Kill List (Spoiler)

Definitiv einer der Filme, der dieses Jahr spaltet - ich habe ihn mit 5 Freunden gesehen - vier davon fanden den Film schlecht, einer gut, letzterer hatte aber die selben Probleme wie die vier anderen!

Kurzum: ich fand mich in der Minderheit als einziger, der den Film durchweg gut fand. :sunglasses:

Was alle meine Freunde gemeinsam so scheiße fanden, war das Ende, da zwar ein Twist vorhanden war, die Umstände dieses Twists allerdings in keiner Weise erörtert wurden: was will der Kult? Wieso lässt der Kult drei seiner Anhänger umbringen? Wieso wollen sie den Protagonisten… krönen, und als was? Und wieso ausgerechnet ihn? Wieso muss er seine Familie umbringen, und wieso spielt seine Frau da so gelassen mit (und lacht am Ende)? Wieso winkt die Frau seines besten Freundes ihm vorm Hotel zu?

Fragen über Fragen also, über die ich erstmal auch nur stottern konnte. Den Filme finde ich nach wie vor gut, allerdings stimmt es durchaus, dass vieles am Ende ganz einfach nicht erläutert wird, und den Zuschauer eher verwundert als erleuchtet zurücklässt, und durchaus eine Schwäche im Drehbuch darstellt.

Insofern würde ich gerne eure Meinungen hören. Ist das ganz großer Quark, einfach nur ambivalentes Kino oder ein sehr guter Handgriff, bei dem die “Details” nicht erläutert werden müssen?

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: The_Coma-man am 28.08.2011 12:17 ]

Am 28.08.2011 12:16 , The_Coma-man schrieb:

Definitiv einer der Filme, der dieses Jahr spaltet - ich habe ihn mit 5 Freunden gesehen - vier davon fanden den Film schlecht, einer gut, letzterer hatte aber die selben Probleme wie die vier anderen!

Kurzum: ich fand mich in der Minderheit als einziger, der den Film durchweg gut fand. :sunglasses:

Was alle meine Freunde gemeinsam so scheiße fanden, war das Ende, da zwar ein Twist vorhanden war, die Umstände dieses Twists allerdings in keiner Weise erörtert wurden: was will der Kult? Wieso lässt der Kult drei seiner Anhänger umbringen? Wieso wollen sie den Protagonisten… krönen, und als was? Und wieso ausgerechnet ihn? Wieso muss er seine Familie umbringen, und wieso spielt seine Frau da so gelassen mit (und lacht am Ende)? Wieso winkt die Frau seines besten Freundes ihm vorm Hotel zu?

Fragen über Fragen also, über die ich erstmal auch nur stottern konnte. Den Filme finde ich nach wie vor gut, allerdings stimmt es durchaus, dass vieles am Ende ganz einfach nicht erläutert wird, und den Zuschauer eher verwundert als erleuchtet zurücklässt, und durchaus eine Schwäche im Drehbuch darstellt.

Insofern würde ich gerne eure Meinungen hören. Ist das ganz großer Quark, einfach nur ambivalentes Kino oder ein sehr guter Handgriff, bei dem die „Details“ nicht erläutert werden müssen?

Die Auftraggeber erörtern ja einmal kurz ihr Ziel: „Reconstruction“.

Das Ende stößt einen natürlich völlig vor den Kopf, war aber auch nur auf diese Weise auch befriedigend…etwas anderes hätte einfach nicht gepasst.
Der „Held“ gehört nach seiner Tat(en) widerwillig auch zur „Neuerrichtung“. Die letzte Szene ist quasi sein letzter, großer Test.

Der „Held“ ist außerdem nicht mehr ganz edel im Kopf…Trauma aus Kiev, Stress mit der Frau, latente innere Wut - da schiebt man sich schonmal Filme von winkenden Frauen. Ich denke, dieses Bild war nur in seinem Kopf, auch wenn in KILL LIST natürlich was Okkultes brodelt :wink: Denk mal zurück an die Szene mit dem Arzt, der sofort nur an dessen Psyche denkt & sich die Hand gar nicht ansieht.

