Long Weekend

Ich habe gestern das „Long Weekend“ in der Originalfassung von 1978 gesehen und ihn, soweit ich das in Erinnnerung hatte, mit dem Remake verglichen. Ein solcher Vergleich spoilert naturgemäß, wer also noch keine der beiden Fassungen kennt, sollte hier abbrechen. Ich habe vielleicht auch das Remake etwas falsch in Erinnerung, wenn ich daher also Unterschiede aufzeige, die keine sind, dann korrigiert mich einfach.

Vorweg, das Remake ist über weite Passagen eine 1:1-Kopie des Originals, die Szenenfolge ist bishin zum Dialog nahezu identisch. Selbst Einstellungen wie der Blick durchs Zielfernrohr zu Beginn auf die Frau sind aus dem Original übernommen. Die Unterschiede in der ersten Stunde sind, wenn überhaupt, marignal und erschöpfen sich darin, dass sich der Mann die Flaschen nicht direkt in der Kneipe kauft, sondern sie an einem Automaten an der Kneipe zieht oder dass die anderen Camper nicht auf der rechten Seite des Strandes rasten, sondern auf der linken.

Der erste wirkliche Unterschied fängt mit dem Adlerangriff an. Im Remake zerschmettert die Frau das Adlerei, daraufhin greift der Adler den Mann an. Im Original ist es genau umgekehrt, hier zerschmettert die Frau NACH dem Angriff das Adlerei (als ob sie damit einen Fluch vertreiben will), der Angriff kommt daher etwas überraschender und scheinbar unmotivierter.

In der Nacht, nachdem er auf der Gitarre etwas rumgeklimpert hat, fängt er im Orignal noch einen Kleinkrieg mit einem Nagetier an und wird von ihm gebissen Ich kann mich im Remake an keine solche Szene erinnern, habe es aber vielleicht auch vergessen.

Im Remake findet der Mann zuerst das tote, ertrunkene Mädchen und danach eine bereits verweste Leiche in einem Zelt. Im Original sieht dagegen die Frau das Auto im Meer, der Mann findet im Zelt einen recht agressiven Hund, aber keine Leiche. Es wird nicht klar, was aus den anderen Campern geworden ist, aber dass es welche gab, wird durch die Campingausrüstung, die der Mann findet, deutlich

Die Flucht der Frau mit dem Jeep endet in einem Spinnnennetz. Im Remake bleibt sie, soweit ich das weiß, einfach stehen, weil sie die Orientierung verloren hat. Im Original knallen zudem zuvor ständig Vögel gegen die Windschutzscheibe.

Die Frau endet schließlich mit einem Harpunenpfeil im Hals. Wie der dorthin gekommen ist, wird im Remake nicht klar, denn da ballert der Mann zwar mit seiner Knarre in die Dunkelheit, aber die Harpune nutzt er nicht. Im Original schießt er zunächst das Magazin leer (mit dem Erfolg, dass – wie im Remake – ihr Schuh vom Himmel fällt, wie immer das jetzt zu erklären ist)., lädt dann die Harpune und schießt auf das erste Geräusch, das er hört.

Auf die Seekuh schießt der Mann im Original zweimal. Einmal im Wasser, welches sich daraufhin blutrot färbt, und dann noch einmal in der Nacht, als die Seekuh schon deutlich näher gekommen ist, woraufhin sie erneut blutet Zuletzt, als sie beim Zelt ist, übergiesst er sie mit Benzin und zündet sie an. Soweit ich das in Erinnerung habe, belässt der Mann es im Remake beim Schuss ins Wasser.

Da er ein Teil des Benzins benutzt hat, um die Seekuh zu verbrennen, hat er im Original konsequenterweise auch weniger Benzin zur Verfügung. Daher bleibt seine Flucht mit dem Jeep aufgrund von Benzinmangel ohne Erfolg. Im Remake knallt er gegen einen Baum (oder war das das Schicksal der Frau?).

Der Truck, der den Mann schlußendlich überfährt, ist im Original konsequenterweise ein Viehtransporter, im Remake wird das nicht deutlich.

Das Original scheint mir insgesamt etwas logischer und stringenter zu sein. Einige Fragen, die das Remake aufwirft, werden beantwortet bzw. erst gar nicht gestellt, wie etwa die Ungereimtheit, wie die Frau denn im Kreis gefahren sein kann, wenn das Auto zum Schluß in umgekehrter Fahrtrichtung steht (und sie demnach eher gewendet hat, was ihr aber doch hätte auffallen müssen). Das Remake ist etwas mystischer, dafür wird im Original die Konfrontation mit der Natur deutlicher.

Die Optik und die Musik des Orignals sind – passend zu seiner Entstehung - deutlich in den 70er verankert. Das Original ist deutlich heller und farbenfroher inszeniert, die Musik ist eine Mischung aus einem Streichersoundtrack und einigen elektronischen Passagen, die an Carpenter oder Goblin erinnern. Überhaupt passt der Film einfach besser in den Kontext der 70er Jahre, als man ein Bewusstein für ökologische Probleme erst mal schaffen musste, und darum hat er mir auch besser gefallen als das Remake.

Super, danke!
Mir hat das Remake gut gefallen, ich kenne allerdings das Original nicht und wusste nichts von der Geschichte, was den Filmgenuss natürlich immer etwas erhöht.

Was mir nicht gut gefallen hat und bereits in einer Kritik genannt wurde ist, dass ich die Hysterie der beiden Protagonisten, insbesondere der Frau teils absolut nicht nachvollziehen konnte.
Wobei ich nicht genau weiß wie ich reagieren würde, wenn ich des Nachts im Zelt Babygeheule vernehmen würde. :wink:

Bedrohliche Momente waren die toten “Nachbarn” im See und die Seekuh die plötzlich an der Schlafstelle erscheint, das war echt ein guter emotionaler Effekt!

Am 01.04.2009 11:04 , GeorgeKaplan schrieb:


Die Flucht der Frau mit dem Jeep endet in einem Spinnnennetz. Im Remake bleibt sie, soweit ich das weiß, einfach stehen, weil sie die Orientierung verloren hat. Im Original knallen zudem zuvor ständig Vögel gegen die Windschutzscheibe.

zu geil, das original scheint ja nochmal um ne ecke besser zu sein als das remake, und das fand ich schon richtig klasse.
meiner meinung nach der beste film des diesjährigen fffnights!!!

Am 01.04.2009 11:04 , GeorgeKaplan schrieb:


Der Truck, der den Mann schlußendlich überfährt, ist im Original konsequenterweise ein Viehtransporter, im Remake wird das nicht deutlich.

stimmt, ist nicht ganz eindeutig. ich hatte es zwar gesehn und nach dem film gemeint „das war doch ein viehtransporter, oder!?“, aber wie schon aus meiner frage deutlich wird, war selbst ich mir nich sicher, auch wenn ich drauf geachtet hatte.

editiere: aber geniale szene, dit muss ich noch los werden. das gematsche am schluss war ja wohl mehr als nur verdammt gut inszeniert, oder!? was sagt ihr?

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: zornlamm am 01.04.2009 18:52 ]

Am 01.04.2009 14:30 , lexx schrieb:


Wobei ich nicht genau weiß wie ich reagieren würde, wenn ich des Nachts im Zelt Babygeheule vernehmen würde. :wink:

…und mich würde interessieren, wie das baby reagieren würde, wenn ich einfach mal so spontan mitheulen würde, hehe. :slight_smile:

seit heute weiß ich, dass meine waschmaschine besser funktioniert, wenn ich sie anbrülle, vielleicht regiert in horrorfilmen ja genau die umkehrlogik…oder doch unsre weltliche??? hm, gibts da forschungsarbeiten drüber? :grin:

…ihr stummen fandet „long weekend“ alle scheiße, oder!? :wink:

Am 02.04.2009 18:36 , zornlamm schrieb:

…ihr stummen fandet „long weekend“ alle scheiße, oder!? :wink:

Sagen wir mal so, es gab nur 2 Filme, die ich schlechter fand (Book of Blood und Deadgirl). :grin:

Am 01.04.2009 18:50 , zornlamm schrieb:

aber geniale szene, dit muss ich noch los werden. das gematsche am schluss war ja wohl mehr als nur verdammt gut inszeniert, oder!? was sagt ihr?

Ja, schon nett, aber verdammt gut inszeniert? Es passierte halt was passieren mußte. :laughing:

Soweit ich das verstehe, meinte Zornlamm jetzt erst mal nur, dass der Effekt gut inszeniert ist, nicht zwingend der ganze Film, aúch wenn das nahe liegt.

Am 02.04.2009 20:39 , todi schrieb:

Es passierte halt was passieren mußte. :laughing:


Das alleine ist aber kein KO-Kriterium. Gutes Genrekino kann gänzlich ohne Überraschung auskommen. In vielen Filmen kann man sogar noch genauer vorhersagen, was passiert, und zumindest beim Remake blieben Szenen, bei denen man auch hinterher nicht genau erklären kann, was es damit auf sich hat. Aber ob es deswegen gleich der Film der FFFN war? :unamused:

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: GeorgeKaplan am 02.04.2009 23:00 ]

Am 02.04.2009 22:58 , GeorgeKaplan schrieb:

Soweit ich das verstehe, meinte Zornlamm jetzt erst mal nur, dass der Effekt gut inszeniert ist, nicht zwingend der ganze Film, aúch wenn das nahe liegt.

Am 02.04.2009 20:39 , todi schrieb:

Es passierte halt was passieren mußte. :laughing:


Das alleine ist aber kein KO-Kriterium. Gutes Genrekino kann gänzlich ohne Überraschung auskommen. In vielen Filmen kann man sogar noch genauer vorhersagen, was passiert, und zumindest beim Remake blieben Szenen, bei denen man auch hinterher nicht genau erklären kann, was es damit auf sich hat. Aber ob es deswegen gleich der Film der FFFN war? :unamused:

jungs, ich sprach lediglich von der „inszenierung der gore-szene“! :wink:
das gematsche am ende hätte man auch weitaus weniger wundervoll inszenieren können, das is alles.

und ich kann natürlich jeden hier verstehn, der den film scheiße fand, keine frage, hehe.
zumindest in einem punkt stimmen todi und ich aber völlig überein: book of blood und deadgirl fand ich auch schlechter! :grin: :grin: :grin:

editiere:
Am 02.04.2009 22:58 , GeorgeKaplan schrieb:

Aber ob es deswegen gleich der Film der FFFN war? :unamused:

is ja nur meine meinung, dit tolle is ja, dass jeder ein recht auf seine eigene hat, wa!? :wink:

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: zornlamm am 03.04.2009 00:17 ]

Selten so nen dermassen langweiligen Film gesehen ;o) Da rettete auch die zugegebenermassen extrem professionelle Inszenierung nichts mehr.

Ohne das Original gesehen zu haben, kann der nur besser sein g

Am 04.04.2009 10:12 , Sidschei schrieb:

Selten so nen dermassen langweiligen Film gesehen ;o) Da rettete auch die zugegebenermassen extrem professionelle Inszenierung nichts mehr.

Ohne das Original gesehen zu haben, kann der nur besser sein g

ernstgemeinte frage: fandste „die reise ins glück“ unterhaltsam? :grin:

Das kann ich dir nicht sagen, da ich den nicht gesehen habe und damit auch nicht kenne g meinst du, ich sollte den ansehen? ;o)

Am 20.06.2009 09:57 , Sidschei schrieb:

Das kann ich dir nicht sagen, da ich den nicht gesehen habe und damit auch nicht kenne g meinst du, ich sollte den ansehen? ;o)

harhar, keine ahnung.
eigentlich würde ich NIEMANDEM empfehlen, diesen film zu gucken. beim fff damals hab ich mich durch den gesamten film gequält (mein grundsatz lautet: kinofilme nicht vorzeitig abbrechen…für einige male durchhalten hätte ich eigentlich den sitzfleisch-/gedulds-oscar verdient, hehe). habs dann vor kurzem (dachte, vielleicht gefällt er mir ein paar jahre später ja besser) nochmal zuhause versucht und musste nach ca. 3-5 minuten aufgrund von unglaublich bohrender, nervenaufreibender langeweile abbrechen, harhar. is echt unglaublich, dieser film. manche finden ihn wahnsinnig toll, kultig, durchgeknallt und hip…mich langweilt er bodenlos!!!

aber ich bin ja schließlich derjenige, der „long weekend“ genial findet, also glaub mir besser gar nix und nimm keine filmtips oder filmwarnungen von mir entgegen, hehe. :grin:

editiere: worauf ich eigentlich hinaus will, ist die frage, ob du „die reise ins glück“, das „langeweile-meisterwerk“ schlechthin laut meines geschmacks, unterhaltsam oder kurzweilig oder gar gut findest, wenn du „long weekend“, ein meisterwerk an spannung, mehrschichtigkeit und eindringlichkeit, ebenfalls laut meines geschmacks, so langweilig findest wie ich ersteres! dit is alles, wenn auch irgendwie n bissl kompliziert formuliert! :wink:

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: zornlamm am 23.06.2009 19:47 ]

Also ich kannte das Original von “Long weekend” nicht und fand das Remake sehr unterhaltsam.

Drum kann ich eines zumindest festhalten: Wenn man das Original nicht kennt, kann man sich “Long weekend” auf jeden Fall ansehen.

Ok, ich habe mir nicht mal die Inhaltsangabe von “Long weekend” durchgelesen, lasse mich da gerne völlig überraschen. Diese Vorgehensweise kann ich nur jedem empfehlen!
Heutzutage wird einfach zu viel über die Filme im voraus erzählt. Es gibt doch kaum etwas schöneres, als in einen Film reinzugehen und man hat überhaupt keinen Schimmer, was einen erwartet.

Ich finde die FFF-Nights sind da perfekt, da die Qualität der Filme häufig sehr hoch ist und die Dauerkarte für zwei Tage absolut annehmbar.

@zornlamm: Allein deswegen interessiert mich der Film nun schon lol Sobald ich den mal gesichtet hab, geb ich bescheid ;o)

Am 29.06.2009 10:22 , Sidschei schrieb:

@zornlamm: Allein deswegen interessiert mich der Film nun schon lol Sobald ich den mal gesichtet hab, geb ich bescheid ;o)

harhar, klasse, ja, tu das bitte!!! :grin:

Ganz interessantes Interview mit dem Regisseur, in dem auch auf Long Weekend eingegangen wird:

http://www.schnitt.de/233,1085,01

Jetzt musste ich doch glatt mal recherchieren, da ich bei den FFFNights nicht zugegen war und bislang weder Original noch Fälschung kannte. Ah - guck an: das Original ist also bei Marketing Film erschienen? Na, das bürgt schon mal uneingeschränkt für Qualität! Da macht ja allein schon das Cover Lust auf mehr (typische 79er Bahnhofskino-Optik mit Schmuddel-Appeal, großartig) …

Am 28.07.2009 12:28 , MaxSchreck schrieb:

Jetzt musste ich doch glatt mal recherchieren, da ich bei den FFFNights nicht zugegen war und bislang weder Original noch Fälschung kannte. Ah - guck an: das Original ist also bei Marketing Film erschienen? Na, das bürgt schon mal uneingeschränkt für Qualität! Da macht ja allein schon das Cover Lust auf mehr (typische 79er Bahnhofskino-Optik mit Schmuddel-Appeal, großartig) …

schreib hier oder mir dann bitte unbedingt, was du von dem film bzw. beiden filmen hältst, ok!?

editiere: achja, und was hältst du eigentlich von der „reise ins glück“, sofern du sie denn schonmal unternommen hast? :wink:

cinemaniax: vielen dank! :slight_smile:

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: zornlamm am 08.08.2009 05:31 ]