Letzter Film, den ich gesehen habe


#1343

Gestern hab ich Antisocial gesehen, vom gleichen Team wie Bed of the Dead und Let Her Out. War gar nicht schlecht, hatte eine interessante Idee, ne Mischung aus Cell und The Signal (2007). Aggressiv machende Viren die über ein soziales Netzwerk verbreitet werden. Spielte sich komplett alles in einem Haus ab wo eine Party gefeiert wurde. Per Webcam Botschaften und Nachrichten Sendungen hat man auch mal gesehen was draußen in der Welt so los war.
Lief damals auf dem Fantasia und dem Frightfest, nicht bei uns. Wahrscheinlich wegen folgender Mängel: ein etwas billiger Video Look, nicht so schlimm; die beschränkte Location, auch nicht so schlimm; schon eher die Unbeständigkeit, wenn mal nichts los war, wenn sich der Film auf die Schauspieler verlassen musste, auf die Dialogszenen, dann ist er gnadenlos abgekackt, denn die Nachwuchstalente oder Laien konnten das nicht. Vielleicht auch deshalb diese omnipräsente Musik Untermalung bei Szenen wo Menschen von einem Zimmer ins nächste gingen, damit es nicht langweilig wird und die Stimmung bleibt. Die harten Schockszenen, das was einen Horrorfilm ausmacht, waren dagegen sehr gut. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.


#1344

Ich seh ich seh
Ein arthouse Schocker aus Österreich.

Die Mama von zwei Buben, Zwillingen, kommt nach einer Operation mit bandagiertem Gesicht nach Hause. Aber ist sie es auch wirklich? In dem Film passiert nicht viel. Auf seine Langsamkeit muss man sich einlassen. Allerdings sind die letzten 15 Minuten ziemlich intensiv.


#1345

James Bond 007 On Her Majesty’s Secret Service - Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Die 35mm Fassung auf dem Agentenfilm Fest hatte ich ausfallen lassen und das Bedürfnis ihn nachzuholen. Sah ihn im Heimkino an meinem Filmfest HH freien Tag in einer hervorragenden englischen Blu ray Edition von MGM, schön scharf in tollen Farben.

George Lazenby gefällt mir sehr gut als Bond. Schade das er nur diesen einen gemacht hat. Ist ja auch richtig Romanze und nicht bloß Agenten- und Actionfilm. Wirkte alles sehr natürlich mit viel trockenem Humor. Einer der besseren Bond Filme mit ungewohnt emotionalem Abschluss.
Tolle Drehorte in Portugal und der Schweiz.
Cineastisch harmonische, teils leicht verträumte Überblendungen. Allgemein schöne Bildauswahl.
Während einer Schießerei auf der Zentrale Blofelds oben in den verschneiten Bergen sah man einen Schriftzug an der Fassade mit den Worten: “Versöhnung der Technik mit der Natur”. Herrlich ironisch. :laughing:

Meine 3 liebsten Bonds (je nach Sichtung wechseln sie mal die Positionen):

Casino Royal
Golden Eye
Goldfinger

Im Geheimdienst Ihrer Majestät folgt dann gleich kurz dahinter. :slight_smile:


#1346

Dann solltest du dir aber auch Casino Royale nicht entgehen lassen, den mit Woody Allen, Orson Welles etc.


#1347

Ja, das ist ein Frühwerk von Woody, das ich noch nicht kenne. Glaube ich jedenfalls. Und wenn ist es 25 Jahre her.


#1348

In Vorfreude auf Denis Villeneuve’s neusten Streifen Arrival habe ich letztens zwei weitere Filme von ihm geschaut. Nachdem Sicario schon super war, enttäuschte er mich auch dieses Mal nicht.

