Saccharine (Spoiler)

Okay, hier noch ein kleiner request - nach meiner Bitte um feedback bezüglich der visuell-ästhetischen Komponente der von mir eingestellten review-Texte schon der zweite binnen 24 Stunden, ich weiss… Aber hier geht’s ja auch einigermaßen schnell (hoffe und denke ich mal) :

Ich habe nun ein wenig nachgesonnen, und würde mich dann doch mal interessieren, wie genau denn das Ende / dieser seltsame Epilog von „Saccharine“ wohl aussieht (den sowohl @Leimbacher-Mario , als auch Torsten Dewki (a.k.a. Wortvogel) nicht so dolle fanden, wie mich deucht, und als die vorherige message des Films unterlaufend / konterkarierend / gegenläufig empfanden). Von daher hier die Bitte an Diejenigen von Euch, die den Film gesehen haben:

Please spoil me for the ending / epilogue of „Saccharine“ !!!

Falls sich also jemand dazu berufen fühlen, und gerade ein paar Minuten Zeit haben sollte: Wäre sehr nett, wenn das wer tun könnte, und mir kurz und bündig, oder gerne auch blumig-ausschweifend, das Ende und vor Allem diesen seltsamen „Epilog“ (den @Michaela wiederum ja auch zu mögen schien) schildern könnte. In spoiler tags, obviously. Vielen lieben Dank dafür schon mal im Voraus.

Also die Protagonistin von “Saccharine” läuft ja den ganzen Film metaphorisch vor ihren Ess- und Körperstörungen und Komplexen bzw. direkter “den Toten” davon. Und gegen Ende scheint sie mit diesen inneren “Monstern” auch Frieden zu finden, diese eventuell sogar einigermaßen gesund zu besiegen oder zumindest mit ihnen zu leben. Es werden auch indirekt Lösungen und positive Muster gezeigt.

Aber dann kommt halt in den letzten zwei Minuten das typische Horrorende, wo sie sogar nochmal “gefräßiger” wird und ganz plakativ bis vorhersehbar ihre Fitnessfreundin auffrisst. Oder zumindest Teile von ihr. Was man natürlich so deuten kann, dass diese “Psychosen” und Probleme nie wirklich besiegt werden können. Aber der ganze vorangegangene Film arbeitet auf etwas Anderes hin, meiner Meinung nach… :face_with_monocle: :bone: :poultry_leg:

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SACCHARINE

…braucht seeehr lange, um in Fahrt zu kommen.

Erst ab etwa der Hälfte entfaltet er sein Potential. Aber richtig ausschöpfen tut er es nicht.

Lange Zeit muss allein die Tonspur suggerieren, was die Bilder (nicht) erzählen. Das kann sogar etwas nerven, in meinem Fall hat es das auch. Prinzipiell steckt in der Storyline auch ein Gruselfaktor, doch auch der wird - bewusst oder nicht - kaum ausgespielt. Kein Vergleich etwa mit OBSESSION; zwar völlig anderes Thema, aber dem gelingen solche Momente spielend, obwohl er wesentlich mehr in der Realität verankert ist als SACCHARINE.

Das ist alles nicht übel gemacht, obgleich ich sogar der Meinung bin, dass er sich zwar des Themas Bodyshaming/Selbstoptimierung allzu gern annimmt (die “Vorbilder” sind offensichtlich und wurden bereits genannt), aber so, wie die Handlung verläuft, habe ich nicht den Eindruck, als hätte sich Miss James eine Generalabrechnung mit gesellschaftlichen Missständen vorgenommen. Im Endeffekt bleibt das Narrativ so reduziert, wie es die Vorschau ankündigt:

Abnehmpille sorgt für unerwünschte Nebenwirkung, Protagonistin versucht diese wieder loszuwerden.

Einzelne familiäre Traumata werden zwar angerissen, aber letztlich nicht weiter verfolgt, geschweige denn dramaturgisch verwendet.

Deswegen, und damit komme ich auch teilweise auf eine Antwort für @die_Lachsschaumspeise’s Nachfrage:

…hat mich auch das vieldiskutierte Ende kaum berührt. Die Stimmen gingen ja in die Richtung, dass dieser Abschluss dafür sorgt, dass die vermeintliche Message konterkariert wird. Da ich aber schon diese Message kaum wahrnehme, kann ich schwer erklären, worin hier der Widerspruch bestehen soll. Ich habe eine Theorie, die darauf basiert, dass - und das ist nun wirklich ein wenig ironisch - beim Ende eigentlich nur die üblichen Horrorfilm-Konventionen greifen. Ironisch ist das deshalb, weil ja kürzlich Klagen auftauchten, beim FFF gäbe es kaum mehr so richtig klassische Horrorfilme. Wenigstens wird hier also klar, dass allein der übliche Gebrauch der Konventionen noch keinen gescheiten Film macht - auch keinen gescheiten Horrorfilm.

