The Strangers- überbewertet?

Achtung liebe Leute, hier gibts’ kleine Spoiler, besser nur lesen, wenn schon gesehen!

The Strangers kommt bei den Zuschauern des FFF offensichtlich ganz gut an. Mit einer durchschnittlichen Bewertung von zur Zeit 6,9 Pkt.(IMDB 6,9) bewegt er sich auf das obere Ende der Messlatte zu.

Aber was ist eigentlich der Grund dafür? :confused:

Der Kommentar von Johnsfilm hat es meiner Meinung nach recht gut auf den Punkt gebracht. Na gut, wir haben uns alle häufig erschrocken und viel Herzklopfen gehabt. Aber eigentlich ja nur, weil wir permanent den gleichen (Akustik-) Reizen ausgesetzt waren. Mit viel Power in den Boxen bewirkt das natürlich einiges…Und der Idee von Menschen, die in Deine Privatsphäre eindringen…

Was aber bleibt dann eigentlich übrig in diesem Film, in dem der Großteil der Schauspieler noch nicht einmal Ihr Gesicht zeigen müssen (Mimik, Gestik, Schauspielkunst- eigentlich nur bei Liv Taylor vorhanden)?

Die Einführung in die Geschichte, ein abgelehnter (oder aufgeschobener Heiratsantrag), find ich ungünstig, denn das schafft Distanz zwischen unserem Paar. Im weiteren Verlauf sind so vor allem zwei Einzelpersonen in Gefahr, kein liebendes Paar mit starken Verlustängsten…

So offenbart uns das Drehbuch nach und nach seine Schwächen, wenn die Figuren ohne Grips durch die Gegend stolpern, vorhandene Gegenstände nicht als Waffe nutzen, und Ihre Hoffnung in archaische Funkgeräte setzen…
Da der Film auch noch verhältnismäßig dunkel ist, bleiben uns vor allem der Sound und die Suggestion…

Ich habe das Gefühl, das der Film überwiegend von Zuschauern besucht wurde, die weniger Erfahrung mit Filmen dieser Art haben und sich viel erschrocken und gut gezittert haben.

Für die Gesamt!Wertung des Films bleibt dann noch ein schlechtes Drehbuch, durchschnittliche Schauspielkunst, durchschnittliche Kamera, gelungene “Kostüme” = Masken,
und der besagte Ton, Effekte. Auch beim Licht finden wir keine herausragenden Woweffekte, ist o.k., aber eben auch nicht mehr.
So dunkel dieser Film auch ist, ich finde die Mehrheit hat sich blenden lassen.

Wie seht Ihr die Sache?

Ich hab´ deine Kritik jetzt mal gelesen, obwohl ich den Film noch nicht gesehen habe - WEIL ich mir noch nicht sicher bin, ob ich ihn überhaupt sehen soll. Normalerweise wäre das ein Film, den ich erst im TV anschauen würde, aber mir fehlt morgen ein Übergang zwischen “Investigator” und “Just another Love Story”. Und angesichts der ordentlichen Kritiken und dem nicht zu leugnenden Liebreiz von Ms. Tyler (zumal jetzt wieder Single :grin: )hatte ich da eigentlich “Strangers” favorisiert (Gegenkandidat “Donkey Punch”). Zumal ich den thematisch wohl relativ ähnlichen “Motel” letztes Jahr sehr mochte.

Aber wenn ich mir das von dir Geschriebene so durchlese, bekomme ich schon arge Zweifel, denn gerade diese Filme, die fast ihren gesamten “Horror” aus überwiegend akustischen Schockmomenten ziehen, hasse ich regelrecht! Zwei oder dreimal in einem guten Film ist das ja völlig in Ordnung, aber wenn der gesamte Film davon lebt, finde ich das sehr billig und ärgerlich. Natürlich erschrecke ich mich auch, aber es ist kein “wohliges” Erschrecken, sondern eher ein mißmutiges … :wink:

Das Problem ist nur, daß mich “Donkey Punch” so gar nicht interessiert. Vielleicht gehe ich in der Zeit lieber was essen? :grin:

Achja, Spoileralarm:

Ich finde, an The Strangers wird ein grundlegendes Problem deutlich, das Horrorfilme im Allgemeinen haben: Will man überrascht und schockiert werden oder will man mitleiden?

Bereits am Anfang von The Strangers ist das Ende doch schon glasklar, wenn ein blutiges Messer, eine leergeschossene Schrotflinte und so weiter gezeigt werden und die total alberne Sprecherstimme kurz zuvor drauf hingewiesen hat, dass die Verbrechen bzw. die Ereignisse, deie dort stattgefunden hat, noch nicht vollständig aufgeklärt sind.

