zuerst möchte ich was zu michaelas review sagen:
“…das Volk erst mundtot, indem sie ihm die Stimme rauben, und dann die Worte, also die Meinungsfreiheit, indem sie die Medien beherrschen.”
ich denke es ist ein bißchen anders:
a) durch das stehlen der stimme wird die meinungsfreiheit entzogen,
b) dann durch das stehlen der worte wird die meinung selbst gestohlen, und
c) im letzten schritt durch eine “genehmigte” meinung ersetzt.
wie ich darauf komme möchte ich zur diskussion stellen:
unsere helden kommen zum schluss ja zur antenne (die aus den typen-hebeln einer schreibmaschine besteht, die schreibmaschine fängt die worte also ein) und öffnen eine tür, und sehen das zentrum des ganzen. dort wird gezeigt was mit den worten geschieht die den bürgern geraubt wurden: die teig-maschine, die kekse… die kekse sind die einzige nahrung die es gibt, dieses detail ist meines erachtens sehr wichtig! und diese nahrung wird auch nicht umsonst als “tv-nahrung” bezeichnet! diesen vorgang kann man so interpretieren daß die leute ihre eigenen worte im mund herumgedreht bekommen (im wahrsten sinne des wortes), sprich die leute haben eigentlich eine ganz andere meinung als die angebliche realität die im tv gezeigt wird, es wird ihnen aber etwas “eingeflößt” das völlig verzerrt ist. es ist also nochmal eine steigerung der üblichen interpretation des films: die medien werden nicht nur von der regierung beherrscht, sondern die bürger sind sich dessen auch nicht bewußt sondern glauben das was im tv läuft, und glauben am ende sogar, das das ihre eigene meinung ist und schon immer war! nennt sich gehirnwäsche… ich finde es ist ein unterschied ob man denkt: “naja, fernsehen halt, ist eh alles nur show, aber wenigstens unterhaltsam”; oder ob man nicht mehr den unterschied kennt zwischen der eigenen meinung, der realtität und tv, wenn alles miteinander völlig verschmilzt. und letzteres ist hier glaube ich gemeint. was meint ihr dazu?
dann möchte ich sagen daß der film mich noch mehr beindruckt hat als ich vorher gehofft hatte, denn da er schon im vorfeld mit metropolis verglichen wurde hatte ich die befürchtung er könnte mir nicht gefallen weil ich metropolis total bescheuert finde. aber diesen film hier finde ich viel besser als metropolis, aus folgenden gründen:
- er transportiert eine medienkritik die auf die heutige zeit zugeschnitten ist, das war bei metropolis nicht so, das war einfach eine kitschige utopie die weder hand noch fuss hatte, es gab keinen aktuellen bezug, darum ist das ding auch damals an den kassen gefloppt, die leute konnten dem streifen nichts abgewinnen - man darf nicht vergessen daß dieser streifen damals die ufa fast in den ruin getrieben hat (gell es war die ufa?). daß metropolis heute so hochstilisiert wird ist mir ein rätsel. vielleicht weil es a) ein sehr langer streifen ist, der b) komplett erhalten ist in einer guten qualität, c) sehr aufwändige kullissen hat. er ist insofern natürlich durchaus ein wichtiges stück filmgeschichte, rein sachlich betrachtet. aber von der story her - vergess es, und vom handwerklichen her, das darf man auch nicht aus den augen verlieren, war der film damals nichts besonderes, denn damals waren alle filme so gemacht - heute ist das chick weil retro.
so erkläre ich mir den hype um metropolis.
la antenna ist viel kritischer:
- die medienkritik ist auf eine fantasievolle und komplexe art verschlüsselt, ich denke nicht daß man dem film gerecht wird wenn man die kritik als platt bezeichnet, siehe auch das was ich zu beginn meines textes geschrieben habe, und - der schluss des films bedarf meiner meinung nach eines ganz genauen hinsehens:
am ende des films wird eben nicht alles gut, sondern es ist alles… so wie es sein soll (repariert, reperada). was es aber bedeuet wenn das ganze wieder “repariert” ist wird klar als alle menschen ihre stimmen wieder haben: sie SCHREIEN. sie schreien und hören nicht auf zu schreien. klar, kann man jetzt argumentieren, wenn man so lange keine stimme hatte schreit man dann erst mal ne runde
, es ist eine befreiung! man kann es aber auch anders sehen:
jetzt, nachdem sie so lange stumm waren, können sie gar nicht mit der neu gewonnenen stimme - meinungsfreiheit - umgehen, und das ganze schlägt ins andere extrem um, es gibt jetzt mord und totschlag weil die menschen nie gelernt haben freie meinungsäußerungen von anderen zu respektieren, und auch nie gelernt haben ihre eigene meinung maßvoll zu äußern. was passiert wenn menschen mit meinungsfreiheit konfrontiert werden die das nicht gewohnt sind kann man sehr schön sehen z.b. am karikaturenstreit, und kann man auch schon sehen wenn jemand zum ersten mal mit der meinungsvielfalt konfroniert wird die es im internet gibt - jemand der nur tv+co. gewohnt ist, für den ist es eine offenbarung sich zum ersten mal im internet zu bewegen, darum gibt es ja jetzt immer mehr länder die das internet zensieren, das sind die länder in denen sowieso schon zensur herrscht, und die “genehmigte” meinung wird natürlich durch das internet bedroht. nun und jeder der ein alter internet-hase ist weiß wie bereichernd newbis es mitunter empfinden wenn sie zum ersten mal in ihrem leben auf kultivierte diskussionen mit echten meinungen im netz stossen, sowas gibt es in normalen medien schlichtweg nicht, da gibts nur christiansen + co. .
also könnte man zu dem schluss kommen, daß la antenna zeigt, daß der entzug der meinungsfreiheit die menschen auf dauer nicht nur unglücklich macht, sondern sie regelrecht verstümmelt, sie einer natürlichen fähigkeit beraubt, und daß es regelrecht eine gefahr darstellt, ihnen die wahrheit plötzlich in vollem umfang zuzumuten.
bei metropolis dagegen gibt es ein reines happy end, soweit ich mich erinnern kann? und wo ist bei metropolis die tiefergehende, sprich mehrschichtige gesellschaftskritik? ich seh keine.
-
noch ein interessanter askpekt auf der meta-ebene: verschmelzung von botschaft und stil. warum wohl ist ein film, dessen botschaft die stummheit der menschen beinhaltet, als stummfilm gedreht?
-
handwerklich 1 A. das kann man dem film nun wirklich nicht absprechen. wie gesagt ist metropolis nicht als handwerklich gut zu bezeichnen, weil der stil damals normal war. heute ist er es nicht mehr, und la antena hat den stil 100% getroffen, und das hat einen namen: filmkunst.
-
bei la antena werden soundeffekte benutzt wie in jedem anderen modernen film von heute, sie sind nur anders verpackt: als musik! jedes detail, jeder blick, jede bewegung, jedes gefühl wird mit musik nicht nur unterlegt, sondern beschrieben, nennt sich soundeffekt. auch das ist ein unterschied zu metropolis (und übrigens auch zu anderen original-stummfilmen), ich weiß noch daß ich die musik von metropolis unerträglich fand und mich gefreut habe über die version mit pop-musik, da war der film endlich zu ertragen (und wenigstens unfreiwillig komisch, also kultig).
ja was meint ihr?