Danke für den Tipp, @GrouchoMarx, den hatte ich bisher gar nicht so auf dem Schirm und hätte ihn wohl auch ausgelassen, zumal ich bisher noch keinen Film von Ildiko Enyedi gesehen hab. Aber nach den von Dir erwähnten Bezügen (Tony Leung, IN DIE SONNE SCHAUEN) werde ich den unbedingt auf die Liste setzen.![]()
SENTIMENTAL VALUE hab ich abgespeichert als den Film, der meinem geliebten IN DIE SONNE SCHAUEN schon den ein oder anderen Preis weggeschnappt hat und wohl auch noch den ein oder anderen, auch hochkarätigen, Preis wegschnappen wird
. Außerdem störte er mein neurotisches und vollkommen überflüssiges Ordnungsempfinden, da Filme, die zum Jahreswechsel in die Kinos kommen, von mir nicht klar in persönliche Jahres-Rankings eingeordnet werden können…
Insofern war ich schon sehr gespannt und voller (hoher) Erwartung, als ich ihn gestern endlich auf der großen Leinwand sichten konnte.
Sagen wir’s direkt: IN DIE SONNE SCHAUEN ist, um auf mein obiges Vergleichslevel einzugehen, der (noch) bessere Film, daran besteht für mich kein Zweifel. Aber sind die Lobeshymnen allerorten berechtigt?
Ja, sind sie schon. Keine Frage. Stellan Skarsgard, Renate Reinsve, Elle Fanning spielen herausragend. Obwohl meine Favoritin die mir bisher unbekannte Inga Ibsdotter Lilleaas ist, die die unauffälligere Rolle der jüngeren Schwester Reinsves spielt, dies aber so gut, dass sie meines Erachtens Reinsve fast ein wenig in den Schatten stellt.
Der Film ist natürlich ein fast klassischer Oscar-Stoff. Ein Familiendrama mit reichlich Film-Bezug und solcher Besetzung, da springt die Academy schon vorab begeistert aus’m Bett. Ist auch in Ordnung. Joachim Trier inszeniert sensibel, aber nicht abgedroschen, findet wunderbare Bilder und kleidet die Handlung in einen erzählerischen Rahmen, der ihm Gelegenheit gibt, wirklich ausgefeilte psychologische Vorgänge sichtbar zu machen. Dies mit anzusehen, ist wirklich bewegend. Nicht nur das immer schöne Gefühl, echten Könnern bei der Arbeit zuzusehen, sondern man wird wirklich tief reingezogen.
Das einzige, was ich ein kleines bisschen zu bemängeln hätte, ist ironischerweise der letzte Abschnitt - der in einigen Kritiken sogar die größten Lobeshymnen auslöste. Mir schien das hingegen ein wenig zu erwartbar, und ohne jetzt spoilern zu wollen, minimal zuviel Zuckerguss, was aus meiner ganz subjektiven Warte nicht so recht zum sonstigen Tonfall passte.
Aber hey, eine Empfehlung meinerseits, SENTIMENTAL VALUE auch als Genre-Nerd keinesfalls zu verpassen? Natürlich, unbedingt. 8,5/10
Hab von dem ehrlich gesagt vorab auch nix mitbekommen, bin erst vor wenigen Tagen überhaupt drauf gestoßen. Film ist und wirkt halt etwas unscheinbar und unspektakulär. Das große Drama bspweise bleibt aus, es überwiegen hier auch eher das hoffnungsvolle Miteinander, Optimismus und positive Vibes - im Gegensatz etwa zu IN DIE SONNE SCHAUEN, der einen ja schon ganz schön bedrückt und bedröppelt zurücklässt.
Vielleicht nicht die ganz große Masterclass wie selbiger, aber schon ein kleines Meisterwerk,
das auf jeden Fall zur Zweitsichtung einlädt. Hatte gestern eine fette 8,5 notiert, mit Hang zur 9,0.
Für die Sorte Film geh ich (mittlerweile) ins Kino…da nimmt man vieles mit wenn man den Saal wieder verlässt.
Der lädt halt auch noch lange nach dem Abspann zum Reflektieren, Grübeln und Träumen ein.
Musste heut den ganzen Tag über an einzelne Bilder, Sequenzen und Segmente denken - das
wird wohl auch eine Weile so weitergehen - spätestens bis zum Rewatch. Das ist auch gut so!
Talking about value for money…..
Vielen Dank auch von mir für den Tipp, habe den wunderbaren MEIN 20. JAHRHUNDERT seinerzeit im Kino sehen dürfen und war ganz verzaubert, gibt‘s seit ein paar Jahren als UK DVD. Der Film läuft bei uns auch schon, mal sehen, wann ich es schaffe.
Ha, echt? Cool. Bin auf den MEIN 20. JAHRHUNDERT erst vor 2-3 Jahren gestoßen als ich auf eBay ein schönes Plakat und 3 Fotos gefunden habe. Musste dann auch noch feststellen, dass
der seinerzeit vom hiesigen Arsenal Filmverleih in Tübingen (quasi bei mir um die Ecke) in die Kinos gebracht wurde. Leider haben sie die Rechte schon lange nicht mehr - und mehr Material dazu war leider auch nicht auffindbar. Hab mir daraufhin die etwas ältere US DVD und die neu restaurierte UK Blu Ray geholt….
Ich schreib das jetzt mal hier rein, obwohl meine Frage zum Thema SILENT FRIEND OmU oder synchronsiert eigentlich bei den aktuellen Genrefilmen gestellt war. Also laut persönlicher Auskunft des Kinobetreibers sind die fremdsprachigen Dialoge in der deutschen Fassung deutsch untertitelt, man bewirbt den Film nur nicht als OmU, weil es wohl sehr wenige Dialoge sind und man kein Publikum abschrecken will, das keine UT lesen mag. Hab auf jeden Fall schon mein Ticket und werde berichten.
Yep, passt schon! Iss hier glaub auch besser aufgehoben….
Und ja, die meiste Zeit wird eh deutsch gesprochen….
Ach ja, in der neuen Ausgabe der epd Film gibts neben einer schönen Kritik & Analyse
auch eine m.E. sehr lesens- und empfehlenswerte 6seitige Story über Ildikó Enyedi, mit
Schwerpunkt natürlich auf SILENT FRIEND.
Hab ich mir zur Abwechslung dann auch mal gegönnt….echt schöne Ergänzung!
Wo wir schon bei den Oscar-Kandidaten sind: Ich habe mir vorhin schließlich doch noch EIN EINFACHER UNFALL angesehen und war, ehrlich gesagt, nur so halb beeindruckt.
Inhaltlich sicherlich ein wertvoller, höchst interessanter Film, der ziemlich Schonungsloses über das Leben in der Religionsdiktatur des Iran zu sagen hat. (Wobei es in der IMDb mindestens ein Review eines Exil-Iraners zu lesen gibt, der dem Film „Appeasement“ vorwirft, da er die Gewalt des Systems in die Gewalt einer einzelnen Person verwandele und das System als solches damit aus der Schusslinie der Kritik nehme.)
Filmisch fand ich ihn nun allerdings nicht außergewöhnlich mitreißend. Tatsächlich fühlte ich mich bis zuletzt kaum emotional berührt. Mal sehen, ob sich das nach einmal drüber schlafen noch ändert … Für den Moment allerdings aus meiner Sicht der schwächste Kandidat in der Kategorie „Internationaler Film“.
Was irgendwie zu befürchten und vielerortens auch schon zu lesen/hören war…
weswegen ich den auch auslassen werde…fand schon den TAXI TEHERAN
vom selben Regisseur deutlich überbewertet.
Die lassen sich wahrscheinlich nicht wirklich miteinander vergleichen, aber ich
denke mal, dass der letztjährige THE SEED OF THE SACRED FIG oder vor
allem INCENDIES von Villeneuve die ‘besseren’ Filme zu dem Thema sind.
Die beiden waren ja auch oscar-nominiert und hätten in jedem Fall gewinnen
müssen. Aber so läuft das eben…..manche Filme sind halt auch “zur falschen
Zeit am falschen Ort”….
„Silent Friend“
(Ildikó Enyedi / 2025 / Kino (DCP) / OmeU / Erstsichtung)
"I dug a hole and filled it up with compost
Rested on the cool grass for a minute
I saw the future in a dream last night
There’s nothing in it
I set the sapling in the hole
Started gently tamping down the dirt
I saw the future in a dream last night
Somebody’s gonna get hurt, somebody’s gonna get hurt
I hope it’s not me
But I suspect it’s going to have to be
I dug my heels in for the winter
And I waited for the snow
But something was stuck up in the clouds
Something was stuck up there
It couldn’t let go
And when its time came I could see it happen
Blossoms black and sweet as Texas crude
I saw the future flowering like a ruptured vessel
Somebody’s gonna get screwed
It won’t be me
Someday I am going to walk out of here free"
(The Mountain Goats & Kaki King, „Black Pear Tree“ )
Als Kind überquerte ich des Öfteren die Bundesstraße, welche quer durch unsere norddeutsche Kleinstadt nach Hamburg-Bergedorf führte, und die sich binnen kürzester Zeit durch einen schmalen Fußgänger:Innen-Stieg zwischen zwei Grundstücken von der Siedlung aus, in der das Haus meiner Eltern stand, erreichen liess. Auf der anderen Straßenseite waren wieder Häuser, Einzelhäuser, Reihenhäuser, ein Hochhaus gar, Garagen, und auch ein Parkplatz. An diesem Parkplatz lagen ein kleiner Supermarkt, kaum grösser als your usual Tante-Emma-Laden, und auf dessen Rückseite ein kleiner Bäckerladen (beide sind lange schon nicht mehr dort). Und mitten auf diesem Parkplatz stand, zwischen all diesen Häusern erhob sich, ein knorriger alter Baum. Eine Eiche, deren gewunden-verdrehte Äste sich aus meiner damals kindlichen Perspektive hoch in die Luft schraubten, weit über mir empor ragten. Ich habe gerade noch einmal im Internet nachgeschaut (dort lässt sich ja mittlerweile (fast) Alles finden) - Das Alter dieses Baumes wird auf etwas über 400 Jahre geschätzt, er hat einen Umfang / Durchmesser von etwa 5 Meter, und ist gut 15 Meter hoch. Leider ist er mittlerweile auch schon recht krank (Pilzbefall), und wurde vor einiger Zeit wohl auch Opfer eines Blitz-Einschlags. Als Kind jedoch hielt ich mich oft und gerne in seinem Schatten auf. Für mich war dieser Baum damals nicht bloss irgendein stumm dastehendes Ding, ein leblos anmutendes Stück Dekor des Kleinstadt-Bildes… er strahlte für mich ein Schutz, Geborgenheit und majestätische Imposanz aus, vermittelte mir ein starkes Gefühl von Ruhe, Kraft und Aufgehobensein. Oftmals saß ich da, sah auf in seine Krone, und sprach in Gedanken mit ihm. Teilte ihm meine Sorgen, Nöten, Ideen, Eindrücke mit. Für Kinder ist die Natur und das, was ihn ihr ist, ja nicht selten animistisch, belebt und beseelt, atmend und auratisch, anstatt nur blosse stumme und ausdruckslose Materie. Wie dem auch sei, ich besuchte diesen Baum damals oft und gerne. Er gab mir eine Ahnung von All-Eins-Sein, eine Art Zugehörigkeit zum grossen Ganzen der Schöpfung. Ich war in seiner Nähe nicht einsam, sondern erfüllt von einer Ahnung, dass ich selbst ein Teil dieser Natur war, verbunden mit all dem, was um uns herum existiert. Als ich dann ins Teenie-Alter kam, wurden meine Besuche bei dieser Eiche dann immer weniger und weniger, und irgendwann ging ich dann gar nicht mehr hin. Stattdessen verbrachte ich, wenn meine Freunde mal keine Zeit hatten, oder ich aus anderen Gründen für mich sein wollte, ganze Nachmittage und Sommerabende damit, mutterseelenallein durch die grünen Forste des nahen Sachsenwaldes zu streifen. Manchmal lag ich dort dann stundenlang auf einem zuvor im Sturm abgeknickten Baumstamm, und starrte in das sich allmählich orangerot verfärbende Blau des Spätnachmittags- und Frühabend-Himmels. Ich weiss heute nicht mehr, was ich damals in all diesen Stunden gedacht habe. Falls ich überhaupt etwas gedacht habe.
