Harmonie - Keine Lust mehr


#61

Das Berlin nicht funktioniert ist totaler Unsinn. In Berlin im Sonycenter ist das Festival genau am richtigen Platz. Das Kino spielt nur Originalversionen, hat ein ausgesprochen cineastisches Publikum und eine sehr schöne Atmosphäre. Nicht umsonst ist es DAS Premierenkino in Deutschland. Das FFF findet dort im großen Saal mit 540 Plätzen statt und ist extrem gut besucht. Ich geh da seit Jahren hin und die Stimmung ist prima. Es ist übrigens auch das Kino der Berlinale.


#62

Ich schrieb, dass es für mich nicht funktioniert, das ist ein entscheidender Unterschied :wink: Wobei ich aber auch hinzufügen muss, dass ich das aktuelle Kino in Berlin gar nicht kenne, glaube ich. Es war doch am Potsdamer Platz zuerst woanders, oder? Dieses Kino betrifft meine Einschätzung.


#63

Nein, ich war mir da nicht sicher, und die Frage war darum auch nicht rhetorisch. Tatsächlich finde ich den „technischen“ bzw. Komfort-Unterschied von der Harmonie zum Metropolis auch einfach nicht soooo gewaltig. Und wo die Harmonie hier Einbußen ggü dem Metropolis hat, gleicht sie das an anderer Stelle halt wieder aus. Für mich ist das Gesamtergebnis dabei knapp positiv, und darum bin ich zufrieden (und finde, man kann den empfundenen Nachteilen des Kinos gegenüber durchaus nachsichtig sein; war zB ich schließlich auch jahrelang gegenüber denen des Metropolis :wink:).

Ich gehe übrigens auch unabhängig vom Festival jederzeit lieber in die Harmonie als ins Metropolis, und da bin ich weiß Gott nicht der Einzige… Patrick? David? Wollt ihr euch in diesem Thread nicht auch mal äußern? :stuck_out_tongue: Und andersherum gibt es zB in unserer Filmstammtisch-Runde einige Leute, die sich seit Jahren vom FFF abgewendet haben - explizit auch des Metropolis wegen. (Leider haben die inzwischen aber emotional auch komplett mit dem Festival abgeschlossen, ganz egal in welchem Kino es stattfindet…).


#64

Zuerst war es im Cinemaxx, dann Cinemaxx und Cinestar und jetzt nur noch Cinestar. Beide sind am Potsdamer Platz, das eine links von der Straße, das andere rechts.

League of Gentlemen’s Apocalypse lief 2005. Der war auch toll und lief in Köln im Spätslot, wurden dann auch weniger Leute.

Was soll ich zu den Frankfurter Kinos sagen? Ich gehe dahin wo die Filme laufen. Manche Festivals laufen in kleineren, andere in größeren Kinos. Bestimmte Kleinstfilme kriegt man halt oft nur in Schuhkarton Kinos zu sehen, besser als gar nicht. Dort ist auch meist der Eintritt billiger. Beim FFF jetzt nicht aber die haben auch mehr Kosten. Kurzum: Alex mag keine kleinen Kinos.


#65

Ich gehe mittlerweile nur sehr ungern ins Metropolis.

Es ist halt heruntergewirtschaftet, spart an allen Ecken und Enden und ist dazu teuer. Am schlimmsten aber: Die 30minütigen Werbeblöcke mit Pausen zum Popcornkauf etc. Dazu wird an der Klimaanlage gespart im Sommer und der Teppich klebt beim Laufen. Es kann halt echt eklig sein. Gehe nur da hin wenn der Film nicht woanders läuft.

Wäre trotzt allem aber tendenziell auch lieber im dort als in der Harmonie, da man halt nicht so eng aufeinander hockt, die Stühle etwas bequemer sind und die Leinwand nicht so hoch hängt. Ich sitze mal gerne vorne, hinten, in der Mitte, am Rand. In der Harmonie ist für mich allerdings nur der Balkon akzeptabel. In Frankfurt ist nur noch das Mal Seh’n Kino unbequemer als die Harmonie. Aber es ist jetzt nicht so dramatisch, dass ich auf das Fest verzichten wollte und hat auch seine Vorteile.

Letztlich ist das dann doch Makulatur, ich kann auch mit der Harmonie gut leben und neues Publikum scheint’s anzuziehen, wenn es dem Fest hilft, why not.

Meine favorisierte Wahl wäre sonst der Europa-Saal der E-Kinos. Schönste Leinwand Frankfurts und im Sommer erfrischend kühl.


#66

Im Mal Seh Kino kann ich nur in der ersten Reihe sitzen, auch das Babylon in Berlin hat zu wenig Beinfreiheit in den beiden kleineren Sälen.


#67

“Aus genau solchen Zusammenhängen entstammt das FFF schließlich auch: Horror-, Genre-Kino als Gegenentwurf zum bürgerlichen Gesellschaftsverständnis mit Zensur, Konventionen, Restriktionen usw. Für mich war das immer klar und wichtig. Vielleicht bin ich deshalb so irritiert, wenn hier jetzt so viele „bürgerliche“ Einwände laut werden.”

Reden wir über das FFF? Oder gibt es noch ein anderes Festival gleichen Namens?

Ich bin Besucher zahlreicher Filmfeste von der Berlinale bis zur Viennale sowie zahlreicher kleinerer Veranstaltungen im Land. Mir ist kein Festival bekannt, dass stärker am Mainstream orientiert ist als das FFF. 40 bis 50 Prozent der Filme sind Kommerzkino der primitivsten Sorte - Serienkost und DVD-Produktionen, die mit gutem Grund ansonsten nicht in die Kinos kommen. Gerade nach mancher Nachmittagsvorstellung war ich geneigt, das Geld zurückzufordern. Zumal die Beschreibungen im Programm am Rande der bewussten Irreführung lagen.

Warum ich dem Festival trotzdem die Treue gehalten habe? Weil es unter dem ganzen Unrat stets einige wenige Perlen zu entdecken gibt. Erlebnisse wie “Amer” und “Let the corpses tan”, kontroverse Beiträge wie “Irreversible” oder “Martyrs”, ungewöhnliche kleine Produktionen wie “Human Centipede” und “Der Bunker”, um nur einige Beispiele zu nennen. Wobei die Bereitschaft, derartige Filme zu zeigen, in den vergangen Jahrzehnten gesunken ist. Für “A Serbian Film” fehlte offensichtlich ebenso der Mut wie für diverse andere Beiträge, die es im Rahmen anderer Festivals zu sehen gab. Einen Film wie “Subconscious cruelty”, der vor über 15 Jahren lief, würde man heute wohl vergeblich suchen.

Vielleicht fehlt den Machern aber auch schlicht die Kenntnis? Es spricht jedenfalls für sich, wenn die Veranstalter Namen von Regisseuren, die in einschlägigen Foren intensiv diskutiert werden, schlicht nicht kennen. Ein Schulterzucken auf meine Frage nach Marian Dora und anderen Vertretern des Genrekinos im persönlichen Gespräch vor einigen Jahren ist bezeichnend. Für ungewöhnliche Filme muss man sicher nach Nürnberg zum Wof und anderen kleineren Veranstaltungen ausweichen, denn beim FFF scheint man die finanziellen Mittel lieber für einen Hollywood-Schmarrn wie “The shape of water” (der kurz darauf in den regulären Kinos lief) zu verbraten.


#68

Das ist auch so ein Thema. Weisst Du noch, vor 2 Jahren schriebst Du “Ehemalige FFF Besucher fehlten gleich REIHENWEISE”. Das hatte mit der Umstellung auf nicht vorhandene Parallelslots, feste DK Reihen usw usw zu tun. Ich wollte das hier eigentlich nicht mehr erwähnen, aber vielleicht ist es der Sache dienlich darüber zu diskutieren und es mag sein das der Umzug in die Harmonie einfach nur der letzte Tropfen war, der das Fass des Festivalbesuchers zum Überlaufen brachte, vielleicht auch bei mir.


