FFF 2007: Neue Impulse? Fehlanzeige!

Moin erst mal,

bin zwar relativ neu hier im Forum, aber dafür seit 16 Jahren treuer Besucher des FFF in Köln. Selbiges ging ja bekanntlich gestern zu Ende - was mich zwar (wie jedes Jahr aufs Neue) traurig stimmte, andererseits umso mehr für 2008 hoffen lässt. Also: Ehrlich gesagt fand ich das FFF 2007 ziemlich mau. Nicht etwa, was die Stimmung angeht (nee, die war auch dieses Jahr wieder ausgezeichnet), sondern eher in Bezug auf die diesjährige Filmauswahl. Möglicherweise habe ich mir einfach nur die falschen Sachen rausgepickt - aber beim Großteil meiner insgesamt 19 “Wunschtitel” regierte schlichtweg übelstes Mittelmaß. Einen Streifen wie THE DEATHS OF IAN STONE als vermeintliches Festival-Highlight anzupreisen empfinde ich z.B. einfach nur als ärgerlich - trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) seines vielversprechenden ersten Drittels. Noch schlimmer: eine Obergurke wie THE GRAVEDANCERS. Nichts gegen Trash - aber selbst Trash will gekonnt sein!
Diese grottigen OldSchool-80’s-Reminiszenzen sind jedenfalls nicht das, was ich mir unter der Zukunft des Horror-Genres vorstelle - da rödel ich doch lieber wieder meine alten HELLRAISER-Tapes durch, lass’ mir nen zünftigen OliBa wachsen und beschalle die Nachbarschaft mit Iron Maiden - der Effekt dürfte um Einiges erquickender sein! Selbst die einst so erfrischenden Beiträge aus Fernost zehren mittlerweile nur noch von ihrem alten Glanz. Der kontemplative Gefühls-Grusler RETRIBUTION wusste dies recht eindrucksvoll zu unterstreichen. Habe selten so viele Besucher derart herzhaft im Kinosessel gähnen hören! Nee, sorry - aber der Mangel an innovativen Ideen schien mir dieses Jahr leider allzu offensichtlich … Oder wie seht Ihr das?

Also, ich seh lieber die 20. neue Version eines Filmes im 80er Gewand - als 20 mal Hellraiser :grin:

Mir gefiehl sowohl “The Gravedancers” als auch das diesjaehrige Programm recht gut. Der eigentliche Mangel dieses Jahr wurde schon ein paar mal erwaehnt: Keine wirklichen “Kracher”. Aber dafuer gabs auch wesentlich weniger Gurken.

Letzten Endes koennen wir auf dem FFF nur sehen, was auch auf dem Markt zur Verfuegung steht. Deswegen frag ich die mal andersherum: Was haettest du denn fuer Filme gezeigt?

Über fehlende Impulse wird am FFF uebrigens irgendwie auch schon so lange gemeckert, wie ich denken kann :wink:

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: Sidschei am 16.08.2007 15:55 ]

Im Grunde genommen spielen für jeden einzelnen andere Faktoren eine Rolle, ich für meinen Teil bin zu folgenden persönlichen “Erkenntnissen” gekommen:

Nach gefühlten 20 Festivaljahren, real waren dann doch “nur” 14, wird es immer schwerer “überrascht/verwundert/begeistert” zu werden.
Man kennt die Twists, die Macharten und Stilmittel. Ich bemerke das erst dann immer wenn mal “neue” Zuschauer mit dabei sind, die von Sachen die ich nicht besonders aufregend finde total begeistert sind.
Auch ist das Niveau der Gesamtheit der Filme des Festivals über die letzten Jahre konstant besser geworden, dementsprechend heben sich die guten Filme nicht mehr so wie so früher aus der Masse hervor.

Ansonsten liege ich auch oftmals bei der Auswahl falsch, da ich dann doch nicht auf die Reviews höre.

Hm. Ich sag’ mal so: ich fänd’s wesentlich sinnvoller, auf ein paar dieser offensichtlichen Blindgänger zu verzichten und stattdessen lieber 'ne 1a-Retrospektive zu zeigen (welche ich übrigens dieses Jahr schmerzlich vermisst habe). Qualität statt Quantität - ich brauche echt keine 80 Filme, von denen etwa die Hälfte nur mittelmäßiger bis unterdurchschnittlicher Murks ist, den man bereits dutzendfach (und besser!) gesehen hat … Dann doch lieber mal HÄXAN auf der großen Leinwand bewundern dürfen. Oder BEGOTTEN. Oder JODOROWSKY.
Oder was-weiss-ich.
Dafür verzichte ich dann auch gerne auf den nächsten Mike Mendez-Film (zugegeben: THE CONVENT hatte durchaus seine Momente …!) :unamused:

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: MaxSchreck am 16.08.2007 16:35 ]

Kann dir nur zustimmen MaxSchreck! Ist aber auch Geschmacksache, ich mag z.B. keine Thriller, oder nur sehr wenige. Ansonsten muss klar sein, Rosebud kann nichts dafür, wenn der Markt nichts hergibt, kann auch Gandalf nichts machen.

