions-Therapie. Läuft sich mit fortschreitender Laufzeit allerdings mehr und mehr tot, und tritt dann irgendwann nur noch unentschlossen-unergiebig auf der Stelle. Schade drum, da wäre mehr drin gewesen.
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”Sanguine”
Rasant-rabiater, brachial-brutaler Burn Out-Body-Horror-Trip vom Feinsten, und Gemeinsten. Spätkapitalistische Dressierungen und Deformierungen in einem kirre und krankmachenden Gesundheits-System. Nichts neu oder originell anders formulierend und inszenierend als seine Vorbilder „Raw“, „Rabid“, „The Substance“ oder „The Fly“, dabei aber so effektiv-explosiv, und krachend-kaputtmachend, dass Dir glatt die Spucke wegbleibt, und das Blut zu kochen anfängt. Die „Heldin“ läuft Amok im Monster-Hospital. Anfälle, Ausbrüche und Angriffe im 24/7-workday der selbstverletzend-hautverätzenden Flexibilitäts-An-, und Überforderungen. Long live the new neoliberalist flesh!
Mittelmäßig
“You are not special. You are not a beautiful or unique snowflake.” (Brad Pitt, “Fight Club”)
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”AnyMart”
Arg dröge geschilderte Endlos-Plackerei im Hamsterrad der nipponesken Arbeitswelt. Eine quälend anödende Sisyphos-Store-Tortur aus bedeutungslos stupiden Morgen-Appellen, standardisiert-sinnentleerten Gruss-Floskeln, und zwar -zig verschiedenen abgepackten Hähnchenbrust-Variationen, aber nur einem erlaubten work ethic mind set. Zieht sich zäh, und schleppt sich träge dahin, muss aber auch genau so, und nicht anders sein. Weirdo Working Place-Groteske typisch japanischer Machart.
-
”The Plague”
Behutsam-bedrückendes, verwirrt-verunsichertes, abgrenzend-aussonderndes Aussenseiter-Teenager-Terror-Mobbing-Psycho-Drama. Wohl der best fotografierteste, und genialst ge-framed-te Festival-Film dieses Jahrgangs. Schaffte es aber trotz all seiner perfekt austarierten Bilder, und stimmungsvoll-ausbalancierten Impressionen dennoch in keiner einzigen Sekunde, mich innerlich zu involvieren, und emotional einzubinden. Ohne, dass ich nun genau sagen könnte, warum eigentlich. Sehens-, aber nicht fühlenswert.
Schlecht
“I’m starting to dislike you…a lot!” (Jack Starrett, “First Blood”)
- ”The Ones Who Grieve”
Wohl niemand, die:der sich den neuesten Film von Quarxx angesehen hat, und zuvor auch nur im Ansatz mit dessen bisherigem Output vertraut gewesen war, hatte sich davon vermutlich eine sonniglich-heitere, unbeschwert-ausgelassene Gute Laune-Muntermach-Komödie erwartet. Ich selbst auch nicht. Ein klein bisschen mehr als nur das genüsslich-sadistische Sich-Suhlen in allerlei überzogen-überzeichneten Gewalt-Exzessen, und das detailiert-schonungslose Ins-Bild-Setzen mannigfaltiger Quälereien, von Folter, Mord und Totschlag, hätte es dann aber doch schon sein dürfen. Wenn sich des Herrn Regisseurs zugrunde liegende message dann aber nur im unaufhörlichen Lamentieren darüber, wie verkommen-hoffnungslos diese unser Aller trübsinnige Existenz doch wohl sei, und dass das menschliche Leben letztlich halt doch nichts Anderes ist, als ein grimmig-grausiges, freud- und auswegloses Jammertal, und der Mensch immer noch des Menschen Wolf, dann ist mir das in Summe nicht nur viel zu wenig, und empfinde ich das darob de facto nicht bloss als unzumutbar-unerträglichen Fauxpas, sondern sogar schon als persönlich-rotzfrechen Affront. Klitoris-Beschneidung, Vergewaltigungs-Inzest, und Elektro-Schocks am offenliegenden Bregen, bis den unfreiwilligen Proband:Innen wortwörtlich der Kopf zu rauchen beginnt - Ausser dem debilen Durchdeklinieren unappetitlicher Brutalitäten hat „The Ones Who Grieve“ leider mal so rein gar nichts zu bieten. Was wirklich ein Jammer ist, wo er doch ansonsten Quarxx’ mit weitem Abstand rundester, und handwerklich bester Streifen ist. Auch schauspielerisch und von der Ausstattung, Szenenbild und Kamera her absoluter state of the art, und on top of it’s game. Hilft nur leider nix, wenn Einer:Einem dann so dermaßen penetrant-pervertiert, und aufdringlich-ungeniert immer nur derselbe pessimistisch-nihilistische Nonsens in den Kopf reingehämmert werden soll. Für manch Eine:n mag das durchaus ausreichend sein, mir selbst ging diese ganze endlose filmische Marter-Session trotz all ihrer bildlichen Opulenz, stellarem acting und fabulöser Kostüme schwerst gegen den Strich. Degoutant nicht wegen seiner Gewalt, sondern wegen des völligen Fehlens irgendeines tieferen Sinn-Gehalts. Muss ich nicht nochmal haben.