#69

AHA! Gibt also noch andere die trotz ihrer filmischen Vorlieben ein paar physikalische Probleme beim Sitzen haben…


#70

Haha… während meiner Jugend in den 80er Jahren mussten wir manchmal EINE GANZE STUNDE Werbeblock vor dem Hauptfilm ertragen. Klimaanlage ? Fehlanzeige! Das war unglaublich grausam. Und die Bestuhlung… nach 20 Minuten, selbst im “Royal” tat Dir der A… weh. Meine Freunde in USA und Asien haben dann immer gelacht “Wie, Ihr habt noch nicht mal aircondition im Kino?”. Die wären schon vor 20 Jahren in keine Harmonie gegangen, selbst wenn der Eintritt frei gewesen wäre,

Es bleibt halt die Frage : Wie WICHTIG ist mir das Filmerlebnis ? Glaube ich, den indonesischen Hardcore Beitrag nie wieder ungeschnitten irgendwo sehen zu können ? Ganz ehrlich : In Zeiten des Internets, eher nein.


#71

Den mochte ich früher schon, hab dort damals die Premiere von “ALIENS” gesehen.


#72

Aber ich geh trotzdem hin wenn ich den Film sehen will (ob Festival oder nicht), sitze dann einfach in der ersten Reihe, beim Babylon etwas versetzt. Für mein Festival versuche ich solche Kinos zu vermeiden, gibt ja noch andere kleine mit etwas mehr Platz.


#73

Das ist heute bzw. seit vielen Jahren natürlich richtig. War aber nicht immer so. Nichts anderes schrieb ich ja auch: solchen Zusammenhängen entstammt das FFF. Dass es dort längst nicht mehr verortet werden kann, ist klar. Aber ich habe es so kennengelernt, im Eiszeit-Kino.


#74

Als du damals in Berlin warst (2003 war das), lief es komplett im Cinemaxx. Das ist wirklich ein seelenloser Klotz. Das Cinestar (im Sony-Center) ist deutlich atmosphärischer, allerdings auch weit davon entfernt, ein Off-Kino zu sein. Ist halt ein Multiplex, das aber generell nur OVs zeigt und mit regelmäßigen Weltpremieren aufwarten kann.
Einmal hatten sie dort sogar speziell fürs FFF eine kleine Snack-Karte eingerichtet (belegte Bagels und Pizzastücke, wenn ich mich richtig erinnere). Aber nur einmal, wurde wohl nur begrenzt angenommen. Das Personal ist generell nett dort, allerdings meist unterbesetzt. Da wollte ich schon Cola o.ä. kaufen und musste abbrechen, weil die Schlange viel zu lang war, um noch vor Filmbeginn dranzukommen. Die Technik ist jedenfalls spitze und der Komfort stimmt. Alles in allem ist es vielleicht das Gesamtpaket, warum das FFF in Berlin weiterhin ganz gut funktionert…


#75

Muss aber lange her sein. Jedenfalls mehr als 21 Jahre…Dass die Retrospektiven sang- und klanglos verschwunden sind, spricht ebenfalls für den immer geringeren cineastischen Anspruch. Was waren das noch für Zeiten, als Dario Argento ein Rueckblick gewidmet wurde. Das Programm des FFF ist im Grunde ein ziemlich unausgegorenes Sammelsurium aus verschiedensten Genres, das mit “Fantasy”, d.h. “fantastischen Film” im eigentlicgen Sinne, nur wenig zu tun hat.

Aber zur Ausgangsfrage: ich mag Kinos wie das Harmonie oder Mal Sehn sehr gerne - optimal, um mit 30 bis 40 anderen Besuchern am Sonntagnachmittag einen alten Kubrick, Jarmusch oder Kaurismaeki anzusehen.


#76

Und letztlich kann man die derzeitige Situation doch folgendermaßen zusammenfassen: Die Firma Rosebutt stellt die Gewinne, die sich am bisherigen Spielort nicht mehr realisieren lassen, über die Interessen der Zuschauer. Hier gilt nicht “Der Kunde ist König”, sondern “Der Gewinn ist entscheidend” (soltte ich falsch liegen, nehme ich neine Aussage gerne zurück).
Wenn eine der Veranstalterinnen offensichtlich wenig begeisterten Stammbesuchern bei den “White Nights” erzählt: “Wir wollten mal was anderes ausprobieren. Abwechselung muss sein…”, dann spricht das dafür, dass man seine Kunden für Idioten hält. Als Idiot lässt sich bekanntlich niemand gerne behandeln, so daß ich Rosebutt nur viel Erfolg mit diesee Strategie wünschen kann.


#77

Das war die Zeit vor Dauerverfügbarkeit von Filmen durch Streaming und Importe, sowie vor der nahezu perfekten Heimkinotechnik. :wink: Retrospektiven haben heute keinen so großen Reiz mehr wie früher für einen Großteil der Besucher. Rosebud hat es doch ein paar mal versucht, und soweit ich das mitbekommen habe, wurden diese Versuche nicht gerade begeistert angenommen? Wenn ein Großteil der FFF-Fans die Retrospektiven so sehr vermisst hätte, hätten sie Rosebud bei diesen Gelegenheiten so richtig gezeigt, dass sie sie wieder haben möchten. Das Interesse hat anscheinend nicht gereicht, und so blieb es bei den Testläufen.

Was ich sagen will ist: An manchen Veränderungen sind einfach die veränderten Sehgewohnheiten der FFF-Besucher Schuld, also wir selber. Entweder weil man selber sich verändert hat oder weil neue Besucher dazugekommen sind.

Außerdem frage ich mich: Was ist schon cineastischer Anspruch? Anscheinend sehr subjektiv. In den Anfangsjahren lief wenn ich mich nicht irre Braindead. So sehr ich den Film liebe, aber er hat NULL Anspruch. :smile: Dafür hatte das FFF zuletzt regelmäßig Top-Beiträge in Sachen Arthouse-Horror (im weitesten Sinne) zu bieten. Nicht umsonst beschwert sich unsere Splatter-Fraktion immer wieder, dass es ruhig mal weniger cineastischer Anspruch und mehr Spaß am Blutpanschen sein darf.

Also… ich finde, dass das FFF kein Problem hat, was den cineastischer Anspruch angeht. Klar sind jedes Jahr ein paar Gurken und einiges an 08/15 Kost im Programm, und sie kriegen nicht jedes Genre Highlight. Aber das war schon immer so.


#78

Früher lief bei FFF auch mal eine 35mm Retro mit Jimmy Sangster Filmen. Zu CURSE OF FRANKENSTEIN war er persönlich anwesend. Heute würde da kein Mensch mehr kommen, weil es die Filme in viel besserer Qualität und restauriert auf BluRay gibt. Die Filmkopien waren damals schon ganz schön abgenutzt.


#79

Ach ja? Ein Film, der gekonnt gefuehlte 100 Filme zitiert und persifliert, nebenbei psychoanalytische Paradigmen im Rahmen des Splatterfilms satirisch verarbeitet, hat null Anspruch? Wo hier ein Mangel Anspruch besteht, sei dem Leser überlassen.


#80

Wie gesagt, ich mag den Film ja auch. Aber nur weil es ein geliebter Klassiker ist, kann man finde ich nicht behaupten, dass die heute gezeigten Filme anspruchsloser seien. Natürlich sind es pro Jahr immer nur ein paar Highlights, aber wenn ich mir die Filmlisten der früheren Jahrgänge ansehe, sehe ich darin ähnlich viel Füllmaterial. Man verklärt halt auch viel aus heutiger Sicht… Als ich mit dem FFF angefangen habe und meine ersten 18er Filme gesehen habe, war ich von so ziemlich allem total begeistert. Wenn ich heute die Nostalgie-Brille abnehme, würde ich manches strenger bewerten. Und man interpretiert manchmal auch wirklich zu viel in die älteren Horrorfilme hinein.