Nierenfilme oder: Wann ist endlich Schluss?

Hattest du damals auf dem Japan Filmfest auch The Eye’s Dream von Hisayasu Sato gesehen? Das war schon ziemlich krass. Stimmt, Augen Szenen sind eine taffe Herausforderung. Gibt auch einen Argento wo das schwer zu ertragen war meine ich mich zu erinnern.

Wir haben eben auf Amazon Prime noch mal (SIE zum ERSTEN mal) das dänische Original von “Speak No Evil” gesehen. Der muss in meine “schlimmste Filme aller Zeiten” Liste unbedingt rein. Ob auf Platz 1 oder nicht.. unwichtig. Was für ein krasses Stück Filmgeschichte. Freundin ist traumatisiert und ich gestehe das auch bei der Zweitsichtung auf “deutsch” der Film hart nachwirkt.

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Aber wenn wir hier schon beim Thema sind. Das allerkrasseste was ich JEMALS gesehen habe war der (japanische?) Film “Grotesque”, wo ein Irrer einem Pärchen nach und nach alles mögliche abschneidet. Kennt den jemand von Euch ? Das war für mich irgendwie das Ende der Fahnenstange. Dicht gefolgt von diesem Folterporno (auch Japan) wo sie Experimente mit Menschen machen. Ich erspare uns Details. Da hab ich sogar abgeschaltet. Aber es gibt ganz bestimmt auch für sowas eine Zielgruppe.

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Joa, den hab’ ich, glaube ich, damals auf dem JapanFilmFest Hamburg gesehen, IIRC. War das nicht der, wo er einer von den Beiden (ich glaube, es war der Typ, weiss aber nicht mehr genau) am Schluss noch das Gedärm rausgezogen hat? Weiss nicht, ich fand den damals gar nicht so schlimm, und habe während der Kinovorführung sogar ein paarmal laut lachen müssen, ob der völlig überzogenen over the top-Absurdität des Gezeigten. Ist halt total kaputt-kranker Japano-Scheiss, wie er auch nur von dort kommen kann. Ich glaube, da würden mir andere Sachen dann doch weitaus mehr an die Nieren gehen, wenn da der ganze Kontext ein anderer ist. Den jedenfalls fand ich einfach nur so banane irre, dass ich ihn rein gar nicht ernstnehmen konnte.

Edit-To-Add: Ach so, weil der thread hier ja mit Pasolinis „Salò“ begonnen hat: Den habe ich - ungelogen - wirklich über Jahre und Jahre vor mir hergeschoben, weil ich mich vorab erstmal schlau gemacht hatte, was da so Alles passiert, und gezeigt wird, und hatte echt Bammel, dass ich den nicht ohne langfristigen seelischen Schaden zu nehmen, überstehen würde. Hatte ihn dann Ende letzten Oktober, nachdem ich mittags bereits in der Kino-Vorstellung von Fatih Akins „Gegen die Wand“ war, und direkt danach dann noch in einem anderen Kino „Haltlos“ mit Lilith Stangenberg gesehen hatte, mir spätabends / nachts dann daheim noch angeschaut. Und hatte eigentlich dann auch vorgehabt, im Rahmen meiner eigenen kleinen Film- und Textreihe „Extremes in Cinema“, mit grenzüberschreitenden Filmen der 1970er und -80er, hier im Forum was darüber zu schreiben… Aber: Der Film hat mich, trotz und auch im Angesicht all der in ihm gezeigten Grausamkeiten, nicht nur seltsam ungerührt gelassen, sondern nach dem Filmende auch reichlich ratlos zurückgelassen. Ich kann zwar verstehen, was Pasolini damit bezwecken wollte, und hatte zuvor ja auch so ziemlich Alles, was Marcus Stigglegger dazu geschrieben hatte, gelesen - dennoch hat der Streifen für mich absolut gar nicht funktioniert, und fand ich den, für meinen eigenen filmischen Werdegang, beinahe schon erschreckend unbedeutend, und nichtssagend. So ein typischer Fall von: „Und wenn alle Anderen in diesem Film noch sehr ein absolutes Meisterwerk sehen (was ich, interessanterweise, in Ansätzen auch tue, nur ändert das schlussendlich dann ja leider gar nichts an dem Umstand, dass die Intention des Films bei mir nicht fruchten wollte), für mich persönlich war der leider nix.“ Irrer fun fact am Rande: Das Filmende von „Salò“ fiel dann witziger Weise quasi auf die Sekunde genau mit dem Beginn des Live-Streams des in jener Nacht aus den U.S.A. (von Fans direkt aus dem Stadion per Smartphone) übertragenen „The Eras Tour“-Taylor Swift-Konzerts zusammen… Ich habe also von hier auf jetzt von grausam-sadistischer Menschenquälerei im progressiv-sozialkritischen italienischen Mittsiebziger-Film auf Mainstream-Pop-Massenevent umswitchen müssen. :wink: :laughing:

Ein Film, den ich nur schwer ertragen konnte, und während dessen Erstsichtung ich mich heftig besaufen musste, um ihn überhaupt durchstehen zu können, war - vor knapp zehn Jahren - meine Erstsichtung von „Cannibal Holocaust“. Und zwar ausdrücklich nicht der Tier-Snuff-Szenen wegen. Sondern mehr so aufgrund dieser sleazig-schäbigen Inszenierung, und der räudig-exploitationhaft abgefilmten shabbyness des ganzen Leinwandgeschehens. Musste da zwischendrin auch immer mal für einen kurzen Moment die BluRay anhalten, und fünf Minuten oder so pausieren, bevor ich dann weitermachen konnte. Ein heftig-schwer im Magen liegender Film, dessen bittere Konsequenz und böse Kritik an medialer Darstellung / Herstellung, und schonungslose Offenlegung des Konsums und des eigenen Ergötzens am Leiden Anderer mich mit einem irgendwie dreckig-besudelten Gefühl vor dem Fernseher zurückliessen, und nach der Sichtung in mir den drängenden Wunsch erweckten, jetzt am Liebsten auf der Stelle duschen, und diesen ganzen gesehenen Dreck und Schmutz damit einfach abwaschen zu können.

Dreck und Schmutz ist Deodatos Werk definitiv nicht. Ich kann aber durchaus nachvollziehen, dass man den Film auf gewisser Ebene nicht mag, auch wegen dem Tiersnuff. Natürlich sind einige Szenen extrem brutal und verstörend, neben dem Tiersnuff, der in dem Film ebenfalls enthalten ist, wobei nach Aussagen einiger der am Film Mitwirkenden die toten Tiere wie. z.B. die getötete Schildkröte später am Set verspeist wurden. Der im Film teilweise enthaltende pseudodokumentarische Stil trägt zur Verstärkung bzw. Intensität des Films auf den Zuschauer bei. Man kann „Cannibal Holocaust“ teilweise als Vorreiter des Found Footage Genres betrachten. Trotzdem bin ich generell gegen Tiersnuff im Film. Klammern wir das mal aus, ist in meinen Augen mit „Cannibal Holocaust“ einer der besten Exploitation Filme aller Zeiten mit einer durchdachten Handlung und gewisser Charakterentwicklung entstanden. Im Zusammenhang mit „Cannibal Holocaust“ gab es auch einen Gerichtsprozess in Italien. Der Film sorgte bei seiner Erstveröffentlichung für erhebliches Aufsehen vor allem wegen seiner extremen Gewaltdarstellungen. Deodato wurde 1980 in Italien von der der Polizei festgenommen, weil man ihm vorwarf, die Szenen im Film seien echt und nicht inszeniert. Deodato wurde später freigesprochen, nachdem er nachweisen konnte, dass alle schockierenden Szenen inkl. der Pfählungszene durch Spezialeffekte, Make-up und Inszenierung entstanden waren. „Cannibal Holocaust“ ist sicherlich eines der kontroversesten Filme aller Zeiten, aber aufgrund seiner starken Kritik am Sensationsjournalismus und Medienmanipulation ein eigenständiges Werk für sich und aktueller denn je. Medien nutzen oftmals extreme Inhalte, um Aufmerksamkeit zu erregen, manchmal auf Kosten der Wahrheit. Auch die Kritik an der modernen Voyeurismus Gesellschaft gefällt mir außerordentlich gut. Damals im 813 Kino auf großer Leinwand sichten konnte. Uncut. Der Film geht definitiv an die Nieren und wird die Filmwelt bzw. das Publikum, die Kritiker und einige Cineasten immer noch polarisieren bzw. spalten. Trotzdem ein Meisterwerk, zumindest für mich.

Sagen wir mal so, der Film, der mich von allen Filmen aller Zeiten in der Geschichte des Films am meisten berührt hat, ist nach wie vor das Meisterwerk „The Elephant Man“ von David Lynch. Sein Werk besitzt eine emotionale Tiefe, die man nur selten in Filmen erlebt. Es ist ein zutiefst trauriger aber zugleich auch erhabener Film. Kein anderer Film schafft so eine emotionale Intensität bei mir auszulösen wie dieser Film. Bei der Ersichtung hatte ich fast Tränen in den Augen. Die psychische und physische Gewalt gegen John Merrick geht zeitweise an die Grenze des Erträglichen. Zumindest erging es mir so. „The Elephant Man“ ist ein sehr düsterer, sehr deprimierter Film, ein Film, der sich nicht davor scheut, den Ungerechtigkeiten der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Er zeigt die tiefe Menschlichkeit von John Merrick aber auch eine knallharte, exhibitionistische, herzlose Gesellschaft, die sich über ihn ergötzt und ihn ausbeutet. In den Händen von Lynch wird der Film zu einem eindringlichen, schönen, aber gleichzeitig höchst verstörenden Kunstwerk. Lynchs Werk ist ein emotionales Erlebnis der ganz besonderen Art. Es ist ein Frontalangriff auf die Seele. Die Tatsache, dass der Film auf wahren Begebenheiten basiert, verstärkt den nachhaltigen Eindruck bei mir.