Auch, wenn ich hier wahrscheinlich Niemandem:Niemander irgendwas Neues erzähle: Ich glaube, es kommt dabei, ob und wenn ja, wie ein Film auf Eine:n persönlich wirkt, auch immer auf mindestens drei (bzw. vier) Dinge an:
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Erstens natürlich schon mal auf das Vorhandensein, bzw. möglicherweise halt auch die Abwesenheit, irgendeiner Art von Erwartungshaltung. Bei mir selbst war es damals ja so, dass ich, schon wenige Tage, nachdem „In die Sonne schauen“ im letzten Jahr in Cannes gelaufen war, und dort ja beinahe einhellig frenetisch bejubelt, und begeistert abgefeiert wurde, das Gefühl, dass der (m)ein Film des Jahres für mich werden könnte, und hatte ja auch schon geschrieben, dass ich den, Zitat: „[…] am Liebsten gleich nächste Woche sehen [würde]“ (siehe dazu auch hier (<— Link / Klick’ mich!, aber ein wenig runterscrollen müsst Ihr dann schon auch noch). Nachdem der dann bei Euch in München ja schon Anfang Juli 2025 auf dem Filmfest lief, offensichtlich ja aber Keine:r von Euch Pappnasen da reingegangen ist, war ich doch schon etwas vergrätzt, weil ich mir ja von Euch ein wenig feedback bezüglich Eurer Eindrücke und Stimmungsbild(er) erhofft hatte. Und hatte den Streifen danach zwar nicht vergessen, aber, wenn ich mir nicht Anfang September während der FFF-Woche zufällig eine „jungle world“ gekauft hätte, in welcher Schilinskis Meister:Innen-Werk eine überaus angetane Rezension erfuhr, hätte ich gar nicht mitbekommen, dass der da schon längst angelaufen war. Also flugs in Erfahrung gebracht, wann er hier in HH zu sehen war, und schleunigst da rein… Aber (und jetzt kommt’s): Ich hatte RRRichtig Bammel, ob „In die Sonne schauen“ denn seinen ganzen überschwänglichen Lobeshymnen überhaupt würde gerecht werden können. Weil sich inzwischen auch bei mir selbst eine solch absurde Erwartungshaltung aufgebaut hatte, von der ich dachte, dass der Film ebendieser überhaupt nie würde standhalten können. Weit gefehlt, wir wissen ja, wie’s ausgegangen ist: Er hat alle meine im Vorfeld Mount Everest-hohen expectations noch weit übertroffen. Und ist, Stand jetzt, zusammen mit David Lynch’s „Mulholland Drive“, auf Platz Drei meiner absoluten Lieblingsfilme überhaupt. Was ich mit dem üblichen Endlos-Geschwafel eigentlich nur sagen will: So etwas ist ja auch nicht ganz zu vernachlässigen, bei der jeweiligen Rezeption. Wenn Du also Deiner Gattin eventuell schon im Voraus alles Mögliche erzählt hast, von wegen, wie überwältigend grandios doch der Film wäre, und ihr in den höchsten Tönen davon vorgeschwärmt hast, dann isses natürlich nicht ganz unwahrscheinlich, dass sie davon vielleicht GottThe Great Cthulhu-weiss-Was erwartet hat. Und dann, zumal, wenn’s dann halt einfach auch so gar nicht „Klick!“ machen will, mehr als nur ein wenig underwhelmed war. Zumal Schilinski es Einer:Einem vor Allem auch bei der Erstsichtung ja nicht gerade leicht macht (wir haben darüber ja bereits lang und breit diskutiert). Was nun „Silent Friend“ anbelangt: Joa, da kann ich’s dann sogar nochmal besser verstehen, zumal, wenn frau dann selbst auch noch vom Fach (Biologie) ist, und dementsprechend noch mal eine ganz andere Perspektive darauf hat, als zumindest ich biologisch eher laienhaft-unbelecktes Menschenkind. Und Ildikó Enyedi den Zuschauer:Innen auch nicht gerade allzuviel „Story“ im klassischen (oder meinetwegen auch postmodernen) Sinne anbietet. Sondern es da halt mehr um Atmosphäre, Stimmung, Schwingungen geht. Die mensch dann halt fühlen kann, oder aber auch nicht. Ist halt immer eine Frage der jeweiligen individuellen Vorlieben, filmischer Biographie, etc. pp. Und, wie auch schon erwähnt: Ich kann das total gut nachvollziehen, wenn jemand dann sagt: „Das ist mir Alles viel zu prätentiös, gekünstelt, zu wenig greifbar / whatever!“ Mir zum Beispiel ging das ja vor einiger Zeit, nachdem ich den von @todaystomorrow , @Herr_Kees und Deiner Wenigkeit so hochgelobten „L’amour ouf“ (a.k.a. „Beating Hearts“) endlich mal nachgeholt hatte, ähnlich. Mich hat der emotional so gut wie gar nicht erreicht (allem auch hier wieder grossartigen Schauspiel von Frau Exarchopoulos zum Trotz), und empfand ich den als furchtbar selbstverliebt und stellenweise fast schon anödend, und hatte zudem die meiste Zeit über das Gefühl, der Film wolle mit seiner übertrieben-plakativen Bildsprache nur selbstgefällig penetrant rumprotzen, und unnötig-aufdringlich flexen.
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Zum Zweiten spielt ja gerade auch bei Schilinski das jeweilige setting keine allzu geringe Rolle. Ob mensch den nun zuerst im Kino, oder daheim sieht, macht da IMHO schon einen nicht gerade geringen Unterschied: Eben, weil man:frau im Dunkel des Kinosaals doch nochmal was stärker gezwungen ist, sich auf das Leinwandgeschehen zu konzentrieren, und auch mehr auf sich selbst zurückgeworfen ist. Oder, um abermals Rüdiger Suchsland zu zitieren: "Dies ist ein Film, den man unbedingt im Kino sehen muss; ein Film, der endlich einmal wieder all die ganzen Möglichkeiten und Chancen des Kinos zeigt, die viel zu oft ungenutzt bleiben. Es gibt natürlich viele Filme, die man auch gut auf einem Bildschirm sehen kann – diesen hier nicht! Dann geht unglaublich viel verloren, sowohl auf der Bildebene wie auf der Tonebene. Dieser Film nutzt alle Mittel des Kinos voll aus, und deswegen macht es einen außergewöhnlichen Spaß, ihn im dunklen Raum mit fremden Leuten anzusehen, wo man sich dieser Erfahrung nicht entziehen kann, wo man sie im Ganzen in sich aufnimmt. Die Kinosituation und die Konzentration an diesem Ort nutzt diesem Film sehr – nicht etwa, weil man etwas nicht verstehen würde, sondern weil man im Kino auch als Zuschauer in gewisser Weise auf sich selbst zurückgeworfen ist. Man ist hier empfindsamer und sensibler auch für die eigenen Wahrnehmungen.“
Ich werde mir die Blu-Ray von „In die Sonne schauen“ mit Sicherheit zwar auch noch kaufen, aber wann ich mich denn da mal dazu durchringen kann, den daheim zu sichten, das weiss ich nicht. Bislang habe ich mich auch noch nicht ein einziges Mal überwinden können, die „Furiosa“ Blu-Ray anzuschauen, obgleich sie seit Jahr und Tag schon hier rum(f)liegt. Einfach, weil ich doch schon ziemliche Angst habe, dass der Film auf dem heimischen TV bei Weitem nicht so gut funktionieren könnte, wie auf der GROSSEN Leinwand, in einem gut gefüllten Kinosaal zusammen mit vielen anderen Menschen. -