„Ganz großer Quark“ trifft mit Sicherheit nicht zu. Hier bleibt Platz für Interpretationen…und was Besseres kann ein anspruchsvoller Horrorfilm gar nicht bieten.

“Die Auftraggeber erörtern ja einmal kurz ihr Ziel: “Reconstruction”.”

Aber inwiefern? Wieso? Wovon?

“Die letzte Szene ist quasi sein letzter, großer Test.”

Aber was testet die Szene, und was beweist sie? Er weiß ja nicht, dass das seine Familie ist. Er bringt jemanden in einem Sackgewand (sorry, aber diese Formulierung bietet sich an :wink: ) um - das ist dann halt seine Familie, woraufhin er eine Krone aufgesetzt bekommt, und nach wie vor nicht weiß, was Sache ist.

Ich stimme Dir insofern zu, als mir das beim Anschauen auch keine Probleme gemacht hat, nach der “nach-Diskussion” habe ich aber doch meine Zweifel ob des Nährwerts all dessen. Nehm den Film mit W am Anfang ( :wink: ) in dem der Protagonist ja seine Rolle versteht (genau so wie die Intention der Bösen erläutert wird). Der gute Mann hier wirkt ja nach wie vor komplett verwirrt, was all der Scheiß soll, als er das Stroh auf den Kopf kriegt.

Am 28.08.2011 12:46 , The_Coma-man schrieb:

„Die Auftraggeber erörtern ja einmal kurz ihr Ziel: „Reconstruction“.“

Aber inwiefern? Wieso? Wovon?

„Die letzte Szene ist quasi sein letzter, großer Test.“

Aber was testet die Szene, und was beweist sie? Er weiß ja nicht, dass das seine Familie ist. Er bringt jemanden in einem Sackgewand (sorry, aber diese Formulierung bietet sich an :wink: ) um - das ist dann halt seine Familie, woraufhin er eine Krone aufgesetzt bekommt, und nach wie vor nicht weiß, was Sache ist.

Ich stimme Dir insofern zu, als mir das beim Anschauen auch keine Probleme gemacht hat, nach der „nach-Diskussion“ habe ich aber doch meine Zweifel ob des Nährwerts all dessen. Nehm den Film mit W am Anfang ( :wink: ) in dem der Protagonist ja seine Rolle versteht (genau so wie die Intention der Bösen erläutert wird). Der gute Mann hier wirkt ja nach wie vor komplett verwirrt, was all der Scheiß soll, als er das Stroh auf den Kopf kriegt.

Neue Weltordnung :wink:
Sturz ins Chaos? Wahrscheinlich. Gesagt wirds halt explizit nicht. Sie fordern von ihrem „neuen Mann“ schlimme Taten. Er hat davor schon schlimme Taten begangen. Er passt in ihr Schema (ohne jetzt wirklich Vergleiche zu ziehen, hat mich das hier sehr an die „Auflösung“ von SIEBEN erinnert, nur halt mit okkultem Unterbau). Er tötet. Am Ende verteidigt er sich allerdings auch…das darf man nicht vergessen!

Ich denke, in KILL LIST steckt neben Horror auch das Psychogramm eines Mannes auf dem Weg zum Wahnsinn, ein Film über kantige Buddys, die zusammen etwas durchgemacht und auch ein Familiendrama (der Regisseur lässt sich mit dem Aspekt viel Zeit zu Anfang).

Übrigens: Wo startet der Kult? Die Freundin seinen Kumpels ritzt zu Beginn ein Symbol auf die Rückseite des Spiegels…ich denke, zu diesem Zeitpunkt war die Frau des „Helden“ schon eingeweiht :wink:
Hat mich an ROSEMARYS BABY erinnert…etwas um ihn & seinen Kumpel herum läuft „falsch“, nur was?

Mit dem Psychogramm und all dem stimme ich Dir zu, ich mag den Film ja auch immer noch echt gerne. :slight_smile:

Zum ersten Abschnitt: Genau das haben meine Leute bemängelt: Du sagst ja auch, sie fordern ihren “neuen Mann” auf, schlimme Sachen zu begehen. Aber wieso? Von neuer Weltordnung oder Sturz ins Chaos erfahren wir ja nichts. Ebenso nicht darüber, wieso ausgerechnet ihn, töten tun ja sicher auch andere labile, und was wird er für sie? Ihr Anführer? Was macht ihn so speziell?

