So, mitten in meiner üblichen Post-FFF-Depression ist es jetzt auch für mich mal wieder Zeit für ein Fazit. 8 Tage habe ich in Frankfurt im Kino gelebt, dabei 41 Filme gesehen, 5 weitere aus dem diesjährigen Programm kannte ich zudem bereits vorab dank DVD oder anderen Festivals. Das macht einen um nochmal eine Handvoll höheren Schnitt als in den vorherigen Jahren aus – dem neuen 13 Uhr-Slot sei Dank. Auch, wenn der Schlafmangel während des Festivals bei mir nun langsam wirklich massive Ausmaße angenommen hat, freue ich mich über die zusätzlichen Filme. Wenn schon FFF, dann richtig 
Angesichts der enormen Hitze zu Beginn des Festivals konnte das Cinestar Metropolis seine größte Stärke voll ausspielen: eine funktionierende, kräftige Klimaanlage. Abgesehen von ein paar kleineren Problemen wie dem fehlenden Objektiv für HOUSE gab es auch in Sachen Bild und Ton keinerlei Probleme zu vermelden; das Personal bemühte sich um Freundlichkeit; insgesamt lief alles recht streßfrei ab. Atmosphärisch wird dieses Multiplex den Turmpalast dennoch niemals einholen, es bleibt das Feeling eines Flughafenterminals und das von Fließband-Abfertigung. Zudem hätten sich in den Turm niemals derart viele fehlgeleitete Prolls verirrt, wie es hier mehrfach der Fall war. Daß die dann letztendlich nichts mit Filmen wie H6 anfangen konnten, war ja klar, erwies sich aber durchaus manchmal als nervig.
Generell war das Festival extrem gut besucht. Tatsächlich ausverkauft war zwar, glaube ich, nur der Abschlußfilm; dafür hatten aber auch recht unwahrscheinliche Kandidaten wie THE ICE HARVEST oder sogar STRANGE CIRCUS brechend volle Säle zu verzeichnen. Und auch die Vorstellungen um 23.45 Uhr bekamen fast ausnahmslos noch eine Menge Zuschauer ab.
Stargäste gab es in Frankfurt leider gar keine. Zwar hatte angeblich die Hauptdarstellerin von SOMNIAC erscheinen wollen, mußte aber kurzfristig absagen. Dafür wurde ein gewisses Festivalfeeling immerhin durch diesmal erstaunlich viele Ansagen vor den Filmen erreicht (auch wenn die meist reichlich inhaltslos waren und sich auf ein „Das ist mein Lieblingsfilm dieses Jahr!“ – ah ja… wie viele denn noch?! – beschränkten), sowie durch diverse DVD-Verlosungen und natürlich die Möglichkeit, an der Wahl zu einem Publikumspreis teilzunehmen. Diesen (auf die Kategorie „Fresh Blood“ beschränkten) Preis gewann in Frankfurt überraschenderweise nicht BRICK, sondern BABA’S CARS. Hier liebt man es eben etwas handfester…
Ein wenig enttäuschend fand ich diesmal den „Focus Asia“, wenn er auch mit STRANGE CIRCUS einen der für mich besseren Filme des Jahres enthielt. Abgesehen davon war aber einfach etwas zu viel Durchschnittskost dabei, Filme wie RUNNING WILD, SPL oder PRINCESS AURORA bedürfen nun wirklich nicht der Präsentation auf der großen Leinwand. Auch die „Midnight Madness“ hatte schon bessere Jahre, wenn auch mit dem guten Fun-Slasher HATCHET und dem kranken NEIGHBORHOOD WATCH okaye Exponate dabei waren. Auf „Get Shorty“ hab ich 2006 erstmal verzichtet…
Insgesamt habe ich ein gutes FFF gesehen, wenn auch eins mit wenigen Höhepunkten. In meinen Bewertungen spiegelt sich das in enorm vielen 6 oder 6,5 Punkte-Filmen wieder, und das heißt: sehr viele Filme, die guten Durchschnitt gezeigt haben, nur wenige Gurken (und für mich keine so brutale wie in den letzten Jahren dabei), aber eben auch nur wenig Außergewöhnliches. Der letzte Tag riss für mich noch mal einiges raus, dafür waren einige komplette Tage vorher eine einzige Durststrecke mit dem unerfüllten Verlangen nach echten Kicks.
Hier schließlich meine Rangordnung:
Sehr gut
Brick
Adam’s Apples
The Method
Gut
The Science of Sleep
Frostbite
Strange Circus
Bad Blood
Them
Gruesome
Überdurchschnittlich
Hatchet
The Ice Harvest
Hole
Wilderness
Isolation
Renaissance
House
13 (Tzameti)
Behind the Mask
Secuestro Express
Durchschnittlich
Severance
Right at your Door
Civic Duty
Sam’s Lake
A Scanner Darkly
Running Wild
H6, Diary of a Serial Killer
Karla
Somniac + Protocole 33
See no Evil
Scared
Voice
Princess Aurora
Blood Rain
SPL
Neighborhood Watch
The Night Listener
The Marsh
Unterdurchschnittlich
In a dark Place
Adrift
The Intruder
Azumi 2
Meatball Machine
Wild Country
Schlecht
Shadow: Dead Riot
Snoop Dogg’s Hood of Horror
The Hidden
Gemessen an meinen vorherigen Erwartungen stellte die größte positive Überraschung wohl GRUESOME dar. Die größte Enttäuschung war einerseits THE HIDDEN, dem ich einiges zugetraut hatte, der aber GAR nichts bot; sowie andererseits SEVERANCE, der für mich persönlich fast gar nicht zünden konnte.
Aber Geschmäcker sind verschieden – und ich glaube, das hat sich auch bei f3a.net noch nie in einem solchen Maße gezeigt; die Bewertungen gehen bei einigen Filmen wirklich extrem weit auseinander.
So viel von mir, insgesamt bin ich zufrieden, einen Kritikpunkt hab ich noch: es wurden fast überhaupt keine Trailer gezeigt. Ich erinnere mich jedenfalls nur an drei regelmäßig wiederkehrende: BRICK (in 2 Versionen), A SCANNER DARKLY und THE SCIENCE OF SLEEP. Zudem lief nur vor dem Eröffnungsfilm noch der japanische, nicht untertitelte Trailer zu AZUMI 2 – und ich glaube wirklich, das war’s auch schon (oder kam auch noch ein Mal der zu RENAISSANCE?). Wundert mich ein bißchen, und ich glaube, es gäbe bei der Mehrheit der regelmäßigen Besucher ein großes Interesse an mehr Abwechslung hier…
Wir sehen uns dann alle bei SNAKES ON A PLANE. Bis dahin noch viel Spaß in Köln, Bochum, Hamburg und Berlin!
[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: todaystomorrow am 04.08.2006 15:43 ]