Von Zeit zu Zeit kam und kommt mir auch heutzutage immer wieder mal der Gedanke, wenn ich irgendwo unterwegs bin, dass wir eigentlich so gut wie nie wirklich einsam sind. Weil unsere direkte Umwelt ja fast immer mit anderen Lebewesen gefüllt ist. Und seien diese anderen Lebewesen halt Pflanzen. Wir diese Pflanzen aber oft gar nicht als lebendig wahrnehmen, oder wenn doch, dann nicht allzu viele Gedanken daran verschwenden. Es ist schön, dass es mit „Silent Friend“ (deutscher Titel: „Stille Freundin“) von Ildikó Enyedi nun endlich auch einen (Spiel-)Film gibt, in dem genau diese gelegentlich mein Hirn durchzuckenden Gedanken auch einmal laut ausgesprochen werden, und sogar ein zentrales Thema sind. Ganz bestimmt ist auch dies schon in einem oder mehreren anderen filmischen Werken schon einmal benannt, und behandelt worden, aber wenn, dann waren es zum Einen vermutlich eher Dokumentarfilme, und falls es doch in einem Spielfilm gewesen sein sollte, dann kenne ich diese(n) jedenfalls bislang noch nicht. Nun sind Pflanzen ja gerade auch im Genre des Horrorfilms oft und gerne genutzte Metaphern, die für alles Mögliche stehen, und meist der Spezies Menschen feindselig gesonnen sind. Denken wir nur an die Rache der Natur in „The Happening“, die menschliche Körper reproduzierenden extraterrestrischen Blumen aus den diversen „Invasion Of The Body Snatchers“-Filmen, die entweder für die Angst durch kommunistische Unterwanderung stehen, als Warnung vor gesellschaftlichem Konformitätsdruck dienen oder auch eine schleichende Militarisierung der U.S.-Zivilgesellschaft repräsentieren. Auch in Jessica Hausners FFF-Beitrag „Little Joe“ oder in Gestalt der fleischfressenden Riesenpflanze Audrey aus „The Little Shop Of Horrors“ sind Pflanzen im Genrefilm zumeist eher negativ konnotiert. Als gleichberechtigte, empfindende und vor Allem auch auf eine bestimmte Art und Weise (re-)aktive und verstehbare Signale aussendende Kreaturen wurden und werden sie im Spielfilm aber eher selten inszeniert. Ildikó Enyedi schickt sich mit „Silent Friend“ nun an, dies zu ändern.
Gleich der Auftakt des Streifens verdeutlicht seine Kern-Topoi. Der Hongkonger Hirnforscher Tony führt Experimente sowohl mit noch nicht sprechenden Kleinstkindern und Erwachsenen vor, setzt diese bestimmten äusseren Reizen aus, und untersucht anhand von EEG-Strömen und bildgebenden Verfahren, welche Hirn-Areale dabei jeweils aktiv sind. Wodurch er zu dem Schluss kommt, dass Erwachsene, wenn sie sich auf einen bestimmten Umwelt-Reiz konzentrieren, beinahe alle anderen Umgebungs-Reize ausblenden, und bei ihnen nur wenig, klar lokalisierbare Hirn-Regionen Aktivität zeigen. Wohingegen Babies und Kleinstkinder sämtliche Umwelt-Einflüsse gleichzeitig wahrnehmen, und dabei eine Vielzahl von zerebralen Bereichen stimuliert werden. Erwachsene nehmen also weniger von ihrer Umwelt wahr, als Babies, sie stehen somit weniger im Austausch mit und in Verbindung zu ihrer Umgebung, als es dem abstrakten Denken noch nicht so sehr befähigte und dem auf Ausschluss basierenden Klassifikations-System der verbalen Sprache (denn wenn wir beispielsweise „Tisch“ sagen, schliessen wir damit ja in jenem Moment des Aufrufens und Aussprechens gleichzeitig alles Andere, was für uns nicht „Tisch“ ist, aus) noch nicht kundige Kleinstkinder tun. Tony reist zur Ausübung einer Gastprofessur nach Süd-Deutschland, wird dort jedoch alsbald infolge der zu jenem Zeitpunkt gerade ausbrechenden CoViD19-Pandemie ohne die Aussicht auf baldige Rückkehr nach China festgesetzt, und ist nun auf einem beinahe menschenleeren Uni-Campus gestrandet, und isoliert. Jedweder menschlicher Test-Subjekte auf nicht absehbare Zeit beraubt, beschliesst er daraufhin, seine Forschungen auf den Gingko-Baum im Botanischen Garten der Fakultät zu übertragen, und kontaktiert per Video-Chat die französische Wissenschaftlerin Alice.
Währenddessen muss sich im Marburg des Jahres 1908 die junge Botanik-Studentin Grete der verachtungsvollen Misogynie und des unverhohlenen Sexismus der etablierten rein männlichen Professorenschaft erwehren. Nachdem ihre bigott-spiessbürgerliche Vermieterin sie eines Missverständnisses wegen der Unsittlichkeit und Promiskuität verdächtigt, und sie darob auf die Strasse setzt, verliert sie alsbald auch ihren Studienplatz, und nimmt eine Assistent:Innen-Stelle bei einem älteren Studio-Fotografen an. Doch ihre Leidenschaft für Pflanzen erlischt nie, und erfährt schon bald neue, bislang ungekannte Ausdrucksmöglichkeiten.
