Programmhefttexte

Nach der ganzen (wie ich finde zum guten Teil berechtigten) Kritik der letzten Jahre möchte ich dieses Jahr mal ein paar anerkennende Worte zu den Programmhefttexten loswerden:

Mein Eindruck ist, dass die Autoren hier dankenswerterweise mal ein paar Gänge zurückgeschaltet haben und nicht mehr so mit Referenztiteln (à la “der neue SAW/SEVEN/TCM” etc.) um sich schlagen und auch die Superlative tendenziell in der Schublade geblieben sind.

Inwieweit die Filme einlösen, was die Texte versprechen, wird sich zeigen. Bei IDIOTS & ANGELS, den ich dieses Jahr bereits auf dem Stuttgarter Trickfilmfest gesehen habe, ist die Beschreibung jedenfalls punktgenau.

Was meint Ihr zu dem Thema?

Bin mir meines Eindrucks noch nicht sicher. Die Beschreibung zu K-20 ist aber auch punktgenau.

Im Interview mit Rainer wurde noch mal klar gesagt, dass das Programmheft eine klare Werbebroschüre ist, welches die Filme in erster Linie bewerben soll. Von daher schätze ich mal, wenn das wirklich dieses mal so sein sollte, ist es “Rainer” Zufall.

Zitat Rainer Stefan: “Auch der Katalog ist eine ganz wichtige Einnahmequelle. Er ist auch keine Zeitschrift, sondern ein Werbeträger, der das Festival zu einem Großteil mitfinanziert.”

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: lexx am 14.08.2009 16:09 ]

Ich fände es auch schlimm, wenn der Katalog keine Werbebroschüre wäre, sondern “realistisch”. Wer will denn schon vorher wissen, dass z.B. Cold Prey II völlig ohne Innovationen ist aber ganz okay unterhält.

Der Katalog soll mir Vorfreude machen und dass mir dabei ein paar mal dreist ins Gesicht gelogen wird, begrüße und erwarte ich.

Es kann ja nicht Aufgabe der einzigen veröffentlichten Publikation eines Veranstalters sein, eine andere als eine werbende Funktion zu haben.

Ich habe jedenfalls auch noch nie in Musikforen gelesen, dass sich die Leute drüber beschweren, dass auf den Plakaten für Rock am Ring nicht dransteht, dass Kacken während des Festivals nicht so angenehm sein wird wie zuhause.

Von daher ist das Programmheft auch dieses Jahr für mich wie jedes Jahr ein quietschigbunter Vorfreudemaximierer, dem ich die bei einigen Filmen überhöhte Erwartungshaltung gern verzeihe. Denn Vorfreude ist die schönste Freude und “Im Katalog stand aber, dass der Film super ist!” kann man als Ausrede angesichts mannigfaltiger Alternativinfoquellen im Netz ja auch nicht nutzen.

Und aus professioneller Sicht gefallen mir die Texte auch gut, weil sie sich bemühen, aber nicht zu bemüht wirken.

Man kann ja auch werben, ohne gleich total dreist zu übertreiben oder Vergleiche anzustellen, die mehr als hinken. Ich denke, das ist es auch, was Herr Kees meinte. Die Spitzen sind herausgenommen worden, ohne das der werbende Charakter fehlt. Niemand erwartet schließlich, dass sich das Festival im Programmheft selbst runtermacht.

Ich sehe das ähnlich wie CineManiaX. Natürlich ist es gut, wenn die Beschreibungen einen Film möglichst genau treffen - aber die Übertreibungen gehören auch irgendwo dazu und steigern die Vorfreude. Bei den meisten Filmen weiß ich auch ohne das Programmheft, ob ich sie sehen will oder nicht, denn als echte Entscheidungshilfe fungiert eher das Internet.

Am 14.08.2009 16:14 , CineManiaX schrieb:

Ich fände es auch schlimm, wenn der Katalog keine Werbebroschüre wäre, sondern „realistisch“. Wer will denn schon vorher wissen, dass z.B. Cold Prey II völlig ohne Innovationen ist aber ganz okay unterhält.

Der Katalog soll mir Vorfreude machen und dass mir dabei ein paar mal dreist ins Gesicht gelogen wird, begrüße und erwarte ich.

öhm, würdest du es auch begrüßen und erwarten, wenn ich dir dafür die fresse poliere? :grin:

Am 14.08.2009 16:14 , CineManiaX schrieb:


Es kann ja nicht Aufgabe der einzigen veröffentlichten Publikation eines Veranstalters sein, eine andere als eine werbende Funktion zu haben.

öhm, teil 2, DOCH! :wink:

Am 14.08.2009 16:14 , CineManiaX schrieb:


Ich habe jedenfalls auch noch nie in Musikforen gelesen, dass sich die Leute drüber beschweren, dass auf den Plakaten für Rock am Ring nicht dransteht, dass Kacken während des Festivals nicht so angenehm sein wird wie zuhause.

öhm, teil 3, wer sagt das??? :grin:

Am 14.08.2009 16:14 , CineManiaX schrieb:

Von daher ist das Programmheft auch dieses Jahr für mich wie jedes Jahr ein quietschigbunter Vorfreudemaximierer, dem ich die bei einigen Filmen überhöhte Erwartungshaltung gern verzeihe. Denn Vorfreude ist die schönste Freude

Und Enttäuschungen vermiesen das ganze Wochenende oder gar das ganze Filmfest?

Jedenfalls können große Enttäuschungen, durch überhöhte Erwartungshaltungen schon ein ganz schöner Brocken sein.

Ich weiß noch als ich, der The Crow vergöttert, sofort in den zweiten Teil gerannt bin, als er damals herauskam. Davor natürlich alles darüber aufgesogen habe, was es nur gab, und mir natürlich erhofft hatte, dass ich dort heilig gesprochen werde, weil der Allmächtigen Kinogott selbst Hand an diesen Film gelegt haben muss.

Am Ende des Kinotages fühlte ich mich, als hätten mich 10 Freundinnen auf einmal verlassen, einfach am Boden zerstört.

Am 14.08.2009 16:23 , GeorgeKaplan schrieb:

Man kann ja auch werben, ohne gleich total dreist zu übertreiben oder Vergleiche anzustellen, die mehr als hinken. Ich denke, das ist es auch, was Herr Kees meinte.

Exakt, danke. M.E. sind die Texte etwas sachlicher geworden. Das begrüße ich. Zufall oder Absicht, egal, mir gefällt’s. Gegen Werbung habe ich auch nichts, nur in den letzten Jahren wurde es im FFF-Heft langsam ein wenig unglaubwürdig… :unamused:

Jedenfalls will ich nach dem Durchlesen des Programmhefts mindestens 90% der Filme sehen. Insofern funktioniert es wohl … :wink:

Am 14.08.2009 16:14 , CineManiaX schrieb:

Der Katalog soll mir Vorfreude machen und dass mir dabei ein paar mal dreist ins Gesicht gelogen wird, begrüße und erwarte ich.

Das Problem ist halt, wie ja schon oben geschildert, dass NICHTS einen Film für dich mehr versauen kann als eine überzogene Erwartungshaltung, die gar zu große Lobhudeleien erzeugen können. Ein Film, der eigentlich ganz ok ist, wird für dich leicht zu einer bitteren Enttäuschung, wenn du aufgrund zu übertriebener Schilderungen vorher ein neues Wunderwerk erwartet hast.

Aber mindestens genauso problematisch ist es, wenn man sich zwischen zwei Filmen entscheiden muss und beide nicht adäquat beschrieben werden. Also beispielsweise ein anderes Genre „vorgetäuscht“ wird als das, in das der Film tatsächlich gehört. Und das war in den vergangenen Jahren öfters so. In dieser Hinsicht verliert das Programmheft halt seine Funktion als Entscheidungshilfe, und das ist schade, wenn man sich NICHT im Vorfeld durch x Reviews wühlen oder gar Trailer gucken möchte - weil die ja nunmal die Vorfreude auch einschränken können.