Als ich seinerzeit den Vergleich mit Rosemary angeführt habe, wurde ich schnell unterbrochen. "Die Rosemary weiß ja am Ende, was passiert, und wieso sie ausgewählt wurde, was die bösen wollen. Kannst Du mir hier sagen, was genau die Bösen von ihm wollen, wieso er ausgewählt wurde, und was das Ende bedeutet?"
Und das konnte ich leider alles nicht. :disappointed:
Zur Frau des Helden: wenn sie eingeweiht war, wieso knallt sie dann am Ende Angreifer im Haus ab? Und worin wurde sie eingeweiht? “Du musst Dich von Deinem mann umbringen lassen, Dein Kind auch, und dann setzen wir ihm ne Krone auf und… ja, was dann kommt, sagen wir nicht.” Hmmmmmmmmmm…

Wie gesagt, versteh das nicht als Nitpicking, ich finde den Film super, aber nachdem das in meinem Kreis so diskutiert wurde, wundere ich mich auch über so manches am Ende. Wir beide haben ja auch genügend Filme schon geschaut, aber zumindest ich kann für meine Fragen leider kaum Antworten finden. :disappointed: Was Du z.B. über die Dame vorm Hotel sagst, klingt einleuchtend… aber im Film gibt es, soweit, keine anderen “Halluzinationen”, und auch in der Szene suggeriert nur wenig, dass es sich um eine handelt. :confused:

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: The_Coma-man am 28.08.2011 13:18 ]

PS: Sein Sohn ist am Ende sein letztes “Ziel”. Der Regisseur hat die Ziele ja immer groß mit Titeln angekündigt. Der Sohn ist “The Hunchback” (der Buckel), da er auf den Rücken der Mutter geschallt ist. Natürlich wusste der “Held” das nicht, da die Verkleidung das nicht zu erkennen gab. Deshalb war er in der letzten Szene natürlich schockiert :wink:

Er ist einfach sozusagen der “Killer-König des Teufels” (um mal platt im Genre-Jargon zu schreiben :grin: ) und hat es selbst nichtmal bemerkt.

Am 28.08.2011 13:17 , The_Coma-man schrieb:

Mit dem Psychogramm und all dem stimme ich Dir zu, ich mag den Film ja auch immer noch echt gerne. :slight_smile:

Zum ersten Abschnitt: Genau das haben meine Leute bemängelt: Du sagst ja auch, sie fordern ihren „neuen Mann“ auf, schlimme Sachen zu begehen. Aber wieso? Von neuer Weltordnung oder Sturz ins Chaos erfahren wir ja nichts. Ebenso nicht darüber, wieso ausgerechnet ihn, töten tun ja sicher auch andere labile, und was wird er für sie? Ihr Anführer? Was macht ihn so speziell?

Als ich seinerzeit den Vergleich mit Rosemary angeführt habe, wurde ich schnell unterbrochen. „Die Rosemary weiß ja am Ende, was passiert, und wieso sie ausgewählt wurde, was die bösen wollen. Kannst Du mir hier sagen, was genau die Bösen von ihm wollen, wieso er ausgewählt wurde, und was das Ende bedeutet?“
Und das konnte ich leider alles nicht. :disappointed:
Zur Frau des Helden: wenn sie eingeweiht war, wieso knallt sie dann am Ende Angreifer im Haus ab? Und worin wurde sie eingeweiht? „Du musst Dich von Deinem mann umbringen lassen, Dein Kind auch, und dann setzen wir ihm ne Krone auf und… ja, was dann kommt, sagen wir nicht.“ Hmmmmmmmmmm…

Wie gesagt, versteh das nicht als Nitpicking, ich finde den Film super, aber nachdem das in meinem Kreis so diskutiert wurde, wundere ich mich auch über so manches am Ende. Wir beide haben ja auch genügend Filme schon geschaut, aber zumindest ich kann für meine Fragen leider kaum Antworten finden. :disappointed: Was Du z.B. über die Dame vorm Hotel sagst, klingt einleuchtend… aber im Film gibt es, soweit, keine anderen „Halluzinationen“, und auch in der Szene suggeriert nur wenig, dass es sich um eine handelt. :confused:

Ich denke, wenn man den Film Bild für Bild überanalysiert, macht man ihn kaputt, weil er eben auch auf einer surrealen Ebene funktioniert…er verunsichert uns damit, was noch Realität ist & was zum Okkulten gehört - das macht ihn so stark!

