Letzter Film, den ich gesehen habe


#1245

Ich seh Ich seh

Spannend :slight_smile: Der Film arbeitet auf interessante Weise mit einer Idee, die ansonsten gerne als Twist eingesetzt wird. Hier weiß man aber bereits nach wenigen Minuten was Sache ist. Ich habe in vereinzelten Kritiken gelesen, dass der Film blöd sei oder sein Publikum für blöd hält. Aber für mich war es ziemlich offensichtlich, dass dieser Teil der Geschichte überhaupt kein Twist seien soll, weil es direkt als erstes etabliert wird (spätestens in der Szene mit dem Glas). Es auszuschreiben wäre wahrscheinlich nicht einmal ein Spoiler.

Was den Film ausmacht, ist das, was danach passiert. Eine Mutter kommt nach einem längeren Krankenhausaufenthalt mit einem Gesichtsverband nach hause und ihre beiden Söhne zweifeln daran, dass diese Person wirklich ihre Mutter ist.

Die meiste Zeit kommt die Geschichte mit nur diesen drei Personen aus, was die bedrückende Atmosphäre noch unterstützt. Das schicke Haus in idyllischer Umgebung wirkt trotz Urlaubsstimmung wie ein Gefängnis. Irgendetwas läuft hier falsch, und man versucht zu durchschauen, was es ist… Allerdings muss man sich durch einen sehr ruhigen Anfang “quälen”. Die Geschehnisse steigern sich erst nach und nach, bis zu einem wirklich bösen Finale.

“Ich seh, Ich seh” ist für mich endlich mal ein Beispiel für einen deutschsprachigen Horrorfilm, der an die Nieren gehen kann. Naja… österreichisch eher. In den leiseren Szenen hatte ich ganz schön Probleme mit dem Dialekt ;). Einige zähe Stellen gibt es zwar, und es wäre logischer gewesen, wenn die Charaktere ein bisschen mehr miteinander geredet hätten. Aber trotzdem bin ich von der cleveren Inszenierung und der sich kontinuierlich steigernden Spannung sehr angetan. 8/10


#1246

Der Film ist der Hammer, hatten wir hier schon mal besprochen, dachte damals der sei von Michael Haneke, weil er richtig “weh” tut und in der für Haneke “typischen” Art gefilmt wurde. Sehr empfehlenswert und viel intelligenter als doofe Kritiker wahr haben wollten.


#1247

Total. “Ich seh, ich seh” hat mich mit seiner Inszenierung damals ziemlich aus den Latschen gehauen. Das war wirklich suspense vom allerfeinsten. Und irgendwie hat man immer geahnt, dass mit den beiden Jungs was nicht stimmt… großartiges und sehr böses Ende. Super.

Hat sich ein bisschen was angesammelt zuletzt:

Nichts zu verzollen

Ein weiteres Musterbeispiel der so angesagten seichten französischen Komödie. Tut keinem weh und lässt sich nett schauen. Sowas wie Tiefgang, wirklichen Humor und eine interessante Geschichte sucht man hier natürlich vergeblich, das kratzt alles nur ein bisschen an der Oberfläche und der Umgang mit bzw. die Beseitigung von Vorurteilen wird schon wie in dem Sch’tifilm äußerst naiv bearbeitet. Wenns nur so einfach wäre…

4/10

Nymph()maniac (Teil 1)