Und nicht zuletzt: wie sollen denn die ECHTEN Perlen per Beschreibung glänzen, wenn laut Heft einfach ALLES super super toll ist? Und es gibt da ja außerdem auch noch die Redewendung: „Wer einmal lügt…“ :wink:

Falls es dieses Jahr also etwas „realistischer“ geworden sein sollte, begrüße ich das deshalb uneingeschränkt!

Ja, das stimmt. Womöglich habe ich einfach nur immer tierisches Glück gehabt, denn ich musste bislang in all den Jahren erst dreimal früher rausgehen und das eine Mal war auch nur unter Protest, theoretisch hätte ich The Devil’s Rejects auch weiter angucken können :slight_smile:

Dieses Vortäuschen eines anderen Genres empfinde ich in der Tat auch als einziges Problem des Programmhefts, aber wer das Programmheft im Jahr 2009 als einzige Infoquelle heranzieht, ist dann auch selbst schuld. Meistens ist es doch ohnehin so, dass man beispielsweise zu Doghouse den Trailer vor ein paar Monaten gesehen und den Film als potenziellen Knaller für sich selbst im Hinterhirn abspeichert. Dann kommt die Bestätigung für das Fantasyfilmfest und die Vorfreude steigt und dann kommt das Programmheft und die Vorfreude steigt durch den charmant-übertriebenen Promotext noch mehr.

Aber die Vorfreude einzig und allein durch das Programmheft erzeugen zu lassen und externe und deshalb objektivere Quellen zu konsultieren, das ist doch ein wenig so wie bei einer auffallend großen, leicht maskulinen und over-the-edge aufgebrezelten Schönheit nur vom geilsten Fick des Lebens ausgehen und deshalb nicht nachschauen, ob unten noch was baumelt :slight_smile:

CineManiaX schrieb:Ja, das stimmt. Womöglich habe ich einfach nur immer tierisches Glück gehabt, denn ich musste bislang in all den Jahren erst dreimal früher rausgehen und das eine Mal war auch nur unter Protest, theoretisch hätte ich The Devil’s Rejects auch weiter angucken können :slight_smile:

zornlamm schreibt grad: harhar, wie, was!? wer hat dich denn zum rausgehn gezwungen, wenn schon nicht dieser unglaublich schlechte film? :wink: erzähl ma bitte!

CineManiaX schrieb: Aber die Vorfreude einzig und allein durch das Programmheft erzeugen zu lassen und externe und deshalb objektivere Quellen zu konsultieren, das ist doch ein wenig so wie bei einer auffallend großen, leicht maskulinen und over-the-edge aufgebrezelten Schönheit nur vom geilsten Fick des Lebens ausgehen und deshalb nicht nachschauen, ob unten noch was baumelt :slight_smile:

zornlamm schreibt grad: höhö, ob ich dann gleich wieder als “obszön” gelte, wenn ich anstelle von “und…wurde der film seiner beschreibung im programmheft gerecht?” einfach dieses jahr “und…baumelt der schwanz?” schreie? :grin:

zornlamm schreibt immer noch: hast mir die frage noch nich beantwortet, ob du gerne eins von mir in die fresse hättest, hehe…abba dit könnwa ja denn heut abend klären, gelle, so quasi unter lieblings-hass-figuren!? :stuck_out_tongue:

Da die Programmhefttexte dieses Jahr ja größtenteils gelobt wurden, da sie angeblich nicht mehr so übertriebenen Text beinhalten sollen, muss ich jetzt doch mal eine Lanze dagegen brechen. Nachdem ich Bathory gesehen habe, habe ich mir die entsprechende Beschreibung im Programmheft durchgelesen und kann nur sagen - KATASTROPHE!!! Das ist gequrillte Scheisse (die Beschreibung, nicht der Film), wie es kaum schlimmer geht. Genau das, was der Film nicht bietet, nämlich Intensität, wird derart übertrieben abgefeiert, dass man nur die Augen verdrehen kann:

Ein paar Beispiele:

“Seine schiere Wucht und die ungeschönten Ausschweifungen lassen uns sprachlos und erschöpft zurück.”

“Schon in den ersten Minuten breitet sich eine Gewalt über dem Schlachtengemälde aus, die förmlich atemberaubend ist. Man fühlt sich unter ihrer Last wie lebendig begraben;”

“und das in einem Film, der an Authentizität nicht zu übertreffen ist. Ein CLEOPATRA für unsere Zeit – exzessiv, blutig, drastisch und in seinem barocken Erzählstil überwältigend.”

Das ist lächerlich.
Fakt ist: Der Film hat alles, vor allem von allem zu viel (mehr dazu in meinem nächsten Review), aber eines hat er absolut nicht und daran krankt er zu 99% - Intensiät! Und das hat auch nichts mit unterschiedlicher Wahrnehmung zu tun.
Selten hat mich ein Film, welcher derart liebevoll ausgestattet ist, derart kalt gelassen, weil die Regiearbeit nicht einmal TV-Niveau hat.

Also was die Texte im Programmheft angeht, da hat sich leider gar nichts gebessert. Jeder Mist wird weiterhin als das Non-Plus-Ultra im Filmbuisness angepriesen. Eben doch nur ein Werbeheft und nicht mehr.

Hm… hier gings um Tendenzen. Im Einzelfall kann das anders sein.

Am 15.09.2009 10:12 , lexx schrieb:

Eben doch nur ein Werbeheft und nicht mehr.

So what?

Ich überflieg die Programmhefttexte, um einen ersten Eindruck zu kriegen, um was für einen Film es sich handelt. Wenn der Film interessant klingt, merk ich ihn mir und hole mir dann nähere Infos im Internet, z.B. f3a net. Der Vorteil, eine der letzten Festivalstädte zu sein, liegt ja darin, dass man viele reviews zu den einzelnen Filmen hat.

Auf die verschiedenen DVD-Veröffentlichungsankündigungen bzw. Kinostarts im Heft bin ich auch neugierig, könnten m. M. nach sogar mehr sein,

Dass das Programmheft Werbung für die Filme und das Festival sein soll ist in Ordnung, nur wenn die Beschreibung zu einem Film daneben liegt, geht der Schuss nach hinten los.

Sicha, aber da halt die Ansicht aufkam, das hätte sich ggf. geändert, wollte ich nur mal kurz diesen Hinweis geben. Es hat sich nichts geändert, also weiterhin die Programmhefttexte nicht überbewerten. Bzw. solche Aussage, wie die oben von mir zitierten, völlig ignorieren, das ist schlichtweg größter Unfug.

Ich glaube nicht, dass die Programmhefte überbewertet werden, noch dass es die Intention dieses Threads war, davor zu warnen.

Hier ging es um die Frage, ob die Inhalts(!)beschreibungen etwas genauer als zuvor sind und man eine bessere Vorstellung bekommt, welchem Genre der Film angehört, ungeachtet der bekannten Tatsache, dass das Programmheft nach wie vor in erster Linie Werbezwecken dient.

Obwohl es eigentlich egal ist, sehe ich das nicht so. Kees hat den Thread initiiert und zwar mit folgenden Aussagen:

“Mein Eindruck ist, dass die Autoren hier dankenswerterweise mal ein paar Gänge zurückgeschaltet haben und nicht mehr so mit Referenztiteln (à la “der neue SAW/SEVEN/TCM” etc.) um sich schlagen und auch die Superlative tendenziell in der Schublade geblieben sind.”

Ich wollte eigentlich nur zeigen, dass dieser Eindruck leider falsch ist.

Leichte Übertreibungen gehören sicherlich dazu, wenn der Zweck reine Werbung ist.

Im “Fall Bathory” ist mir aber auch aufgefallen, wie unangemessen dick hier aufgetragen wird. Der Film ist meiner Meinung nach nicht soo schlecht, wie sein ihm vorrauseilender Ruf, aber die Beschreibung, da gebe ich lexx recht, zeugt von wenig Gespür. So etwas muß im Lektorat gesehen und korrigiert werden.

Was den Gesamteindruck angeht, finde ich die Spoiler wesentlich nerviger. Im Großen und Ganzen ist alles beim Alten, die Kritik wurde, glaube ich, aber zur Kenntnis genommen und man hat hier und da extreme Spitzen im Text weggelassen.