Sehr schade um Frankfurt… aber ich denke trotzdem, dass es logisch (wenn auch schmerzhaft) ist, schlecht laufenden Städten das Programm stark zu kürzen anstatt überall gleichmäßig zu kürzen. Wieso sollten diejenigen darunter leiden, bei denen die Säle gefüllt sind?
Was die Gründe angeht, sehe ich die Schuld nicht beim Programm, denn Zombies und Vampire gibt es genauso wie früher. Selbst die Asiaten waren zuletzt wieder stärker vertreten. Dieses Jahr war für mich eher uninteressant, aber das wechselt genau so wie früher. Ein ganz großer Faktor ist doch eher, dass die Zeiten sich geändert haben im Vergleich zu vor 20 Jahren.
- Früher war die Technik im Heimkino wenig verlockend, mit kleinen Röhrenfernsehern und miesem Sound - heute habe ich das FFF zu Gunsten selber organisierter Filmabende mit Freunden aufgegeben, weil die meisten Filme auch so wirken, und es sogar gemütlicher ist (bei mir sind aber dazu noch zwei Umzüge hauptverantwortlich, es ist einfach zu weit zum Kino).
- Früher hatten wir es schwer, an uncut Versionen oder generelle internationale Veröffentlichungen zu kommen - heute ist das Dank Online-Shops kein Problem mehr, weswegen ein großer Bonus des FFFs wegfällt.
- Früher war ein Kinobesuch günstiger als ein VHS/DVD Kauf - heute ist es eher anders herum, gerade wenn man Streaminganbieter dazu rechnet, bei denen FFF-Titel häufig sehr schnell landen.
- Früher nahm man mehr Filme mit, von denen man nichts wusste - heute kennen wir vorher schon zig Meinungen und deshalb bleiben die Säle bei potentiellen Gurken leerer.
Das sind alles für den Besucher keine negativen Entwicklungen, aber für ein Filmfestival sind sie bestimmt problematisch. Ich kann mir vorstellen, dass es mittelgroße Festivals allgemein immer schwerer haben, und nicht nur das FFF zu kämpfen hat. Dazu kommt der organisatorische Aufwand, der dahintersteckt, es in mehreren Städten stattfinden zu lassen. Die Werbung für neue Besucher ist z.B. nicht ideal, und das ginge wahrscheinlich leichter, wenn es nur einen Standort hätte. So muss alles aufgeteilt werden.
Was die fehlenden Gäste angeht bin ich deshalb noch nie zum FFF gegangen. Es war ein netter Bonus, aber wenn da nicht ein richtig großer Stargast sitzt, den auch Laien sofort erkennen, zieht man damit denke ich wenig zusätzliche Besucher an. Es wurde ja nicht mal damit geworben. Da würde ich sogar sagen, dass die fehlende Deko (früher gab es in Frankfurt richtig schöne, selbstgebastelte Deko!) eher von Nachteil ist.
Nachtrag: Noch ein Gedanke: Kann es sein, dass sich unsere Wahrnehmung von Kino generell gewandelt hat? Früher war das Kino die erste Anlaufstelle, um einen Film zu sehen. Meine Freunde und ich haben uns dort regelmäßig auch kleine Filme angesehen. Mangels Alternativen und weil es relativ günstig war (siehe oben). Aber durch 3D, Lasershows, teures Essen und die großen Multiplexe wurde uns Kino immer mehr als Event verkauft. Man geht für den Effekt-Blockbuster hin, für Marvel und Star Wars, das neue Werk des Lieblingsregisseurs oder den einen Horrorfilm, den man auf der großen Leinwand sehen will. Für alles andere gibt’s Netflix. Ich habe das Gefühl, dass sich mein Bekanntenkreis inzwischen in zwei Gruppen aufgesplittet hat: Ein paar wenige gehen sehr oft ins Kino, weil für sie die Leinwand wichtig ist. Sneaks, Festivals, dafür sind sie die Zielgruppe. Aber immer mehr gehen nur noch super selten ins Kino (wie gesagt - die paar großen Filme im Jahr, auf die man sich besonders freut). Die dann auch noch zu der Wundertüte FFF zu überreden, ist sehr schwer. Dass es diese Entwicklung gibt, sieht man finde ich auch daran, dass die meisten Kinos nur noch eine kleine Auswahl an Filmen zeigen (halt die großen), und dass kleinere Filme nur kurz und in den Mini-Sälen abgesepeist werden.