“Wir raten ab!”
“Could be worse!” - “It’s worse!” (Carrie Fisher und Harrison Ford, “Star Wars”)
- Heuer gibt’s absolut gar keinen FFF 2026-Film, welcher nach meinem Dafür (besser Dagegen-)halten in diese Kategorie fällt… denn den strunzdoofen, debil-derangierten „Fuck My Son“ habe ich ja in weiser Voraussicht ausgelassen…
Ansonsten hätte der sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl hier angefunden. Mal schau’n, irgendwann vielleicht mal, wenn ich gepflegt abkotzen will, oder mir anderweitig nach masochistisch-cineastischer Selbst-Quälerei zumute sein sollte. „(Don’t) Fuck My FFF!“
Hab’s auf dem Festival verpasst, möchte ich bei Gelegenheit nochmal nachholen
- ”Hope” (aber nur als Heimsichtung, nicht im Kino… egal, wie sehr der auch die grosse Leinwand braucht)
- ”Buddy”
- ”Hokum”
- ”Nervous”
- ”The Fox”
- ”Another World”
- ”Never After Dark”
- ”You Are The Film”
- ”Ghost In The Cell”
- ”Histoires de la nuit”
- ”The Restoration at Grayson Manor”
Hätte ich gerne auf BluRay (oder wenigstens DVD)
- ”Hex”
- ”Sanguine”
- ”Le vertige”
- ”Carolina Caroline”
- ”A Chinese Ghost Story”
- ”Mutter: Diary Of A Mother”
- ”Blades Of The Guardians”
Würde ich mir nichtmal anschauen, wenn man mir Geld dafür geben würde
Auf Nimmerwiedersehn!
- ”The Ones Who Grieve” (einmal ansehen reicht da in dem Falle völlig aus, und war eigentlich schon einmal zuviel)
- ”The Plague” (der würde mir auch bei einer Zweitsichtung wohl nicht mehr sehr viel nähergehen)
Und das war’s dann, mit meinem „FFF 2026“-Rückblick. Es war mir, wie in jedem Jahr, auch diesmal wieder eine Ehre, und ein reines Vergnügen. Last but by no means least, möchte auch ich mich noch einmal ganz ausdrücklich, und vielmals bei der gesamten f3a-net-community, bei ausnahmslos allen hier mitdiskutierenden, viel- (oder auch wenig-)schreibenden, allzeit fleissig reviews abtippenden, meinungsstarken und ansichtsfreudigen, streitbaren, augenzwinkernd Spässe machenden, leidenschaftlich argumentierenden, emotional debattierenden, rational analysierenden, und kritisch kommentierenden Foren-Mitgliedern bedanken - Ihr seid doch die Allerbesten, und wäre mein FFF-(Er-)Leben ohne all Euren Input, Eure Leidenschaft und Euer Engagement für mich selbst gar nicht mehr vorstellbar, und bereichert meine eigene filmische Rezeption, und Reflektion so ungemein. Merci beaucoup!, auch, und gerade, dafür! Ihr (bislang seltsam stummen) Nürnberger:Innen, habt noch ein gar schönes FFF, bummeliges Schlusslicht Frankfurt: Get ready for the best movie time of the whole fucking year!, und alle Anderen: Erholt Euch gut von den Strapazen, und mannigfaltigen Wundern der zurückliegenden Festival-Tage… Wir lesen uns allerspätestens im nächsten Frühjahr, zu den dann anstehenden, auf vier Tage verlängerten White Nights! Bis dahin bleibt Gold, oder Platin, oder wie, oder wer und was auch immer Ihr sein wollt, und schaut in der Zwischenzeit noch ein paar gute und schöne Filme!