Enemy

Was für eine Atmosphäre. Auch wenn Enemy im Gesamten sehr karg und minimalistisch daherkommt, ist die Stimmung, die dabei erzeugt wird, doch einzigartig und besonders. Beklemmung und Verwirrung sind zwei bestimmende Merkmale und hatten mich während der gesamten 90 Minuten fest im Griff. Wirklich verstanden habe ich Enemy am Ende zwar nicht, aber dafür gibt es ja genügend Videos und Kommentare im Netz. Faszinierend.
Das Finale war im Übrigen wirklich beeindruckend. Die allerletzte Szene wird mir wohl noch länger im Gedächtnis bleiben.

8/10

Prisoners

Wow. Ein potentieller Lieblingsfilm ohne Vorwarnung. Meine Erwartungen waren schon recht hoch, aber mit einem derart fabelhaften Stück hatte ich dann doch nicht gerechnet. Hier stimmt einfach so gut wie alles. Besonders die schauspielerische Leistung hat mich begeistert. Prisoners ist bis in die letzte Nebenrolle perfekt besetzt und es gibt nicht einen, der irgendwie aus der Rolle fällt und mittelmäßige Kost abliefert. Vor allem Hugh Jackman hätte man eine solche Figur gar nicht zugetraut und auch Jake Gyllenhaal und Paul Dano spielen auf einem verdammt hohen Niveau.
Die Story ist des Weiteren über jeden Zweifel erhaben und schraubt die Emotionalität in ähnliche Gefilde wie damals 21 Gramm, der ja zu meinen absoluten Favoriten gehört. Die Ohnmacht und Verzweiflung der beiden Familien wird in jeder Minute spürbar. Und dann die Spannung. Prisoners läuft knappe 2 1/2 Stunden und schafft es tatsächlich, nicht einen Moment lang träge oder gar zäh zu werden. Es gibt so viele grandiose Szenen, eingefangen von einer wirklich fantastischen Kameraarbeit (der allmächtige Roger Deakins mal wieder). Hinzu kommt die treffsichere musikalische Untermalung von Johann Johannsson, nur ein paar wenige, kleine Logiklücken/Zufälle, die man locker verschmerzt und ein Ende, welches perfekter nicht sein könnte. Und schon hat man einen Film, bei dem erhöhter Klassikerverdacht besteht. Wie eingangs bereits erwähnt: Wow.

9,5/10

Der siebente Kontinent

Ich bin durchaus nicht unvertraut mit der Art, wie Haneke Filme dreht, aber beim siebenten Kontinent treibt er es meines Erachtens nach deutlich zu weit. Hier schafft Haneke es, eine wirklich grausige und einnehmende Geschichte in den Gewässern totaler Langeweile zu ertränken. Die ersten 70 Minuten gehörten zu den härtesten Geduldsproben, die ich filmisch gesehen bisher zu überstehen hatte, denn es passierte nichts. Gar nichts. Überhaupt nichts! Still und ohne jegliches Highlight kriecht dieser Film vor sich hin, minimale emotionale Ausbrüche nimmt man im Zuge dieser bildlichen Ödnis gar nicht mehr als solche wahr. Wäre an sich ja noch auszuhalten gewesen, wenn die Familie nicht derart unsympathisch geraten wäre und Haneke mit permanenten Nahaufnahmen von alltäglichen Gegenständen der Wohnung und unmöglichen Schnitten den Zuschauer nicht komplett entnervt hätte. Es gibt gefühlt 100 schwarze Bildschirmsequenzen zu viel und das am Ende nur wenig Mitleid für die Dahingeschiedenen aufkommt, versteht sich nach diesem Film komischerweise von selbst. Selbst die Zerstörungsorgie in den letzten 20 Minuten hat nichts, was einen irgendwie packen würde, denn auch hier verwehrt es einem die indiskutable Kameraführung fast komplett, irgendwie Anteil nehmen zu können. Am Ende bleibt tatsächlich nur der eigentlich hoch brisante Plot und ein paar Szenen in den letzten 20 Minuten, die diesen Film knapp an einem Totalausfall vorbeischrammen lassen. Die Definition von “Zäh”. Leider.

3,5/10

Kidnapped (2010)

Ein handelsüblicher Home Invasion Thriller, welcher die Geschichte einer Familie erzählt, die kurz nach dem Umzug ins neue Heim von 3 maskierten Tätern überfallen und festgehalten wird.
Kidnapped ist an sich ein spannender Streifen, der allerdings keinerlei Besonderheiten zu bieten hat, außer seiner (vor allem gegen Ende hin) expliziten und ausschweifenden Gewaltdarstellung. Während die erste Hälfte mit den üblichen Handlungssträngen und Dialogen aufwartet, die ein solcher Film wohl standardmäßig besitzt (es wird viel rumgeschrien, gedroht, beschwichtigt, gewimmert, einer der Täter ist der grobe Schläger, ein anderer der feinfühlige Charaker,…), geht es in Hälfte zwei derart kompromisslos zur Sache, dass man als Zuschauer fast schon zu radikal aus dem Geschehen gerissen wird. Eine Szene ließ sogar deutliche Parallelen zu Irreversible durchschimmern. An sich wäre das kein Problem, wenn Regisseur Vivas etwas erzählt hätte, was man in dieser Art und Weise nicht schon 100 Mal gesehen hat. So bleibt am Ende nur die Härte und das bitterböse Finale im Gedächtnis haften.

6/10


#1349

Nach DER GARTEN DER FINZI-CONTINIS ist Fahrraddiebe der zweite Film von Vittorio De Sica, den ich sah. Ein Klassiker des Neorealismus aus dem Jahre 1948, von dem es heißt man sollte ihn mal gesehen haben.
Hat mir gefallen. Jedoch nicht im Besonderen als Vertreter irgendeiner, wenn auch Weg weisenden oder sich von Hollywood abgrenzenden Stilrichtung, dem sogenannten Neorealismus, sondern einfach als eine flüssig erzählte, unterhaltsame wie rührende Geschichte mit dem Fokus auf ihre Figuren, wozu besonders die Kamera mit ihren vielen Nahaufnahmen beiträgt.
Im Rom der Nachkriegszeit sucht ein Mann mit seinem kleinem Sohn nach seinem Fahrrad, das ihm gestohlen wurde und welches er zwingend für seine Arbeit als Plakatkleber benötigt.
Die Musik wurde mir irgendwann zu aufdringlich quietschig und sentimentalisiert dann doch mehr als nötig.
Der Film wurde als kommunistisch bezeichnet. In den USA erhielt er 1949 trotzdem den Oscar für den besten fremdsprachlichen Film.

Der Nachtmahr von diesem kleinen Psycho-Horror-Creature Drama wurde ich richtig überrascht. Laut, mit Rave Musik und Strobo Blitzen, irritierend bis verstörend. Manchmal lustig durch seine Dialoge. Man hatte gewarnt, der Film könne epileptische Anfälle begünstigen. Es war in der Tat das erste Mal, das ich das Stroboskop flackernde Licht als sehr unangenehm empfunden habe. Ein Unikat. Mindfuck aus Deutschland von Regisseur Achim Bornhak.


#1350

Natürlich: Diese hölzernen Darsteller. Diese schreckliche Kleidung. Dieses Stückwerk an Handlung. Diese dämliche Katzen- und Rattenszene. Dieser finale Mummenschanz.

Aber: Diese Bilder. Diese Szenen. Diese Farben. Diese Klänge.

Dario Argento ist mit seinem SUSPIRIA Nachfolgefilm ein traumhaft unwirkliches Horrormärchen gelungen, untermalt von den nervös treibenden, dann wieder bedrohlich trippelnden Klavierklängen Keith Emersons, in knalligen Primärfarben künstlerisch künstlich ausgeleuchtet und mit atmosphärisch aufgeladenen Set Pieces, die zwar nicht ganz die Brillanz des Vorgängers erreichen, aber durchaus in derselben Tradition stehen. Argento in Reinform, auf der Höhe seiner Kunst. Da verzeiht man gerne den einen oder anderen Ausrutscher – ein Traum ist ja auch nicht stringent.

Wiedergesehen auf der UK-BluRay von Arrow.