In einer dritten Geschichte tut sich der weltfremd-lahme Ober-Schluffi Hannes schliesslich überaus schwer damit, zu seinen Mitmenschen Kontakte zu knüpfen, oder mit diesen längerfristig-tiefgehende Beziehungen einzugehen. Als die im Studi-Wohnheim in der Wohnung unter ihm lebende Gundula, die Versuche mit einer Geranie macht, um herauszufinden, wie diese sich ihrer Umwelt gegenüber verhält, für längere Zeit mit einigen Kommiliton:Innen zusammen verreist, und die Blume daraufhin seiner Pflege und Obhut überantwortet, baut Hannes allmählich die wohl intensivste Verbindung zu einem anderen Geschöpf zu ebendieser Topf-Pflanze auf - was nicht ganz unproblematisch bleiben soll…
Unverkennbar nimmt „Silent Friend“ hier die Thematiken von einerseits Wahrnehmung und (An-)Erkennen (des / der / von ganz Anderen), und zum Anderen daraus resultierend die Frage nach den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Verständigung (aber eben gerade nicht Kommunikation, da diese ja wiederum Sprach- und Zeichen-Systeme beinhalten würde) mit dieser / diesem / diesen Anderen auf, und dekliniert sie im Verlauf des Films, und den jeweiligen Gegebenheiten, Einschränkungen / Restriktionen und Chancen / Erweiterungen der einzelnen Zeitepochen durch. Und tut dies auf eine beinahe schon meditativ-ruhige und gelassen-offene, nicht ausdeutende Art der Narration, und mittels einer poetischen Bildsprache, welche überaus sensorisch, beinahe schon taktil-fassbar vor Allem die pflanzlichen Protagonit:Innen portraitiert. In wohl kaum einem anderen Film ausserhalb des Dokumentar-Bereichs dürften die diversen Vertreter:Innen der Flora, die botanischen Individuen auf so viele verschiedenen, vielfältig-ungesehene Arten und Weisen abfotografiert worden sein, wie hier. Mit Extrem-close ups (etwa, wenn Grete im Studium einen Blütenstempel-Querschnitt vornimmt, oder später etliche auf dem Wochenmarkt erworbene Gemüse ablichtet), in langen Kamerafahrten auf und durch Baum-Geäst, in Detail-Aufnahmen von allerlei pflanzlichen Sexual-Organen, oder gleich pulsierenden Zellgeweben. Was sich in einer faszinierend-fantastischen Mannigfaltigkeit, betörend-bizarren Diversität und überquellenden Fülle von Formen, Knospungen und Auswüchsen darbietet. Eine Reichhaltigkeit an Gewächsen, Gehölzen, Blüten, Trieben und Wurzelwerk, dass mensch aus dem ergriffen-erfüllenden Staunen gar nicht mehr herauskommt. Was dann - gerade auch in Konjunktion mit dem sanft dahinplätschernden narrativen flow - bei den Zuschauenden schon eine Art Trance evoziert. Das Verständnis von Zeit und Raum in diesen Passagen, wenn nicht sogar gleich für die Dauer des gesamten Films, ausser Kraft setzt. Ähnlich wie die botanischen Akteur:Innen, sind auch die menschlichen Charaktere oft in einer fesselnd-einnehmenden Modalität abgefilmt. Wenn ein Gesichts-Profil in Nauaufnahme am Lagerfeuer gezeigt wird, und mehr aus Schatten, denn Licht-Reflexion zu bestehen scheint. Wenn in den fein ziselierten Schwarzweiss-Aufnahmen in der Beginnendes 20. Jahrhundert-Episode die Gesichter so detailreich-plastisch erscheinen, sich dabei in den Augäpfeln fast schon jede noch so kleinste Gefühlsregung Ausdruck verleihen will, oder in den Totalen und Halbtotalen der Gegenwarts-Episode das Gefühl der Vereinzelung und Isoliertheit des in Deutschland Gestrandeten offenbar wird. Wobei die einzelnen Zeitebenen schon aufgrund der je verschiedenen Darstellungsweisen unschwer erkennbar und voneinander abgrenzbar sind: Klares und weiches Schwarzweiss mit einer grossen Tiefe für das Jahr 1908, krisselig-kontrastreicher, farbsattter 16mm-look für die 1970er, und schliesslich eine kühl-distanzierte Digital-Ästhetik für das Jahr 2020. Auch die filmische Montage und der Schnitt wissen zu überzeugen, und brechen eine Zeitebene oftmals genau dann ab, wenn man gerade im nächsten Bild etwas Entscheidendes erwartet, dies dann aber nicht mehr kommt / gezeigt wird, und somit eine Leerstelle erzeugt, die vom Publikum entweder selbst gefüllt, oder aber besser, einfach so stehen gelassen werden muss. Wobei sich hier die einzelnen Erzählstränge - aller oberflächlichen Verwandtschaft mit / Ähnlichkeit zu Mascha Schilinskis „In die Sonne schauen“ aber lange nicht so stark ineinander verknüpfen, oder miteinander verflechten, sich eines ins andere schiebt, und darin widerspiegelt. Nein, die Strukturen von „Silent Friend“ sind offener, unverbundener, lose gewebter. Was zunächst einmal paradox, und widersprüchlich erscheinen mag, gerade, weil eines der bestimmenden Themen ja auch die Interkonnektivität ist. Das verwoben Netzhafte, Rhizomatisch sich Verflechtende, wuchernd Wachsende. Enyedis Film braucht aber gerade diese Leichtigkeit im Ausdruck, dieses Unbestimmt-Vage in der gegenseitigen Verbindung, dieses Lockere im erzählerischen Modus. Weil ja eben das Herausarbeiten dieser ganz anderen Möglichkeiten von Miteinander-in-Beziehung-Stehen und -Sein genau das ist, was die Figuren im Laufe der Handlung erst noch leisten müssen, ein Erkenntnis-Prozess, der erst noch durchlaufen sein will, eine Perspektive, die nicht schon von Beginn an da ist. Und weil eben auch diese „neue“ gegenseitige Verständigung keine ist, die mit Eindeutigkeit verlangenden Zeichen, Bedeutungs-(und damit auch Ideologie-)geladenen Symbol-Systemen, die gleichzeitig sowohl Ein- als auch Ausschluss hervor bringen (etwas, dass sich auf der sprachlich-kommunikativen Ebene des Film immer wieder zeigt - sei es in Gretes Bewerbungs-Gespräch für die Aufnahme in die Universität, sei es am bekifft-benebelten Lagerfeuer-Gespräch, oder aber auch in den Verständigungs-Schwierigkeiten zwischen dem Kantonesisch sprechenden Professor und dem verschlossen-missmutigen deutschsprachigen Campus-Hausmeister) vorbelastet und überladen ist, sondern ihren Ausdruck allein auf einer rein nonverbalen, eher zu erfühlenden, denn zu verstehenden Ebene findet. Was „Silent Friend“ eine beinahe schon schwerelose Dimension verleiht, ihn mehr athmosphärisch-kontemplativ, denn eindeutig-und entschlossen-bezeichnend anmuten lässt. Dementsprechend bleibt auch eine tief-gravitätische Sogkraft wie bei Schilinksi aus, der Film zieht Eine:n nicht in sich hinein. Rein an der Oberfläche verbleiben wir als Zuschauer:Innen aber auch nicht. Es ist mehr ein träumerisch-entrücktes Zwischen-den-Dingen-Schweben, eine enthobene, und dennoch auch geerdete, mit Allem zugleich verbundene Empfindung. Wo die Sprache Verstehen bedingt, im selben Moment aber auch Miss-Verstehen produziert (Einmal bietet Gundula Hannes an, dass sie mit ihm schlafen wolle; ob er denn auch Lust hätte… woraufhin er ihr erst gar nichts zu sagen weiss, weil das ihn seinen Überlegungen gar nicht vorkam, und offensichtlich auch nicht die Art von Verbundeheit ist, die er mit ihr haben möchte. Was sie dann postwendend als Ablehnung interpretiert), da ist dieser nonverbale Austausch und Konnexe ein Modus des All-Eins-Seins, ein heightened sense of reality, welcher uns fühlen lässt, dass wir nur ein Teil von allen Dingen sind.. beständig mit unserer Umgebung im Austausch stehen. Weshalb, um diesen Zustand, der Babies und vielleicht auch pflazlichen Mit-Lebewesen ohnehin schon innewohnt, zu erlangen, gelegentlich auch diverse (wiederum pflanzliche) Hilfsmittel, a.k.a. Rauschdrogen von den menschlichen Protagonist:Innen benutzt werden…wenn Grete oder Gundula einen Joint rauchen (Hannes diesen aber ablehnt), oder Tony einen Peyote-button verspeist, um sich nackt im nächtlichen Regen mit dem Gingko-Baum zu verschwestern (denn es ist ein weiblicher Baum, wie er dank Alice herausfindet). Hier übertreibt es Enyedi dann stellenweise allerdings auch mal, etwa wenn EEG-Ströme ein ums andere Mal so aussehen, wie beständig hin- und her shiftende und in allen Regenborgenfarben knallbunt leuchtende Polarlichter, oder aber ein Vollmond und Glühwürmchen per digitaler Nachbearbeitung dem Filmbild hinzu gefügt werden… was der Film gar nicht nötig hat, und der angestrebten Wirkung auch eher abträglich ist. Dagegen beweist sie durchaus Humor, wenn Tony beispielsweise am ersten Abend mit den Fakultäts-Kolleg:Innen in der Gast-Wirtschaft eine zünftig-deftige Schweinshaxe aufgetischt wird, und er sich nach deren Verzehr gegen den die Gingko übergeben muss… und ihm dann die Pflanzenforscherin Alice Sauvage (<— was für ein Name!) später im Video-chat erklärt, weibliche Gingko-Bäume würden in der herbstlichen Blütezeit überaus unangenehm, nämlich nach Erbrochenem, riechen.