An diesem Punkt hatte der Film bei mir schon verloren, da man als Zuschauer “nur” noch miterlebt, wie ein Pärchen bis zum unvermeidlichen Ende terrorisiert wird, was natürlich aufgrund der soliden Inszenierung und der Akustik auch gut funktioniert. Aber der Film funktioniert eben nur auf dieser Schiene und kann nicht in den Kopf eindringen, sondern ist eher eine Fahrt mit der Geisterbahn, aber kein befriedigender Horror. Um mit dem Pärchen mitzuleiden, hätte es nicht so unsympathisch und uninteressant sein dürfen; die Einführung mit dem abgelehnten Heiratsantrag und das affige Drama, was daraus gemacht wird, erschwert die Identifizierung auch stark, da muss ich zustimmen.

Und der Vergleich zu “Them” liegt auch auf der Hand, weil in dem Film all das geglückt ist, was bei The Strangers gescheitert ist: Bei Them mag man die Protagonisten, man leidet mit ihnen mit und man erschrickt sich durch die scheinbar sinn- und gesichtslose Bedrohung tierisch und ist auch mit dem Kopf dabei. Bei The Strangers hingegen gibt es eigentlich nur eine gute Szene, die subtil funktioniert: Als sich Liv Tyler vor Angst unter dem Bett verstecken will und bemerkt, dass sie einfach nicht drunterpasst; das hat mir großartig gefallen, weil es glaubhaft die Angst zeigte.

Der Rest von The Strangers ist aber reines Funktionskino und der sehr ärgerliche Schluss-Schock nimmt dem Film schließlich jede Ernsthaftigkeit und lässt auch den Anfang noch dümmer und dramaturgisch ungeschickter dastehen. Für mich die Enttäuschung des Festivals, wenn ich die Messlatte “Erwartungen im Vorfeld / gesehenes Resultat” anlege.

Auch die Masken gerinnen ja zu einem sinnlosen Gimmick und entwickeln eine unfreiwillige Komik, wenn der eine Typ röchelt wie ein asthmakrankes Kamel und man einmal darüber nachdenkt, ob das wohl von der Maske kommt.

Aber am ärgerlichsten finde ich wirklich noch den Anfang, mit dem sich der Film eigentlich alles versaut. In der deutschen Synchro werden die Texttafeln bestimmt vom 7. Sinn-Sprecher vorgelesen.

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: CineManiaX am 28.08.2008 19:28 ]

Indigo und KAO können’s bestätigen, daß ich gleich nach dem Abspann von “The Strangers” eine Fortsetzung prophezeite…

Und siehe da, was findet sich heute in den “Cinefacts”-News?

Spoiler ahead

“Der Horrorthriller “The Strangers” von Regisseur und Drehbuchautor Bryan Bertino bekommt ein Sequel. Bertino soll wieder das Drehbuch schreiben, es ist aber noch nicht entschieden, ob er auch die Regie übernehmen wird. Nach dem US-Start am 30. Mai entwickelte sich der Film in Amerika zu einem Sommerhit für Rogue Pictures. In Deutschland kommt “The Strangers” am 20. November in die Kinos. Liv Tyler (“Die Liebe in mir”) und Scott Speedman spielen ein junges Paar, das in einem einsam gelegenen Haus von drei maskierten Fremden überfallen wird. Es wird erwartet, dass Tyler im Sequel wieder dabei ist. Die Dreharbeiten sind für Anfang 2009 geplant.”

Ach ja, ich fand den Film handwerklich und spannungstechnisch durchaus solide, die Handlung aber ziemlich platt und vorhersehbar.

Hi,

Genau,CinneManiaX.Die Erwartungen, bzw. die Absichten sind bei vielen sehr unterschiedlich, wenn sie ins Kino gehen. Bei Schockern und Horrorfilmen kann die Motivation für den Film sehr differenzieren. The Strangers ist da doch sehr schmalspurig und bietet wenig Stoff zum Nachdenken, oder für Diskussionen über Stilmittel/FX oder ähnliches. Stattdessen Fokussierung auf quasi einen Aspekt. Will den jetzt nicht völlig schlecht machen, aber großes Kino zeigt nunmal andere Muster. Den Schluß-Schock hatte ich schon regelrecht verdrängt.

Schlussschock? Öh… wohl verdrängt?

Hab den Film ja auch gut bewertet, obwohl mir die Schwächen aufgefallen sind. Obwohl? Ja, obwohl.