#1351

Fegefeuer

Nicht zuletzt gesehener Film, aber der zuletzt gesehene Film, der mich zutiefst beeindruckt hat. Ein estländisches Drama über mehrere Generationen, dass in seiner Intensität seines gleichen sucht.


#1352

Der ist SO grandios, hab ich mir letzte Woche bis nachts um 1:30 Uhr gegeben, weil er im TV lief. und ich den noch nicht kannte. Garnicht meine Zeit, sonst schlaf ich bereits gegen 23 Uhr ein, aber dieser Hammerfilm hielt mich wach. Uneingeschränkte Empfehlung, von mir 10/10 Punkte für ein Meisterwerk dessen 2 1/2 Stunden sich anfühlen wie kurze 90 Minuten. Thrillerspannung pur, dabei viele interessante Ideen und Twists in eiskaltem, cool gefilmten Setting. Der perfekte Herbstfilm.
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#1353

Hab den direkt '85 gesehen als er rauskam und seitdem mindestens noch 10 x. Für mich der Zenit am Himmel des Meisterregisseurs Terry Gilliam, brilliant, ein filmisches Feuerwerk skurriler Ideen und imposanter Einfälle, dabei als Parabel zu Orwells “1984” gedacht und in diesem Sinne trotz all dem schwarzen Humor ultraböse in Szene gesetzt. Einer meiner all-time most-favourite Moviedarlings. Lustig, skurril, opulent und verstörend. So muss Gilliam.


#1354

EXAM - Tödliche Prüfung (2009)

In Anlehnung an Filme die in abgegrenzten Feldern Gruppen von Menschen an den Rand ihrer Belastbarkeit bringen, so wie z.B. “Cube”, “Circle” , “The Human Race”, usw… , werden wir hier zusammen mit 8 Personen in einen Raum eingespert und schauen gespannt dabei zu, wie die sehr unterschiedlichen Charaktere versuchen, eine scheinbar simple Aufgabe zu lösen… Klaustrophobisch, genial, mysteriös, böse. Ein Kammerspiel genau nach meinem Geschmack, wunderbar minimalistisch zum miträtseln und -zittern. Nicht so hart wie die vormals genannten Filme, aber extrem spannend, intelligent und unterhaltsam.Hätte absolut perfekt auf das FFF gepasst.


#1355

Dann wäre vielleicht auch der Film the killing room was für dich, der vor längerem auf dem fff lief.


#1356

War ich auch dabei. Und mir ging es genauso. Wollte eigentlich nur mal rein schauen. Hab’s dann auch nicht fertig gebracht abzubrechen. Super Film. Von mir knappe 8,5/10.

Im Programmkino lief kürzlich The Day The Earth Stood Still aus dem Jahre 1951 von Robert Wise. Wesentlich besser als das Remake von 2008. Leider wurde eine 16mm Kopie gezeigt mit Schwächen in der Schärfe. Hier kennt ihn wohl so gut wie jeder.
Mir gefiel die nüchterne Erzählweise und wie er die Landung eines Außerirdischen und die Reaktionen darauf mit seiner Kritik an der Menschheit, den Umgang und die Kommunikation der Völker untereinander verbindet. Sehr schön auch das formlose Design des Raumschiffs und die heute eher ungewöhnliche Darstellung eines Roboters als dem Diener des Friedens, dessen zerstörerische Kräfte den Menschen stets verschonen. Bin neugierig geworden auf weitere Filme von Robert Wise und habe mir daher zu Hause endlich mal Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All angesehen, der hier schon eine Weile wartete. Ich fand ihn große Klasse. Die Formensprache, die in The Day the Earth stood still nur angedeutet wurde, setzt er konsequent fort. Dem Inhalt angemessen reduziert und steril. Schönheit findet er in Reinheit, klaren Linien, wohl durchdachten Design Elementen. Die Arbeit mit Farben gefiel mir und auch. Wieder diese ruhige sachlich-nüchterne Vorgehensweise. Step by Step entwickelt sich die Story und was anfangs evtl. etwas zu konstruiert wirkt, entfaltet Spannung, passt zum wissenschaftlichen Sujet des Films und offenbart letztlich großes Vertrauen in den eigenen Inszenierungsstil.
Super, wenn man solche Sci-fi Perlen noch für sich entdeckt. Wer das Thema Mikro Bedrohung mag und sich mit einem abruptem Ende abfinden kann, dürfte Gefallen daran finden. 8,5/10

Edit

Kürzlich sah ich Antonioni’s L’Avventura von 1959, deutscher Titel Die mit der Liebe spielen.

Schöner Film mit einigen monumentalen Bildern, dessen Sichtung im Kino ein großer Bonus ist. Lief in einer gut erhaltenen 35mm Kopie in der dt. synchronisierten Fassung, wie er damals in den dt. Kinos zu sehen war mit einer Länge von 101 Minuten. Der Film lief jedoch in Cannes mit einer Länge von 145 Minuten. Jetzt bin ich natürlich neugierig. Gut 40 Minuten können einen großen Unterschied ausmachen auch wenn ich bezweifle, das der Film dadurch atmosphärisch einen anderen Charakter hat. Irgendwo las ich sogar von einer ursprünglich 170 Minuten Version. Daher meine Frage: Kann das jemand bestätigen? Gab oder gibt es tatsächlich drei Versionen solch unterschiedlicher Länge?


#1357

Sleepers
Bisher nie gesehen, aber der Film ist wirklich sehr spannend und bewegend. Und was für eine Masse an Stars auf einem Haufen, da macht alleine deshalb schon das Zusehen Spaß.

Stephen King’s Katzenauge
Hier wiederum war ich nicht ganz überzeugt… eine merkwürdige Mischung aus Horror und völlig groteskem Humor. Oft an der Schwelle zum Trash, was die aus heutiger Sicht albernen Effekte noch unterstützen. Aber irgendwie hat dieser Episodenfilm dann doch Charme, und jede der Geschichten hat ihre Momente. Obwohl es eine der (vielen) schwachen King-Verfilmungen ist, lohnt sie sich wegen einiger kurioser Szenen (die Party! der Endkampf!).


#1358

Oh, das war einer meiner allerersten Horrorfilme. Ich mag den sehr.

Ferien in der Hölle
Da hat Arte mal wieder einen rausgehauen. Dafür liebe ich den Sender. Richtig schöner, dreckiger “Aussie flick” mit Donald Pleasence. Was war der eigentlich für ein talentierter Schauspieler - unglaublich!


#1359

Mr. Nobody (DC)

Was ist da schief gelaufen? Dieser Film kommt anscheinend richtig gut an (7,9 bei der IMDb), aber weder ich noch meine Freunde hatten bisher von ihm gehört. Obwohl er genau in das Genre fällt, von dem mich eigentlich alles interessiert. Paralleluniversen, Zeitreisen, solche Geschichten… verpackt in einen emotionalen, visuell kreativen Film mit guten Darstellern. Lief der überhaupt im Kino? War Jared Leto 2009 noch zu unbekannt? Oder liegt es einfach an mir, dass ich ihn immer übersehen habe? Wie auch immer, ich kann Mr. Nobody empfehlen. Von der Richtung her erinnert er ein wenig an Donnie Darko, Butterfly Effect oder Benjamin Button, wobei ich letzteren recht schwach fand. Aber auch hier wird eine Lebensgeschichte von einem alten Mann erzählt, für den die Zeit ein bisschen anders abläuft als für Normalsterbliche. Mehr will ich nicht vorwegnehmen, aber mir hat’s gefallen. Und ich muss sagen: Ich bin überrascht, dass mich Diane Kruger auf einmal gar nicht mehr nervt, sobald sie sich nicht selber synchronisiert :wink: (Mr. Nobody habe ich im O-Ton gesehen)

Das wäre ein guter FFF Film gewesen. Anscheinend hat ja kein Verleih richtig was aus ihm gemacht.