Auch die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank weg gut bis großartig. Tony Leung habe ich viel zu lange nicht auf der Leinwand gesehen. Aber auch nach all der Zeit ist sein Lächeln immer so noch umwerfend-bezaubernd, wie früher schon, und sieht wie 5 Millionen $ aus. Léa Seydoux hat hier als Alice nur eine kleine Nebenrolle inne, ich freue mich aber immer, wenn ich die mal irgendwo erspähe. Und auch Enzo Brumm als linkisch-unentschlossener Literatur-Student Hannes sowie Marlene Burow als resolut-willensstarke Gundula wissen zu überzeugen, und fallen nur in ihren ersten zwei gemeinsamen Szenen durch seltsam ungelenk-hüftsteifes, leblos-aufgesagt wirkendes Spiel negativ auf (aber vielleicht sollte das auch genauso sein). Last but not least sind auch Martin Wuttke als Gretes Fotografen-Lehrmeister, Rainer Bock als unerträglich-widerlicher Professor, und Sylvester Groth in der Rolle des wortkarg-misstrauischen Uni-Faktotums passend besetzt. Der eigentliche Star des Films aber ist die junge Schweizerin Luna Wedler, die hier in der Rolle der sich gegen alle Widerstände durchkämpfenden Studentin und durch die Linse ihrer Kamera die Wunder der Pflanzenwelt entdeckenden Fotografin Grete formidabel aufspielt, und makellos brilliert! Was für eine Leistung. Wobei die casting-Liste der am Film beteiligten pflanzlichen Protagonist:Innen im Abspann um ein Vielfaches länger ausfällt, als die ihrer menschlichen counter parts.
Die Filmmusik ist zwar nicht gerade originell, weil so oder ähnlich schon (zu) oft gehört, aber zweckdienlich und effektiv. Nur das letzte während der Filmhandlung verwendete Musikstück, die von Blixa Bargeld eingesungene Goethe-Vertonung „Ein Gleiches“ will mir selbst, wenn gleich textlich passend, und musikalisch auch gut untermalt, nicht so recht zusagen. Das ist aber zugebenermaßen auch ein eher persönliches Problem, weil ich den Herrn Bargeld zwar früher als Sänger der Einstürzenden Neubauten durchaus mochte, ihn aber menschlich, soweit ich das beurteilen kann, schon immer als fürchterlich eingebildet und dünkelhaft-überheblich empfand, und ich mitterweile der Meinung bin, dass sich diese seine Attitüde inzwischen auch in seiner Musik, und vor Allem seiner Art zu singen, widerspiegelt. Das von Gaby Moreno im Abspann gesungene " 'Til Waking Light" sagt mir da schon bedeutend mehr zu.
Die Hamburger Filmkritikerin und Bloggerin Antje Wessels gab an, sie habe den Film zwar sehr gemocht, die einzelnen Episoden seien aber von schwankend-unterschiedlicher Qualität, und würden zudem allesamt zu Nichts führen, was sie am Ende sehr frustriert habe. Ich kann dem so gar nicht zustimmen. „Silent Friend“ ist stilistisch eine Augenweide, formal betrachtet ein Gedicht, und berührt thematisch gesehen beinahe schon Hard-Sci-Fi-Gefilde. Ohne aber den Fehler zu machen, diese auch erklärend-ausdeutend kognitiv verstehbar machen zu wollen. In einer Szene erläutert der Fotograf Herr Fuchs Grete gegenüber, dass die Fotografie mitnichten die Realität „abbilde“, oder zeigen würde. Sie sei aber ein gar treffliches Instrument, um deren Fragilität darzustellen. Nichts Anderes machen Ildikó Enyedi, ihr Kameramann Gergely Pálos und ihre Cutterin Gergely Pálos in „Silent Friend“. An dessen Ende ich doch recht verwundert war, dass er schon vorbei sein sollte. Denn wo Mascha Schilinski in „In die Sonne schauen“ den perfekten Schlusspunkt gesetzt hat, so hätte diese verblüffend neuartig inszenierte und montierte, meditativ-andächtige, reflexiv-besinnliche Versenkung in das geheime Leben der Pflanzen von mir aus gut und gerne noch mindestens eine gute Stunde so weitergehen können. An der einen oder anderen Stelle möglicher Weise etwas zu ergebnisoffen, und auch nicht immer ganz rund, aber dennoch einer der wohl jetzt schon interessantesten, faszinierendsten und zum Nach- und Weiterdenken anregendsten Filme des Kinojahres.
Absolute Seh-Empfehlung für Alle, die es gerne mal experimentell-ausgefallen mögen, sich in einen Film fallen lassen können, und nicht unbedingt jede Kleinigkeit auserklärt haben müssen.
Und vergesst mir ja nicht, Eure Zimmer- und Gartenpflanzen angemessen zu bewässern, und vielleicht ab und an auch mal ein wenig zu streicheln, und ihnen gelegentlich gut zu zu reden.
Wer weiss, möglicher Weise machen sie Euch dann ja irgendwann auch mal das Gartentor auf?
"This old man I’ve talked about / Broke his own heart
Poured it in the ground / Big red tree grew up and out
Throws up its leaves / Spins round and round
I know all this and more
So take your hat off
When you’re talking to me
And be there when I feed the tree"
(Tanya Donelly / Belly, „Feed The Tree“ )
"Wandering in the darkness
'Neath the moonlight still in harvest shining down
Weary souls are searching
For a shelter somewhere far from broken ground
We don’t know what’s coming
Or what lies beyond the bend
Holding to each other while we can
'Til waking light
Soft breeze whispers gently
While the roaring of the engine shakes our hearts
Deep despair in silence
Praying fate won’t ever find us apart
All of the unknowing has us bursting at the seams
Darling we are still safe in our dreams
'Til waking light"
(Gaby Moreno, " 'Til Waking Light" )
Sehr schön und treffend beschrieben. “Mein Freund der Baum” war dann auch tatsächlich die erste Headline, die mir für ein etwaiges längeres angedachtes Review in den Sinn kam, das ich mir jetzt dank deiner sehr ausführlichen und interessanten Gedanken zum und Analyse des Films gottlob schenken kann. ![]()
Freut mich sehr, dass er dir genauso gut gefallen hat…. er schwingt bei mir auch immer noch nach. Zweitsichtung wohl unumgänglich.
Wie eingangs erwähnt:
Anders als, aber irgendwie doch vergleichbar mit IN DIE SONNE SCHAUEN. Vor allem was seine Langzeitwirkung angeht. Ein wirklich origineller, visuell fantastisch inszenierter und von tollen Darstellern getragener Film mit Themen, die ich - vor allem derart poetisch und sinnlich umgesetzt - noch nie gesehen habe. Jahres-Highlight. Mehr davon!
Ach ja, würde dir dann ganz dringend auch Ildikó Enyedis wunderbaren MEIN 20. JAHRHUNDERT und den wirklich berührenden KÖRPER UND SEELE ans Herz legen.
Finde es im übrigen auch schön und wichtig, dass gerade Filme wie die beiden hier besprochenen vor allem zeitnah mehr Aufmerksamkeit bekommen - da sie ansonsten im Wust der Mainstream- und Genre-Releases komplett unterzugehen drohen. Eine allzu lange Lebensdauer dürfte ihnen im Kino eh nicht beschieden sein.
Ich war gestern in der Nachmittags- oder auch „Seniorenvorstellung“ und hatte natürlich auch von Anfang an Alexandras Songtitel im Kopf.
Leider bin ich mit dem Film nicht so richtig warm geworden. Wie von @die_Lachsschaumspeise auch erwähnt, hat der Film keinen rechten Sog entwickelt, die Episoden waren mir zu isoliert, fast schon beliebig, die Visuals in der Art seit Lubezkis Fotografie von Malicks TREE OF LIFE viel zu oft gesehen und der Film in seinen „Aussagen“ oft mehr prätenziös als poetisch. Es gab natürlich auch positive Aspekte, die SchauspielerInnen, das schöne Schwarzweiß von „Gretes“ Geschichte, vereinzelte Ideen, Erkenntnisse, Erkundungen. Aber insgesamt war mir das auf zweieinhalb Stunden zu wenig und zu lang(weilig).
Ich habe KÖRPER UND SEELE hier noch ungesehen auf DVD, den werde ich demnächst mal nachholen, um zu schauen, ob Frau Enyedi mich damit ähnlich begeistern kann wie mit ihrem MY 20TH CENTURY oder ob das eher ein Einzelfall war. Review zu SILENT FRIEND schiebe ich bei Gelegenheit nach.
Denke mal, dass dir der KÖRPER UND SEELE dann auch “zu wenig” sein wird….der iss schon ganz anders als MEIN 20. JAHRHUNDERT und - wenn ich mich recht erinnere - eher noch langsamer und entschleunigter bzw. “ereignisloser” als der SILENT FRIEND - mit dem ich ihn viel eher vergleichen würde.
Zwischen den ersten beiden liegen ja auch nur schlappe 28 (!) Jahre.
MEIN 20. JAHRHUNDERT steht demnach eher für die Sturm- und Drangperiode von Frau Enyedi - KÖRPER UND SEELE leitet wohl das etwas ‘entspanntere unaufgeregtere’ Alterswerk ein.
Was mir bislang und soweit ganz gut gefällt - und sogar entgegenkommt; bin ja schließlich auch nicht mehr der Jüngste… ![]()
Witzigerweise geht es mir mit fast allen Malick-Filmen so wie dir hier mit der “stillen Freundin”.
Ja, naja… während ich mit meinem review von „28 Years Later: The Bone Temple“ doch einigermaßen zufrieden war und bin, habe ich beim Verfassen des Textes zu „Silent Friend“ doch ziemlich ge-struggled, und meiner eigenen Meinung nach den Streifen und das, was er während des Anschauens in mir ausgelöst hat, nicht so richtig zu fassen bekommen, und in Worte übersetzen habe können. Wobei gerade dieses Nicht-Fassbare, mehr im Ungenauen Verbleibende und auch (das von mir abschliessend ja auch leicht bekrittelte) Ergebnisoffene, Unabschliessbare und (wortwörtlich) Unbeschreibliche ja gerade die den Film primär auszeichnenden Qualitäten sind. Eben, weil es ja vor Allem und zuvorderst auch um nichtverbale, nicht gerade leicht zu definierende und nur schwer in sprachliche Begrifflichkeiten zu fassende Prozesse geht. Welche eben allein schon aufgrund ihrer mehr schwingenden, denn durchdringenden Unbestimmtheit vermutlich auch gar nicht zu beenden sind, und letztlich als eine vom Film zwar aufgemachte, aber gar nicht bis zu einem irgend lokalisierbaren Endpunkt verfolgbare trajectory und Perspektive halt einfach so stehenbleiben müssen. Trotzdem kann ich aber auch verstehen, wenn so etwas nicht jedermensch mundet, und man Selbiges (mit vollem Recht) dann eventuell auch eher als prätentiös, denn als poetisch wahrnimmt, wie @Herr_Kees beispielsweise. Ich fand in der Tat übrigens auch, dass der Streifen mehrmals kurz davor war, in ebensolches Territorium abzurutschen, bzw. weg zu kippen, und das ein-, zweimal auch kurz getan hat, sich dann aber in den entscheidenden Momenten immer wieder gerade nochmal „gerettet“ hat. Für mich war’s aber, all in all, ein sehr sehr schöner Kinoabend, und sind dann gerade auch diejenigen Filme, welche kein rundes Stimmungsbild hinterlassen, und mehr von ihren Leerstellen und ihrer Offenheit geprägt sind, oftmals die bei Weitem interessanteren, als wenn mich immer und allzeit Alles restlos überzeugen würde. -Zig-1000mal „Danke!“ jedenfalls nochmal für den Tipp, der wäre ansonsten wohl komplett an mir vorbei gegangen. Wobei ich da eine Zweitsichtung jetzt in der allernächsten Zeit aber dennoch nicht unbedingt brauchen würde, sondern so erstmal ganz zufrieden mit dem outcome bin. Anders als bei „In die Sonne schauen“, wo mir quasi direkt nach der Erstsichtung schon klar war, dass es da ohne mehrere Nachbetrachtungen gar nicht gehen würde. Eben, weil er so verästelt, vielschichtig und multidimensional ist.
