Red State

Nachdem ja einige Diskussionen zu Filmen, eben auch Red State, meistens im Fantasy Filmfest 2011 Thread gepostet werden, mach ich einfach mal einen Red State Thread auf, damit’s nicht so unübersichtlich wird :wink:

Mir hat Red State sehr gut gefallen,

  1. eine brisante story
  2. eine one-man show von Michael Parks
  3. hervorragender Gegenspieler seitens John Goodman (auf den Mann ist halt einfach Verlass)
  4. Bitterböse Satire (?) und sehr zynisch

Einzige Länge: Michael Parks Predigt - oh Lord !

Ich persönlich kenne jetzt keinen Film, der gerade diesen christlichen Fundamentalismus in den USA so auf’s Korn nimmt, der einerseits diesen Wahnsinn des fundamentalistischen Glaubens zeigt, diese Leute aber nicht ins Lächerliche zieht, sondern eher ihre Bedrohung.

Auch die Darstellung, wie die Regierung damit umgeht, nämlich sie einfach als Terroristen zu bezeichnen, um sie dann einfach abknallen zu können, empfand ich als sehr zynisch und glaubhaft. Die Reaktion John Goodman’s dann, diesen Befehl letztendlich zu verweigern, deutet auf die amerikanische Haltung hin, dass jeder einzelne verantwortlich ist und man sich nicht von oben bestimmen lassen soll. Und lässt hoffen, dass es auch in Amerika noch Menschen gibt, die Recht und Unrecht unterscheiden können. Es braucht Filme wie Red State, die einen daran erinnern, dass auch in chaotischen oder dekadenten Zeiten Regeln gelten und dass es an einem selbst liegt, wie er sich verhält, um sich am nächsten Morgen noch im Spiegel ansehen zu können.

In einem anderen Thread hat jemand gesagt, dass dieser Film nichts neues zeigt, was nicht schon jedes Kind weiß. Ich finde nicht, dass das so ist. Während muslimische Fundamentalisten auf den Titelblättern der Zeitungen oder täglich in den Nachrichten zu sehen sind und so zu einem Feindbild des Westens aufgebaut werden, sind christliche Fundamentalisten eher eine Randerscheinung. Was ich erschreckend finde, ist, dass Red State gar nicht mal so abwegig ist. Mich erinnert er sehr an die Glaubensgemeinschaft um den US-Prediger Harold Camping, die den Weltuntergang für den 21. Mai 2011 vorhergesagt hat, und dies insbesondere mit der gotteslästerlichen Lebensweise der Homosexuellen begründet.

Manches mag sehr übertrieben dargestellt sein, doch ich denke die Wirklichkeit ist noch viel schlimmer und ich finde es gut, wenn auch diese Aspekte des “American Way of Life” mal größer beleuchtet werden.

Vielleicht erwartet man so einen Film auch eher von einem Michael Moore als von Kevin Smith.

Für mich definitiv ein Festival Highlight.

Am 05.09.2011 10:34 , Michaela schrieb:

Vielleicht erwartet man so einen Film auch eher von einem Michael Moore als von Kevin Smith.

Das auf keinen Fall, dann wär es zwiespältig, unglaubhaft und extrem langweilig geworden :grin:

Ansonsten hast du das gut zusammengefasst, ich sehe es ähnlich und auch für mich war Red State das FFF 2011 Highlight.

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: Roughale am 05.09.2011 11:51 ]

Am 05.09.2011 10:34 , Michaela schrieb:

Während muslimische Fundamentalisten auf den Titelblättern der Zeitungen oder täglich in den Nachrichten zu sehen sind und so zu einem Feindbild des Westens aufgebaut werden, sind christliche Fundamentalisten eher eine Randerscheinung. Was ich erschreckend finde, ist, dass Red State gar nicht mal so abwegig ist.

Man muss ja auch - wenn auch menschenunwürdige - Predigten nochmal von Bombenattentaten unterscheiden. Natürlich erweckt letzteres eher das Interesse von Presse & Öffentlichkeit.

Trotzdem sind Leute wie Fred Phelps, an den Michael Parks Rolle hier ja offensichtlich angelehnt ist, keine Unbekanntheit, selbst über den großen Teich hinweg bis zu uns. Und dazu brauche ich auch keinen Michael Moore oder erst recht Kevin Smith.

Allein der Anfang in der Schule, wo Smith die Zuschauer gleichzeitig mit den Protagonisten quasi „aufkläaren“ wollte, fand ich so aufgesetzt, dass ich mich am liebsten in Wasser verwandelt hätte & im Boden versunken wäre.

Ansonsten war hier viel Gewehrgeknatter & Gesabbel vom Priester…aber sorry, diese Gewissensbisse vom Goodman (der toll gespielt hat) haben in mir nichts gerührt - dazu waren mir sämtliche (!) Figuren zu egal.
Und für dieses rücksichtslose ATF-Killerkommando, siehe hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Davidianer#Die_Waco-Belagerung

Auch dafür brauche ich Smith nicht, aber freut mich trotzdem, dass euch zumindest RED STATE gefallen hat.

Ich bin da eher bei BuzzGs Sichtweise, allerdings hat es die Schlußviertelstunde für mich noch einigermaßen rausgerissen (und natürlich ganz allgemein John Goodman).

Am 05.09.2011 12:19 , BuzzG schrieb:

Und dazu brauche ich auch keinen Michael Moore oder erst recht Kevin Smith.

It’s a movie - watch it as one :wink:

Ich fand das auch alles recht gut rueber gebracht. Und dass es bei Smith eher etwas exzentrischer zugeht, sollte ja nun auch nichts unbekanntes sein. Dass hier keine „Studie“ zum Thema zu erwarten war, war zumindest mir auch klar *g

Dafuer hat er aber doch einige Aspekte ganz nett abgedeckt und fuers amerikanische Publikum ist der Film wohl schon recht gut praesentiert :wink:

Sid

Am 08.09.2011 00:40 , Sidschei schrieb:

It’s a movie - watch it as one :wink:

Ich fand das auch alles recht gut rueber gebracht. Und dass es bei Smith eher etwas exzentrischer zugeht, sollte ja nun auch nichts unbekanntes sein. Dass hier keine „Studie“ zum Thema zu erwarten war, war zumindest mir auch klar *g

Dafuer hat er aber doch einige Aspekte ganz nett abgedeckt und fuers amerikanische Publikum ist der Film wohl schon recht gut praesentiert :wink:

Das ist das Problem: Für „only a movie“ war er mir nicht fantasievoll genug…da schau ich lieber ATTACK THE BLOCK oder sowas.

Smith hat sich mit seiner Sundance-Ansprache ja schon im Vorfeld zum Affen gemacht. Dem Film hab ich trotzdem ne echte Chance gegeben, aber sorry: CLERKS 1 war ganz nett & der CHASING AMY-Teil ohne Jay & Boring Bob.

Vielleicht sollte Smith weniger quatschen & dafür mal lernen, wie man auch spannende Filme dreht :wink: