Nippon Connection Filmfestival 9.-14.6.2020

Neben den beiden Anime habe ich mir noch House gegeben, der hat mir gut gefallen! Ich hatte noch etwas mehr Skurillität erwartet, nicht qualitativ, das hat schon gepasst, sondern quantitativ. Das Ganze konzentriert sich doch sehr auf das letzte Viertel. Aber hat sich trotzdem gelohnt, klasse Teil! :stuck_out_tongue:

Ich hätte gerne noch viel mehr gesehen, aber wenn man wegen Homeoffice eigentlich schon die meiste Zeit über zu Hause sitzt, dann hat man wenig Bock das dann noch weiter ausufern zu lassen. Nebenbei habe ich aber einige der Live Events laufen lassen, die waren sehr fein.

Heute will ich mir aber noch Fuku-chan Of Fukufuku-Flats anschauen. Wobei ich gar nicht sicher weiß, ob ich den nicht bereits kenne. Hoffe nicht.

Nächstes Jahr hoffe ich, dass man eine Mixtur aus vor Ort Entertainment und Streaming Sessions findet. Und das man bis dahin, immer Mal wieder vereinzelt Filme und Dokus aus diesem Festival zeigt.

1 Like

Okay, noch ein paar Worte zu SHELL AND JOINT. Ich mag Filme, die mit viel Ruhe und akzenturierter oder redundanter Musik ein meditativ-soghaftes Feeling aufbauen. SHELL AND JOINT war da schon auf dem richtigen Weg. Durch statische Bilder, im Wechsel gezeigte, wiederkehrende Settings und philosophische Gespräche baut sich so etwas wie eine akausale Informationskette auf. Doch so gut dies manchmal mit Hilfe der stimmungsvollen Klavier Akkorde :musical_score: geschieht, so abrupt wird der Zuschauer häufig durch unvorteilhaften Musikeinsatz aus einer sich gerade aufbauenden, meditativen Stimmung herausgerissen. Sounds mit Industrial Klängen, Break Beats, Aphex Twin artige Sounds, oft nur wenige, kurz angespielte Klänge, die hier jedoch einfach nicht passten wie ich finde. Keine leicht konsumierbaren 154 Minuten. Eine 20 minütige Straffung hätte dem Film gut getan. Viele Dialoge und einige Szenen funktionierten auch nicht so gut. Die Bildgestaltung ist zum Teil faszinierend wegen ihrer Sterilität und oft Linien betonter Symmetrie. Ein fast in weiß gehaltener Empfang, der Gang eines dieser japanischen Kapselhotels, ein Labor… Andere Szenarien sind hingegen nicht ganz so clean aber visuell dennoch einfach gehalten, wie eine Sauna, in denen sich verschiedene Menschen unterhalten oder die Fahrt einer Bahn durch eine Landschaft. Die Themen handeln von Evolution und Sex, Geschlechterrollen, Überlebensinstinkte, Verhalten in Extremsituationen usw. Oft wird auch einfach nur philosophiert, sprich allerhand Zeugs gequasselt. Der Film nimmt sich hier Gott sei Dank nicht zu ernst, im Gegenteil findet sich Humor, wenn auch sehr spezieller Natur. Lustig auch am Ende die Szene mit drei Frauen, die zu :champagne: und einem riesigen Teller Hummer die Prototypen ihrer Firma -Vibratoren- begutachten und sich unterhalten.
Hier mal ein Eindruck von der Bildgestaltung, der Trailer ist offenbar nicht mehr verfügbar.

1 Like

Puh, das war knapp! Meinen letzten NC-Film („100 Yen Love“) hab ich vorhin ca. 6 Minuten, bevor die Leihfrist endete, fertig geguckt :sweat_smile: Blegh, ich seh grad, dass ein paar Youtube-Videos der Live-Streams bereits wieder gelöscht/gesperrt wurden, die Säue! Morgen geht das Rennen gegen die Zeit also weiter… xD

Zum Einschlummern schau ich grad noch das Duo Fuga Konzert :heart::

Jetzt auch durch, noch Under the Bed reingezogen, krasses Teil! Fiel mir sichtlich schwer mich in den Stalker hineinzuversetzen. Man denkt sich die ganze nur, ALTER, MACH WAS, TU WAS!!!
Der Film versucht das zwar in gewisser Weise zu begründen, aber wie gesagt, da steckt man - zum Glück - nicht drin.

Zum Abschluss dann mit Fuku-chan Of Fukufuku Flats das krasse Kontrastprogramm, ein absoluter Wohlfühlschinken, quasi um wieder runterzukommen. Und den ich tatsächlich auch schon Mal auf der Nippon Connection gesehen hatte, mich aber nur noch an Fragmente erinnern konnte. Normalerweise sind solche Filme ja komplett chaotisch, dieser hier aber ruht völlig in sich, ist unheimlich liebevoll und gleichzeitig absolut charmant irre, wie es nur die Japaner drauf haben. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, den man sich immer wieder ansehen kann. So ein bisschen Die fabelhafte Welt der Amelie, nur ganz anders, aber mit ähnlich viel Herz und Kreativität :))

1 Like

Wie versprochen noch ein paar Worte zu 100 YEN LOVE. :boxing_glove: Ich fand ihn super. Eine klein budgetierte Produktion, die in der ersten Std. Wenig aufbauende Ereignisse für ihre Protagonisten bereithält, dafür umso mehr durch die Wandlung des Hauptcharakters überrascht. Er ist bei der Nippon als Komödie getaggt. Sicher hat er einige lustige Momente, und weitere Szenen die unterschwellig Humor transportieren, doch das Drehbuch beinhaltet auch ein ziemlich heftiges Ereignis dessen Folgen den Film überschatten. Außerdem zeichnet das Drehbuch nicht unbedingt ein freudiges Bild der Protagonisten. 100 YEN LOVE ist daher eher eine Dramödie, die die Erlebnisse und Umstände ihrer Protagonisten mit viel Charme und einem klasse gewählten Score aus laid back Blues Gitarren Riffs und Rockgitarre unterlegt. Klar, es ist nicht ROCKY oder ONE MILLION DOLLAR BABY aber mit begrenzten Mitteln erzählt der Film seine Geschichte einfühlsam und zeigt, das man herausfordernden, schwierigen Situationen mit Kampfgeist und Humor begegnen kann und Veränderung möglich ist. Eine Indieperle!

1 Like

Komödie? :rofl: Ich fand die erste Stunde trotz humorvoller Momente echt traurig, aber die letzten 40 Minuten waren der Hammer, ein guter Abschluss für eine tolle Nippon Connection! :ok_hand:
Oh man, 12 Filme und ein paar Live-Streams in 7 Tagen, fühle mich immer noch erschöpft. Da waren einige schwere emotionale Geschütze im Programm…
Ausgehend von „After the Sunset“, den ich Dank deiner Empfehlung zum Glück doch noch gesehen hab, denke ich, dass dir Hirokazu Kore-edas Filme ebenfalls gut gefallen werden. Neben „Shoplifters“ (OmU auf Amazon Prime) vermutlich auch „Like Father, Like Son“ (Abschlussfilm der NC 2014), in dem zwei Ehepaare erst Jahre später erfahren, dass ihre Babies kurz nach der Geburt vertauscht wurden :cry: .

Ich grüble wegen „Family Romance, LLC.“ von Werner Herzog nun schon seit Tagen darüber, was mir wichtiger ist: die Echtheit von Situationen/Interaktionen oder die Echtheit der Emotionen, die ich dabei empfinde… (P.S.: Nein, im Film kommen keine Sexbots oder Ähnliches vor :innocent:).

Im Interview erzählt Herzog Interessantes zur Entstehung des Films, an dem eine Mitarbeiterin von Nippon Connection mitgewirkt hat:

Äh, ist das jetzt nicht ein fieser Spoiler?

Steht jedenfalls in jeder Inhaltsangabe zum Film, wahrscheinlich auch auf dem Backcover der DVD. Wenn man das weglässt, darf man eigentlich gar nichts über den Film sagen.

Kann den Film selbst auch empfehlen, hat mir gut gefallen.

2 Like

Ich hab deswegen auch kurz überlegt… Dies ist zum Glück nur der Anfang des Films (steht, wie @lexx geschrieben hat, in allen Kurzbeschreibungen, die ich gelesen habe, z.B. auch auf der NC-Webseite). Der Hauptteil dreht sich darum, wie die Familien mit der Situation umgehen (thematisch überschneidet sich manches mit „After the Sunset“).

1 Like

Habe DANCING MARY letztes Jahr in Sitges gesehen und war, ehrlich gesagt, ziemlich enttäuscht. Ich mag ansonsten eigentlich (fast) alles, was ich von Sabu kenne. Weil es immer eine Ecke wunderschönen cinematographischen Wahnsinn enthält und feiert; weil es das Alltägliche ins „philosophisch Absurde“ transportiert. Davon liefert MARY aber fast Null. Ist in der Story, ihrer Entwicklung und auch der Darbietung viel zu konventionell und hat mich irgendwann vorwiegend gelangweilt ;(

1 Like

Kann ich im wesentlichen so unterschreiben wie schon oben im beitrag 35 geschrieben. Aber das Intro fand ich saustark.

1 Like

BEAUTIFUL, GOODBYE fand ich auch extrem beeindruckend. Hatte am Anfang kurz befürchtet, der würde sich eher als klemmig-peinliche Zombie-Love-Comedy entpuppen, hat dann aber doch ungeheure emotionale Wucht entwickelt.

Genauso übrigens FORGIVEN CHILDREN, ein völlig anders gearteter Film natürlich, der das Thema Mobbing und seine Konsequenzen auf drastische Weise thematisiert - und es dabei sehr gut schafft, sowohl die Perspektive der Opfer als auch des Täters zu vermitteln. Ohne des Letzteren Taten zu verharmlosen, im Gegenteil. Über 130 Minuten lang, aber - von ein paar ausufernd „Emotionswallungen“ inszenierenden Szenen abgesehen - bis zum Ende fesselnd. War eins meiner Highlights.

Ich habe aus Job-/Zeitgründen diesmal aber auch nur 5 Filme sehen können, neben diesem und BEAUTIFUL… noch UNDER YOUR BED, THE JOURNALIST und LABYRINTH OF CINEMA. Letzterer ist übrigens der allerletzte Film des im April 2020 leider verstorbenen Nobuhiko Ôbayashi, Regisseur von, genau, HAUSU :wink: Kann ich unbedingt empfehlen, wenn man Lust auf einen wirklich harten Trip durch die Geschichte des japanischen Kriegsfilm-Kinos hat. Teilweise extrem schwer, dem Geschehen zu folgen - hat x verschiedene Zeit- und Erzählebenen, echt labyrinthisch eben, und vermutlich braucht man eine gewisse Kenntnis der japanischen (Film-) Geschichte, um hier alles voll verstehen und deuten zu können. Aber auch, wenn man hier Schwächen aufweist, ist der Film ein echtes Erlebnis. Wahnsinnig ideenreich, humanistisch bis ins Mark und ab einem gewissen Punkt auch emotional wirklich nahegehend. Wie ein CINEMA PARADISO mit weniger Kitsch, mehr Witz und viel mehr Wahnsinn :wink:

Das war meine erste Nippon Connection seit gefühlten 100 Jahren, bei der ich nicht vor Ort sein, japanische Snacks, alte Videospiele und die tolle Stimmung genießen konnte. Die großartigen Filme gab es natürlich trotzdem, laut Pressemitteilung gab es auch einen „Rekordbesuch“ von über 25.000 Leuten, und ich habe mir Mühe gegeben, das Festival zusätzlich durch die Bestellung einer „Nippon Nippes“-Box zu unterstützen. Es war trotzdem nicht dasselbe und ich bete, dass die Nippon in 2021 wieder regulär stattfinden kann… der Termin ist der 01.-06.06.2021!

1 Like

@todaystomorrow Danke für den Tipp! Ich hoffe, dass ich „Labyrinth of Cinema“ demnächst beim Far East Film Festival nachholen kann. Haha, „Hauuuuusu“ war echt ein Trip! Über weite Strecken wunderschön/nostalgisch, in der zweiten Hälfte dann total abgedreht (mein Klavier schau ich seitdem etwas misstrauisch an). Muss mir den Film bei Gelegenheit nochmal nüchtern angucken :innocent: .

Ich hatte eine fantastische (Film-)Woche! :blush: Falls sie wieder zu einer Online-Edition gezwungen sein sollten (was ich dem NC-Team und Festivalfans vor Ort natürlich nicht wünsche), hoffe ich, dass sie uns für das umfangreiche Programm mehr als 6-7 Tage geben. Gerade Dokus und Animes sind bei mir diesmal viel zu kurz gekommen.

Hihi, japanische Radiogymnastik für Film-bedingt steife Rücken:

1 Like

Mit der Genre Zuordnung Horror tue ich mich hier auch etwas schwer wenn man den Begriff ganz klassisch auffasst. Der Horror liegt halt eher in einem Leben das von Isolation, Unterdrückung und Gewalt geprägt ist und durch die Ruhe der Inszenierung mehr in Richtung tragisches Drama mit Thriller Elementen tendiert. Welche Filme meintest du mit FFF Filmen? Mir fällt spontan nur BED OF THE DEAD ein, den ich nicht gesehen habe.

Der eine heißt Sleep Tight und den anderen weiß ich nicht mehr. Bed of the Dead spielt auf dem Bett und nicht darunter.

Der andere könnte vielleicht das koreanische Remake von SLEEP TIGHT sein: DOOR LOCK, der beim FFF 2019 lief.

1 Like

Oh, wusste nicht das SLEEP TiGHT auf dem FFF lief. Guter Film! Und DOOR LOCK kenne ich noch nicht.

Ich hatte noch nichts zu HAUSU und zu THE NIGHT IS SHORT, WALK ON GIRL geschrieben. Es gibt ein paar Gemeinsamkeiten beider Filme. Sie sind auf jeden Fall einzigartig und beide Filme sind surreal bzw. Mit surrealen Szenen angereichert. Genau dazu konnte ich die Tage nicht so recht Zugang finden, weshalb eine weitere Gemeinsamkeit ist, das sie mich nicht so gepackt haben. HAUSU kam mir ziemlich wirr vor aber wie gesagt, es schien nicht in meine Stimmung zu passen. Beide Filme fallen durch ihre besondere Musikauswahl auf; Die Kombi aus asiatischem Horror und westlicher Hippie Musik bei HAUSU war ebenso erfrischend wie der atmosphärische Jazz Score in THE NIGHT IS SHORT… Beeindruckend fand ich den Mix stilistischer Techniken in HAUSU. Mir fällt spontan keine Horror Komödie ein, die, mit Hilfe der Musik, mit soviel Melancholie angereichert ist wie HAUSU, was ebenfalls zum einzigartigen Charakter des Films beiträgt. Hier unterscheidet er sich übrigens von THE GIRL…und besonders von dessen Ende, das, ähnlich wie in einigen jazzigen Woody Allen Filmen, seine Protagonisten versöhnlich beschwingt aus der Strory entlässt. Fazit: Empfehlenswerte Filme mit Alleinstellungsmerkmalen und auffälligem Score, zu denen ich leider keinen guten Zugang fand. Nicht für jede Stimmung und (sowieso) nicht für jedermann. Besonders bei HAUSU wünschte ich mir, ich hätte ihn vor 15 Jahren gesehen.

Gute Auswahl bei der Nippon hier. Gefiel mir. Schön wäre ein längeres Zeitfenster fur die Filme gewesen, z.B. 48 statt 24 Stunden.

1 Like

Kein Film, den man nüchtern sehen sollte… :innocent: