Hallo!
Vor einiger Zeit habe ich den Film Martyrs gesehen, der von Pascal Laugiers im Mai 2008 auf dem Cannes Filmfestival uraufgeführt wurde.
Nun möchte ich mich gerne mit denjenigen von Euch austauschen, die den Film kennen.
Ich erkenne in der Handlung erschreckende Parallelen zur Gegenwart.Auch heutzutage werden Menschen ungefragt zu Forschungszwecken mißbraucht.Ich denke da z.B. an die embryonale Stammzellforschung.
Außerdem finde ich es bemerkenswert, dass die Wissenschaftler im Film sich nicht selber zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt haben… (Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg’auch keinem andren zu!).
Was meint Ihr dazu?
Ich bin gespannt auf Eure Antworten!
Sinfonietta

Martyrs ist ein Brett von einem Film und ein Film, der die Geschmäcker spaltet, entweder man mag ihn, oder man mag ihn nicht - irgendwas dazwischen habe ich noch nicht gesehen
Ich gehöre zum Glück zu den Mögern, allerdings ist das Verlangen zu einer Zweitsichtung noch relativ gering, auch wenn die BD rumsteht…
Nur verstehe ich deine Analyse nicht so ganz und sehe auch nicht genau den Zusammenhang zu realen Forschern und der Stammzellenforschung, kannst du das noch etwas mehr ausführen? (und dabei bitte berücksichtigen, dass nach Punkt und Komma ein Leerzeichen kommt, weil es besser lesbar ist? Danke!)
Achtung Spoiler!!!
Hallo Roughale,
Mir gefällt Martyrs auch gut, weil der Film mich zum Nachdenken anregt. Insbesondere fünf Fragen beschäftigen mich sehr:
1.) Was kommt nach dem Tod ?
2.) Erschiesst sich die Forschungsleiterin aus Verzweiflung darüber, dass mit dem Tod alles aus ist, oder möchte sie sofort hinübergehen in das Jenseits?
3.) Die Protagonistin wird ungefragt zu Forschungszwecken benutzt.Dass Menschen von anderen mißbraucht werden, gab und gibt es in der Geschichte der Menschheit leider immer wieder. Welche Beispiele dafür fallen mir in der heutigen Zeit ein?
4.) Ist die Protagonistin wirklich eine Märtyrerin oder nicht? Was zeichnet einen Märtyrer aus?
5.) Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin wird die Protagonistin über das Vorhaben des Projektes und ihre Rolle darin aufgeklärt.Erleichtert ihr diese Information das Ertragen der Folter oder nicht oder hat das keine Auswirkungen auf ihre Qualen?
Viele Grüße
Sinfonietta
Ja, die Fragen kann ich nachvollziehen und genau deswegen rechne ich Martyrs zu den besonderen Filmen, denn Filme, die solch Fragen aufstellen, mag ich (allerdings hört es bei mir auf, wenn gezielt durch verwirrendes Erzählen Fragen aufkommen - zB bei David Lynch). Und ich denke auch, dass es wenig bringt, wenn man versucht eine Standardantwort auf diese Fragen zu finden, denn dann geht die persönliche Wirkung weg und ich mag es allgemein auch, wenn nicht alles beantwortet wird - aber ob dir das hilft… 
Die Experimente an Menschen für Forschungszwecke würde ich in diesem Film nicht als Schwerpunkt sehen. Denn es ist ja (wenn ich mich nicht falsch erinnere, ansonsten bitte berichtigen
) nur eine Art Geheimbund, der im Untergrund agiert. Also eher vergleichbar mit einer verrückten Sekte als mit staatlich geförderter Forschung. Und das, was sie tun, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Selbst am Ende kann es einfach sein, dass Anna sie anlügt, als letzte Rache für ihre Qualen. Sie sagt ihnen vielleicht das, was sie am wenigsten hören wollen.
Also wenn, dann sehe ich den Film eher als Kritik an Religion als an der Wissenschaft. Diese Menschen sind so fanatisch, dass sie um alles in der Welt wissen wollen, was sie nach dem Tod erwartet. Sie gehen davon aus, dass dort etwas sein muss - was aus wissenschaftlicher Siche ja die unwahrscheinlichste Variante ist. Und obwohl sie mit Experimenten arbeiten, ist ihr irrationaler Glaube das, was erst zu dem ganzen Leid führt.
Ich gehöre übrigens zu denen, die den Film nicht sonderlich tiefgründig fanden. Allerdings auch nicht schlecht. Nur würde ich in die Folterszenen ehrlich gesagt nicht zu viel hineininterpretieren, weil Folterfilme zu der Zeit einfach in waren
. Marytrs hatte gute Ideen, aber insgesamt fand ich die erste Hälfte sogar stärker als die zweite, und sie hat mich mehr berührt. Später bin ich trotz der brutalen Szenen irgendwann abgestumpft, weil sie nur aneinandergereiht wurden.
[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: Zwerg-im-Bikini am 14.09.2015 12:08 ]