Ich finde auch, er muss das gar nicht so explizit erklären, man hat ja ne Vorstellung, was gemeint ist :wink: (ich liebe ja auch z.B. VINYAN, der ist auch nicht gerade konkret :grin: ).

Warum schießt die Frau auf die „Dämonen“? Hm, da hab ich auch im Nachhinein etwas gestutzt. Vielleicht ein letzter innerer Kampf gegen das Böse, für die Rettung ihres Mannes und ihres Sohnes - für ihre Ehe? Das könnte man so interpretieren, denke ich. Hängt davon ab, wie viel Gewicht man auf den Familien-Aspekt in dem Film legt. Ich fand, das wurde als sehr wichtiges Thema behandelt.

GANZ kurz zur ROSEMARY, dann muss ich los :wink:

Der Vergleich geht ja um den Anfang beider Filme, dieses mysteriöse Treiben um die “Helden”/“Heldin”.
Das Ende ist in KILL LIST weniger konkret. Wir werden genauso verstört aus der Story entlassen wie unser “Held”. Sehr stark, wie ich finde!

Und dann dieser totenstille Abspann…genial!

Wo gab es denn aus Eurer Sicht Anzeichen dafür, daß seine Frau Bestandteil der Verschwörung ist? Das wäre mir völlig entgangen!

Ich sehe auch keine, allerdings hat sie, am Ende, crazy gelacht, sich nicht unter dem Sackgewand zu erkennen gegeben und ist mit einem Messer in der Hand auf ihn zu getaumelt.

Wobei er ja auch maskiert war, es also wahrscheinlich ist, daß sie ihn nicht erkannt hat?!

Hoffentlich erscheint bald mal eine DVD/Blu mit Untertiteln… :slight_smile:

Am 28.08.2011 18:20 , Lovecraft schrieb:

Wo gab es denn aus Eurer Sicht Anzeichen dafür, daß seine Frau Bestandteil der Verschwörung ist? Das wäre mir völlig entgangen!

Sie trifft sich zumindest sehr auffällig mit der Ex-Freundin seines Freundes…und die hat zumindest Dreck am Stecken. Den ganz großen Unterschied würde das bei der „Auflösung“ nun eh nicht machen, ob sie mit drinsteckt oder ein Opfer ist :wink:

Mir hat Kill List auch sehr gut gefallen.

Ich habe das Ganze als eine Art Rekrutierungsplan in die Führungsriege dieser Sekte interpretiert. Diese Gemeinschaft hat ja etwas seltsames (Mitglieder erhängen sich freiwillig) und so erscheint mir auch eine uneingeweihte Rekrutierung und Testung des “Neuen” nicht zu seltsam. Mich hat das ganze an Angel Heart erinnert. Nur eben anders rum. Bei AH wird der Held vom Teufel mit einem Auftrag versehen und dann ausgetrikst, damit der ihn “rechtmäßig” zur Hölle schicken kann. Bei Kill List wird der Held auch mit einem Auftrag versehen und damit getestet, ob er sich würdig für die Führungsriege der Sekte erweißt (die Freundin seines Freundes war ja nicht irgendein Mitglied, sondern am Schluss deutlich erkennbar eine der Oberen).

Und die ultimative Initiation ist dann eben die Tötung seiner Familie.

Ich glaube übrigens nicht, dass seine Frau mit zur Sekte gehörte. Den Besuch der Schwarzhaarigen bei ihr deute ich eher, als ein weiteres “das Umfeld des Helden abchecken”, denn als ein Zeichen für die Mitverschwörung seiner Frau.

