Kino ohne Leinwand?


#1

Ich habe gerade von Deutschlands erstem Kino mit LED-Bildschirm statt Leinwand gelesen. Hat jemand schon Erfahrung mit so etwas sammeln können? Und was haltet ihr generell von der Enwicklung?

56 Quadratmeter sind ja erst einmal nur vergleichbar mit kleinen Kinosälen, aber für die stelle ich mir die Technik praktisch vor. Die Bildqualität soll besser sein, man spart den Projektorraum und der Saal könnte auch für Präsentationen im Hellen genutzt werden. Das klingt erst einmal so überzeugend, dass ich mich frage, ob die Projektortechnik im Kino überhaupt eine Zukunft hat? Wovon ich keine Ahnung habe, ist allerdings der Stromverbrauch… der dürfte bei Bildschirmen für große Kinosäle wahrscheinlich das Hauptprolem sein? Die Größe an sich sollte ja kein großes Problem mehr darstellen, weil die Monitore aus einzelnen Panels zusammengesetzt werden.

Aber ich stelle mir noch die Frage, ob man den Besuchern die bessere Bildqualität gut genug verkaufen kann. Denn wenn man ins Kino geht und dort die “gleiche” Technik wie zu Hause im Wohnzimmer vorfindet, verliert es vielleicht dadurch für manche den Reiz.


#2

Als größtes Problem stelle ich mir da die feste Auflösung vor. Bei einem Projektor kann man das Bild beliebig skalieren, aber ein Display hat exakte Pixelpositionen. Filme kommen in den unterschiedlichsten Bildformaten daher, und wenn man da umschalten muss, geht das nur mit Verlusten bei der Schärfe.

Was das Publikum angeht, mache ich mir da weniger Sorgen. Für die Zuschauer geht es wenn überhaupt um die Technik ja eher um Bildgröße, Kontrast (dank dunklerem Raum), Soundqualität und mögliche Lautstärke.


#3

Obwohl es sicherlich einige Anwendungen geben mag die von der theoretisch höheren Leuchtdichte und dem Kontrastvorteil zu normalen Kinoprojektoren (die auch gerade abgelöst werden von Lasersystemen) wird der Einsatz dieses Systems auch in Kinobetreiberforen besprochen.

Was den klassischen Kinobesuch angeht ist die Technik baubedingt ein Rohkrepierer: Sie ist wesentlich teuerer als vergleichbar große Projektionslösungen, es gibt keine gesicherten Dienstleister für die Kinobetreiber und die “Strahlkraft” dieser Displays ist halt wesentlich anstrengender für das menschliche Auge als eine indirekte Projektion. Es gibt gute Gründe warum sich das Projektionssystem über 100 Jahre gehalten hat.

Dazu kommt der Nachteil beim Ton: Da die Lautsprecher für vorne nun unter, über und neben den Bildschirmen platziert werden müssen ist die Ortung der Stimme schlechter. Dazu kommt dann das man im Gegenteil zu einer dämpfenden Leinwand nun eine reflektive Fläche im Saal hat.
Auch die Reparatur ist so eine Sache. Eine Verschmutzung auf einer Leinwand oder ein kleiner Riss läßt sich im Betreib auch mal notfalls ein paar Wochen von den meisten Gästen aushalten. Wenn aber links oben und mittig mal ein paar Pixelreihen ausfallen oder mal ein ganzes Element (die “Wand” besteht ja aus einzelnen Displays) wird das von deutlich mehr Kunden zurecht moniert werden.

Wer mal das Kino der Zukunft sehen möchte kann das bereits tun. In Hilversum und Eindhoven in den Niederlanden und demnächst in unserem innerdeutschen Ausland München :wink: sind mit den Dolby Cinema Säälen bereits eindrucksvolle Kinos entstanden. Echtes Schwarz, klasse Sitze, Top Ton und auch das Kinoerlebnis selber mit dem langen Eingang mit filmspezifischer Eingangsprojektion ist einfach ein Traum.

Mal sehen welche Filme das Kino in Esslingen so anbietet, den die Traumpaläste sind schon immer ein Ziel gewesen das ich noch mal testen wollte.

Das aber diese Samsung-Augenkrebs Wand das Kino erobert ist recht unwahrscheinlich. Vor so einer “flimmerkiste” möchte ich jedenfalls nicht ein FFF verbringen.

Einen ersten Bericht eines Kinoexperten gibt es hier:


#4

Ich hatte gar nicht daran gedacht, dass es anstrengender für die Augen ist. Aber Sinn ergibt das natürlich. Schade, dass man das nicht einfach hier um die Ecke mal ausprobieren kann.


#5

Blöde Frage: welche Kinos sind das in München?


#6

Die Unterschiede zwischen Wohnzimmer und Kino sind technisch längst verwischt, seitdem Filme sowohl zu hause als auch im Kino nur noch digital laufen. Da wird - ohne dass dem Zuschauer es vielleicht bewusst ist - im Kino eine Blu Ray gezeigt. Und selbst wenn es 2K oder 4K Projektionen ist, ist das nichts, was nicht auch zu Hause theoretisch wiedergegeben werden kann.

Der wesentliche Unterschied zwischen Kino und Wohnzimmer ist dann auch ein anderer. Nämlich das Erlebnis, den Film gemeinsam mit anderen zu sehen. Der Moment, wenn es dunkel wird und man den Blick nach vorn richtet. Egal ob das nun eine Leinwand ist oder ein LED-Schirm. Solange dieser Reiz für Menschen noch besteht, hat Kino eine Zukunft. Leider wird das Gemeinschafserlebnis immer mehr negiert und dafür suggeriert, es ginge nur um Technik oder den Film als solches.


#7

Das würde ich nicht einmal so unterschreiben, denn wenn ich ein Gemeinschaftserlebnis will, sehe ich mir Filme gemeinsam mit Freunden zuhause an. Da sitzt man näher zusammen und kann (je nachdem ob es für den Film angemessen ist) auch mal einen Kommentar einwerfen. Im Kino kommt höchstens beim FFF ein gewisses Gemeinschaftsgefühl auf, das für mich aber niemals damit mithalten kann. Und in normalen Vorstellungen hoffe ich einfach nur, dass sich niemand daneben benimmt. :wink:

Was für mich persönlich der Mehrwert am Kino ist, ist die Größe. Ein kompletter Saal nur für einen Film - dazu wird es in Sachen Wirkung so schnell keine Konkurrenz geben, denn selbst die beste Technik ist durch das Wohnzimmer begrenzt, in das sie eingebaut wird.


#8

Zu hause in trauter Rund, kann das vertraut sein. Das meine ich aber nicht. Wenn ein volles Kino komplett beim Film mitgeht, ist mir völlig egal, ob ich mein nebenan kenne oder nicht. Es ist einfach ein unfassbar intensives Filmerlebnis, das weit über den Film hinaus geht. Und das auch nicht reproduzierbar ist.


#9

Hier noch ergänzend ein weiterer Bericht zu diesem Thema plus Einbindung 3D vom 20.03.2018.
Diese Cinema LED Technologie 2D oder 3D dürfte im Moment wohl aus wirtschaftlichen Gründen, siehe unten, nur den allerwenigsten Kinos möglich sein, aber die technische Entwicklung schreitet zum Glück stetig voran und muss es auch.
Das klassische Kino mit unbequemen Sitzen, Dolby Digital und veralteter Projektion MUSS einfach in jeglicher Hinsicht aufrüsten und neue Wege beschreiten, um den Screening Portalen wenigstens ansatzweise Paroli bieten zu können und nicht unterzugehen.
Btw off topic, am 22./23. Sept. werden die beiden Babylon Berlin Staffeln am Stück EINMALIG und ERSTMALIG für eine Serie vor dem Free TV Start in rund 150 deutschen Kinos zu sehen sein!!!
Ich habe absolut noch kein Gefühl dafür, ob “bingewatching” im Kino funktioniert?
Aber ich finde es generell interessant, spannend und werde es auch ausprobieren, wenn ein Kino in meiner Nähe mir dazu auch den Wohlfühlfaktor und einen adäquaten Preis anbietet!?
Doch jetzt hin zu dem Bericht:

"Weltweit erster 3D-LED-Screen enthüllt.
Der weltweit erste Saal mit einem 3D-fähigen Samsung Cinema Screen wurde heute in Zürich dem Fachpublikum vorgestellt.
Es ist eine Technik, die vom Hersteller durchaus selbstbewusst als “Kino der Zukunft” angepriesen wird. Und tatsächlich: Wer beispielsweise auf der CinemaCon bereits die Gelegenheit hatte, sich von der brillanten Bildqualität zu überzeugen, die der Cinema Screen von Samsung oder das noch in der Entwicklung für den Kinomarkt befindliche Produkt von Sony bieten, zeigt sich offenbar ausnahmslos beeindruckt. Beeindruckend sind indes auch die Kosten. Zwar nennt Samsung keinen Preis, allerdings steht fest, dass es zumindest um einen hohen sechsstelligen Betrag geht. In der Branche kursieren Schätzungen zwischen 650.000 und 700.000 Euro, die zumindest nicht völlig unrealistisch sein dürften. Insofern überrascht es nicht, dass bislang noch nicht einmal eine Handvoll Cinema Screens ihren Weg in die Kinos gefunden haben. So existiert bislang eine Installation im Lotte Cinema World Tower in Seoul, eine weitere in einem Kino von Lotte in Busan (der Mischkonzern Lotte und Samsung haben enge Geschäftsbeziehungen) sowie eine im Paragon Cineplex in Bangkok. Den drei Sälen ist indes gemein, dass die jeweiligen Screens auf 2D-Vorführungen beschränkt sind. Was die vierte Installation, die nun in den Arena Cinemas Sihlcity Zürich abgeschlossen wurde, tatsächlich zu einer Weltpremiere macht: Denn vorgestellt wurde heute der weltweit erste Saal, der über einen Samsung Cinema LED Screen mit 3D-Technologie verfügt. Ab 23. März steht er auch dem Publikum offen. Übrigens nur vorsorglich zur Klarstellung: Es handelt sich nicht etwa um ein autostereoskopisches Display, 3D-Brillen sind weiterhin notwendig.

Die Technik:

Wie der Name schon andeutet, handelt es sich bei dem Cinema Screen im Grunde um eine Art riesigen (4K-)Bildschirm, der Leinwand und Projektor gleichermaßen ersetzt. In der aktuell verbauten Version misst er 10,3 auf 5,4 Meter. Eine Fläche, die von insgesamt rund neun Mio. LEDs beleuchtet wird. Zusammengesetzt ist der Cinema Screen in dieser Größe aus 96 Einzelmodulen, die bei Bedarf individuell ausgewechselt werden können. Fugen zwischen den Modulen sind für den Zuschauer dabei selbstverständlich nicht sichtbar. Laut Hersteller verfügt der Cinema Screen gegenüber herkömmlichen Kinoprojektoren über eine zehn Mal stärkere Lichtleistung, wobei der angegebene Maximalwert von 146 Foot Lambert deutlich macht, dass mit “herkömmlich” keine Laserprojektoren gemeint sind. Weiterer Vorteil soll ein “reduzierter durchschnittlicher Stromverbrauch” gegenüber herkömmlichen Projektoren sein. Die von Samsung mit rund 100.000 Betriebsstunden angegebene Lebensdauer kann sich jedenfalls auch im Vergleich zu Laserprojektoren mehr als sehen lassen. Dank der hohen Leuchtkraft und Kontrastwerte (das Gerät ist natürlich HDR-fähig) kann der Cinema Screen auch bei vollem Saallicht genutzt werden, was vor allem für alternative Saalnutzungen ein wichtiges Detail sein kann.

Der Betreiber:

Mit der Eröffnung des Multiplex-Kinos im Sihlcity haben die Arena Cinemas vor zehn Jahren den Grundstein für die heutige Kinogruppe, ihres Zeichens mit 50 Leinwänden die drittgrößte in der Schweiz, gelegt. Mit 18 Sälen verfügen die Arena Cinemas Sihlcity nach wie vor über die meisten Leinwände in der Schweiz, erst für Anfang 2020 hat Arena Cinemas die Eröffnung eines weiteren “Megaplexes” mit 18 Sälen geplant - in Basel. Schon vorher soll bis Ende dieses Jahres ein Fünf-Saal-Haus in Netstal entstehen. Schon 2015 hatte Arena Cinemas die ersten 4DX-Kinos eröffnet. Eine Technik, die es bis heute nicht nach Deutschland schafft."

Quelle: Blickpunkt:Film


#10

Und hier kommt noch ein aktuell ergänzender Bericht zu diesem Thema hinzu vom 21.06.2018
Der “Run” auf die Technik Krone des hippen Kinos ist also schon entbrannt.

"Lochmanns holen Samsung Cinema LED nach Deutschland:

In diesem Fall hat Deutschland die technische Nase wieder einmal knapp vorne: Noch bevor der Samsung Cinema LED Mitte Juli seine Premiere im Cineplexx Wienerberg feiern soll, will die Betreiberfamilie Lochmann den ersten deutschen Saal mit dieser Innovation einweihen. Schon am 4. Juli soll sich das Fachpublikum ein Bild von dem neuen Erlebnis im Saal Centro des Traumpalastes Esslingen machen können. Nur einen Tag später folgt dann die große Publikumspremiere mit einer exklusiven Preview von “Sicario 2”.

Aktuell ist der Einbau des Samsung Cinema LED, für den Dienstleister Kinoton verantwortlich zeichnet, bereits in vollem Gang. Nach der Umrüstung soll der Saal, der aktuell über 200 Sitze verfügt, gut 120 Gästen Platz bieten. Die standardmäßig rund zehn auf fünf Meter große Bildwand wird 3D-fähig sein, für den richtigen Ton wird - wie es auch im Cineplexx Wienerberg vorgesehen ist - ein Dolby-Atmos-System sorgen.

Mit Dolby verbindet die Familie Lochmann eine enge Partnerschaft. Für die Pionierleistung des ersten komplett mit Dolby Atmos ausgestatteten Multiplex’ Deutschlands - dem Traumpalast Leonberg - war man Ende 2017 vom Tonspezialisten ausgezeichnet worden. Apropos Leonberg: Dort soll bekanntlich ein Imax-Saal mit der laut Marius Lochmann “größten Leinwand Deutschlands” entstehen.

Innerhalb kurzer Zeit kommt Samsung somit bereits auf drei europäische Installationen des Cinema LED - alle im deutschsprachigen Raum, denn bekanntermaßen war zuerst das Arena Cinema Sihlcity in Zürich am Zug."

Quelle: Blickpunkt:Film


#11

Ist zwar kein Serien-Binge-Watching, aber Filme Binge watchen wir doch auf dem FFF, von daher dürfte dir dieses Feeling doch vertraut sein, oder nicht?

:thinking:


#12

Naja, ich würde das “bindge-watching” im Homebereich noch etwas anders einstufen.
Es geht hier doch um Serien und das gesamte EtWAS?


#13

@Michaela : Bei dem Dolby Cinema in Deutschland handelt es sich um Münchens berühmtes Vorzeigekino Mathäser.

Zum Thema: Das “Dolby Atmos” System in Verbindung mit der Samsung Wand halte ich Systembedingt für kein richtiges Atmos System. Das hat schließlich die Notwendigkeit von Lautsprechern hinter der Leinwand. Eventuell haben die eine “Atmos” Lizenz für den Prosumer oder Consumer Markt.

Gespannt bin ich aber auf die Ankündigung eines neuen IMAX Saals. Das Lasersystem von Imax finde ich zwar deutlich schwächer als das Dolby Cinema System, aber eventuell kann Imax ja nachlegen.