Joa, bei mir auch schon mit auf der Liste für die Jahres-End-Abrechnung. Damit zusammen mit „The Bone Temple“ schon zwei tolle highlights im noch blutjungen Kinojahr, und der Januar ist noch nicht mal ganz rum!
Mal schauen, ob und wo ich die zu sehen bekommen kann… Streamen könnte ich sie beide wohl, genauso wie „Die My Love“ (den ich vorgestern abend leider doch nicht mehr im Kino sehen konnte, alleine schon aus dem doofen Grunde, dass ich danach nicht mehr mit dem ÖPNV heim gekommen wäre - abermaliger erneuter Wintereinbruch hin, späte Startzeit her). Das mache ich aber nicht so gerne, bzw. wenn, dann nur in absoluten „Notfällen“, wenn ich den Streifen wirklich anders gar nicht schauen kann („After The Hunt“ und „Parthenope“ waren beispielsweise solche Ausnahmen). „Die Geschichte meiner Frau“ würde mich durchaus auch noch interessieren, den sowie „Körper und Seele“ soll’s auch als deutsche Blu-Ray-Veröffentlichung geben, während „My 20th Century“ wohl nur einen U.K.-release erfahren hat.
Ich weiss jetzt nicht, welchen anderen Film du noch mit in „die beiden“ hinein rechnest, aber falls es sich dabei um „In die Sonne schauen“ handeln sollte: Der lief hier in Hamburg gute eineinhalb Monate bis Mitte Ende Oktober lang in meinem Lieblings-Kino „3001“, und hätte ich ihn alleine schon dort an die sieben-, achtmal sehen können (letzten Endes sind es dann der Sichtungen doch „nur“ fünfe geworden…
). Und war dann ab und an durchaus noch bis Ende Dezember in dem einen oder anderen Kino noch zu schauen. Von daher war das für einen solch doch eher „sperrigen“ und nicht gerade leicht verdaulichen Film doch schon eine beachtliche Kino-Laufzeit. Aber „Silent Friend“ wird wohl auch hier inner Großstadt nicht über einen Kino-Einsatz von vielleicht maximal drei Wochen hinaus kommen, befürchte ich. Wobei es gestern abend in der von mir besuchten Vorstellung doch schon ganz gut besucht war. Wir waren isgesamt so knapp über dreissig Personen (ja, ich hab’ tatsächlich mal durchgezählt), in einem Kino mit 96 Sitzplätzen. Ist jetzt zwar auch nicht gerade überragend, aber durchaus noch okay. Bloss schade, dass so manch anderer nischige Titel dann wirklich in the blink of a eye schon wieder aus den Kinos verschwunden ist - manchmal dann ja sogar, bevor man selbst überhaupt irgend etwas davon mit bekommt… So isses mir selbst gerade erst mit „Mother’s Baby“ ergangen, der - obwohl gerade mal vor nichtmal zwei Wochen erst gestartet - hier in Hamburg schon nicht mehr in den örtlichen Lichtspouielhäusern läuft. Schade, der hätte mich trotz der scheinbar ausgelutschten Thematik seiner fast durchweg guten Kritiken, des angeblich schwer beeindruckenden Schauspiels und seiner intensiv-beklemmenden Atmosphäre doch schon sehr interessiert. Naja, muss ich fix schauen, dass es mir nun mit „Little Trouble Girls“ nicht genau so ergeht. Aber vorher morgen abend erst noch Sam Raimi’s „Send Help“, und dann am Wochenende eeeeeeeeeeendlich auch mal hier in HH die diesjährigen FWN.
Öhem - Aber „Badlands“? Unfassbares Meisterwerk, einer meiner Lieblingsfilme, und absolut sicherer Kanditat für eine Top 100-Liste meiner liebsten Filme aller Zeiten (falls ich überhaupt je so eine Liste erstellen würde, wofür wahnsinnig genug ich dann aber irgendwie doch (noch) nicht bin)… Und „The Thin Red Line“ mochte ich damals eigentlich auch ganz gerne, einiger kleinerer Mängel zum Trotz (habe den aber auch schon ewig nicht mehr gesehen). „Days Of Heaven“ fehlt mir leider noch, obwohl ich den seit Jahr und Tag schon längst mal hatte sehen wollen (Linda Manz!!!
(R.I.P.)). Aber die Spätwerke „Tree Of Life“, „The New World“ und „To The Wonder“ reizen mich selbst tatsächlich auch überhaupt gar nicht, muss ich zugeben.
Yep, dass der nicht jedermann/fraus Sache sein wird war mir auch klar, insofern ist das völlig okay, wenn da die Meinungen mal auseinandergehen. Wäre sonst ja auch langweilig.
Es ehrt den Kollegen Kees, dass er wenigstens den Versuch unternommen und dem Film ein paar Dollar mehr in die Taschen äh gespült hat. Alles schon richtig so… ![]()
Und ja, mit dem anderen Film meinte ich IN DIE SONNE SCHAUEN, der war ja anfangs nicht gerade dazu prädestiniert länger im Kino zu ‘überleben’ - lief bei uns in Tübingen aber wider Erwarten (oder eben auch nicht) dann doch 4 oder 5 Wochen.
Wobei Tübingen als Unistadt aufgrund der hohen Anzahl an Studenten sowieso ein sehr spezielles Publikum hat. Blockbuster laufen hier bestenfalls okay, Action, Horror oder sonstige Genre-Filme haben kaum eine Chance oder werden sogar gar nicht erst (oder max. 1 Woche) gezeigt.
Als bspweise THE GRAND BUDAPEST HOTEL in die Kinos kam, war er sogar Spitzenreiter in der hiesigen Jahres-Endabrechnung, was mich tatsächlich diebisch gefreut hat.