Oweh. Für sowas schlägt man sich die Nacht um die Ohren. Ich hab wirklich versucht, möglichst vorurteilsfrei an diesen Film heranzugehen, aber er sorgte am Ende selbst für die herbe Ernüchterung. Nymphomaniac möchte wohl so etwas sein wie die verstörende Psychostudie einer getriebenen, kranken Frau, verliert sich aber von Anfang an in komplett hohlen Phrasen. Fast alles in diesem Film wirkt schrecklich konstruiert, aufgesetzt und jeglicher guter Ansatz, ein intensives Drama zu schaffen, wird durch dieses nervige pseudophilosophische Gebrabbel zwischen Joe und Seligman schon im Keim erstickt. Diese erzwungene Intellektualität der Dialoge verursachte bei mir schon nach 20 Minuten extreme Ermüdungserscheinungen und ich hatte hart damit zu kämpfen, nicht vorm Fernseher einzuschlafen. Abseits des Kammerspiels gab es dann auch nur sehr wenige Szenen, die ein bisschen für Spannung sorgten. Abgesehen vom Kapitel mit Uma Thurmann, welches in Ansätzen recht gut war und dieser wirklich hervorragenden Bachallegorie zieht sich der Rest bis zur völligen Erschöpfung und schafft es überhaupt nicht, Atmosphäre aufzubauen. Bestes Bsp. dafür ist das Kapitel über den sterbenden Vater. Optisch toll in Szene gesetzt, aber viel zu lang und inhaltlich sowas von egal, von Intensität keine Spur. Am Ende bleiben einige nette Ideen in der Umsetzung (die des Öfteren eine humoristische Note besitzen) und die Bilder, denn so als rein visuelles Erlebnis kann Nymphomaniac durchaus was. Meine Motivation für den zweiten Teil hält sich dennoch stark in Grenzen.

4,5/10

Pusher I-III

Wirklich beeindruckend. Trilogien haben es ja häufig an sich, mit der Zeit nachzulassen bzw. können Teil 2 und 3 nicht mit dem Debut mithalten. Bei Refns Dreiteiler ist das natürlich anders, wen wunderts.
Was sich hier hinter wirklich scheußlichen Coverartworks verbirgt, ist weit davon entfernt, die 0815 Gangsterschiene zu fahren. Jeder der drei Teile fasziniert mit den Abgründen des drogeninfizierten Untergrunds, hat kaputte Existenzen zu bieten, denen so gut wie nichts mehr heilig ist und die vor nichts zurückschrecken. Alle drei Teile haben ein zentrales Problem gemeinsam: horrende Schulden auf Grund schief gelaufener Drogengeschäfte.

Jeder Teil befasst sich mit einem Charakter der Drogenszene, wobei in Teil 1 zunächst alle drei Hauptdarsteller eingeführt werden (Frank, Tonny, Milo) und sich jener anschließend mit Frank im speziellen beschäftigt. Teil 1 beginnt ruhig, um nicht zu sagen zäh, steigert sich aber mit zunehmender Spielzeit gewaltig und lässt in der zweiten Hälfte nichts anbrennen.

Im zweiten Teil lernt man Tonny (wie immer grandios: Mads Mikkelsen) und seine (Vater)probleme kennen. Pusher II ist der wohl abgründigste und damit auch beste Teil der Reihe. Er geht von Anfang an in die Vollen und lässt an Verkommenheit nichts aus. Die Hochzeit in dem Striplokal, die koksende Mutter, die Szene im Bordell und jeder schmerzende Moment zwischen Tonny und dem Schmied…hier ist alles so abgefuckt und verdorben, dass es dem Zuschauer schon mal richtig kalt den Rücken runterläuft.

Im dritten Teil dreht sich die Geschichte dann um Milo, der so langsam merkt, dass seine Zeit als Drogendealer vorbei ist. Zwischen Vaterverpflichtungen (die Tochter wird 25 und er muss den Geburtstag organisieren), eigenen Problemen (er will clean bleiben) und Problemen als Dealer (aufstrebende Albaner machen ihm das Leben schwer) muss Milo entscheiden, welche Prioritäten er setzt und gerät damit zunehmend unter Druck. Teil 3 beginnt ähnlich ruhig wie der erste und ist die vllt. beste Charakterstudie, die einen Mann zwischen Fürsorge und Wahnsinn zeigt, der seine Dämonen einfach nicht los wird. Ähnlich wie im ersten Teil geht es auch hier erst in der zweiten Hälfte so richtig zur Sache und in den letzten 20 Minuten explodiert dieser Film regelrecht und geht nochmal in die tiefsten Abgründe menschlichen Handelns. Fantastisch: Slavko Labovic als Radovan, der seinem alten Kumpel Milo einen letzten Gefallen tut.

Mit diesen drei Filmen hat sich Refn ohne Frage ein Denkmal gesetzt. Er bleibt immer ganz dicht an seinen Charakteren dran und liefert dabei realistisch anmutende Bilder von Menschen im Drogensumpf, die keine Chance haben, diesem zu entrinnen. Auf Effekthascherei wird so gut wie gänzlich verzichtet, alles wirkt echt und unmittelbar. Jeder von ihnen, ob nun Frank, Tonny oder Milo, hat mächtig Dreck am Stecken und deutliche Sympathiedefizite auf seiner Seite und dennoch leidet man mit ihnen bis zum bitteren Ende. Refn zeigt keinen Ausweg, hält die Geschichten offen und überlässt es dem Zuschauer, in welche Richtung die Männer gehen werden. Von dieser Sorte Film wünscht man sich mehr, daraus hätte Refn gern eine Serie machen können…

8,5/10

The Neon Demon

Ich kann vieles, was zu diesem Film schon ausgeführt wurde, bestätigen und will da auch gar nicht weiter ins Detail gehen. Ich unterschreibe ebenfalls jedes Wort von Herrn Kees zu diesem Streifen.
Ich hatte das Glück, dass der Kinobetreiber diesen Film scheinbar auch verstanden hat, denn der Sound war für ein mittelgroßes Programmkino echt bombastisch, fett und LAUT. Vor allem die Lautstärke spielt bei The Neon Demon eine wichtige Rolle, denn erst dann entfaltet das Zusammenspiel von Bild und Ton seine volle Durchschlagskraft. Das Ende bzw. der Abspann gehören im Übrigen zum Besten, was ich im Filmbereich seit Langem gesehen habe. Refn ist einfach ein absoluter Meister in dieser Hinsicht. Von der ersten bis zur letzten Sekunde perfekt durchdacht und umgesetzt. Da verzeiht man auch die hier und da etwas zu abrupten Schnitte. Drive war diesbzgl. etwas fließender im Abgang… Aber egal, am Schluss kommt man trotzdem auf recht berauschte:

8,5/10

Letzten Samstag beim kleinen Filmabend mit Freunden (neben The IT-Crowd):

Primer (7/10)
It Follows (9/10)
The Raid (7,5/10)

Primer bleibt ein höchst intensives wie gleichermaßen verwirrendes Werk, dem deutsche Untertitel wirklich gut tun würden. Ohne die englischen wäre man zwar komplett aufgeschmissen, aber selbst mit der Lesehilfe bleibt doch einiges im Dunkeln. Dennoch ein schöner Film mit reichlich Diskussionspotential.
It Follows hat auch bei der Zweitsichtung nichts von seiner Faszination eingebüßt. Eine wirklich anrührende Geschichte, verpackt in einem der besten Gruselfilme der letzten Jahre.
The Raid war dann am Schluss nicht mehr ganz so derb wie beim ersten Mal, vor allem die recht klischeehaften, holzschnittartigen Dialoge fielen dieses Mal irgendwie mehr auf. Bleibt trotzdem ein astreiner und über weite Strecken packender Actionstreifen.

Rabid Dogs (2015)

Das Remake von Bava’s Wild Dogs aus dem Jahre 1974 kommt als kompromissloser Thriller daher, der trotz überzeugender schauspielerischer Leistung in der ersten Hälfte nich so richtig Spannung aufbauen kann. Warum es Hannezo nicht gelingt, die Schrauben so fest zu drehen, wie es die Story eigentlich verlangt, kann ich nicht mal sagen, aber irgendwas fehlt hier. Dafür entlohnt dann eine ziemlich eiskalte zweite Hälfte mit einem verblüffenden Twist, den man bis zur endgültigen Auflösung so garantiert nicht kommen sieht und der den Film von seiner Gesamtstimmung her noch mal ein gutes Stück anhebt. Bis auf die kleinen Macken also sehenswert, vor allem, wenn man Heist-Movies etwas abgewinnen kann.

7,5/10


#1248


Episodenfilme sind ja meist ein “mixed bag” mit mehr und weniger gelungenen Beiträgen. Der Indie-Horror HOLIDAYS hält sein okay Qualitätsniveau hingegen erstaunlich konsequent durch: Natürlich gibt es etwas originellere (Valentine’s Day, Easter, Father’s Day, New Year’s Eve) und etwas uninteressantere (St. Patrick’s Day, Mother’s Day, Christmas) Beiträge, aber jede Episode ist gut gefilmt (oder zumindest ordentlich, Mr. Smith) und ringt dem jeweiligen Feiertag eine ungewöhnliche Perspektive ab.

Zudem versammeln sich hier die Talente von zahlreichen FFF-Filmen der letzten Jahre wie STARRY EYES, THE PACT, SOME KIND OF HATE und natürlich TUSK. Auf DVD oder bei Netflix.


#1249

Ich glaube, ich muss mich mal des Themas Hitchcock annehmen. Kenn nur seine wirklich Großen, die da wären Psycho, Die Vögel, Rope.

Hmmm…das ist jetzt die Frage, Mitternachtsspitzen (der ja gar kein Hitchcock ist ;)) passt da eben so gut. Werd ich wohl mal beide schauen.


#1250

Falls ihr jetzt die Hitchcock Diskussion so richtig durchstarten wollt; ich hatte Hier bereits einen Thread dazu eröffnet, bislang nur noch nicht den richtigen Zeitpunkt gefunden mich ihm näher zu widmen.

Moby Dick
Starke Verfilmung des Literaturklassikers mit Gregory Peck als Kapitän Ahab in der Hauptrolle. Die Inszenierung bleibt mit der Kamera nah an den Figuren. Der Wahn Ahab`s, sein Ziel sich am Wal zu rächen wird dermaßen intensiv dargestellt, das der Film im Zusammenspiel mit den Naturgewalten surreale Momente erreicht. Auch die blutigen Walfang Sequenzen sind unangenehm intensiv, ein regelrechtes Massaker. Kein Film für Greenpeace Aktivisten.
Ich sah eine ordentliche Kopie in der OF. 8 Pkt.

Heute trage ich Rock
Nach längerer Pause spielt Isabelle Adjani in diesem absolut empfehlenswertem Film eine Lehrerin, die die Demütigungen und Respektlosigkeit ihrer Klasse nicht mehr erträgt und in einer Kurzschlussreaktion ihre Schüler als Geisel nimmt. Das Ganze ist überzeugend und intelligent eingefädelt und während sich draußen Polizei, Presse und aufgebrachte Eltern zusammenfinden, nimmt im Klassenraum die Dramatik zu.
Scharfe Dialoge, überzeugende Laiendarsteller und eine Isabelle Adjani, die keine Zweifel an ihrer Figur aufkommen lässt, ergeben ein richtig spannendes Thriller Drama.

Bislang lief der Film scheinbar nur 2009 auf der Berlinale und im französischen Fernsehen sowie auf Arte, dort allerdings nur im Original ohne UTs. Für diese Vorführung wurde der Film eigens von Studenten der Berliner Universität (die auch anwesend waren) untertitelt, richtig gut sogar.
Er hat mich von der Energie her, von der Art und Weise wie er selbstbewusst, straight und quasi in einem Rutsch seine Story erzählt, ein wenig an den spanischen El Methodo erinnert, wobei jener insgesamt professioneller (besetzt) war. Locker 7,5 Pkt.
Und eigentlich, auch weil er so schwer erhältlich ist, gehört er auch in den Geheimtipp Thread .


#1251

Für alle Freunde des gemeinen Zeitreisefilms:

Synchronicity

Ein kleiner Sci-Fi Film über Wissenschaftler, die an einer Wurmloch-Maschine forschen, die Zeitreisen ermöglichen soll. Und man kann es sich schon vorher denken: Es läuft nicht alles nach Plan und es wird ziemlich verwirrend für den Zuschauer.
Ich hatte ein paar Worte des Lobes gelesen. Vor allem die düstere Atmosphäre wird wohl gerne mit Blade Runner verglichen. So ganz überzeugend fand ich sie aber nicht… Okay, es ist halt alles ziemlich dunkel. Aber leider schaffte es der Film nicht, mich wirklich zu fesseln. Obwohl er sich sichtlich Mühe gab und die Handlung schön verstrickt ist, was ich ja eigentlich mag. Vieles hat man aber schon besser gesehen, z.B. in “Timecrimes”. Die Schauspieler haben mich nicht überzeugen können und die Dialoge wirken oft unnötig schwulstig. Oh seht her, wir machen einen schlauen Film mit schlauen Dialogen! Kommt, wir erwähnen Tesla!
Na gut, jetzt werde ich gerade eine Spur zu motzig. “Synchronicity” ist kein schlechter Film, und ich kann nachvollziehen, wenn einen der Stil anspricht. Aber er hatte mir insgesamt zu viele Macken. Und bei manchen Filmen fehlt einfach die Sympathie.
Wer sich für Zeitmaschinen interessiert, sollte sich “Timecrimes” ansehen. Und wenn man dann noch nicht genug hat, ist es nicht verkehrt, einen Blick auf diesen Film zu werfen. Gibt es gerade bei Netflix :). 5/10


#1252

Kürzlich lief Lavalantula - Angriff der Feuerspinnen im TV. Da Regisseur Mike Mendez dieses Jahr mit Don’t kill it dabei ist und Lavalantula bereits auf dem FFF lief, habe ich den nachgeholt. Wenn das alles ist, was Mendez zu bieten hat, brauche ich von Don’t kill it nicht viel erwarten.
Richtig schlechte Effekte, bei denen es selbst bei einer Trash Produktion schwer fällt drüber hinwegzusehen werden von mäßigem Schauspiel begleitet. Das Drehbuch, linear und ohne besonders innovativ zu sein ist weitgehend so spannungsarm wie die Inszenierung.
Es gibt durchaus solch billigen Trash, der mir zusagt, der ist dann aber meistens mit Haien :wink: und bringt halbwegs annehmbare Effekte mit oder kompensiert ihre mangelnde Qualität z.B. durch Humor oder interessante Story Elemente. 3,5/10

Ladykillers

Das Metropoliskino zeigt eine umfangreiche Werkschau zum 1953 gegründeten Verleih “Neue Filmkunst Walter Kirchner”.
Fünf Männer mieten sich bei einer schrulligen wie liebevollen alten Dame ein und planen einen Raubüberfall…
Charmante und witzige, aber auch manchmal leicht alberne Krimikomödie mit minimalen Slapstick Elementen und einem richtig gutem Ende, das den Film nochmal aufwertet. Die alte Dame hätte gut von Agatha Christie erdacht sein können.
Es gibt ein Remake von den Coen Brüdern aus dem Jahr 2004, das ich noch nicht kenne.

Gezeigt wurde eine relativ abgenudelte 35mm OF Kopie. Technicolor ist eine feine Sache, aber dieser Film hätte mir in besserer Qualität auch im Heimkino gereicht. Gute 6,5/10


#1253

Schau Dir mal Mendez’ “Killers” an, der ist sehr cool. “Big Ass Spider” hat damals auch Spaß gemacht, “Gravedancers” gilt als gut, war mir aber zu langweilig. Die Lavaspinnen hab ich mir erst garnicht angesehen, weil es aussah wie ein SchleFaZ auf Tele 5 :smiley:


#1254

Ich fand die Pusher Trilogie damals auch sehr vereinnahmend und spannend soweit ich mich erinnere.
Manchmal ist es ganz interessant, wie die Filmemacher selbst ihre Entwicklung sehen. Im Interview mit Refn in der Deadline 58, auf die Aussage, seine Filme hätten sich von einem dokumentarischen Stil zu einer bewussteren, komplexeren Bildstruktur entwickelt, kann man folgendes lesen, Zitat aus der Deadline:

" Ja, das stimmt. In meinen ersten Filmen wollte ich Realität einfangen oder sie sogar als Realität verkaufen. Ich wollte zeigen, dass Drogen echt sind, dass diese Leute echt sind. Aber irgendwann wurde es mir zu albern, denn egal, wie sehr man sich bemüht, es bleibt immer eine Konstruktion - warum also nicht bewusst diese Konstruktion betonen und inszenieren? "

Und weiter:

“Ich will meine Eitelkeit und mein eigenes Ego, meine Selbstverliebtheit auf die Leinwand bringen. Mit BRONSON habe ich das erste Mal übertriebene Realität gezeigt.”