Und warum hat sie am Ende gelacht? Meines Erachtens
war das ein sarkastisches Lachen und kein siegreiches. Sie hat ja versucht ihren Mann zu retten, hat unter seinen sich steigernden Wutausbrüchen gelitten und in dem ihres Todes Moment verstanden, dass sie den Absprung verpasst hat. Sie hätte mit ihrem Sohn fliehen müssen, so lange noch Zeit war. Und nun wurden sie und der Sohn von ihrem Mann getötet. Sie hat verloren. Aus. Ende. Zu viel geliebt. Zu viel gehofft. Verloren. Ihr Lachen drückt diese bittere Erkenntnis aus.

So habe ich das verstanden.

Übrigens gäbe es auch noch eine ganz andere Lesart. Mit der würde der lange “Familienvorspann” auch noch mehr Sinn machen. Die ginge so:

Der ganze Film ist die Innenschau eines in den Wahnsinn abdriftenden Killers. Die Sekte gäbe es dann gar nicht wirklich - reine paranoide Wahnvorstellung, die er sich aus seinem Auftraggeber und seiner eigenen Raserei über den Kinderpornoring zusammenfantasiert. Die Sektenglieder wären dann innere Dämonen, eigene Bilder und Trugbilder. Und wenn seine Frau (die auch in dieser Lesart den Absprung nicht rechtzeitig geschafft hat) am Ende im Haus die angreifenden Sektenmitglieder erschießt, kämpft sie in Wirklichkeit schon mit ihm und mit seiner verzerrten Wirklichkeit. Mit seinem Wahn. Und verliert schließlich, weil er sie und ihren Sohn tötet (in seiner Perspektive als großer satanischer Sektenzirkus verkleidet). Ihr Lachen stünde hier für das Gleiche, wie oben.

Für diese Lesart würde zB sprechen, dass der Arzt sich die Infektion seiner Hand überhaupt nicht anschaut (weil sie nämlich nicht da ist), sondern mit ihm über Stress und sein Sexleben spricht.

Zu überinterpretiert? Vielleicht. Gefällt mir aber trotzdem irgendwie… :slight_smile:

Jo, cooler Ansatz. Man müsste unter diesem Aspekt den Film noch mal sehen. Erklärt aber nicht, warum die Frau bereits die Satanszeichen hinter dem Spiegel aufsetzt, bevor der Wahnsinn durchbricht.

Ob die Frau nun mit drinsteckt oder ein Opfer ist, das kann ich nach der ersten Sichtung auch nicht zu 100% sicher sagen…das Ende kam ja wirklich richtig schlagartig.

Übrigens meine Gedanken zur “Kill List” an sich:

The Priest > Zerstörung der Religion
The Librarian > Untergang der Bildung
The M.P. > Fall der Politik

The Hunchback (Sohn/und Ehefrau) > Zerstörung der Familie

Was nun folgt ist das Chaos ohne Werte und Regeln, der Zerfall. Reconstruction.

@ BuzzG: Ja, aber zu welchem Pre- äh, ich meine, mit welcher Logik?
Ich habe - bisher - keine Deutung oder Erklärung zu Gesicht bekommen, die sich wirklich auf Dinge im Film bezieht. Die “It was all in his Head”-Deutung ist auch ausgesprochen lose. Deine Review finde ich insofern auch nicht ganz nachvollziehbar - etwas nicht erläutern ist schon OK, aber der Kult wird ja wirklich in den Film eingesetzt, ohne, dass es eine wirklich Daseinsberechtigung für ihn gibt. Ich bin nach wie vor unschlüssig dem Ende gegenüber… :disappointed:
Weil Führungsriege der Sekte und so, ist alles klar - aber wieso er? Was will die Sekte, wieso ausgerechnet ihn? Sie hätten ja auch seinen Kumpel nehmen können. Was beweisen seine “Opfer”?

