Genau so hab ich es auch empfunden. Fast schon peinlich, wie sogar viele Szenen nahezu 1:1 von Coppolas Werk regelrecht “abgeklaut” wurden. Überflüssigster Dracula Film aller Zeiten, und das sage ich sogar als FAN von Dracula.
Da hast Du aber gut aufgepasst, da kleb ich Dir doch gerne den “kleinen Vampir” ins Fantasy Schulheft.
Aber Spaß beiseite, ja ich bin sowohl ein erklärter Fan von Coppolas “Bram Stokers Dracula”, der wirklich einer meiner Lieblingsfilme ist, als auch von den Weinen von Coppola, die wirklich hervorragend sind, wenn man kalifornischen Cabernet, Chardonnay und Pinot schätzt.
… and now for something completely different
Die zwei Gesichter des Januars (The Two Faces of January, Hossein Amini, 2014)
Krimikost für Feinschmecker, nach einem Roman der großartigen Patricia Highsmith. Wie häufig bei Highsmith, ist auch in dieser Geschichte jede Person nicht unbedingt ein großer Gangster, aber zumindest ein kleiner Gauner. Es gibt nur 3 Hauptpersonen, grandios verkörper von Kirsten Dunst, Viggo Mortensen und Oscar Isaac, die sich auf ihrer Irrfahrt durch den Süden Europas so sehr in die Sch… reiten, das es dem Zuschauer schon beinahe körperlich weh tut.
Und sehr ähnlich den „Ripley“ Romanen von Highsmith („Ripleys Game“ lief seinerzeit auf dem Fantasy Filmfest), schleppt auch in dieser sehr feinstofflich erzählten Geschichte ein jeder sein kleines Geheimnis mit sich herum, will eigentlich ausschließlich seine eigenen Interessen durchsetzen, kann tragischerweise aber ohne die anderen Figuren nicht sein. Und wie auch schon bei “Ripley” wird der Egoismus einzelner Figuren denselben auch hier zum Verhängnis.
Eine faszinierende und böse „Menage a Trois“ unter der glühend heißen Sonne Griechenlands, in einem wirklich liebevoll gestalteten 60er Jahre Setting. Jedes Bild dieses atmosphärischen „Film Noir“ ist ein Augenschmaus, und die Wandlung der Protagonisten von coolen, gut gekleideten Jet-Settern, zu durchgeschwitzten, verängstigten Paranoikern in zerknitterten Klamotten, genial umgesetzt. Das beste Thriller-Häppchen des Jahres für mich, bietet wirklich alles was ich an einem guten Kriminalfilm schätze. Wie konnte dieser Film nur 10 Jahre vollkommen am mir vorbeigehen ? Von mir satte 9/10 Punkte für einen Film der komplett ins Schwarze traf.
Ja, wirklich eine sehenswerte Agatha Christie Verfilmung. Es gab sie mal in dieser Studio Canal 3er Box mit talentierter Ripley und Nur die Sonne war Zeuge. War damals bei mir zwar ‚nur‘ für eine 7/10, was einem gutem Film ohne deutliche Schwächen bei mir entspricht. Das Setting ist wirklich toll, die Sonne bringt den Film zum Leuchten und er ist irgendwie erfrischend ‚anders‘. Werd ich mir mal auf die Rewatch Liste setzen.
Hab mir gestern den Trailer angeschaut und befürchte auch einen generischen Abklatsch. Coppola’s Dracula ist in mienen Augen die beste Verfilmung weil sie die Tiefen Gefühle so extrem gut transportiert und ein Auge für Farben und Details hat.
Gestern mit 2 Freunden PERFECT BLUE (1997) im japanischen Original mit Untertiteln nachgeholt. Schade, dass der nicht auf dem FFF lief!!
Ein Fiebertraum zwischen David Lynch und Dario Argento. Zwischen Vergewaltigungsfantasien, Stalking, Trauma, Pop-Star-Dasein und Mord.
6,0/10
Millennium Actress und Paprika vom gleichen Regisseur liefen dann auf dem FFF.
"When I couldn’t see you for the wall / What was that you said?
What was that you said / Before you called?
