Nun möchte ich auch mich mit einem Fazit beteiligen.
Da ich nicht gerade voller Freude über das diesjährige Festival bin und mein Fazit daher eher ernüchternd ausfällt, fange ich vielleicht lieber mal mit den positiven Statements an.
Vielleicht lag es an meiner Filmauswahl, aber zu 90% gab es in Frankfurt Ansagen vor dem Film, diese waren teils wirklich gelungen, witzig und das Wichtigste, es gab keine Spoiler. Das ist auch das Mindeste um etwas Festival Feeling zu erzeugen, von daher, hat mir gut gefallen.
In eine ähnliche Kerbe fällt auch das Interview/FAQ mit den “The Strange Color of Your Body’s Tears” Regisseuren. Sehr viele interessante Informationen, ein gut geführtes Interview und tolle Fragen aus dem Publikum. Das habe ich auch schon anders erlebt und ist sicherlich auch eine Sache des vorgestellten Filmes.
Generell vermittelten sowohl die Vertreter des Festivals, wie auch die Zuschauer ein freundliches, einfach tolles Festival Feeling. Gerade die Geschichte mit den reservierten Sitzplätzen hat zu einigen Verwirrungen geführt, das wurde in den Filmen die ich besucht habe, aber immer konstruktiv geklärt.
Auf der anderen Seite fällt mein Fazit im Großen und Ganzen aber trotzdem relativ negativ aus.
Fangen wir mit der größten Kritik an, die Verlängerung des Festivals auf 12 Tage. Das Hauptargument das ich immer wieder höre lautet, “toll, jetzt können wir alle Filme sehen.” Gemeint ist eigentlich, "jetzt entgeht uns auch wirklich keine einzige Gurke mehr."
Ich habe mittlerweile eingesehen, dass ich wohl ein Jahrzehnt im Schlaraffenland gelebt habe. 60 Filme und ich picke mir die besten davon aus, das ist wohl ein ökonomischer Suizidwettlauf für den Veranstalter. Vielleicht habe ich, hat das Festival einfach zu lange über den Verhältnisse gelebt und das war irgendwann nicht mehr tragbar. Immerhin hat das aber über ein Jahrzehnt lang so funktioniert, scheint wirtschaftlich also vielleicht doch kein so tiefes Grab zu sein - ich weiss es nicht.
Ganz ehrlich, ich hatte nach 9 Tagen keine Lust mehr jedes Mal nach Frankfurt zu pendeln, teilweise nur für einen Film den ich sehen wollte - und der am Ende dann hier und da nicht mal so toll war wie erhofft. Zudem kostet mich das jedes Mal 8 Euro extra, zumal ich bereits 10 Euro pro Karte (inkl. Vorverkaufsgebühr) geblecht habe. Extrem zeitintensiv, teuer und irgendwann dann auch demotivierend. Was sich früher in einer Woche intensivem Festivalerlebnis offenbart hat, zerstampft sich nun über 12 Tage - Fast Food pur.
Hinzu kommt, das man sich teilweise zwischen den Filmen entweder die Gurke(n) gibt oder irgendwo mit irgendwem die Zeit todschlagen muss, das können dann auch schon mal 2,5 Stunden sein.
Definitiv mein größter Kritikpunkt.
Weiterer Kritikpunkt, die Sitzplatzreservierung. Gut, es gibt kein Gedrängel mehr, das ist sehr chillig. Gut, meist hat man noch genügend Plätze frei und kann sich irgendwo hinpflanzen. Das funktioniert aber nicht bei allen Filmen und hat seine Grenze, wenn man mit mehreren Leuten einen Film sehen will.
Insgesamt war es nicht so schlimm wie vorher vermutet, aber irgendwie vorher mit Freunden absprechen war überhaupt nicht mehr möglich, darauf hatte ich dann auch kein Bock mehr. Kurzum, da geht dem Veranstalter auch Geld verloren.
Wesentlich extremer ist dann schon der nächste Kritikpunkt. 6 Filme am Tag, von 13 bis ca. 2 Uhr morgens?
Ich muss den Begriff wieder in den Mund nehmen, das ist Fast Food pur!
Besonders problematisch, die Midnight Madness, sobald der letzte Film fertig ist, fährt schlichtweg kein Zug mehr. Taxi ist extrem teuer, Auto besitzt man möglicherweise keines und wenn doch, relaxt ist was anderes. Ich komme lieber mit dem Zug. Sind also wieder Karten die dem Veranstalter verloren gehen, denn mindestens zwei Midnight Madness Filme habe zumindest ich mir deswegen nicht mehr angeschaut.
Und wer jetzt meint, es heißt halt Midnight Madness, dem sei gesagt, es heißt auch Fantasy Filmfest, richtige Fantasy Filme gibt es aber trotzdem quasi nicht.
Weiterer heftiger Kritikpunkt in diesem Jahr, die Filmauswahl. 20% Horror Komödien? Dafür aber nur ein einziger Anime, das hat wirklich nichts mehr mit dem Fantasy Filmfest zu tun das ich kannte und liebte.
Generell fand ich die Qualität dieses mal auch überschaubar, was aber auch ggf. einen anderen Grund hatte, auf den ich nun zu sprechen komme.
Frankfurt wird zu Pionierstadt erkoren. Nun gut, ist fair und annehmbar, aber wenn sich sonst schon so vieles ändert, warum dann gleichzeitig auch das noch??
Das war einfach das falsche Jahr für so eine Umwelzung. Hat letztlich dazu geführt, dass meine Filmauswahl nicht so stark war wie sonst und sich deswegen bei mir einfach eine Enttäuschung breit machen musste.
Nun gut, das ist ein sehr persönliches Schicksal, dieses Jahr kam einfach so einiges Negatives Zusammen. Ich kenne es halt über ein Jahrzehnt anders und da kommt das nun alles zusammen.
Als Endfazit muss ich sagen, die Nippon Connection (größtes Japanisches Filmfest der Welt, in Frankfurt) ist spätestens seit diesem Jahr dem FFF meilenweit davon enteilt, und zwar in allen Belangen. Lokation, Festival Feeling, Filmauswahl, Dauer des Festivals usw. und sofort. Das ist sehr schade, aber immerhin gibt es noch die FFF-Nights, auf die ich mich auch weiterhin sehr freue.
Zu Beginn des Festivals habe ich den nicht ganz korrekten Ausspruch getätigt, das Festival sei “vermurkst”. Sorry, aber soweit war ich von der Realität gar nicht weit entfernt, zumindest auf einige Zuschauer bezogen trifft das sicherlich zu.
Ich empfinde mich jedenfalls nicht mehr als Zielgruppe des FFF. Komme von außerhalb nach Frankfurt, ohne Auto und selektiere die Filme sehr intensiv, die ich mir anschaue.
Zum Glück sind das alles aber nur WOHLSTANDSPROBLEME und deshalb will ich zum Schluss das machen was sich auch gehört. Allen Beteiligten für ein Festival danken, bei dem ich immer noch überglückich und froh bin, dass es dieses gibt! Das alles ist Jammern auf sehr hohem Niveau, wenn ich es vorher nicht anders gekannt hätte, wäre wahrscheinlich alles im Reinen gewesen.
Also einen GROSSEN DANK und bis zum nächsten FFF-Event, ich freue mich riesig und hoffe, dass sich das eine oder andere wieder zum besseren umkehrt!

Ach Mist, hätte ich beinahe vergessen, da war ja noch was…

Danke Danke Danke!!!
The Strange Color of Your Body’s Tears
The Babadook
What we do in the Shadows
Es war mir ein Vergnügen!
Patema Inverted (auf der Nippon Connection gesehen)
Starry Eyes
R100
Cold in July
Let Us Prey
Ok, aber ich hätte doch lieber andere Filme gesehen.
Under the Skin (habe es aber noch nicht aufgegeben!)
Suburban Gothic
The Voices
It Follows
Ne danke.
Honeymoon
Extraterrestrial
[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: lexx am 09.09.2014 21:49 ]