FWN 2026 - Fantasy Filmfest White Nights

So, bin nun auch wieder daheim… und sehr über mich selbst erstaunt, dass ich, obwohl nur zwischen zwei und allerhöchstens drei Stunden Schlaf gehabt, dank regelmässiger Kaffee-Zufuhr doch alle fünf Filme gut überstanden, Alles mitbekommen habe, und erfreulicherweise auch nicht irgendwie, irgendwann, zwischendrin mal kurz entschlummert bin. Von den zwei gestern gesehenen Streifen hätte ich mir allerdings auch zwei , bzw. genauer geschrieben ein-ein-drittel sparen können, nämlich „Holy Boy“ (der trotz guten Anfangs und ordentlicher 66 % zuerückgelegter Wegstrecke im Finale krachend an den eigenen überzogenen Ambitionen scheitert), und „Dolly“ (der wirklich einfach nur absolute Grütze war, trotz stellenweise schöner Bilder und endlich mal wieder matschig-toller oldskooliger handgemachter Effekte). Bester Film des Tages (mit Abstand): „Dust Bunny“, auf Platz 2 dann der mich sehr begeistert habende „Every Heavy Thing“, Bronze hat Carmen Maura mit ihrer zwar recht vorhersehbaren, aber dennoch höchst unterhaltsamen und schauspielerisch mitreissenden one woman revenge show gewonnen, danach dann „Holy Boy“, und „Dolly“ war und wird wohl auch der Bodensatz der diesjährigen White Nights sein und bleiben. Na gut, ich geh’ dann jetzt mal was essen, und mir eventuell noch Kaffee kochen. Mal sehen, ob ich dann nachher noch fit genug bin, um ein, zwei review-Texte in die Tastatur zu zimmern, oder aber doch völlig übernächtigt einpennen werde.

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Just How Strange It Is To Be

"Give me light, Give me action
At the touch of a button
Flying through hyperspace
In a computer interface

Stop - Living on video
Stop - Integrated in circuits
Stop - Sur un faisceau de lumière
Stop - Is this reality?

Traveling on a light beam
Laser rays and purple skies
In a computer fairyland
It is a dream you bring to life

Stop - Living on video
Stop - Integrated in circuits
Stop - Sur un faisceau de lumière
Stop - Is this reality?"

(Trans-X, „Living On Video“ )

Mit dem schräg-sinnesverwirrenden Ultra Low Budget-Retro Future-Cyber-Goth-Neo Noir „Every Heavy Thing“, der ausschaut, wie in den seligen 1980ern direkt auf VHS gedreht, sollte dann also der Start in „meine“ White Nights losgehen… und losgehen, das ging es hier wirklich ganz formidabel. Diese Low-RES Cyberspace Ghost Nightmares voller CAD-Grafiken, Lynchesken Referenzen und Anklängen vor Allem an „Blue Velvet“ und „Wild At Heart“, aber auch jeder Menge Bezüge und Inspirationen von Cyberpunk-Stories und -Romanen, sowie von frühen David Cronenberg-movies und alten Heimcomputer-graphics demos beeinflusst, voller synästhetischer Störgeräusche aus der Matrix, und krisselig-fisseligem Bildschirm-Rauschen lief mir ganz wunderprächtig rein, und war schon mal ein gelungener Auftakt. Dazu noch Charlie Sheen als „Interceptor“-vibes, dystopic eighties dark future-Ästhetik, und der bizarre Humor kam auch nicht zu kurz („We could definitely use more pot holders!“). Wen störte es da schon, dass die Story nicht immer ganz so rund lief, und das präsentierte schauspielerische Können eher überschaubar blieb (von einem kurzen Gastauftritt der wie immer einnehmend-betörenden Barbara Crampton mal abgesehen)? Mich jedenfalls nicht. Schöner blast from the future past.

„Let’s play a little game! I’ll ask you three questions…“

Danach dann die spanische one woman revenge show „Vieja loca“ mit einer wie immer fabulös aufspielenden Carmen Maura - die, ich erwähnte es ja vor dem presale schon - mir alleine ausreichte, um eine Kinokarte zu erwerben. Ich will hier ja nun nicht wieder den Spruch von wegen, „Die bräuchte sich auch nur hinzusetzen, und das Telefonbuch von Castrop-Rauxel vorzulesen…“ bringen, aber ja: Genauso isses! Die auf den einfachen Nenner: „Zwei-Personen-torture porn-Kammerspiel“ sich bringen lassende Story selbst erwies sich dann als reichlich vorsehbar, und nullkommanix innovativ, was aber complement egal war , weil sie stringent eloquent erzählt, professionell-versiert abgefilmt, und konsequent durchdekliniert wurde. Einziger Kritikpunkt wäre, als jemand, die:der lieben langen Arbeitstag mit Demenzkranken zu tun hat, dass diese tückische Krankheit sowie ihre Folgen hier bei Weitem nicht so realistisch-glaubhaft, und anschaulich-nachvollziehbar geschildert wurde(n), wie dereinst in „Relic“, oder im letztjährigen „Hemmet - The Home“. Das war doch schon sehr überzeichnet-übertrieben in den Dienst der Geschichte gestellt, und eher unbelievable. War aber auch schnuppe, weil’s halt einfach 'nen guten flow, eine schöne Ausleuchtung, und eben vor Allem Señora Maura hatte.

No Free Hugs

Das italienische Drama „The Holy Boy“ (a.k.a. „La valle dei sorrisi“) war dann leider eine ziemliche Enttäuschung für mich. Dabei fing er doch so grazil-fragil, und lyrisch-ambivalent an… Eine Zeitlang hatte ich gerade zu Beginn des Films das Gefühl, mensch dürfte den gar nicht wirklich und allzu lange direkt anschauen, so zerbrechlich-verletzlich wirkte der. Und was für betörend schöne Bilder, vor Allem auch, was die vorsichtig-behutsame Portraitierung und Skizzierung queeren / mann-männlichen Begehrens anbelangt. Bis zu zwei Dritteln seiner Laufzeit gestaltete sich der Streifen um Trauer, Schmerzen, persönliche Verantwortung, Schuld, Sühne und eigene Verfehlungen auch durchaus komplex-vielschichtig, mit einer tiefgründig-vieldimensionalen Multi-Perspektivität und einer Unmenge an anspruchsvoll-existenziellen Fragestellungen, sodass ich gespannt der Auflösung harrte…welche der Streifen dann aber leider komplett vergeigte, weil er einfach immer noch mal, und dann nochmal, einen oben draufpacken musste, immer noch mehr und noch mehr Drama wollte, sich daran aber ganz gehörig übernahm, und verhob, und letzten Endes unter dieser selbst geschulterten und viel zu schweren Last krachend-überladen zusammenbrach. Sodass ich das Ganze am Ende gar nicht mehr wirklich ernstnehmen konnte. Jammerschade drum, da wäre soviel mehr drin gewesen.

„Don’t touch the floor!“

Der wundervoll-märchenhafte, betörend-verstörende „Dust Bunny“ sollte mich dann aber für Alles, was „The Holy Boy“ auf seinen letzten paar Metern falsch gemacht hatte, wieder mehr als ausreichend entschädigen… Vielleicht wirklich etwas zu shallow, und an so mancher Stelle doch auch schon sehr sehr glossy, aber my oh my! Was für eine opulent-verschwenderische Ausstattungsorgie! Was für wie gemalt berückend in den Bann schlagende Bilder! Was für intensiv-immersive Farben, was für prächtige Kostüme! Die ja schon vielfach und oft gemachten Roald Dahl-Vergleiche empfand auch ich, gerade auch in Anbetracht des tollen Filmendes, als überaus passend. Und die jederzeit erkennbare Gemachtheit und ausgestellte Künstlichkeit der Szenerie und Fotografie stört nicht nur kein bisschen, sondern muss tatsächlich genau so, und keinen Deut anders! Mads Mikkelsen wie immer routiniert-versiert, Sigourney Weaver hatte sichtlich einen Heid:Innen-Spass an der Sache, aber der ganze Film gehört eigentlich nur einer: Der wunderbaren Sophie Sloan, die hier als kindlich-verschüchterte, aber dennoch letztlich toughe und entschlossene Waise Eurora, ähem „Aurora!“, aber mal sowas von alle Anderen einfach glattweg an die Wand spielt! Was für eine unfassbare Leinwand-Präsenz! Alleine schon die Gottesdienst-Szene ist das ganze Eintrittsgeld wert! Wer ihn auf den FWN verpasst haben sollte: Der läuft ab Mitte Februar regulär in den Kinos. Unbedingt reingehen, und ansehen!

„Is this somebody’s art project, maybe?“

Was den abschliessenden backwoods horror-Rausschmeisser „Dolly“ anbelangt, so verfuhr Rosebud da nach der Devise: „Save the worst for last!“ Hänsel und Gretel Ein Pärchen verirrt sich im Wald, und stösst dort auf eine beachtliche Puppensammlung, sowie eine griesgrämig-behäbig dreinstampfende porzellangesichtige Wuchtbrumme im geschmacklos-stilverirrten Fummel, der einem Weihnachtsmann-Kostüm täuschend ähnlicht sieht. Und die dem Typen gleich mal per Plattschaufel mitten in die Fresse rein einen ordentlichen Unterbiss verpasst, und die Tusse in ihr Hexenhaus ein windschief-verfallenes Domizil mitten im Forst verschleppt, und dort nach allen Regeln der Unkunst pämpert, und verschlämpert. Die junge Dame will natürlich nur so schnell wie möglich weg, stolpert dabei aber - wie bei solchen Streifen Marke „TCM“ altbekannt - vom Regen in die Traufe. Auch wenn ich solche räudig-rabiaten, hundsgemeinen kleinen Streifen in der Regel wirklich liebe (zumindest, wenn sie einigermaßen gut gemacht sind, siehe zum Beispiel den gelungenen FFF-2019-Beitrag „Roqia“) - Aber Alter: Wollt Ihr mich komplett verarschen? Das war mal ein Film, gemacht nach dem Motto: „'Tschuldigung Leute, wir wollten irgendwas im Stil von „Texas Chainsaw Massacre“ verfilmen, ist aber leider so gar nichts geworden!“ Was für eine unzumutbare Zumutung, und einiger schöner Bilder, und toller matschig-odskoolig handgemachter Effekte zum Trotz, eine vollkommen debil-sinnlose Zeitverschwendung! Im Ernst, man sollte wirklich Alle, die an diesem halbgaren Machwerk beteiligt waren, einfangen, zusammen in dieser heruntergekommen-holzwurmzerfressenen Bruchbude in the middle of the woods, in welchselbiger es mit der Haushaltsführung irgendwie nicht so recht klappen will, einpferchen und dort von dieser derangiert-dementen Sippe von Kaputtniks zu Tode pflegen lassen! Das Beste daran war eigentlich noch das dem filmischen Menschheitsverbrechen vorangestellte Grusswort des Herrn Regisseurs, in dem er uns verriet, dass er dereinst eine wirklich schöne Zeit in Hamburg verbracht hat, als er dort eine Rockband auf Tour begleitet hatte. Naja, vielleicht sollte er lieber diese Beschäftigung wieder aufnehmen, anstatt horror movies zu drehen - Mit dem Filmemachen hat’s bislang jedenfalls nicht so richtig hingehauen… Was für eine borniert-bestusste Babybrei-Grütze! Pfui Deibel, Igitt-Igitt! Bäääh!

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Die Maxi hatte ich Anfang der 80er auf einer limitierten Vinyl; herrliche 80s Vibes, groovt richtig gut ab. Wird der song in “Every Heavy Thing” denn gespielt, oder war das inhaltlich nur eine Assoziation von Dir, den Text zur Review zu bringen ?

Nein, der score besteht zwar aus jeder Menge (vermutlich eigens dafür eingespielter und aufgenommener) Synthwave-Tracks, und einige Songs haben auch schöne 80s-Retro-vibes verströmende lyrics, und Gesang, aber dieser Klassiker wäre für diese reichlich kleinbudgetierte Produktion alleine schon von den Lizenzgebühren wohl viel zu teuer gewesen… Ich empfand den aber sowohl, was den Text, als auch die Sounds anbelangt, sehr gut zum Film passend.

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Irgendwie schade, dass du gerade den HOLY BOY so enttäuschend fandest :grinning_face_with_smiling_eyes:
Hat für mich sehr gut funktioniert, auch das bzw. die Enden fand ich klasse und passend.

Das war - wie du sicher auch zugeben wirst, nein musst - von den 5 Filmen tatsächlich derjenige, der sich noch am Ehesten wirklich etwas getraut hat, bzw. versucht hat mal was etwas Anderes zu erzählen oder einen neuen Ansatz zu finden. Okay, 4 von 5. EVERY HEAVY THING hab ich ausgelassen, werd ich aber bei Gelegenheit mal nachholen…

Die CRAZY OLD LADY war halt ne famose One Woman-Show aber completely and utterly predictable (vom Ende vlt. abgesehen).
Der DUST BUNNY ebenso (also was Story & Verlauf selbiger angeht). Die anderen „Qualitäten“ (Optik, Visuals etc…) mal außen vorgelassen.
DOLLY…ähm naja…what you see is what you get…nicht sonderlich viel halt.

Wie gesagt, schade, dass gerade der Film, bei dem zumindest für mein Empfinden wohl das meiste Geld in ein vernünftiges (okay, iss jetzt auch debatable :slight_smile: ) Drehbuch gesteckt wurde…bei dir so krachend gescheitert ist…
Ist dann halt das Risiko…dass sowas nicht bei jedem funktioniert bzw. vielleicht am Ende a bissl übers Ziel hinaus schießt und überambitioniert ist.

Aber ich finde allein der Mut, mal etwas Anderes zu wagen ist schon fetten Applaus wert.
Der hat zumindest für mich schon etwas frischen Wind in die ansonsten etwas biedere Programm- & Themen-Auswahl gebracht…

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Obwohl Crazy Old Lady im Vergleich zu Dolly der deutlich bessere Film ist, in jeder Hinsicht handwerklich besser gemacht, würde ich Am Ende doch zu jeder Zeit immer wieder zu Dolly greifen. Crazy Old Lady bietet einfach von A bis Z absolut nichts, was man nicht irgendwie schon tausend Mal wo anders gesehen hat. Ich hatte den Eindruck, dass ich den ganzen Film schon kannte, noch bevor ich ihn gesehen habe. Bei Dolly ist der Plot zwar auch sehr linear und einseitig, aber der Freak Faktor hält das Ganze doch am köcheln. Zu jeder Zeit ist wirklich alles möglich und zumindest was den Stil angeht und einigen Gore und Splatter Einlagen, ist man hier auch recht kreativ zu Werke gegangen. Während man bei Crazy Old Lady eigentlich nur dann 08/15 Standard Programm vorgesetzt bekommt.
In dem Fall ziehe ich die Unvorhersehbarkeit, den Freak Faktor und den sonderbaren Stil, einem Film der zwar handwerklich deutlich besser gemacht ist, aber ansonsten nur vorhersehbare Standard 08/15 Ware zu bieten hat, doch zu jeder Zeit vor.

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Tag 2 ging gefühlt schneller vorüber als der vorhergehende. Ich war jedoch exakt zur selben Zeit zuhause: Mitternacht. Ankündigung für die Nights gab es nicht. Im Februar kommen die Termine fürs Hauptfest.

DECORADO

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MY DAUGHTER IS A ZOMBIE

If you see a zombie, call 1339.

SHELBY OAKS

Da war ein Poster an der Wand von Riley’s Raum mit einem Totenkopf und mehreren vertikalen angeordneten Wörtern darunter: rechts “Exists”, links “Exit”, dazwischen Variationen? Irgendwie kommt mir das bekannt vor, aber ich komme nicht drauf.

DEATHGASM 2

Cushion or ball-and-chain flail?

THE TURKISH COFFEE TABLE

Sibel and Ibrahim in the elevator.

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In Hamburg, und damit auch insgesamt, denn wir waren heuer ja das bummelige Schlusslicht, sind die diesjährigen White Nights nun auch Geschichte… Es waren für mich selbst die gleich in mehrerer Hinsicht „weissesten“ White Nights - Nicht nur, was den Schnee anbelangte, sondern hatte auch ich selbst - meiner chronischen und am vergangenen Wochenende ganz besonders schlimmen Schlaflosigkeit sei Dank - das, was die frenchies so schön „nuits blanches“, also schlaflose Nächte, nennen. 5 1/2 Stunden Schlaf wären sogar für eine Nacht wenig, sind aber summa summarum die Gesamt-Zeit, welche ich von Freitag nacht bis einschliesslich jetzt im horizontalen Ruhezustand verbrachte. Unmengen an Kaffee sei Dank, hab’ ich aber dennoch gut durchgehalten, und war nur bei einem gestern ausser Konkurrenz gelaufenen Film etwas abgeschlafft - was zu jenem Film aber auch schon wieder perfekt passte. Interessanter Weise waren alle drei am Sonntag gesehenen Streifen gleichzeitig dann auch die Besten Filme des gesamten Wochenendes (was ich so auch nicht erwartet hätte). Und - ein putziger Zufall - hatten alle drei movies zudem auch noch ein und dasselbe übergeordnete Thema, nämlich „Vaterschaft“. Was jeder von ihnen aber ganz anders ausbuchstabierte, narrativ so verschieden wie nur vorstellbar schilderte, und auch emotional äusserst unterschiedlich auslotete.

Do The Zombie Dance

Als ich den Trailer zum koreanischen Box office-Mega-Erfolg „My Daughter Is A Zombie“ sah, war mir gleich klar: Den werd’ ich mir geben. Typisch koreanische sentimentale Überbetonung hin, kitschig-emotionale Gefühlsduselei sowie klamaukig-überdrehte Albernheit her. Irgendwas hatte der an sich, was mich gleich angesprochen hat. Nachdem dann aber so dermaßen Viele hier im Forum dem Film nicht mehr als leidlich gelungene, und gerade mal so eben erträgliche Familien-Unterhaltung bescheinigten, und dass da sonst aber nicht viel dran sei, sah ich meine Vorfreude dann doch ein klein wenig gedämpft… Wofür es aber absolut gar keinen Anlass gab: „My Daughter is A Zombie“ spielt souverän auf der Klaviatur der Gefühle, wie es so gelungen wohl auch nur die Koreaner:Innen können, packt immer gleich die ganz GROSSEN Emotionen aus (was gelegentlich schonmal des Guten zuviel sein kann), ist ein Wechselbad aus Lachen, ungläubigem Staunen, berührend-verzaubertem Hingerissensein, klebrig-überzuckertem Kitsch, und ergriffen-rührseligem Weinen… und dass ich mir für sowas nicht und niemals nie zu schade war, und bin, das muss ich, glaube ich, hier an dieser Stelle nicht noch einmal betonen. Ja, die quietschig-übertriebenen jokes sitzen oft nicht wirklich, und verpuffen so manches Mal etwas sinnlos, nein, auch hier kann es der absurden Übertreibung und dem ungesunden Übermaß an Gefühligkeit nie genug sein - Aber hey, ist mir das aber mal sowas von egal, wenn mich ein Streifen so dermaßen mitnimmt auf eine turbulent-traumhafte Achterbahnfahrt von vielfältigen Empfindungen, Stimmungen und Impressionen. Mag es auch noch so knallig bonbonfarben angepinselt sein, und vorhersehbar kalkuliert auf die Tränendrüse drücken: Und wenn schon! Solange dabei so eine Wundertüte wie die tanzversessene, Churro-fressende Untoten-Tochter herauskommt, kann und will ich mich nicht beschweren. Zumal der Film unter all seiner glitzer-goldfolierten Oberfläche ja durchaus auch etwas zu sagen hat, über Vaterschaft, und wie es sich manchmal anfühlt, ein Kind mit disability issues aufzuziehen. Auch die Nebencharaktere, von der versoffen-resoluten Kampfsport-Oma, über den gutherzig-besten Freund, bis hin zur alten Flamme mit Zombie-Hass, und dem kaltherzig-grausamen Antagonisten, sind nicht viel mehr als allerübelste Stereotypen und wandelnde Klischees. Aber auch das störte mich eigentlich kaum, weil der Streifen das Herz eben so unübersehbar liebevoll auf dem rechten Fleck hat. Das Einzige, was mir hier wirklich ab und an gewaltig auf die Nerven ging, war der zu oft zu offensichtlich computer-animierte Garfield-Verschnitt. Guckt Ihr mal ruhig Euren Heiligen Buben, der es nach hintenraus ganz gewaltig verkackt, und sein Ende nicht gewuppt kriegt… Ich bleib’ derweil gerne bei der nettesten Untoten-Beschützer:Innen-Patchwork-Ersatz-Familie. Für mich der zweitbeste Film der diesjährigen Winter-Edition.