Und zuguterletzt kommt es natürlich auch immer noch, vielleicht sogar am Meisten, darauf an, wie mensch Filme und „Film“ als Medium, bzw. auch als eigenständige Kunstform, denn überhaupt wahrnimmt, versteht, und rezipiert. Ich selbst bin ja zum Beispiel eine Person, die sich von einer Filmsichtung auch oft und gerne sehr stark emotional mitnehmen, und beeinflussen lässt. Wenn ich hier ab und an mal geschrieben habe, dass ich bei fast jedem zweiten Film weinen muss, dann ist das wirklich nur gaaaaanz leicht übertrieben… Mir kamen bei Glazers „Under The Skin“, bei Richard Kelly’s „Donnie Darko“ und bei „It Follows“ die Tränen, bei „Slanted“ war’s ein Wechselbad aus Lachen und Weinen, nach der FFF-Vorstellung von „The Ape“ war ich damals so dermassen fertig, dass ich ernsthaft überlegte, den darauf folgenden Film auszulassen, um mich erstmal wieder ein wenig zu sammeln, und über diesen unfassbar schmerzhaften Moment am Ende von „The Ugly Stepsister“ hab’ ich mich ja auch schon über Gebühr ausgelassen… Aber es geht ja auch immer noch schlimmer: Sowohl, nachdem ich damals mit zarten 16 Jahren meine Erstsichtung von Romero’s „Dawn Of The Dead“ hinter mich gebracht hatte (mehr dazu siehe hier ), als auch bei meiner heimischen Nachhol-Sichtung von „Under The Shadow“ fühlte ich mich nachher so, als sei gerade jemand aus meinem Bekannten- oder Verwandtenkreis gestorben. Und als ich vor einem Jahr zum ersten Mal seit langer Zeit Lynchs „Mulholland Drive“ aus bekannt traurigem Anlass wieder sah, da durchlitt ich bei der „Club Silencio“-Sequenz und der direkt darauffolgenden „Heimkehr“ der Beiden in Bettys Apartment wahrhaftig krasseste psychische Zustände. Lynch ist überhaupt ein Thema für sich: In der Nacht meiner Erstsichtung von „Lost Highway“ konnte ich nur eine einzige Stunde schlafen, und hatte in derselbigen auch böseste Alpträume. Sowohl „Lost Highway“ als auch den von mir zu jenem Zeitpunkt bereits seit Jahr und Tag bekannten „Eraserhead“ weigerte ich mich dann Ende der 1990er für die Dauer von mehreren Jahren, mir abermals anzuschauen. Weil ich das, was sie in mir auslösten, zu jener Zeit nicht (nochmal) durchmachen wollte. Bei „Cannibal Holocaust“ musste ich mehrmals mittendrin abbrechen, und pausieren, und habe mich dabei heftigst besoffen, sonst hätte ich den nicht durchgehalten. Aber das war bei mir eigentlich schon immer so… ich habe auch als Kind beim Ende von Walt Disneys „Das Dschungelbuch“ ganz heftig weinen müssen, ebenso im Alter von gut zehn Jahren nach einer Samstag-Nachmittags-Vorstellung von „Watership Down“ (seitdem bin ich auch immer ziemlich nah am Wasser gebaut, wenn ich Art Garfunkels „Bright Eyes“ mal irgendwo zu hören bekomme). Wenn also jemand mit einer eher rational-nüchternen Perspektive an manche Filme herangeht, und / oder einen vielleicht eher etwas distanzierteren Blick darauf hat, oder halt aus anderen Gründen keinen richtigen Zugang zu dem einen oder anderen Streifen finden mag, welchen wir selbst hier gerade zum neuesten heissen Scheiß hochjazzen, dann ist dem halt so. Kann ja auch nicht Jede:r immer Alles toll finden. Aber gelegentlich verschiebt sich so ein Blick ja auch beim wiederholten Sehen, oder funkt es dann manchmal nach 'ner gewissen Zeit vielleicht doch noch. Mit dem vierten Punkt meinte ich eigentlich bloss die jeweilige tages-aktuelle eigene Verfassung, und / oder momentane eigene Befindlichkeiten. Bei meiner Viertsichtung von „In die Sonne schauen“ war es beispielsweise so, dass der mir da an jenem Abend unglaublich schmerzhaft zugesetzt, und beinahe schon körperlich wehgetan hatte, was ich an jenem Tag kaum hatte aushalten können. Und dann, bei meinem fünften Kinobesuch, war dem dann wiederum gar nicht mehr so (zumindest nicht so schlimm). Auch solcherlei nicht zu vernachlässigende Aspekte spielen da ja immer auch noch mit rein.
Ähem okay… man freut sich ja, wenn das eigene sinnlos-stupide Endlos-Geschreibsel nicht ganz für die Tonne war / ist, aber ernsthaft: Mein geistloses Gestammel kann da ja nun nicht allzu viel zur individuellen Erhellung beigetragen haben (unter Umständen möglicherweise ja auch zum genauen Gegenteil, nämlich, noch mehr Verwirrung hervorzurufen…
). Jedenfalls fällt es mir gerade doch einigermaßen schwer, mir vorzustellen, dass überhaupt irgend jemand von meinen absurd ausufernden, umständlich verklausulierten Bleiwüsten irgendwie „beeindruckt“ gewesen sein könnte… Aber je nun, wenn’s denn der Aufklärung gedient haben sollte…
Das wäre dann vielleicht auch mal der passende Zeitpunkt, mich abermals und ebenfalls bei allen anderen hier mitschreibenden Forenmitgliedern zu bedanken, für all Eure geistreichen Kommentare, kompetent verfassten reviews, anregenden Diskussions-Beiträge und allzeit inspirierenden Einwürfe…
…und selbstverständlich auch für so tolle Tipps wie den von @GrouchoMarx bezüglich „Silent Friend“, der sonst glatt an mir vorbei gegangen wäre, oder den kleinen reminder von @Herr_Kees in Sachen „Bloss nicht „The Bone Temple“ im Kino verpassen!“ Was wäre dieses Forum, was wäre mein eigenes cineastisches (Er-)Leben ohne Euch Alle? -Zig 1000-mal „Danke!“ daher an dieser Stelle!
Now WTF !?! Hab’ ich hier denn immer noch nicht genug für meinen hart erarbeiteten Ruf geschuftet ??? Nur „leicht nerdig“? Soll ich mich jetzt persönlich beleidigt fühlen???
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Nein, aber mal im Ernst: Ich glaube, das hat sie schon ganz richtig erkannt - und wenn wir mal ehrlich zu und mit uns selbst sind, dann wissen wir das ja auch Alle selbst. Und habe zumindest ich aber auch gar keine Probleme damit. Lieber ein bisschen (oder auch ein bisschen mehr) nerdig, als gar keine Hobbies.
Wobei meine Film-Leidenschaft nur gaaaaanz vielleicht, unter Umständen aber doch schon ein klitzekleines bisschen mehr ist, als „bloss“ ein Hobby…
Jedenfalls habe ich mich, um die andernfalls gut vier Stunden lang gewesene Wartezeit zwischen dem Abspann von Koreas
-allerliebster Zombietochter und dem Beginn vom türkischen „Kleinkind(-Kopf?) meets Glasplatte“-Drama zu überbrücken, heute nacht ganz spontan noch für eine Sonntag-Abend-Vorstellung von „Eraserhead“ eingebucht (ich glaube, das ist nach der Erstsichtung anno 1992 tatsächlich erst meine zweite Kinosichtung dieses surreal-halluzinogen-psychotischen Meisterwerks).. Keine Ahnung, ob der demnächst auch nochmal irgendwo in München läuft… aber eventuell wäre das ja auch noch was für einen entspannt-flauschigen gemeinsamen ehelichen Kinoabend mit der Frau Gemahlin?
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…just kidding, of course! Du hattest ja, wenn ich’s recht entsinne, schon mal geschrieben, dass sie damals beim gemeinsamen Besuch der FFF-Vorstellung von Laugiers (von mir immer noch ungesehenem) „Martyrs“ wohl nicht gerade angetan war, um es mal gelinde auszudrücken.