FFF 2023 - Fantasy Filmfest

Es ist der 26. September, and you guys know what that means…

Happy Outbreak Day every1! (10th anniversary, btw !), and Happy Birthday, Joel Miller! (R.I.P.)


Now that we’ve got this out of the way, let’s get on to the RRReally important stuff…

„That girl thinks she’s the queen of the neighborhood / I got news for you: She is!“

Rebel Girl, You are the queen of my world

„When she talks, I hear the revolution / In her hips, there’s revolution“
When she walks, the revolution’s coming / In her kiss, I taste the revolution !"

(Kathleen Hanna / Bikini Kill, „Rebel Girl“)

Was kommt dabei raus, wenn sich Riot Grrrl, „Cat People“ und „The Exorcist“ auf der Oberstufen-Toilette einer Mädchenschule im malaysischen Dschungel treffen, um zusammen Frösche und Eichhörnchen zu verzehren, heimlich BHs anzuprobieren und krude Sex-Fantasien in die Schulhefte zu kritzeln? Nun, im Idealfall wird die Welt um ein so stürmisch-schwungvolles female empowerment-Lehrstück wie diese südostasiatische body horror goes full bitch mode-Sturrrm-und-Drrrang-teenage drama-Variante bereichert… Wenn die Produktionsfirma „Ghost Grrrl“ heisst und die Typo im Vorspann knallpink auf schwarz ist, dann weiss eigentlich Jede:r, die:der die letzten 32 Jahre popkulturell nicht völlig als teenage lobotomy unterwegs war, woher der Wind weht… Ja, es gibt sie glücklicherweise noch und immer wieder, diese kleinen feinen Filme, die nur ganz sacht hauchen müssen, und schon können die GROSSEN Namen im movie business sich keinen Zentimeter gegen die alles wegfegende Kraft des wind of change (welcher hier natürlich nichts mit irgendwelchen abgehalfterten Hannoveraner Altherren-Rockbands zu tun hat, sondern seine Inspiration vielmehr von einer Anfang der 1990er entstandenen, die male chauvinist punk rock scene auf Links drehenden Bewegung junger Frauen bezieht, welche die ihnen zugewiesene soziokulturelle Rolle mehr als satt hatten) behaupten und fallen um, als wären sie bloß windschiefe Strohhütten im einem Zyklon. In vergangenen Kinojahren waren das ja beispielsweise „Under the Shadow“, „Bliss“ oder „It Follows“ („Sexy Durga“ habe ich mangels Verfügbarkeit leider immer noch nicht gesehen :cry:, deshalb kann ich mir da noch kein Urteil erlauben), heuer ist die Reihe an diesem aufbegehrend-unverfrorenen „Emancipation running wild across the nation“-Indie-Hit. Mit ungestüm-ungezügelter Leidenschaft, ansteckend-mitreißender Begeisterung und umwerfend-draufgängerischer Selbstsicherheit hat „Tiger Stripes“ im Nullkommanichts mein Herz erobert, meinen Verstand gefangen genommen und mein Hirn Purzelbäume der bedingungslosen Zustimmung schlagen lassen… :heart: :heart: :heart:

Ein juvenil-jauchzendes Juwel der weiblichen Widerständigkeit gegen soziale Normierung („The father goes to work / The mother cooks at home“), bodyshaming („I thought I smelled something dead. It was her.“) und männliche Dominanz („Dr. Rahim can cure you!“) mit drei ganz gross aufspielenden Hauptdarstellerinnen. Von „Ginger Snaps“, Cronenbergs „The Fly“ und De Palmas „Carrie“ (ohne aber den männlich-patriarchalen gaze (insert Kaja Silverman here), welcher Eine:R / Eine:m ja bereits in der Auftakt-Sequenz durch seine völlig bedenkenlose Zurschaustellung weiblicher Nacktheit das Goutieren der 1970er-Stephen-King-Verfilmung vergällen kann, zu reproduzieren) ebenso beeinflusst wie von Le Tigre (he he he… :tiger:), Toxic Lipstick und Stinkmitt. Mit dem Wind der Freiheit im offenen Haupthaar und dem Feuer der puren Lebenslust im Herzen schickt sich „Tiger Stripes“ an, nicht nur in den Zuschauer:Innen das Feuer der Revolution Grrrl Style zu entfachen oder bloss die Leinwand in Brand zu setzen… nein, er möchte am Liebsten gleich das ganze Kino misogyner Männlichkeit niederbrennen. :fire:

Let’s hope it doesn’t stop there. :firecracker:

„If not you, then who? If not now, then when? (Who do you wanna be?)“

(Dream Wife, „Who Do You Wanna Be?“)

Auch in Hamburg übrigens sehr gut von der malaysischen community besucht…witzigerweise schienen die auch die Logenplätze zu bevorzugen, saßen also quasi Alle um mich rum. Was zeitweise ganz interessant war, vor Allem, wenn sie dann an Stellen lachten, wo ich zum Teil schwer betroffen war - die krasse Exorzismus-Szene beispielsweise, in welcher der sogenannte „Doktor“ Rahim der armen Zaffan dieses fiese Spray ins Gesicht sprüht… ich meine, wir sind hier ja nicht bei Nux und den war boys, die sich das chrome spray noch aus Jux und Dollerei in die Fresse gehauen haben. Nach dem Film haben sie dann Alle auch noch ein Gruppenfoto im Foyer gemacht - gute vierzig Leutchen dürften das wohl schon gewesen sein. :slightly_smiling_face:

P.S.: Just for the record - Auch wenn ich mich neulich noch gegen Bewertungssyteme kultureller Artefakte ausgesprochen und meine persönliche Verweigerung derselben erläutert habe - die fresh blood-Abstimmungskarte für „Tiger Stripes“, welche ich Sven in sein zur voting ballot box umfunktioniertes Popcorn-Becherchen geworfen habe, war bei fünf Sternen eingerissen … und ich gönne ihm jeden einzelnen davon von ganzem Herzen.

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