When I couldn’t catch you for the fall / What was that you said?
What was that you said? / Nothing hurts this much
But I’ve seen the way / That bodies lie and bodies tend to break
And I’ve been away / I’ve been away too long
Too long to be afraid
But you know / What you know is better, is brighter
And you know, you know / What you know is better, is brighter
And this is where we were / When I showed you the dark
Inside of me, in spite of me / On a bench in the park
You said to me
This is not you / This is not you
This is not you / This is not you"
(Future Islands, „Light House“ )
„Jesus ist offenbar weiss und schwul!“
( Julia Ducournau / 2021 / Blu Ray / OmdU / Erstsichtung)
( Julia Ducournau / 2021 / Kino (DCP) / OmdU / Zweitsichtung)
Tscha, was soll man noch grossartig schreiben, über einen Film, den man selbst ganze vier Jahre zu spät gesehen hat, über den in der Zwischenzeit wohl schon so ziemlich Alles, und dann nochmal mehr, geschrieben worden ist, und man selbst demzufolge diesen vielen Texten, Kritiken, und Analysen mit seinem eigenen kümmerlichen Geschreibsel also wohl kaum noch irgendetwas großartig Neues, und / oder Erhellendes hinzuzufügen hat? Wie üblich - Man schreibt genau das, was man selbst noch dazu schreiben kann, und will, und mag, und muss… So bear with me, or just feel free to skip this post completely…
„Titane“, Julia Ducournaus Cannes-prämierter, und (fast) allerorten bejubelter und gefeierter sophomore effort, beginnt mit einem Schock, auf den ein (eingangs vielleicht gar nicht für Alle und Jede:n sofort als solcher erkennbarer) Witz folgt. Er beginnt auch mit einem Lied, auf dass kurz darauf bereits ein weiteres folgt. Der Schock ist - analog zu dem der Protagonistin, der zu diesem Zeitpunkt film-immanent gerade einmal bockig-kindlichen Alexia, die mit ihrem aus purer Langeweile und Trotzköpfigkeit geborenen Gegen-die-Sitzlehne-Treten ihren Vater dazu bringt, sowohl die Aufmerksamkeit für als auch die Kontrolle über sein Fahrzeug zu verlieren - der eines Aufpralls. Das Lied, was zu dieser Szene spielt, ist eine Country-Version des U.S.-amerikanischen Bürgerkriegs-Folk-Songs „Wayfaring Stranger“. Die:der wayfaring stranger dieses Films, welche.r sich ebenfalls durch eine world of woe bewegt, ist Alexia. Und das bright land, in das sie sich aufmacht, ist genau dasselbe wie jenes, welches im Song besungen wird. Aber soweit sind wir noch lange nicht. Der von ihr selbst mitverursachte Auto-Unfall führt zu einer strapaziösen Kopf-OP, bei der ihr eine aus einer Titan-Legierung bestehende Metalplatte in den Schädel eingesetzt wird. Kaum aus dem Spital entlassen, rennt die kleine Alexia zum Auto ihrer Eltern, umarmt und küsst es leidenschaftlich. Schnitt. Jahre später sehen wir Alexia als 27-jährige Erwachsene, die als Model auf einer Automesse auftritt, und zu den Klängen des Indie-Rock-Songs „Doing It To Death“ von The Kills sich lasziv-aufreizend auf der Motorhaube eines getuned-ten Wagens räkelt, twerkt und einen Koitus simuliert. Und hier setzt der Streifen seinen kaum verhohlenen joke. Denn, was in einem anderen Kontext, und einem anderen Film, als sich der Symbolik und den Bildwelten der Mainstream-Hetero-Pornographie bedienende und platter Affirmation sexistischer Ikonographie und normativ-patriarchaler Geschlechtermacht-Verhältnisse gelesen und missverstanden werden könnte, ist hier bei Ducournau reine mockery: Alexia nämlich tut nicht bloss so, als würde sie auf wilden Sex mit irgendwelchen aufgemotzten Karossen stehen, und diese ihre Show (die ja gar keine ist) nur für die Blicke eines hetero-männlichen Publikums darbieten. Nein, sie meint es ernst. Todernst sogar. Der geil gemachte Bolide rammt ihr des Nachts, als sie unter der Dusche steht, und nachdem sie einen allzu aufdringlich-übergriffigen Fan mittels ihrer eher einem Brieföffner-Dolch gleichenden Haarnadel ins Jenseits befördert hat (und dieser während dieser Prozedur weißlichen Schaum erbrochen hat, fast so, als würde er im Moment des Todes schnell noch ejakulieren), beinahe die Tür ein, und lädt sie zum ekstatisch-entgrenzten Rücksitz-Fessel-Sex ein. In den folgenden zehn bis fünfzehn Minuten sehen wir Alexia dabei zu, wie sie gelangweilt und gleichgültig irgendwelchen Fraß mampfend auf dem Sofa ihrer Eltern (bei denen sie noch zu wohnen scheint) sitzend fernsieht, bei einem one night stand in einer vor lauter durchgeknalltem Aberwitz und launig-schwarzhumorigem Wahnsinn überbordenden, grandios inszenierten und perfekt geschnittenen Sequenz abermals und mehrfach zur Mörderin wird („Wieviele von Euch sind denn noch hier?“), und schliesslich und letztendlich das Haus ihrer Eltern mitsamt diesen darinnen abfackelt. Bevor sie Alles hinter sich lässt, und sich per Auto-Stopp auf und davon macht. In ein neues Leben, eine neue Identität, ein neues Geschlecht. Und in ein neues Narrativ, einen neuen Film.
Per Zufall entdeckt Alexia, dass sie dem Phantombild des seit zehn Jahren vermissten Sohnes des Feuerwehr-Hauptmanns Vincent LeGrand überaus ähnlich sieht - wäre da nur nicht ihre im Gegensatz zur Such-Zeichnung perfekt gerade gewachsene Nase. Aber die lässt sich notfalls ja auch brechen, und sei es durch das äußerst schmerzhafte Knallen des Kopfes auf den Rand des Waschbeckens. Ein brachial-brutaler Akt, welcher den zuvor durch das Kurzschneiden des Haupthaars, sowie das Abbinden der Brüste und auch des Schwangerschafts-Bauchs (denn ja, Alexia ist durch den car sex nun in anderen Umständen - und als ich in den Nullerjahren noch in Hamburg gewohnt habe, da haben sich durchaus viele bekannte und befreundete butches oft und gerne die Brüste abgebunden, aber dass jemand sein:ihren Schwangerschafts-Bauch durch taping zum Verschwinden bringt, das habe ich glücklicher Weise auch noch nicht erlebt) begonnenen Transformations-Prozess ihres äußeren Erscheinungsbildes abschliesst und vervollkommnet. Und den von Vincent Lindon in seiner schmerzhaften emotionalen Selbst-Isolation und zwischenmenschlich beinahe schon innerlich versteinerten kongenial verkörperten Feuerwehr-Kommandanten dazu bewegen wird, sie:ihn als längst verloren geglaubten und nun endlich wiedergefundenen Sohn anzunehmen, und auf die Wache, in der scheinbar sämtliche Feuerwehrmänner wie in einem Männerwohnheim zusammen leben und feiern, mitzunehmen. Wobei von Anfang an unklar ist, und fortan auch bewusst im Unklaren belassen wird, ob der Kommandant Alexia / Adrien wirklich und wahrhaftig als männlich codiert liest, und in ihr:ihm den eigenen Sohn (wieder-)erkennt, oder nicht doch nur so tut. Ja, ich würde sogar behaupten wollen, dass definitiv