Meines Erachtens hängt das viel von der Erwartungshaltung ab, die man als Zuschauer mit so einem Film verbindet. Reicht es, wenn man sich erschreckt, oder reicht es nicht. Bleibendes ist bei The Strangers ganz sicher nicht dabei, aber wer es mir bei so viel Filmerfahrung noch zu einem Schockerlebnis hinbekommt … Respekt.

Bei “Acolytes” etwa hat das mit den Schocks bei mir dann auch nicht mehr funktioniert, hier hatten die akustischen Schocks überhaupt nichts mehr mit der Story zu tun, es ging nur noch ums Buh!-machen. Und irgendwo muss ein Schock filmisch auch vorbereitet sein, damit er sich entfalten kann. Einfach nur die Tonspur rauf und gut ist funktioniert bei mir nicht mehr.

ich habe den film jetzt NICHT gesehen und werde mir den auch nicht ansehen. die story kennt man aus dem grandiosen THEM und besser als wie in dem film kann man das denke ich nicht machen.
Ich weiss von berichten, dass THE STRANGERS ein von vorn bis hinten durchkalkulierter “Erschrecker” ist, der mit hilfe von Soundeffekten (wie oben schon beschrieben) die spannung aufbaut und dann mit einem Knall den schock hervorruft. Ausserdem denke ich kann ich mit sicherheit sagen, dass Liv Tyler wohl das Hauptzugpferd für den erfolg des films sein wird. Die ganze machart und die hauptdarstellerin ins wohl eindeutig auf das Mainstreampublikum abgestimmt und bei denen wird der film auch einschlagen. kein zweifel.

ich bin da genau wie GeorgeKaplan… durch einen soundeffekt lasse ich mich nicht mehr erschrecken, da man genau weiss was gleich passiert.
Ich bleibe lieber bei THEM, der ja ohne soundtrack auskommt.

ich hab mir allerdings lieber AN EMPRESS AND THE WARRIORS angesehen :slight_smile:

Wer Motel mochte, wird The Strangers auch mögen.

Es handelt sich immerhin um eine professionelle und solide Fingerübung in Sachen (sich leider wiederholende) Schockeffekte plus Liv Tyler… Und auch wenn ich den Film nicht soo toll fand: andere (bewährte FFFler, nicht zwölfjährige zartbeseitete GZSZkuckerinnen) gaben dem Film durchweg ganz gute Noten.

Haha, lustigerweise ist ja Acolytes der Film, bei dem für mich während des gesamten FFFs und aller gesehenen Filme die Schockeffekte mit Abstand am besten funktioniert haben - eben, weil sie nicht zwangsläufig einen Horrorfilm-Sinn erfüllt hätten, sondern weil sie doch eher als Sinnbild für eine verstörte und zutiefst unsichere Phase im Leben der Protagonisten standen und das hat für mich ausgezeichnet gewirkt in den ersten 60 Minuten des Films.

The Strangers hingegen ist einzig und allein darauf bedacht, im Zuschauer eine Affekthandlung zu verursachen, indem die Schockeffekte eine rein funktionale Wirkung erzielen sollen - was bei einem Horrorfilm ja auch durchaus erwünscht ist, aber dieselbe Wirkung würde es auch erfüllen, wenn der Sitznachbar in unregelmäßigen Abständen in den Arm kneift, was noch billiger als The Stranger wäre :slight_smile:

Die Qualität von The Strangers ist aber, dass das mit den Ton-Effekten durchweg funktioniert. Daran sind vorher schon viele Filme/-macher gescheitert.

Das kann man grundsätzlich mögen oder auch nicht. Ich finde das nahezu ärgerlich gut, dass ein vermeintlich von der Story simpler, teils geklauter Film mit wenig Dialogstärke und wenig ausgefeilten Charakteren einem einen Schrecken nach dem anderen einjagt.

Kein Wunder, dass das in Hollywood noch als “Sleeper” gezündet hat.

Aber es bleibt im Rahmen des Festivals in meinen Augen, in der Rubrik Mainstream Ami-Grusel, ein guter Beitrag. Das zeigen auch die Wertungen.

Wertungen zeigen überhaupt nichts… die zeigen nur, wie wenige der Bewertenden bisher “ILS” gesehen haben. Könnte ich jetzt mit genauso viel Recht behaupten :grin:

Aber im Ernst - habe “THE STRANGERS” vorhin gesehen und bin doch arg enttäuscht. Lautstärke und plakative Schocks machen für mich noch keine Wirkung.