#1360

Kann noch ein weiteres Filmfest zu meiner langen Liste hinzufügen, das Filmfest Cottbus, Filme aus Osteuropa. Am Samstag um 17 Uhr habe ich erfahren dass um 23 Uhr “Socialist Zombie Massacre” aus der Slowakei läuft. 2 Stunden später sass ich in der Bahn. Regisseur und Produzent waren anwesend, ein Mordsspass, erinnert an die alten Ittenbach Werke kombiniert mit den japanischen Trash Gore Filmen also Midnight Madness in Reinform. War auch sehr gut besucht. Mädels in knappen Schuluniformen die mit Kettensäge, Axt und Hammer Zombies zerstückeln. Wurde bereits Anfang 2006 gedreht als Freizeitspass, nach ein paar Jahren haben sie eine Pause eingelegt um dann am Ende den Film endlich mit nur ein paar Leuten fertig zu stellen. Der Film ist noch gar nicht so weit herumgekommen in der Welt, ein echter Geheimtip also. Wäre auch was für mein Obscura Filmfest.
Film, Q&A und alles war um 1 Uhr zu Ende, der Zug fuhr aber erst um 3:57 aus Cottbus weg. Hielt zum Glück danach in Kolkwitz und Kunersdorf 10 Minuten später, hab also die Zeit genutzt und bin die 11km in 2:30 Stunden nach Kunersdorf hingelaufen bei teilweiser Dunkelheit, ohne Fußgängerweg und mitten in der Pampa. In diesen Gegenden ist die Zeit noch stehengeblieben. Zugticket war dadurch 1 Euro billiger. 6 Uhr heute morgen war ich im Bett.




#1361

Rashomon - Der Wald der Versuchung von Akira Kurosawa aus dem Jahr 1950.
Guter Film aber für mich nicht das Meisterwerk, das ich auf Grund seines Klassiker Status erwartet habe. Er hat interessante Zutaten: Die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln, das zum Teil ans japanische Theater erinnernde Schauspiel, Weglassen von Story Elementen (wie der nicht sichtbare Richter oder Gerichtssaal bei den Verhandlungen) sowie eine gewisse Dynamik in Kamera und Schauspiel, die ich nicht unbedingt erwartet hatte. Nicht erwartet hatte ich allerdings ebenfalls den real-konkreten Grundcharakter. Ich hatte mir den irgendwie mysthischer, geheimnisvoller, rätselhafter vorgestellt und gewünscht. War vielleicht einfach neben den hohen Erwartungen nicht so ganz mein Fall. Gezeigt wurde eine DCP OmU in guter Qualität. Knappe 7 Pkt.

Ganz anders dagegen der im Westen glaube ich weniger bekannte japanische Film Ugetsu - Erzählungen unter dem Regenmond von Kenji Mizoguchi, 1953.
Gefiel mir wesentlich besser als RASHOMON, auch wenn er mir zum Teil etwas zu theatralisch und an manchen Stellen leicht albern war.
Weiche, malerische Bilder, von denen ich mir eine Hand voll gerne ausgedruckt hätte, erzählen von Krieg, Romanze und Tod. Eine große Stärke ist die Musik; Percussion in verschiedenen Variationen. Verzerrungen, Soundfetzen u.a. Der Charakter des Films wird im Verlauf meditativ, in den stärksten Momenten sogar soghaft.
Es wurde eine optimierte Fassung (DCP) gezeigt - so stand es im Vorspann, was immer das heißt. Ich hatte jedoch den Eindruck da war noch Luft nach oben. Gerade zu Beginn wirkte er ein wenig überbelichtet. Kann aber auch gewollt, also der Style gewesen sein, den tendenziell waren die Bilder weicher. Knappe 8 Pkt.


#1362

Also nach einem Zombie Massaker Film mitten in der Nacht durch die Pampa zu laufen, wäre definitiv nix für mich. Da reicht es mir schon, relativ alleine mit Maus am U-Bahnhof auf die letzte U-Bahn zu warten.