Letzteres der Fall ist, und le commandante LeGrand von Beginn an sich darüber im Klaren ist, dass es sich bei Alexia:Adrien eben nicht um seinen wirklichen und leibhaftigen Sohn handelt, sondern er im Gegenteil hier eine:n impostor vor sich sieht - und ebendoch auch nicht vor sich sieht, sondern diese:n dennoch als den „eigenen“ Sohn annimmt. Weil er eben nicht mehr mit dem Schmerz des fortwährenden und andauernden Verlusts und der gefühlserkaltet abgestorbenen inneren Leere weiterleben will, und weitermachen kann. Weil er sich von sich aus aktiv dazu entschliesst, wider besseres Wissen jemand Andere:n an die Stelle dieses vermissten leiblichen Sprösslings treten zu lassen, und dessen Platz einnehmen zu lassen. Das nun folgende Geschehen wird fortan vor Allem dadurch bestimmt, wie diese beiden verlorenen Seelen und von ihnen selbst geschundenen Körper in einer Art abstrusem Ausdrucks-Tanz von gegenseitiger Anziehung und Abstossung immer wieder aneinander geraten, gegeneinander rasseln, und sich in einem konvergierend-divergierendem, kompliziert-konfusem Wechselbad der Gefühle vorsichtig annähern, und wiederum voneinander entfernen. Wobei der generelle Bewegungs-Vektor eher in Richtung des Ersteren, denn des Letzteren zeigt. Wie sich Alexia:Adrien und Vincent in Intimität / Vertrautheit und Distanz / Fremdheit ein ums andere Mal aneinander (auf-)reiben, das hat etwas zugleich ungeheuer Aufgeladenes, immer kurz vor dem abrupten Gefühslausbruch Stehendes, und auf der anderen Seite aber auch unterschwellig Zärtliches, eine gerade auch in all der Schroffheit und dem Element des Abrasiven paradoxerweise fast schon behutsam schüchterne Sanftheit. Und ist sowohl von der phänomenal stillschweigend agierenden, und dennoch in Mimik, Gestik und body language ungemein beredten Agathe Rousselle als auch dem hypermaskulinistisch sich gebenden, und dabei aber immer auch seltsam gebrochen weich erscheinenden Vincent Lindon grandios in Szene gesetzt. Und so entwickelt sich langsam und allmählich eine tiefe innere Verbundenheit zwischen diesen beiden scheinbar so verschiedenen, aber in ihrer emotionalen Verkapselung und sozialen Abgeschiedenheit dann doch auch wieder so ungemein ähnlichen Menschen. Die sich bis zu einer Liebe auswächst, welche, um es mit den Worten Arundhati Roys aus ihrem Buch „The God Of Small Things“ zu sagen, sich mit den Regeln und Normen der allgemein anerkannten Formen von Liebe, mit den „Love Laws“, anlegt. Den Gesetzen, „that lay down, who should be loved. And how. And how much.“ Die transgressive Macht der unbedingten Liebe zwischen diesen Beiden stellt Alles in Frage, setzt Alles ausser Kraft. Die normierenden Regime der Hetero- und Homosexualität, die repressiv-rigide Ordnung der Geschlechtlichkeit, und Vergeschlechtlichung, letztendlich sogar die Moral-Kodexe von Abstammung, Herkunft, Verwandtschaft und Familie. Wobei die Kategorie „Geschlecht“ hier nicht als etwas statisch unbeweglich Feststehendes, inkorporiert Unumstössliches, sondern ganz im Gegenteil sowohl Männlichkeit als auch Feminität als performativ immer wieder sich in ebendieser Performativität selbst hervorbringende und beständig neu und re-konstruierende soziale Konstrukte, und eben keine unverrückbar-ewig bestehenden Grössen dargestellt und ausgestellt werden.
Wenn sich die junge Frau Alexia als Sohn Adrien neu erfindet, und sich sodann die Codes einer Männlichkeit aktiv bemächtigend aneignet, wenn Hauptmann Vincent seinen viril muskulösen, voluminös aufgepumpten gestählten Männerkörper durch die wiederholte Gabe von steroid-gefüllten Spritzen beständig neu herstellen, und aufrecht erhalten muss, wenn Alexia:Adrien eine neue Form von Maskulinität darstellt, die weder als solche bedrohlich-übergriffig ist, noch genitaler Entsprechungen bedarf, sondern im Gegenteil einen Männerkörper personifiziert, der sogar schwanger sein darf, dann wird in „Titane“ offenbar, dass alle rigide Norm(ativität) eine bloße Behauptung, eine rein aufoktroyierte Setzung ist. Heterosexualität existiert hier, wenn überhaupt noch, dann bloss noch als Negativ-Folie. Wobei aber auch sie als überkommene Norm einer alten Welt erscheint, da ja ohnehin die Geschlechter selbst, auf welche sie sich andauernd rückbezieht, längst schon keine feststehenden Setzungen mehr sind, sondern nurmehr beständig shiftende Signifikanten, ohne die Entsprechungen eines dazu gehörigen Signifikats. Bloß zu durchschreitende und nur noch temporär aufscheinende, im selben Moment schon wieder im Verschwinden begriffene Punkte auf einem beinahe endlosen Kontinuum. Auch die männerbündlerischen, homoerotisch aufgeladenen Feiern und Tanzrituale der sich nach aussen hin extrem maskulin und heterosexistisch sich gebenden Feuerwehr-Männer gehören dazu. Diese beständigen Selbst-Vergewisserungen, geboren aus der Furcht vor der eigenen, als Effeminierung begriffenen mann-männlichen Lust, und der vagen Vermutung, sie selbst könnten vielleicht sogar nicht (mehr) Männer sein, wenn sie einander begehren würden, und / oder sich dieses klammheimliche Verlangen eingestehen würden. Darum auch die vielen mit Musik unterlegten Tanzszenen. In denen die Körper sprechen, wo die Stimmen schweigen. In denen die Song-Texte sagen, was die Protagonist:Innen nicht auszusprechen wagen. In einer der schönsten Szenen hieven die ausgelassen aufgestachelt feiernden Männer Alexia:Adrien aufs Dach eines Feuerwehr-Einsatz-Fahrzeugs, und feuern sie:ihn an, für sie, und vor ihnen, zu tanzen. Die darauf folgende Darbietung von ihr:ihm, die:der den Anderen als Mann erscheint, und sich dann doch so weiblich-feminin zu bewegen beginnt, zu den abermaligen Klängen von „Wayfaring Stranger“, jetzt aber als schwül-aufgeladener, heisskalt-erotisierender Bar Song und Table Dance-Nummer, zu der Alexia:Adrien einen mit unmissverständlichen Andeutungen nur so gespickten Striptease-Dance performed, lässt die versammelten Feuerwehr-Männer erst ungläubig gaffen, sodann verwirrt-verwundert die Köpfe schütteln und die Blicke senken, und sich schliesslich und schlussendlich angewidert-beschämt abwenden.
In diesen transgressiven Transformationen, diesen performativen Verschiebungen bei der ständigen (Wieder-)Aufführung von Geschlecht, Sexualität und damit verknüpftem Begehren liegt das revolutionär-grenzüberschreitende Potential, die enorme Sprengkraft der Bilder, Ikonographien und Szenerien von „Titane“: Beinahe Alles ist hier Karambolage, Kollision, Zusammenstoss, Aufeinanderprallen. Nicht nur der Körper, oder der Bilder, sondern auch der Ideen, Normen, Regeln, Moralvorstellungen, der Auffassungen davon und darüber, was Gesellschaft, Gemeinschaft, Menschsein, Sich selbst und einander Lieben, Verstehen und Begehren, sind und sein könnten, ja, sein können. Und aus diesen Kollisionen entstehen nicht nur die Deformationen des Alten, Überkommenen. Sondern wird dabei auch eine ungeheuer starke Energie freigesetzt. Eine Energie, die nicht nur die beiden Hauptfiguren zu durchdringen und voranzutreiben scheint, sondern auch den Film als Ganzes, beinahe schon jedes einzelne Bild aufzuladen, und zu verstärken sich anschickt. „Titane“ ist grenzenlos genderfluides Kino, so queer as fuck as it gets, ist ein Hohelied auf neue, den falschen Fesseln von rigider Moral enthobener Formen der unbedingten und den:die Andere:n als in ihrer individuellen Andersheit anerkennend-annehmenden, altruistisch-akzeptierenden Konturen der Liebe, ist selbst eine emotionale Grenzerfahrung von Film. „Titane“ ist ein normative Barrieren negierendes und sexuelle Demarkationslinien furchtlos überschreitendes Meister:innenwerk einer Regisseurin, die sowohl in Bildsprache als auch Narrativ ganz zu sich gefunden hat, und bei sich bleibt, und dabei doch immer auch so weit jenseits von jedem uns und ihr nur Bekannten sich zu verorten scheint, wie überhaupt nur vorstellbar. „Titane“ ist eine grenzensprengend flammend explosive Sensation, eine genderfluid-transgressive Eruption, und eine einzigartige filmische Mutation. „Titane“ ist die Zukunft vielleicht nicht nur des Films, heute schon im Hier und Jetzt, sondern möglicherweise sogar der Menschheit als Ganzes, bzw. der Idee, einer Idee von „Menschheit“, im Ermöglichen, Sichtbarmachen und Zulassen von, und im Zugehen auf, eine ungeahnte Potentialität in der Differentialität, eine Visualisierung und Potenzierung des Denkbaren, und damit Sag- und Zeigbaren. „Titane“ ist selbst ein Möglichkeitsraum, ein Kontinuum, eine Erweiterung der Perspektive(n). Nehmen wir sie freudig an, und umarmen sie erwartungsvoll.