“ILS” war Terror pur - ungreifbarer, im doppelten Sinne unfassbarer Horror. “THE STRANGERS” sind halt drei Typen mit Waffen. Und dämlichen Masken. Alles von vorneherein klar - ja sogar das Überleben von Liv Tyler (da Telefonat am Anfang des Films - vollkommen überflüssig und spannungsmindernd!).

Sehr profan umgesetzt, somit, im Vergleich zu “ILS”. Naja: Mainstream eben.

Stimme today 100%ig zu, Lautstärke und haufenweise Buhhhh… Effekte, mehr ist dem Regisseur nicht eingefallen.
War sehr sehr enttäuscht und hat mir die ganze positive Wirkung zerstört, die sich bei “Let the right one in” aufgebaut hatte. ILS war um Längen besser.

Schmeiß doch nicht “The Strangers” mit “Let the right one in” in einen Topf. Natürlich ist “The Strangers” - anders als das Centerpiece - ohne jeglichen künstlerischen Ansprurch. Allerdings finde ich ihn bei der Umsetzung seines bloßen Unterhaltungsanspruches wesentlich zielstrebiger als “Let the right one in” bei der Suche nach einer Aussage über das Erwachsenwerden, wenn wir schon Vergleiche anstellen.

Aber wie gesagt, einig sind wir uns, dass “Ils” deutlich besser war als “The Strangers”.

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: GeorgeKaplan am 01.09.2008 10:03 ]

Da hast Du aber nicht richtig gelesen. :wink:
Ich habe da nichts in einen Topf geworfen. “Let The Right One In” hat mich einfach verzaubert, entsprechend war ich in einer wirklich guten Stimmung und hätte den Filmfest Tag mit einem Lächeln auf den Lippen beendet. Aber dann musste ich mir ja noch “The Strangers” ansehen und im Nachhinein wünschte ich mir, die hätten Liv innerhalb der ersten 2 Minuten gelyncht, dann wäre mir dieser Film erspart gewesen und der Tag gerettet. So war meine Stimmung dann doch relativ dahin.

[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von: lexx am 01.09.2008 10:10 ]

Ah, ok, verstanden.

Dann gilt das umgekehrt für mich aber auch: Denn nach “Right one” war ich dermaßen down, dass ich nicht mehr aufnahmefähig für “Downloading Nancy” war. Mir wäre es hinterher auch lieber gewesen, ich hätte den Film ausgelassen und mir dafür dass Seelenleben von Nancy angeschaut.

Aber so ist das eben beim FFF, da gibts auch Filme, die einem nichts sagen.

Ja, STRANGERS ist definitiv überbewertet. Wüsste gerne was man an dieser Aneinanderreihung von Genreklischees mögen oder am Ende gar spannend finden kann. Die verhalten sich ja alle dumm wie Brot, Mörder wie Opfer. Grausig.

Da wird wohl kein konsens zu erreichen sein. Die einen fanden den Film abgrundtief dämlich, so wie ich und die andern fühlten sich prima unterhalten. in die filmgeschichte eingehen wird der streifen jedenfall nicht.

The Strangers bietet ja auch herrliches Lästerpotential: Wo ist die Innovation? Stellen sich die Protagonisten nicht dämlich an? Ist die Methode der Schockerzeugung nicht uralt.

Ja. Ja. Ja. Alles richtig. Trifft aber auf ungefähr 98% aller Genre-Filme zu. Schiesst euch doch bitte nicht auf “The Strangers” ein, nur weil der Film bei dem Normalzuschauer so ankommt, wie er gemeint ist.

The Strangers ist kein Meisterwerk, und auch kein Film für die Filmgeschichte, wie Indigo wunderbar resümiert. Er gibt aber auch nicht vor, mehr zu sein, als er ist.

Am 01.09.2008 11:16 , GeorgeKaplan schrieb:

Er gibt aber auch nicht vor, mehr zu sein, als er ist.

Aber so ein paar Reviews geben das hier vor, das ist das Problem. Nur deshalb habe ich mir die Hollywood Schlaftablette ja überhaupt erst angesehen. :wink:

Ich komme aus dem Film und stelle fest: das war müll.
Danach frage ich mich : warum eigentlich ? Ich denke mir : nicht innovativ, nix neues, alles schon 1000 mal gesehen, dämlich agierende charaktere…
nur: das alles ist für andere horrorfreunde möglicherweise überhaupt nicht wichtig. die interessiert es nicht ob die idee neu ist. oder ob sich personen logisch verhalten. die wollen jäger und gejagte sehen, grusel, bumm und ein paar tote. das ganze handwerklich ordentlich gemacht. und denen hats gefallen. da ist auch nix dran auszusetzen.