Das Problem mit den Retros ist halt, dass zumindest in Stgt kaum andere Leute denn Dauerkarteninhaber drin waren… wirtschaftlich also wohl eher ein Flopp.

Nichtmal bei Hanzo? Der hätte doch ein paar mitreißen müssen. Naja, dafür war er dann wohl doch zu trashig oder zu viel Exploitation?

Beim letztjährigen “Nippon Classics Special”, hatte ich den Eindruck, das etliche Zuschauer extra/nur für diese Filme gekommen waren… .

Ich war zwar dieses Jahr insgesamt sehr zufrieden mit der Filmauswahl, allerding war eine Sache auffällig: Es gab nicht die ein, zwei herausragenden Über-Highlights. Ich frage mich, ob irgendeiner der Filme aus diesem Jahr so erfolgreich werden wird wie beispielsweise Saw oder Donnie Darko, bezweifle es aber.

Aber dafür fiel der überflüsige Bodensatz angenehm gering aus. Ich habe mich nie wirklich gelangweilt, und das ist auch eine Leistung. Man kann vielleicht einfach nicht jedes Jahr ein atemberaubendes Aha-Erlebnis erwarten (wobei ich jetzt kommerziellen Erfolg auch nicht zwangsläufig mit Qualität gleichsetzen möchte) .

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: Zwerg-im-Bikini am 17.08.2007 09:07 ]

Am 17.08.2007 07:59 , Zwerg-im-Bikini schrieb:

Ich war zwar dieses Jahr insgesamt sehr zufrieden mit der Filmauswahl, allerding war eine Sache auffällig: Es gab nicht die ein, zwei herausragenden Über-Highlights. Ich frage mich, ob irgendeiner der Filme aus diesem Jahr so erfolgreich werden wird wie beispielsweise Saw oder Donnie Darko, bezweifle es aber.

Fido kommt sicher noch etwas größer bei uns in den Kinos raus, aber ansonsten glaube ich auch nicht an einen neuen Klassiker vom Massstab eines SAW, Darko oder Oldboy.

@todi: Hanzo ist doch eher was für wirklich Genre Fans!? Aber gut daß du mich daran erinenrst, da wollte ich schon seit langem mal nach weiteren Teilen Ausschau halten. Finde den Typen echt super cool!

Nein, Fido “versauert” als im Oktober erscheinende DVD-Premiere von Ascot…

Am 17.08.2007 10:09 , Sidschei schrieb:

Nein, Fido „versauert“ als im Oktober erscheinende DVD-Premiere von Ascot…

Ernsthaft, keine Kinovorstellungen? So kann man auch potentielles Geld verpulvern.

Der Austausch mit anderen Besuchern des FFF (neben den Filmen der zweitwichtigste Grund, eine geschlagene Woche lang von morgens bis abends durchs Kino zu schluffen) macht immer wieder deutlich, wie sehr die einzelnen Geschmäcker doch auseinandergehen. Schwerpunktmässig kann man das fast schon auf zwei Kriterien begrenzen: den rein visuellen Aspekt und die Storyline. Natürlich sehe ich mir auch gerne “geil fotografierte” oder “stylishe” Bilder an - finde aber, dass das alleine heutzutage nicht mehr ausreicht, zumal wir tagtäglich in sämtlichen Medien von geil fotografierten stylishen Bildern erschlagen werden. Was ich damit sagen will, ist, dass mir Charakterzeichnung und Erzählstruktur leider allzu häufig auf der Strecke bleiben. Da mangelt’s in vielen Fällen einfach gehörig an Substanz.
Natürlich kann man sich auch zum 500.Mal irgendeinen beliebigen Slasher reinziehen - aber man möchte sich ja auch nicht ausschließlich von Pizza Margherita ernähren. Nee, hin und wieder darf’s ruhig mal was “on top” sein.
Das Ergebnis muss ja nicht immer gleich “visionär” ausfallen - aber zwei, drei weitere Leute vom Kaliber eines Neil Marshall täten dem Genre derzeit sicherlich ganz gut …

Am 17.08.2007 10:18 , lexx schrieb:


Ernsthaft, keine Kinovorstellungen? So kann man auch potentielles Geld verpulvern.