Julia Ducournau sagte, sie habe mit dem Schreiben des Drehbuchs von „Titane“ begonnen, als sie nach der Fertigstellung von „Raw“ bemerkt habe, dass sie nicht über Liebe schreiben könne, und sie diesen ihren blinden Fleck füllen wollte. „Titane“ straft ihre diesbezüglichen Worte, die behauptete Unfähigkeit des Verfassens eines Skripts zum Themenkomplex „Liebe“ betreffend, Lüge, und offenbart eine beinahe infinite Fluchtlinie von Optionen, Alternativen und Innovationen. Einen trajectory, der bis weit über die bislang erdachten möglichen Imaginationen hinausweist. Bis hin an einen Ort, an dem wir endlich nicht mehr nur Einer:Eine:Eines sind, und sein müssen, sondern in unserer endlosen Vielfalt Vieles, und Viele, sein dürfen und können.
„Titane“ ist selbst der erste Schritt auf diesem langen Weg in jenes in „Wayfaring Stranger“ besungene „bright land“, in welchem die gequälten und in den alltäglichen Schlachten des sozialen Miteinanders, eher Gegeneinanders, aufgeriebenen und erschöpften Subjekte all ihrer Schmerzen, aller enthemmten Gewalt und aller Mühsal der alltäglichen Normierungs-Regime, aller repressiven Bilder-Reproduktion und aller kategorisierenden Sanktionen enthoben sind.
„Titane“ ist das Kind dieser unbedingten Liebe nicht nur zweier sich selbst und einander verbehaltlos annehmender Filmfiguren, sondern einer unerschrockenen Regisseurin und ihrer cast and crew, zu den immer wieder neu sich formierenden und beständig verschiebenden Möglichkeiten des Kinos. Ist eine transformative Mutation der Filmsprache, eine Transgression der kinematographischen Ausdrucksmöglichkeiten, eine progressive Multiplikation der Bilder.
„Titane“ ist selbst das erste Neugeborene einer auf- und anregend anderen, inklusiveren und inkludierenderen, vielfältigeren und diverseren Art von Film.
Mögen ihm noch Viele folgen.
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1984
Zum ersten Mal gesehen, im Klick Kino als OmdU.
Aus dem Setting hätte man so viel mehr machen können. Im Kern ist es eine Art Kammerspiel und Liebesgeschichte. Der Film konzentriert sich auf Winston und später auf ihn und seine Freundin. Sehr laid back. Als sie geschnappt wurden wurde es ein Duell zwischen Winston und dem Bösewicht. Bei der Folterszene sind zwei Menschen aus dem Kino rausgegangen. Cool fand ich die Art wie der Bösewicht gesprochen hat, hatte so ein bisschen Hopkins Vibes. War ein richtiges Drama mit ein paar Genre Einschüben, also perfekt für das FFF. Kann jemand das Ende erklären?
Er kriegt die Ratten ins Gesicht aber dann doch nicht weil er Sachen zugibt bzw. gesteht die
nicht stimmen um zu überleben, was gefilmt wird und als Propaganda missbraucht wird?
Was ist in seinem Getränk am Ende drin, Selbstmord?
Ein weiterer moderner Film der nur locker based on the book ist würde mir eher gefallen; sowas wie Equilibrium, wo man auch durch den Film mitgeteilt bekommt worum es geht und man nicht vorher darüber lesen muss. Vor allem wo interessante Events passieren die zum Setting passen.
Auf den Punkt.
Dankeschön für den gesamten, schönen Text über TITANE. Und nebenbei: Zustimmung in allen wesentlichen Punkten
.
Das einzige, was mich persönlich sehr frustriert:
Im Widerspruch zu meiner Gefühlslage nach dem Kinoerlebnis erlebe ich die aktuelle gesellschaftliche Realität. TITANE ist ja nicht der einzige Film der letzten Jahre, der ähnliche Thematiken anlegt und derart transzendierend wirkt - trotzdem (oder deswegen…?) scheint man als betroffene Person so unter Druck zu stehen wie selten zuvor. Nicht nur in den USA. Das macht mich sehr traurig.
Good News auf Netflix
Hatte Premiere in Toronto. Finde den ziemlich cool. Also, vor allem der Stil, wie die Handlung erzählt wird. Der fünfte Film von Byun Sung-hyun und der vierte mit Sol Kyung-gu. Und wenn ich mir Hong Kyung ansehe, wie der sich entwickelt…
Der Film basiert auf einem realen Ereignis:
They Live - Sie Leben
Der alte John Carpenter Film lief in der Best of Cinema Reihe wieder im Kino. Hab ich im Klick gesehen mit drei anderen Zuschauern wo ein paar Tage zuvor mein Obscura Filmfest lief.
Verstehe nicht warum der mal ab 18 war aber das war “The Warriors” auch und ist jetzt ab 12. Die Kampfszene ist super lang und es wird auch viel geballert aber eben auf normalen B Film Niveau. Die Idee ist gut, man hätte noch mehr draus machen können, das gleiche Problem wie bei 1984. Wobei ich mich schon angepasst habe, klar dass so ein alter Film nicht mehr unseren heutigen Sehgewohnheiten entspricht.
Bin gespannt wie sich Die Hard heute anfühlt, der ist aus dem gleichen Jahr.
Die Barbaren und Toxic Avenger (Original, Extended Fassung) auf der Trash Nacht Wolfenbüttel.
Die Barbaren hat mich an den neuen Deathstalker erinnert, gab coole Szenen, Locations und schönen Trash Faktor mit dem Drachen. Die beiden starken Brüder benehmen sich allerdings wie Witzfiguren, nun ja. Richtig gut war der nicht aber ein kleines Guilty Pleasure.
Toxie, tja, muss zugeben, der neue Toxie mit Peter, Kevin und Elijah ist der insgesamt bessere und auch hochwertigere Film, vor allem die eine Actionszene gegen Ende hat leichtes Blockbuster Feeling. Das Original ist sicherlich dreckiger aber auch alberner und gar nicht mal so hart oder blutig wie man denken würde. Poultrygeist haut da viel mehr auf die Kacke. Immerhin auch Auto Action die ich so nicht erwartet hätte. Highlight sicher am Anfang wie der kleine Junge überfahren wurde. Gibt auch eine Diner Szene die cool ist aber mehr klassische Superhelden Action wäre besser gewesen. Somit haben beide Filme Schwächen die man relativ leicht beheben könnte.
Ich hätt ja jetzt jeden Meineid geschworen und gesagt, der lief auf dem FFF. Also Perfect Blue.
Hab ich in den 80ern gesehen, und da wirkte er auch noch, zumindest auf mich, extrem düster und schockierend. Einer meiner Lieblingsfilme, nämlich BRAZIL von Terry Gilliam, basiert ja auf 1984, bzw ist eine Persiflage darauf. Brazil kann man eigentlich gar nicht verstehen oder gut finden, wenn man 1984 nicht kennt. Deine Fragen vermag ich nicht zu beantworten, ist zu lange her das ich den Film gesehen habe.