EDIT:

Ich lese gerade die Antwort von @Leimbacher-Mario, mit Spoiler-Tags versehen, und denke auch, in diese Richtung geht das. Nur wie gesagt, ich bin schon vorher nicht überzeugt davon, was der Film eigentlich vorhat.

Warum wiederum @Michaela das Ende zu mögen scheint, muss natürlich sie beantworten, aber stellvertretend wage ich auch hier eine Vermutung (und ich glaube, das ist nicht gespoilert - falls genauere Info erwünscht, nochmal nachfragen):

Das Schlussbild stellt im Prinzip nochmal eine visuelle Verbindung her, die sich auf die Ausstattung des Films bezieht. Und ja, auch ich finde das hübsch gemacht, einer der wenigen originellen Momente von SACCHARINE.

Doch über den Durchschnitt hebt das leider auch nicht mehr. Schade. Von mir nur 5/10.

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Ich möchte noch ergänzen, dass die Endszene mit der Freundin genau einem Bild entspricht, welches bereits vorher mehrfach zu sehen ist. Was das ganze auch total vorhersehbar macht.

Das Ende hat für mich den Film ziemlich abgewertet.

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Bin gerade auf der Arbeit, und habe darum eigentlich gar keine Zeit (Pause auch schon vorbei), aber vielen lieben Dank für alle Eure Antworten, und Rückmeldungen zu „Saccharine“. Muss das Ganze nun erstmal etwas „verdauen“ (<— pun intended), und sacken lassen. Werde mich dann heute abend nach der Heimkehr nochmal ein wenig dazu äussern…

…und naja, ich finde, @Michaela „muss“ sich uns nun aber auch gar nicht grossartig erklären, warum sie das Filmende mag, oder nicht. Kann sie natürlich gerne tun, wenn sie / Du das denn tun will(st). Aber sollte sich ja niemand hier zu irgend etwas gedrängt fühlen, was sie:er aber eventuell gar nicht möchte. Wobei sich das ja aber auch von selbst erklärt, eigentlich (und ich selbst vermutlich gerade nur mal wieder viel zu umständlich um fünf Ecken zuviel denke… :wink: ).

Nun denn - Seid abermals alle herzlichst bedankt, für Eure Ausführungen und Erläuterungen… Ja, dann scheint mir das ending des Films doch auch etwas arg auf generisch-altbekannten „Schock“-Effekt" hin inszeniert. Ist denn diese ominöse „Fitness-Freundin“, die sie da „zum Fressen gern“ hat, im vorhergehenden Filmverlauf irgendwie als (tatsächliche, oder potentielle / ersehnte) love interest ge(kenn)zeichnet worden? Weil, dann würde es ja wenigstens vielleicht noch etwas Sinn machen, das Ganze so zu handhaben, und darzustellen… Also quasi, dass Hana diesen ungesund-verschlingenden Lebensstil nicht nur in puncto Essverhalten wieder aufnimmt, sondern sich dieses (am Ende ja selbstzerstörerische) mind set aus Exzess und darauf folgender totaler Askese auch auf andere ihrer Lebensbereiche ausdehnt. Was das Alles nun natürlich dennoch nicht gerade besser macht, und das Filmende darum dennoch auch nicht irgendwie sinnhafter erscheinen lässt. Aber ich spekuliere hier ja eh nur sinnbefreit ins Blaue hinein, hab’ den Film ja selber gar nicht gesehen, und sabbel’ dementsprechend vermutlich gerade wieder mal hanebüchensten Blödsinn. Und halt’ deshalb nun auch lieber meine vorlaute Klappe. Wie auch immer, ich glaub’, den Streifen werd’ ich mir wohl auch weiterhin ersparen.

Zu Saccharine wollte ich ja auch noch was sagen. Jetzt sitze ich an einer vernünftigen Tastatur und kann tipseln.

Ich fand den Film in mehrerlei Hinsicht gut - aber nicht überwältigend.

Es geht um den Körper der Frau. Frauen sehen sich meistens selber sehr kritisch, oder werden von anderen Frauen bewertet mit “zu fett, zu dünn, zu alt, zu unsportlich” etc.

Jetzt hat man da die Hauptdarstellerin, Hana, die etwas moppelig ist und die abnehmen möchte. Von einer ehemaligen Klassenkameradin erhält sie den Tipp, es mit Abnehmpillen zu probieren. Tatsächlich gibt es unzählige Produkte, die beim Abnehmen helfen sollen, ohne dass man selbst etwas tun muss, wie Ernährungsumstellung oder Sport. Seien es Pillen, Shakes, Abnehmspritzen, die Auswahl ist groß. Der Druck, einem perfiden Körperbild zu entsprechen, lastet schwer auf ihr (oder zig anderen Frauen, was oft in Magersucht, Bulimie oder krankhafter Freßsucht enden kann).

Hinzu kommt, und das fand ich etwas unglaubwürdig, ihr Vater ist schwer übergewichtig und hat demzufolge Diabetes, während ihre Mutter sehr agil und dünn ist. Unglaubwürdig fand ich es, dass beide Elternteile so unterschiedlich waren, von der Körperstatur her. Aber vielleicht steht das auch dafür, dass sich Hana in beide Richtungen entwickeln könnte, nämlich in eine dünne, agile, gesunde Frau, oder eben in einen fetten Klopps mit Diabetes und sonstigen Krankheiten. (Nicht, dass dünne Menschen unbedingt völlig gesund sind, aber das steht ja nicht zur Diskussion).

Also nimmt sie die empfohlenen Abnehmtabletten und nimmt dadurch rasant ab. Um fit zu werden, nimmt sie an einem Sport- und Ernährungsprogramm teil, das von der Fitnesstrainerin Alanya geleitet wird. Alanya ist der Inbegriff der hübschen, schlanken, sportlichen und gesunden Frau. Aber: ohne übertrieben zu wirken. Sie ist eine Frau, die auf sich und ihren Körper acht gibt, sich gesund ernährt und somit einen gesunden Körper hat. Und die sich um Hana Sorgen macht. Ob es jetzt hier eine kleine Romanze gebraucht hätte, sei mal dahingestellt.

Mir gefiel dieser Gegensatz: Hana und Alanya. Auf der einen Seite der loser, auf der anderen Seite der Erfolgsmensch - grob gesagt.

Was ich auch sehr berührend fand, war wie die Studenten mit der pathologischen Untersuchung umgingen, zuerst unsicher, natürlich der Kommentar, dass die Leiche unförmig sei, aber sie nähern sich ihr an, indem sie sie zu einem Individuum machen, zu einer eigenen Persönlichkeit, ihr einen Namen geben “Bertha” und sich dann auch für die Geschichte, die hinter Bertha steckt, interessieren. Auch hier ein Blick in eine mögliche Zukunft Hanas - Bertha trägt den gleichen Nagellack wie sie. Dass Bertha dann für die Abnehmpillen herhalten muss, ist ja etwas makaber, aber Hana macht das nicht einfach so. Ich denke, die Geistererscheinungen (die ja jetzt eher überflüssig für die story waren) zeigen einfach nur ihr schlechtes Gewissen.

Als Wiedergutmachung und auch um mit sich ins Reine zu kommen und die von Bertha übernommene Krankheit (ich glaube, es war Krebs der Bauchspeicheldrüse, welche ja für die Produktion von Insulin verantwortlich ist, was ja bei Nichtfunktionieren zu Diabetes führen kann) wieder los zu werden, gibt sie Bertha ihre Körperanteile zurück, sodass auch Bertha in Frieden ruhen kann - etwas, was man aus vielen alten Geistergeschichten kennt.

Das Bild mit der Frau, aus der die Organe quellen, sieht man öfter. Ich fand das Bild sehr interessant, passend auch zur Pathologie. Ein gesunder Körper mit vermutlich gesunden Organen genau wie die Fitnesstrainerin. Von daher fand ich das Schlussbild stimmig. Warum die sich allerdings nicht gewehrt hat und sich lebendig auffressen hat lassen, ist mir jedoch auch nicht klar. Fällt mir nur der Spruch ein: jemandem zum Fressen gern haben.

Ich denke, der Film hat einiges angerissen, wie Körperbild, Abnehmen, auch respektvollen Umgang mit anderen Menschen, Ehrfurcht vor dem Tod, denn letztendlich sterben wir alle, egal ob jung, alt, dick, dünn, weiß, gelb, grün, schwarz. Und da sollte man am besten mit sich im Reinen sein.

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