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: The_Coma-man am 01.09.2011 20:56 ]

Am 01.09.2011 20:55 , The_Coma-man schrieb:

@ BuzzG: Ja, aber zu welchem Pre- äh, ich meine, mit welcher Logik?
Ich habe - bisher - keine Deutung oder Erklärung zu Gesicht bekommen, die sich wirklich auf Dinge im Film bezieht. Die „It was all in his Head“-Deutung ist auch ausgesprochen lose. Deine Review finde ich insofern auch nicht ganz nachvollziehbar - etwas nicht erläutern ist schon OK, aber der Kult wird ja wirklich in den Film eingesetzt, ohne, dass es eine wirklich Daseinsberechtigung für ihn gibt. Ich bin nach wie vor unschlüssig dem Ende gegenüber… :disappointed:
Weil Führungsriege der Sekte und so, ist alles klar - aber wieso er? Was will die Sekte, wieso ausgerechnet ihn? Sie hätten ja auch seinen Kumpel nehmen können. Was beweisen seine „Opfer“?

Der „It was all in his Head“-Deutung schließe ich mich persönlich auch nicht an.

Warum sollte der Regisseur extra Titel für die Ziele einblenden, wenn diese am Ende gar keine Bedeutung haben, sondern alles wieder nur auf so ne Zwiespalt-Geschichte hinausläuft? Das macht für mich keinen Sinn.

Dass er die Führung der Sekte übernimmt, ist für mich auch gar nicht so klar wie für euch. Wie kommt ihr darauf, nur weil er ne „Krone“ aufgesetzt bekommt? In meinen Augen war das einfach ne Aufnahme-Zeremonie.

Und natürlich hat der Kult seine Daseinsberechtigung, er ist schließlich ein Sinnbild für „das Böse“. Die Tatsache, dass eines der Opfer Snuff-Videos verbreitet, deutet an, dass der Auftrag auch ein Test war, wie weit der Protagonist mit seiner Grausamkeit gehen kann. Sein Partner hat die Schnauze voll, deshalb ist er als zukünftiges Mitglied nicht geeignet & wird am Ende auch von der Sekte aus dem Weg geschafft.

Für was seine Opfer (in meinen Augen) stehen, hab ich oben ja erwähnt. Religion, Politik, Familie und Bildung sind halt wichtige Eckpfeiler unserer Zivilisation.

Ich frag mich nur, warum immer jeder Film totdiskutiert werden muss :wink: Der Regisseur sagt ja selbst, dass sein Film bewusst abstrakt sein soll, damit man selbst denken & interpretieren kann. Warum kann ein Film auf manche Fragen nicht auch einfach mal die Antwort verweigern? Dass sowas nicht jedermans Sache ist, ist mir klar.

Ich persönliche hasse ja so Streifen, die einem zum Schluss noch extra unter die Nase reiben, was nun genau jede Szene zu bedeuten hatte.

Auf welche Review beziehst du dich jetzt überhaupt und auf welche Stelle? In meinem mannbeisstfilm-Text erwähne ich die Sekte aus Spoilergründen nämlich gar nicht :wink:

“Warum sollte der Regisseur extra Titel für die Ziele einblenden, wenn diese am Ende gar keine Bedeutung haben, sondern alles wieder nur auf so ne Zwiespalt-Geschichte hinausläuft? Das macht für mich keinen Sinn.”

Eben!! Reines Stilmittel, leider. Ich mag die ja auch, aber skripttechnisch sind die nicht ganz nachvollziehbar.

“…deutet an, dass der Auftrag auch ein Test war, wie weit der Protagonist mit seiner Grausamkeit gehen kann.”

Aber dann ist das Handeln des Protagonisten doch positiv, und nicht negativ, da er gegen das Böse kämpft, also konträr zu den Einstellungen der Sekte.

“Ich persönliche hasse ja so Streifen, die einem zum Schluss noch extra unter die Nase reiben…”

Ja, aber darum geht es hier ja nicht - mein Problem mit dem Ende ist nicht, dass nicht alles erklärt wird, sondern, dass die Konstruktion schlichtweg nicht sonderlich gut ist. Nehmen wir mal Deine Deutung: der gute Mann wird von der Sekte beauftragt, einige böse Buben aus dem Weg zu räumen, um festzustellen, ob er sich dabei von seiner Wut überzeugen lässt. Der Gute tut selbiges… allerdings aus Wut über genau die Ideale, die in der Sekte zu finden sind, sprich das Böse. Der Aufnahmetest der Sekte besteht also darin, dass der ‘Auserwählte’ gegen die Gedankenwelt der Sekte mit Gewalt kämpft…?
Denken wir das ganze weiter: am Ende bringt er seine Familie unwissend um und kriegt eine Krone aufgesetzt und… ist genau so verdattert wie der Zuschauer. Was kommt? Krone hin schmeißen, weggehen, Selbstmord, da er ja bereits im Vorfeld gegen das Böse gekämpft hat (nur wenige Minuten vorher ist er mit einem Maschinengewehr auf die Sekte losgegangen).
Im Vergleich zu einem Film wie Angel Heart hast Du hier also keine ‘Annäherung’ des Helden zum Bösen, womit er selbigem schlussendlich in die Hände fällt, sondern eine klare Wiedersetzung bevor es zum schlussendlichen Ritual kommt. Der Gute scheint mir nicht wirklich tauglich. Wie kann sich die Sekte sicher sein, nach all dem, dass er nicht wieder zur MG greift, und alle umnietet?

Ich will den auch nicht tot diskutieren, aber das Ende stimmt einfach vorne und hinten nicht, und zwar nicht, weil nichts “toterklärt” wird, sondern weil schlichtweg die Substanz zu fehlen scheint, die Idee des Kultes zwar im Drehbuch aufgebaut, in keinster Weise aber logisch oder glaubhaft umgesetzt wird, sondern sich in einem Ende verstrickt, wo nichts wirklich zusammen passt.

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: The_Coma-man am 02.09.2011 13:20 ]

Am 02.09.2011 13:16 , The_Coma-man schrieb:

„Warum sollte der Regisseur extra Titel für die Ziele einblenden, wenn diese am Ende gar keine Bedeutung haben, sondern alles wieder nur auf so ne Zwiespalt-Geschichte hinausläuft? Das macht für mich keinen Sinn.“

Eben!! Reines Stilmittel, leider. Ich mag die ja auch, aber skripttechnisch sind die nicht ganz nachvollziehbar.

„…deutet an, dass der Auftrag auch ein Test war, wie weit der Protagonist mit seiner Grausamkeit gehen kann.“

Aber dann ist das Handeln des Protagonisten doch positiv, und nicht negativ, da er gegen das Böse kämpft, also konträr zu den Einstellungen der Sekte.

„Ich persönliche hasse ja so Streifen, die einem zum Schluss noch extra unter die Nase reiben…“

Ja, aber darum geht es hier ja nicht - mein Problem mit dem Ende ist nicht, dass nicht alles erklärt wird, sondern, dass die Konstruktion schlichtweg nicht sonderlich gut ist. Nehmen wir mal Deine Deutung: der gute Mann wird von der Sekte beauftragt, einige böse Buben aus dem Weg zu räumen, um festzustellen, ob er sich dabei von seiner Wut überzeugen lässt. Der Gute tut selbiges… allerdings aus Wut über genau die Ideale, die in der Sekte zu finden sind, sprich das Böse. Der Aufnahmetest der Sekte besteht also darin, dass der ‚Auserwählte‘ gegen die Gedankenwelt der Sekte mit Gewalt kämpft…?
Denken wir das ganze weiter: am Ende bringt er seine Familie unwissend um und kriegt eine Krone aufgesetzt und… ist genau so verdattert wie der Zuschauer. Was kommt? Krone hin schmeißen, weggehen, Selbstmord, da er ja bereits im Vorfeld gegen das Böse gekämpft hat (nur wenige Minuten vorher ist er mit einem Maschinengewehr auf die Sekte losgegangen).
Im Vergleich zu einem Film wie Angel Heart hast Du hier also keine ‚Annäherung‘ des Helden zum Bösen, womit er selbigem schlussendlich in die Hände fällt, sondern eine klare Wiedersetzung bevor es zum schlussendlichen Ritual kommt. Der Gute scheint mir nicht wirklich tauglich. Wie kann sich die Sekte sicher sein, nach all dem, dass er nicht wieder zur MG greift, und alle umnietet?

Ich will den auch nicht tot diskutieren, aber das Ende stimmt einfach vorne und hinten nicht, und zwar nicht, weil nichts „toterklärt“ wird, sondern weil schlichtweg die Substanz zu fehlen scheint, die Idee des Kultes zwar im Drehbuch aufgebaut, in keinster Weise aber logisch oder glaubhaft umgesetzt wird, sondern sich in einem Ende verstrickt, wo nichts wirklich zusammen passt.

Irgendwie verstehe ich deine Ausführungen hier nicht ganz:
„Ich mag die ja auch, aber skripttechnisch sind die nicht ganz nachvollziehbar.“
Was meinst du damit? Natürlich kann man nachvollziehen, was der Regisseur damit erreichen will (nämlich den Zielen eine Bedeutung zuordnen).

„Aber dann ist das Handeln des Protagonisten doch positiv, und nicht negativ, da er gegen das Böse kämpft, also konträr zu den Einstellungen der Sekte.“
Was ist denn z.B. mit SIEBEN, mit den Taten von John Doe? Sind die nicht auch gut, böse und doch irgendwo eher etwas in der Grauzone? Am Ende zeigen diese dann doch, wie es um die Welt steht.

Töten ist halt böse (zumindest aus der biblischen Sicht), egal wie schlimm die Getöteten waren. Insofern: Klar war das ein Test.
Aber die Ziele waren nicht einfach schlimme Leute, sondern hatten auch eine ganz bestimmte Funktion in der Gesellschaft (s.o.).

Der „Held“ kommt übrigens mit der Kirche nicht so wirklich klar (siehe seine Reaktion in der Bar).

„Nehmen wir mal Deine Deutung: der gute Mann wird von der Sekte beauftragt, einige böse Buben aus dem Weg zu räumen, um festzustellen, ob er sich dabei von seiner Wut überzeugen lässt.“
Deine Zusammenfasung scheitert schon bei „der gute Mann“. Dieser war nämlich vorher schon ein Killer, bevor der Auftrag begann.

“Was meinst du damit? Natürlich kann man nachvollziehen, was der Regisseur damit erreichen will (nämlich den Zielen eine Bedeutung zuordnen).”

Die von gewissen Säulen der Gesellschaft, hast Du ja auch gesagt - aber diese Säulen sind ja bereits pervertiert, der Protagonist räumt sozusagen in Bronsonscher Manier auf.

“Was ist denn z.B. mit SIEBEN, mit den Taten von John Doe? Sind die nicht auch gut, böse und doch irgendwo eher etwas in der Grauzone? Am Ende zeigen diese dann doch, wie es um die Welt steht.”

SIEBEN bezieht sich weniger auf die Welt als auf das Handeln einiger Randgruppen, noch dazu aus radikaler Sicht. Sieben funktioniert insofern auch in einer konsequenten Verstrickung der Interessen von Gut und Böse - bei Kill List ist es ein Böses, was nie wirklich erläutert wird, und ein Gut, was gegen Böse kämpft. Bei Sieben wird schlussendlich eine Entscheidung des Protagonisten getroffen, die die Zuschauer als schlecht oder gut für sich werten müssen, bei Kill List ist der Protagonist selbst offensichtlich verwirrt und hinters Licht geführt worden (was wenig beweist und wenig Wirkung hat). Du kannst jetzt sagen “Ja, seine Seele ist jetzt verloren.”, allerdings hat er selbst ja deutlich gegen die Machenschaften der Sekte gekämpft, und es ist nicht erkennbar, wieso er es nun nicht mehr tun sollte. Im Film wird er zwar als gebrochen dargestellt, fällt selbst jedoch nicht die Entscheidung im ‘letzten Ritual’, womit es konträr zur Aussage von Sieben steht, in der der Protagonist sich bewusst für eine Seite entscheidet.

Der gute Mann meinte ich mehr als deutsche Variante von “the Dude”. :slight_smile:

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: The_Coma-man am 02.09.2011 14:21 ]