Kaltmiete - SPOILER

Liebe FFFler, kann mir mal jemand bitte den Twist von Kaltmiete erklären?

Im Kölner Publikum saß ein hochbegabter Mensch der sich sogar beim Regisseur beschwerte, er hätte alles schon von Anfang an rausgekriegt. Mir war allerdings selbst nach der Blitz-Hinweis-Collage am Ende des Films immernoch nicht alles klar. Da es unmöglich ist, mir den Film nochmal von vorne anzuschauen wäre ich sehr dankbar für eine kurze Erklärung.

Mir schien die ganze Mordgeschichte sowieso eher wie ein völlig unnötiges Gimmick was am Anfang angedeutet und erst wieder am Ende für die letzen 10 Sekunden wieder aufgegriffen wird. Der Rest des Films war meiner Meinung nach eher Sozial-studie der WG-Umgebung. Es war sehr interessant mit anzusehen, wie alle WG-Mitbewohner sich zwanghaft vor der verschlossenen Türe offenbarten und mit der Stille, der Antwort die nicht kommt, nicht umgehen konnten.

Wie auch schon im Film erwähnt gibt es das Phänomen, daß Leute sich in ihrem Zimmer/ihrer Wohnung einsperren wirklich und ist in Japan unter dem Begriff Hikikomori bekannt: http://de.wikipedia.org/wiki/Hikikomori
Das hat alles herzlich wenig mit irgenwelchen weit hergeholten Mord-hirngespinsten zu tun weshalb mich das Ende von Kaltmiete doch enttäuscht hat. Oder habe ich es vielleicht nur falsch verstanden? :wink:

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: Case am 15.08.2007 19:27 ]

Der Twist ist, dass sich in dem Zimmer nicht der 4. Mitbewohner verschanzt, sondern dessen Ex-Freundin, von der vor allem zu Beginn des Films die Rede, dieaber nie auftaucht. Sie wartet da praktisch darauf, Rache nehmen zu können. Daher auch der Kapuzenpulii, wenn er/ sie dann doch mal schemenhaft auftaucht. Indizien, dass es die Freundin ist, gibt es wohl einige, habe ich aber auch nicht wirklich darauf geachtet, da mich auch mehr die WG und Sozialphobie-Studie interessiert hat (schon aus persönlicher Betroffenheit, da ich schon mal einen ähnlich veranlagten Mitbewohner hatte).
Trotzdem fand ich - habe ich ja auch in meinem Review geschrieben - das reißerische Ende gar nicht so schlecht; habe ich eher als einen Bonus verstanden (und der Regisseur hält sich so vermutlich alle Karrierchancen offen - ZDF-Fernsehspiel und RTL-Autobahnpolizei :wink: ).

Fast voellig unbemerkt gab es fuer Kaltmiete ja im Jahre 2009, zusammen mit einem weiteren Film „Speed-Dating“, eine DVD-Veroeffentlichung auf den Markt geschoben.

Der kleine Hinweis ist mit der Grund, warum ich diesen Beitrag hier an sich auch hoch hole, weil ich persoenlich diese DVD nur empfehlen kann. Ich hatte Kaltmiete auf dem FFF nicht gesehen und freute mich riessig, dass der endlich auf DVD erschien und ich war auch nach dem Sehen absolut nicht enttaeuscht - ganz im Gegenteil!

Achtung, spoilert natuerlich

Ich fand die Geschichte als extrem genial inszeniert und in sich total stimmig. Den Plot hab ich ebenso wie zoulwags gesehen und die Hinweise auf die „Ex-Freundin“ gibt es in der Tat zuHauf, wenn man den Film nach der Aufloesung nochmals Revue passieren laesst. Allein schon der Schriftzug am Kuehlschrank ist da sehr eindeutig :wink:

*** Spoiler an sich Ende ***

Ok, klar, der Film ist definitiv anders. Man mag auch sagen: Er ist vielleicht typisch Deutsch. Aber vielleicht war das gerade auch ein Aspekt, der mir hier zu gefallen verstand.

Alles war irgendwie anders. Man spricht mit ner Tuer (einfach grandios!) und bekommt zu Beginn erstmal eine unzusammehaengend erscheinende, aber Spannung aufbauende Einfuehrung der WG-Bewohner. Und mit jedem Versuch, den seltsamen Mitbewohner aus seinem Zimmer zu locken, bekommt man nicht nur Einblicke in den tiefen Beziehungssumpf der WG-Mitbewohner, sondern man stellt sich auch immer mehr und mehr die Frage, ob es ueberhaupt einen vierten Mitbewohner gibt.

erzeugte alles Stimmung, hat mir alles echt gut gefallen. Und mit seinen gerade mal 45 Minuten Laufzeit versteht es der Film, so manch aufkommende Laenge nicht zu lang werden zu lassen und genau in dem Punkt, wo man sich langsam anfang zu Langweilen seinen grandiosen Schlusspunkt zu setzen.

Grandios deswegen, weil man den Schluss an sich nur stimmig versteht, wenn man den Film und all die kleinen Feinheiten, die er zu zeigen verstand und die man erst ueberhaupt nicht beachtet hat, ploetzlich wichtig werden zu lassen und sie den ganzen Plot erklaeren.

Ich mag sowas! :slight_smile: und hier gebe ich dem Programmheft mal uneingeschraenkt recht, wenn es sagt:

Low-Budget-Perle vom ersten Moment eine unheimliche Atmosphäre, subtil verstörende Studie mit dem wirklich überraschenden Ende als I-Tüpfelchen.
Und es bleibt festzuhalten, was man nicht oft sagen kann: Mit Gregor Buchkremer hat das deutsche Kino endlich wieder ein großes Genrefilmtalent.

Auch wenn er sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen wird.

Und auch der zweite Film, Speed-Dating ist wirklich sehenswert. trumpft er vor allem zu Beginn wirklich mit grandios abartigen Szenen auf! Die Idee ist wirklich extrem nett und fuehrt zu sehr skurillen Situationen, mit schon sehr schwarz angehauchtem Humor.

Leider ist der Film in Sachen Genialitaet allerdings anders herum: Der Anfang ist stark, das Ende laesst dann immer mehr nach. Wer aber trotzdem die etwas anderen Filme mag und sucht, dem sei auch dieser echt ans Herz gelegt.

Wer also noch nicht wusste, dass es die DVD gibt: Vielleicht gebt ihr ihr ne Chance. Leider hat Gregor Buchkremer danach nichts mehr gemacht oder machen duerfen. Ich finds schade, haette gerne mehr von ihm noch gesehen.