Zu Saccharine wollte ich ja auch noch was sagen. Jetzt sitze ich an einer vernünftigen Tastatur und kann tipseln.
Ich fand den Film in mehrerlei Hinsicht gut - aber nicht überwältigend.
Es geht um den Körper der Frau. Frauen sehen sich meistens selber sehr kritisch, oder werden von anderen Frauen bewertet mit “zu fett, zu dünn, zu alt, zu unsportlich” etc.
Jetzt hat man da die Hauptdarstellerin, Hana, die etwas moppelig ist und die abnehmen möchte. Von einer ehemaligen Klassenkameradin erhält sie den Tipp, es mit Abnehmpillen zu probieren. Tatsächlich gibt es unzählige Produkte, die beim Abnehmen helfen sollen, ohne dass man selbst etwas tun muss, wie Ernährungsumstellung oder Sport. Seien es Pillen, Shakes, Abnehmspritzen, die Auswahl ist groß. Der Druck, einem perfiden Körperbild zu entsprechen, lastet schwer auf ihr (oder zig anderen Frauen, was oft in Magersucht, Bulimie oder krankhafter Freßsucht enden kann).
Hinzu kommt, und das fand ich etwas unglaubwürdig, ihr Vater ist schwer übergewichtig und hat demzufolge Diabetes, während ihre Mutter sehr agil und dünn ist. Unglaubwürdig fand ich es, dass beide Elternteile so unterschiedlich waren, von der Körperstatur her. Aber vielleicht steht das auch dafür, dass sich Hana in beide Richtungen entwickeln könnte, nämlich in eine dünne, agile, gesunde Frau, oder eben in einen fetten Klopps mit Diabetes und sonstigen Krankheiten. (Nicht, dass dünne Menschen unbedingt völlig gesund sind, aber das steht ja nicht zur Diskussion).
Also nimmt sie die empfohlenen Abnehmtabletten und nimmt dadurch rasant ab. Um fit zu werden, nimmt sie an einem Sport- und Ernährungsprogramm teil, das von der Fitnesstrainerin Alanya geleitet wird. Alanya ist der Inbegriff der hübschen, schlanken, sportlichen und gesunden Frau. Aber: ohne übertrieben zu wirken. Sie ist eine Frau, die auf sich und ihren Körper acht gibt, sich gesund ernährt und somit einen gesunden Körper hat. Und die sich um Hana Sorgen macht. Ob es jetzt hier eine kleine Romanze gebraucht hätte, sei mal dahingestellt.
Mir gefiel dieser Gegensatz: Hana und Alanya. Auf der einen Seite der loser, auf der anderen Seite der Erfolgsmensch - grob gesagt.
Was ich auch sehr berührend fand, war wie die Studenten mit der pathologischen Untersuchung umgingen, zuerst unsicher, natürlich der Kommentar, dass die Leiche unförmig sei, aber sie nähern sich ihr an, indem sie sie zu einem Individuum machen, zu einer eigenen Persönlichkeit, ihr einen Namen geben “Bertha” und sich dann auch für die Geschichte, die hinter Bertha steckt, interessieren. Auch hier ein Blick in eine mögliche Zukunft Hanas - Bertha trägt den gleichen Nagellack wie sie. Dass Bertha dann für die Abnehmpillen herhalten muss, ist ja etwas makaber, aber Hana macht das nicht einfach so. Ich denke, die Geistererscheinungen (die ja jetzt eher überflüssig für die story waren) zeigen einfach nur ihr schlechtes Gewissen.
Als Wiedergutmachung und auch um mit sich ins Reine zu kommen und die von Bertha übernommene Krankheit (ich glaube, es war Krebs der Bauchspeicheldrüse, welche ja für die Produktion von Insulin verantwortlich ist, was ja bei Nichtfunktionieren zu Diabetes führen kann) wieder los zu werden, gibt sie Bertha ihre Körperanteile zurück, sodass auch Bertha in Frieden ruhen kann - etwas, was man aus vielen alten Geistergeschichten kennt.
Das Bild mit der Frau, aus der die Organe quellen, sieht man öfter. Ich fand das Bild sehr interessant, passend auch zur Pathologie. Ein gesunder Körper mit vermutlich gesunden Organen genau wie die Fitnesstrainerin. Von daher fand ich das Schlussbild stimmig. Warum die sich allerdings nicht gewehrt hat und sich lebendig auffressen hat lassen, ist mir jedoch auch nicht klar. Fällt mir nur der Spruch ein: jemandem zum Fressen gern haben.
Ich denke, der Film hat einiges angerissen, wie Körperbild, Abnehmen, auch respektvollen Umgang mit anderen Menschen, Ehrfurcht vor dem Tod, denn letztendlich sterben wir alle, egal ob jung, alt, dick, dünn, weiß, gelb, grün, schwarz. Und da sollte man am besten mit sich im Reinen sein.