Better Watch Out (2016)
Fast 10 Jahre ging dieser “Christmas Horror” vollkommen an mir vorbei. Was für eine Überraschung, den ausgerechnet jetzt zu entdecken. Fängt an wie eine Mischung aus Christmas-Comedy und “Kevin allein zu Hause” und wandelt sich nach kurzer Zeit zu einem handfesten Horror-Trip mit unerwarteter Wendung und ein paar fiesen Ideen. Sicher kein Meisterwerk des Genres aber sehr kurzweilige 90 Minuten gute Unterhaltung. Ich schließe mich der IMDB Bewertung von 6.5 Punkten gerne an.
The Black Hole
Auf der estnischen Filmwoche gesehen, eine Veranstaltung vom Kino selber. Eigentlich ein Genrefilm aber dann doch nicht. Auf jeden Fall ein sehr langes Drama bzw. Episodenfilm. Vier Geschichten:
- Zwei ältere Frauen lassen sich gegen gutes Geld von Aliens an sich herumexperimentieren.
- Eine lesbische Liebesgeschichte, die eine ist vor ihrem gewalttätigen Freund geflohen, die andere ist eine klassische misandrische Feministin.
- Ein Nice Guy/Looser lebt noch bei seiner Mutter und verliert seinen Job. Er trifft eine Frau die er geil findet, aber sie spielt ein doppeltes Spiel mit ihm. Dann gibt es da noch den obskuren Staubsauger Vertreter aus Österreich.
- Die Aliens sind wieder da und helfen der Mutter von dem Looser.
Sind noch ein paar andere Sachen passiert, vor allem das titelgebende schwarze Loch ist ein Flop, denn es ist keins wie man es aus Sci Fi kennt, sondern einfach nur ein runder Gullydeckel.
Eine Art riesige Alien Spinne kommt ebenfalls noch vor und zwei Charaktere aus unterschiedlichen Episoden treffen oder finden zusammen.
Sehr langsam, ruhig, lahm, arty und auch ziemlich albern, bissel Sci Fi, also eigentlich ein perfekter FFF Kandidat. Hätte ich mir sparen sollen. Noch dazu das negative Männerbild, das aber mittlerweile bei vielen Filmen so ist, entweder Looser, brutal, kriminell oder überflüssig. Mach das mal umgekehrt und die Hölle ist los.
Die einen lassen sich im November einen Schnurrbart wachsen, ich hatte mir ein anderes Projekt vorgenommen: Asiawochen bei Herr_Kees!
Angespitzt vom Rewatch von SAVE THE GREEN PLANET! war mein Plan, im Heimkino einen Monat lang hauptsächlich asiatische Filme zu schauen. Dazu passte, dass ich gerade „Assassins Creed Shadows“ zocke („Ghost of Yôtei“ folgt dann nächstes Jahr, etwas Steigerung muss ja sein) und SHÔGUN auf Disney (so mittel) nachhole.
Hier meine Ausbeute in filmchronologischer Reihenfolge, vom Kurosawa Klassiker über Roman Porn, Anime und HK-Action bis zu Korea-Horror:
HIGH AND LOW (Japan, 1963, Akira Kurosawa)
HAUSU (Japan, 1977)
GIRL AND THE WOODEN HORSE TORTURE (Japan, 1982)
DOOR (Japan, 1988)
TIME AND TIDE (Hongkong, 2000, Tsui Hark – Rewatch nach 25 Jahren)
DRIVE (Japan, 2002, Sabu)
THE GIRL WHO LEAPT THROUGH TIME (Japan, 2006)
MAD DETECTIVE (Hongkong, 2007, Johnnie To)
LET THE BULLETS FLY (China/Hongkong, 2010)
KOTOKO (Japan, 2011, Shin‘ya Tsukamoto)
SPECIAL ID (China, 2013)
FEUERWERK AM HELLICHTEN TAGE (China/Hongkong, 2014)
SADAKO VS. KAYAKO (Japan, 2016)
GONJIAM (Südkorea, 2018)
ACROSS THE FURIOUS SEA (China, 2023)
QUIZ LADY (USA, 2023 – der Ausnahmefilm)
CLOUD (Japan, 2024, Kiyoshi Kurosawa)
NOISE (Südkorea, 2024)