Immerhin konnte ich mit 3 Besuchen auch meinen kleinen Teil dazu beitragen ![]()
Zu Malick: BADLANDS und DAYS OF HEAVEN liebe ich, THE THIN RED LINE fand ich auch (noch) überwiegend sehr gut und von TREE OF LIFE mochte ich lediglich die ersten 40 (oder so) Minuten. THE NEW WORLD ist eine Vollkatastrophe und beim KING OF CUPS ärgere ich mich bis heute, dass ich den Kinosaal nicht wie geplant nach fünf Minuten wieder verlassen habe. Ich hätte es besser wissen MÜSSEN. Den würde ich mal ganz vorsichtig als “absolut verschwurbelten pseudo-intellektuellen und philosophisch verbrämten Kunst-Scheiss” bezeichnen. Seither ist bei mir Schluss mit Malick, wir haben uns nichts mehr zu sagen…
Ach ja: Wenn ich das weiter oben richtig gelesen habe hast du PARTHENOPE auch gesehen?! Da war hier ja von niemandem was zu lesen, wenn ich mich richtig erinnere.
Von mir faulem Kerl zugegebenermaßen auch nicht. Den scheint ja sonst niemand gesehen zu haben?!
Hast du da irgendwo mal einen Text zu verfasst? Wäre interessant zu wissen….if so, bitte verlinken bzw. mich hinführen ![]()
Für mich der drittbeste Film des letzten Jahres…auch wenn er a bissl schwächer war als die vorherigen Efforts vom Herrn Sorrentino - der mittlerweile einer meiner Lieblingsregisseure geworden ist.
Ja, gesehen habe ich den wohl - alleine, der dazu gehörige Text harrt noch seiner Abfassung… Da müsste dann vorher aber auch noch eine Zweitsichtung her. Mein drittliebster Film des vergangenen Kinojahres war er nun nicht, aber auch ich mochte den sehr gerne, und alleine schon dieses unfassbar wunderwunderschönen WTF?!?-, beinahe ja schon Fellini-esken Moments kurz vor dem Ende wegen ist der natürlich absolut grandios. Ich mochte ihn - trotz einiger (vor Allem narrativer) Schwächen in der Mitte - eigentlich sogar fast schon ein bisschen lieber als die (zugegeben aber recht wenigen) Filme, die ich von Sorrentino bislang so kenne.
Na, mal schauen. Mit viel Glück kommt da bis zum Wochenende gaaaaanz vielleicht noch ein review dazu. Muss ich nur erstmal gucken, woher ich da noch die Zeit dafür hernehmen kann.
Jessas, sorry, du musst dir da jetzt nix extra aus den Rippen leiern…. nur damit ich Lesestoff krieg ![]()
Dachte nur, dass ich der Einzige hier wäre der den überhaupt gesehen hat. Passt schon - lass mal gut sein….und gönn dir lieber mal ne verdiente Auszeit ![]()
Näh, der Text will ja eh noch geschrieben sein - Bloss, ob ich das nun noch bis zum / übers Wochenende schaffe, das weiss ich halt noch nicht… aber schau’n mer mal.
Wen’s interessiert – hier meine Review zur stillen Freundin (Spoiler im deutschen Titel!):
Noch ein wenig Anekdotisches zu unserem Themenkomplex/der Verschränkung von SILENT FRIEND und IN DIE SONNE SCHAUEN.
Ich habe den stillen Freund immer noch nicht gekuckt. Aber dafür meine Frau. Und gestern haben wir beide zusammen Schilinkskis Wunderwerk im Heimkino genossen. Für sie war es die Erstsichtung, für mich die vierte.
Meine werte Gattin ist ausgebildete Biologin und ein, so würde ich es sagen, sehr spiritueller Mensch (weit entfernt von jeglicher Esoterik…). Ich war also sehr gespannt auf ihre jeweilige Reaktion.
Würde sie SILENT FRIEND als Baumliebhaberin liebgewinnen? Würde sie IN DIE SONNE SCHAUEN aufgrund ihrer persönlichen Studien besonders goutieren? Oder gar das Gegenteil?
Ums kurz zu machen:
Beide Filme haben sie nicht vom Hocker gehauen (zu meinem Bedauern natürlich, speziell was IN DIE SONNE SCHAUEN betrifft). Zu letzterem hat sie, Zitat, einfach keinen Zugang gefunden. Interessanterweise habe ich ihr im Nachgang zu SILENT FRIEND die Rezension von @die_Lachsschaumspeise zukommen lassen (und nun auch die von @Herr_Kees). Daraufhin wollte sie, wohl weil sie vom Gelesenen beeindruckt war, auch Vergleichbares zu IN DIE SONNE SCHAUEN haben. Nun, da konnte ich ihr einen ganzen Thread anbieten…![]()
Sie würde sich selbst nie als Cineastin bezeichnen. Ich würde sagen, sie ist eine bisweilen anspruchsvolle Filmkonsumentin, aber betrachtet Typen wie mich oder meine lieben Mit-Forist/-innen schon tendenziell als leicht nerdig. Von meinen Reaktionen auf Filme ist sie ab und an schon leicht überfordert, aber auch mal beeindruckt wegen des umfassenden Zugangs unserer Cineasten-Gehirne auf alle Facetten der Filmkunst. Und ja, es ist ihr freilich auch ein Bedürfnis zu verstehen, was ihr Ehemann denn an Werken wie dem von Schilinski findet, da ich ihr immer versuche zu vermitteln, dass ich zwar leicht nerdig mit Filmen umgehe, damit aber keineswegs allein bin.
Jedenfalls:
Ich übermittle Anerkennung und Dankbarkeit an @die_Lachsschaumspeise, @Herr_Kees, @GrouchoMarx und den Rest der Bande, weil ihr mindestens nach der Lektüre im IN DIE SONNE SCHAUEN-Thread so allmählich klarer wird, was an jenem mindestens besonders ist, während sie die grundsätzliche Sympathie für SILENT FRIEND mit einer leichten Enttäuschung verschränkt und sich dabei ganz ähnlich anhört wie @Herr_Kees.
Ich selbst werde Enyedis Werk noch genießen, obwohl ich nach Einlassung meiner Gattin jetzt doch schon alles kenne, nachdem ich die Rezensionen gelesen habe. Auf meinen Einwurf hin, dass das mindestens bei diesem Film keine Rolle spiele, weil ich mich schon allein auf Tony Leung freue und die Bildsprache und zudem jetzt schon genauer wüsste, worauf ich achten werde, und sehr gespannt sei, wo ich mich zwischen den Polen poetisch und prätentiös einsortiere, reagierte sie mit einem verständnislosen Blick. Oder mit einem verständnisvollen. Ich bin mir nicht ganz sicher. ![]()