Ja, ernsthaft lach Das war zumindest die Info von „meinem“ DVD-Experten vor dem FFF, als ich ihn um bekannte Daten der FFF-Filme bat.

Schliesst natuerlich nicht aus, dass sich ein Verleih nach positiver FFF-Resonanz nochmals umentscheidet vielleicht. Kam ja schon ein oder zweimal vor :wink:

@max schreck
ohne deine beiträge nun aufmerksam gelesen zu haben, zwei negativ topics sind schon interessant. hat dir denn auch was am fff gefallen?

Am 17.08.2007 10:27 , MaxSchreck schrieb:


Das Ergebnis muss ja nicht immer gleich „visionär“ ausfallen - aber zwei, drei weitere Leute vom Kaliber eines Neil Marshall täten dem Genre derzeit sicherlich ganz gut …

Ich denke du siehst die ganze Thematik einfach zu negativ. Dieses Jahr waren doch mehrere Filme von Ausnahme-Regisseuren wie z.B. Kit Ryan (Botched) und Koen Mortier (Ex Drummer) am Start, die eine Menge Potential hatten.

Klar, die guten alten Hellraiser-Zeiten waren damals sicher bahnbrechend aber sind wir doch mal ehrlich: Wie oft kann ein Rad denn noch neu erfunden werden?

Hoffe, du kannst mit der weiteren Entwicklung leben, denn echte „Perlen“ findet man halt net mehr so oft.

…oder vielleicht mal das Genre wechseln :wink:

Also so richtige Kracher habe ich bei 32 Filmen auch nicht gesehen … wenig Müll, aber eben viel Mittelmass, und eben, wie der Thread sagt, wenig Innovatives - das Gefühl hatte ich aber bereits im Februar auf der Berlinale … viel “so lala”, keine extremen Ausreißer nach oben oder unten, weder gut noch schlecht.
Und was mir beim FFF total gefehlt hat, waren die lustig skurrilen schwarzhumorigen Skandinavier (a la old men in new cars, green butchers oder adams apples)

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: tatabanya am 18.08.2007 19:51 ]

Es ist nun wirklich schwierig, noch was neues zu finden. Wenn heute ein Film wie “Itchi The Killer” noch mal was in politisch vollkommen unkorrekten Szenen draufsetzt, sollte man auch nicht vergessen, dass damit bald das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Stilistisch gibts natürlich immer wieder Neuerungen, etwas dieses Jahr der Anfang und Ende von “Ex-Drummer”, mal abgesehen davon, dass der auch inhaltlich ein Schlag ins Gesicht ist.

Aber abgesehen davon schaue ich mir viel lieber gelungene Genrefilme an wie “Storm Warning”, die innerhalb gesteckter Grenzen ordentliche Arbeit abliefern, als Filme, die krampfhaft versuchen, neues zu finden. Abschreckendes Beispiel in meinen Augen (ich weiß, da gibts genug andere Stimmen) war letztes Jahr “Strange Circus”. Darauf hätte ich gerne verzichtet.

Dieses Jahr wars nicht ganz so schlimm, “I’m a Cyborg” war nicht wirklich schlecht, aber auch meilenweit davon entfernt, mich irgendwie zu packen. Da hat jemand vor lauter Anspruch, jetzt bloß nix zu zeigen, was schon mal da war, sich doch sehr um sich selbst gedreht.

Wie gesagt, wenn ein Film Sehgewohnheiten ändert, erweitert, variiert, gerne! Aber langweilen sollte er mich deswegen nicht gerade.

Für mich sind Filme wie “Strange Circus”, “I am a Cyborg” und, wenn vielleicht nicht ganz passend, “Survive Style” irgendwie schon Highlights, weil, wann kann ich denn schon solche Filme sehen, wenn nicht auf dem FFF, und dann auch noch auf großer Leinwand :wink: Ich denke, solche abgedrehten Filme, egal wieviel neues/Innovatives sie nun tatsächlich bringen, würde ich vermissen.

Und stimmt, dass dieses Jahr kein skurriler Nordler dabei war, ist schade.

Achja, Survive Style 5+, ja, der war klasse. Auch wenn ich ihn nicht im Rahmen des FFF gesehen habe. Aber zweifelos, klasse, und auf jeden Fall ungewöhnlich. What’s your function in life?

Und auch die verrückten Dänen hab ich vermisst. Oder so ein abgedrehtes Ding wie “Mantando Cabos”.