Am 29.07.2015 17:54, schrieb Alexander:
… ich konnte das Meisterwerk auf einem relativ großen TV zu Hause sehen. Ich erinnere mich an ein wirklich sehr beeindruckendes Filmerlebnis – die genialen Bilder, eigentlich perfekt für widescreen bzw. Kino gemacht…
Du schneidest da - vielleicht ohne zu wissen - ein Thema an, das doch komplizierter ist als man denkt.
Alle Filme von Kubrick seit „Uhrwerk Orange“ sind Open Matte gedreht - also im klassischen Vollbild, das auch dem Fernsehbild 4:3 entspricht. Du hast also tatsächlich den Film in der ersten Sichtung so gesehen, wie er gedreht wurde.
Für die Kinoauswertung wurde das Bild oben und unten beschnitten, um auf das Format 1,85:1 zu kommen. Kubrick hat beim Drehen nicht nur darauf geachtet, dass alle notwendigen Bildinformationen in der Mitte sind und daher nicht abgeschnitten werden. Mein Eindruck ist, dass sogar die ganze Bildkomposition darauf ausgerichtet ist.
Allerdings hat Kubrick für die Heimauswertung seiner Filme das Vollbild verbindlich festgelegt. Hier fängt nun die Diskussion an.
Denn einerseits haben wir den klar und unmissverständlichen Willen des Regisseurs, die VHS und die DVD liegen daher nur in einer 4:3-Fassung vor. Andererseits wusste Kubrick nicht, dass sich nur ein paar Jahre nach seinem Tod das Format 16:9 (also 1,78 : 1) im Heimbereich durchsetzen würde, was nahezu dem Kinoformat seiner Filme entspricht.
Inzwischen vermutet man, dass Kubrick in diesem Fall eine andere Entscheidung getroffen hätte. Die Blu-Ray hat daher das Format 1,85:1. Aber wie gesagt, das ist eine reine Vermutung.
„Shining“ lief nach seiner Kinoauswertung relativ regelmäßig in Programmkinos. Und nicht selten lief er dort im Vollbild. Ich kann mich noch an eine Diskussion mit dem verstorbenen Leiter der Cinemathek Köln - Gert Berghoff - erinnern, der darauf beharrte, „Shining“ müsste auch im Kino so gezeigt werden, wie Kubrick ihn gedreht hat.
Unterstützt wird diese Meinung durch Hinweise, dass Kubrick das Bild für 4:3 komponiert habe (was ich, wie oben gesagt, so nicht empfinde). Eine - ergebnislose - Diskussion über das richtige Format gab es auch bei uns im Filmclub. Vermutlich werden wir mit der Ungewissheit leben müssen.