„Can you wait for me a little bit longer, Daddy?“ …Solange Du willst, Soo-Ah!

Cutting up chicken and giving up one’s own head for the production of pencil-tip erasers

Ich bin dann - weil ich weder Bock auf „Shelby Oaks“ und „Deathgasm:Goremageddon“, noch auf langes Warten hatte, bis es mit dem türkischen Kaffeetischlein endlich weitergeht - den White Nights „fremd gegangen“, und einmal quer durch die City und den Hafen bis zur Feldstrasse gefahren, und habe das „Studio“-Kino besucht, um mir David Lynchs „Eraserhead“ schlappe 33 Jahre nach der Erstsichtung anno 1992 auch mal wieder im Kino zu geben. Und war während der Vorführung doch reichlich ermattet, und musste beständig gegen die eigene Übermüdung ankämpfen… was gerade für diesen Film natürlich das genau richtige mindset, und die passende eigene Verfassung war. Denn durch den permanenten Schlafmangel befand ich mich beinahe schon in einer Art trancehafter Aufgelöstheit, und hatte rational-analytisch betrachtet nichts, aber auch gar nichts mehr aufzubieten und dem verunsichernd-verwirrenden Surrealismus von Lynchs Meisterwerk entgegenzusetzen. Sodass die Bilder, Stimmungen und Tableaus quasi ohne Umwege direkt den Weg ins eigene Unterbewusste fanden… und dort noch eine ganze Weile herumspuken, und mir im Verlauf der nächsten Tage noch das eine oder andere Mal zu schaffen machen werden. Eine exzeptionell weirde Sichtung, während der ich stellenweise beinahe schon zu halluzinieren begann, sich die Schatten des Filmbildes mit der Dunkelheit des Kinosaals vermischten, das Eine fliessend ins Andere überging, und ich mich selbst schon in einem Uterus aus tiefer Schwärze, unterfrequenten Brumm- und Summ-Tönen, und bizarrer Nachtmahr-Szenerien wähnte. Das Anschauen von „Eraserhead“ ist gewiss eine der aussergewöhnlichsten, beeindruckendsten und tiefgehend nachwirkendsten Erfahrungen, welche mensch im Kinosaal überhaupt machen kann. Nach der Vorstellung diskutierte noch eine Gruppe von Anfang-Zwanziger:Innen, die allesamt von einem jungen Mann anlässlich seines Geburtstags zum Kinobesuch eingeladen worden waren, angeregt-ahnungslos über das eben gerade Gesehene. Ich beteiligte mich mit meinen eigenen Deutungen und Gedanken auch kurz am Gespräch, und riet dem Geburtskind (nach dessen Aussage das Hauptanliegen des Film sei, dass man sich „für die Dauer von eineinhalb Stunden möglichst unwohl fühlen“ solle), beim nächsten eventuellen Geburtstags-Event, wenn er das mit dem Unwohlsein noch toppen wolle, dann doch in trauter Runde gemeinsam Żuławskis „Possession“ anzusehen. :wink:

So finster die Kaffeetisch-Schlacht

Danach stand dann mit Can Evrenols finster-schwarzhumoriger, grotesk-grenzdebiler Sozial-Komödie „The Turkish Coffee Table“ doch tatsächlich schon der allerletzte FWN-Film für dieses Jahr auf dem Spielplan… Und wo es am Abend zuvor noch geheissen hatte, dass die Rosebud-dies sich den mit Abstand allerschlechtesten Film für den Spätabend-slot aufgehoben hatten, so hiess es nun stattdessen: „Save the best for last!“ Denn der allerbeste Film dieser White Nights, das war Evrenols kaum auszuhaltendes, zwischen Farce, Satire und Karikatur pendelndes Meisterwerk in der Tat. Und wenn man schon vorher weiss, auf welcher absurd-aberwitzigen Grund-„Idee“ dieses bittere, grausam-gemeine Spott-Stück beruht, dann sind alle die Anspielungen, die schon vor dem Eintreten der absoluten Katastrophe gemacht werden, natürlich nochmal weniger erträglich, und kaum auszuhalten. Und sobald der frischgebackene Familienvater Ibrahim, der von seiner Ehefrau Zehra immer nur bevormundet wird, und sich unfähig sieht, seine inneren Konflikte vernünftig-verbal mit ihr auszutragen, sich das eine und einzige Mal gegen ihren Willen durchgesetzt, und das potthässliche Glas-Kaffeetischlein im Wohnzimmer der gemeinsamen Mehr-Etagen-Wohnung aufgebaut hat, und sich ereignet, was sich eben ereignen muss, da weiss man dann kaum noch, wie Einer:Einem geschieht. Man möchte, nein, man muss lachen, um diesen übermächtig-niederpressenden Druck abzubauen - Aber man kann nicht lachen. Sieht sich ausserstande, ein ebensolches, für gewöhnlich ja auch befreiend-karthatisch wirkendes Lachen erklingen zu lassen. Dafür ist das Geschehene einfach zu fundamental alles Andere ausser Kraft setzend. Und gelingt Evrenols Film sein perfidester Schachzug: Für die restliche Dauer seiner Laufzeit sind wir mit Ibrahim zusammen dazu verdammt, all das, was sich um ihn herum ereignet - Wie seine Ehefrau heimkommt, und Essen zubereitet, der Besuch seines Bruders und dessen Freundin, die Quengeleien der in ihn verliebten Nachbarstochter, und und und - zu ertragen, und auszuhalten. Immer in dem geheimen Wissen, dass durch das Vorher sich zugetragen Habende all dies längst schon hinfällige Makulatur, rein vergebliche Fassade, nurmehr blosse hohl gewordene Simulation eines irgend „normalen“ Lebens geworden ist. Und, da muss ich @splattercheffe mal wieder uneingeschränkt Recht geben - die Art und Weise, wie Hauptdarsteller Alper Kul diese innere Erstarrung, dieses allmähliche eigene Absterben mit leichenblasser Miene, mit versteinerten Gesichtszügen und leerem Blick nicht nur einfach darstellt, sondern wortwörtlich verkörpert, wie er dennoch immer noch eine Art Rest-Fassade aufrecht erhält, obwohl das, was durch seine Unachtsamkeit und Verschulden sich zugetragen hat, doch nie mehr gut zu machen oder aus der Welt zu schaffen sein wird, das ist unfassbar kongeniale Schauspielkunst auf wirklich allerhöchstem Niveau! Jetzt schon ein contender für’s achievement in acting in a main role meiner persönlichen Bestenliste! Und der Film als solcher eine bitterböse, schwer erträgliche und tonnenschwere Bestandsaufnahme einer eigenen innerlichen Höllenfahrt, wie man sie so noch nicht gesehen hat - höchstens im spanischen Original, das ich aber bislang nicht kenne. Ein unverdaulich schwerer Brocken, der noch lange im Magen liegt, und in Gedanken bleibt.

Und die Moral von der Geschicht’: Potthässlich-unnütze Glas-Dekors, die kauft man nicht!

Somit ergibt sich für meine eigene persönliche FWN 2026-Besten-Liste folgendes Bild:

  • Platz 1 - „The Turkish Coffee Table“

  • Platz 2 - „My Daughter Is A Zombie“

  • Platz 3 - „Dust Bunny“

Es waren wieder mal schöne, aber viel zu schnell rum gegangene White Nights… Der Frühling kann nun gerne auch mal kommen, und damit dann auch hoffentlich ein Wiedersehen zur Mitte des April, wenn uns die FantasyFilmFest Nights (ohne „White“, hoffentlich auch ohne Schnee, und mit mehr Schlaf für mich) ins Haus stehen. Bis dahin: Macht’s gut, guckt mir nur halbwegs gute, bis hervorragende Filme, und bleibt Platin, oder Gold, oder was immer Ihr auch sein wollt!

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Film ist ein Remake des spanischen „La Mesita Del Comedor“ von 2022… :slight_smile:

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Schön, dass er Dir gefallen hat. :slightly_smiling_face:

Übrigens, jetzt wo’s FFFWN rum ist und den Film jeder gesehen hat (und haben muss) - ist euch aufgefallen, dass die dominanteste Person in Evrenols bösem Kammerspiel ausgerechnet diejenige ist, die als einzige ein Kopftuch trägt…?

Ich halte das für einen sehr hübschen kleinen ironisch-kulturellen Kommentar (nur weil ja auch schon das spanische Original zur Sprache kam. Aber wie Evrenol im Grußwort sagte, meiner Erinnerung nach: es ist schon ein sehr deutlich türkischer Kaffeetisch…).

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Ist korrigiert (plus mein post noch um ein putziges FWN-Verabschiedungs-Bildchen ergänzt worden, wofür am Montag morgen keine Zeit mehr war, weil ich ja noch zu Arbeit musste). Danke für den Hinweis, hatte das in den Irrungen und Wirrungen meines Hirns irgendwie unter „Ist so dermaßen sick, das muss und kann ja nur aus Frankreich kommen!“, abgespeichert… Wollt’s eigentlich erst noch gegenchecken, weil ich aber einfach auch so elendig hundemüde war, hab’ ich’s mir dann mal gesteckt. Sleep deprivation can do some pretty weird shit to you…

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@splattercheffe Jetzt wo du es sagst :grin: ich fand das einen interessanten Einblick in die türkische Kultur, dass sie, als dann die Gäste kamen, wieder mit Kopftuch bekleidet war. Am besten fand ich ja ihren Lachanfall. Und er steht so versteinert daneben. So absurd und tragisch das Ganze.

@die_Lachsschaumspeise

Danke für die Bildchen. Churros müssen dann nächstes Mal dabei sein. :laughing:

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Vielleicht guck ich den dann doch mal. Hab bislang von Evrenol eh noch nix gesehen.
Von dem hier zwar viel Gutes gehört, aber da er nahezu identisch mit dem, vor nicht allzu langer Zeit von mir gesichteten spanischen Original, sein soll dachte ich mir, dass ich den nicht auch (noch) schauen müsste. Ist dem wirklich so, kann das jemand bestätigen?
Kannt das im übrigen jemand bestätigen?

Offenbar haben wir hier keinen, der beide Filme gesehen hat. Ich ja auch nicht. Wenn ich mich recht erinnere, hat in München Marie bei der Ansage erwähnt, dass Evrenols Werk noch wesentlich schwärzer daherkommt als das spanische Original, aber da kann ich mich auch täuschen.

Was ich aber zumindest sagen würde:

Wie in obigem Detail schon angedeutet, mag der Plot kaum differieren, aber ich bin mir sicher, dass die Figurenzeichnung sich deutlich unterscheiden muss. Hier haben wir es, nicht nur wegen des Kopftuchs, mit einigen wirklich spezifisch türkischen Besonderheiten zu tun, etwa das Verhältnis und der Umgang der beiden Brüder. Letzten Endes trägt das nach meinem Empfinden eminent zur Tonart und damit Glaubwürdigkeit des Films bei.

Ich wäre selbst gespannt, wie wiederum die spanische Version auf mich wirkt.

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Hallo Filmmusik-Experten. Ich suche den Soundtrack, bzw. den “Music Score” von DUST BUNNY im Netz. Meine Recherchen auf youtube haben bislang nur die Instrumentalstücke ausgegraben, aber da liefen so tolle Songs, u.a. dieses upbeat-Ding in der Kirche (wenn sie die Kollekte klaut). Von wem war der song und wie heißt der Titel ? Würde mich über entsprechende links und Infos wirklich wahnsinnig freuen.

Oh. ich glaube ich bin fündig geworden.. gibt es da noch eine Maxi Fassung von ?

Dust Bunny OST Church Scene [HUN SUB] (Sister Janet Mead – The Lord’s Prayer) 21:9 1080p - YouTube

Guck’ sonst eventuell auch nochmal hier rein:

Plus auch noch ein wenig detailierter in der imdb (aber genau die selben Songs):

https://www.imdb.com/title/tt23172090/soundtrack/

Laut discogs scheinbar wohl nicht:

https://www.discogs.com/artist/861468-Sister-Janet-Mead

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Wie super, da sag ich doch mal DANKE! Soundtrakd.com kannte ich noch nicht, wird dann in Zukunft zuerst bemüht. Klasse.