Doku vs. Konstruktion ist in diesem Zusammenhang ein interessantes Thema, über das ich auch schon gerne nachgedacht habe. Und zumindest so wie Refn es im ersten Teil des Zitats formuliert, kann ich seine Einsicht gut nachvollziehen.


#1255

Knock Knock
Schade, dass Logiklücken, Klischees und ein paar schlichtweg dämlich motivierte Szenen einen immer wieder aus der Handlung katapultieren, sonst wäre KNOCK KNOCK ein ganz spannender Thriller geworden. So bleibt es immer noch Eli Roths bester Film, mit einem interessanten Kern und überzeugender Schauspielleistung, aber Welten entfernt vom ähnlich gelagerten HARD CANDY oder gar FUNNY GAMES.


#1256

Habe gerade eben “Man in the Orange Jacket” gesehen den ich mir auch mal fürs Festival gewünscht habe. Ein Online Screener direkt vom Weltvertrieb. Ich weiß jetzt allerdings warum er nirgends lief obwohl er als lettischer High Tension beschrieben wird. Es ist ein minimalistischer, künstlerischer, verkopfter Langeweiler mit ein paar krassen Gewaltausbrüchen. Nach 40 Minuten ist fast gar nichts passiert. Geht insgesamt nur 70, hätte man besser einen Kurzfilm draus gemacht. Und dafür wollen die ne dreistellige Screening Fee, nein danke.
http://www.ofdb.de/film/258077,The-Man-in-the-Orange-Jacket


#1257

Edge of Tomorrow

Gelungene Zeitschleifengeschichte mit Alienaction. Ich bin kein Tom Cruise Fan, aber dass sein Charakter (anfangs zumindest) ein schmieriger Unsympath ist, erleichtert den Einstieg ;). Aber was macht der Mann bitte, dass er noch so jung aussieht? Egal, der Film hat mich jedenfalls gut unterhalten. Er versucht sogar zu erklären, weshalb der eine Tag immer wieder erlebt wird. Das kann man unrealistisch finden oder sich darauf einlassen, ich kam damit jedenfalls ganz gut klar. Und unter den vielen möglichen Zeitreiseszenarien ist die Zeitschleife ja ein ziemlich unverbrauchtes Thema (mir fällt gerade neben “Und täglich grüßt das Murmeltier” und “Repeaters” nicht viel ein). Nur die an den Haaren herbeigezogene Liebesgeschichte ist mal wieder völlig unnötig.

7,5/10


#1258

@Zwerg-im-Bikini
Source Code ist noch mit Zeitschleife.

Der Mieter von Polanski

Es ging weiter in der Isabelle Adjani Reihe. War das jetzt Mist oder genial? Ich weiß es nicht. Langweilig war mir jedenfalls nicht. Polanski, der ja auch die Hauptrolle übernommen hat, hat den Film humorvoll inszeniert. Adjani spielt sexy und selbstbewusst. Und wie bei Rosemary’s Baby werden die Mitmenschen zu bedrohlichen Gestalten. Interessant ist das Ende, die letzte Szene. Gezeigt wurde eine Kopie mit deutschem Ton und leichtem Rot Stich.


#1259

Gibt’s da auch den nosferatu mit adjani und kinski?


#1260

Hallo, ja, den Nosferatu mit Kinski zeigen sie auch noch, ebenso wie Diabolique mit Sharon Stone. Der letzte der Reihe wird dann Possession mit Sam Neill sein, den ich wie Nosferatu noch nicht kenne. Parallel dazu die Gregory Peck Retro, Wahnsinns Programm diesen Monat, mal wieder . :slight_smile: Meine Erwartungen an Nosferatu sind aber gedämpft. Mir gefiel der ältere ja nicht so gut, also abwarten.


#1261

Goddess of Love – stand ursprünglich auf meiner FFF-Wunschliste für dieses Jahr. Labile Stripperin verliert über die Zurückweisung von ihrem Freund den Verstand und greift, zur Änderung ihres Beziehungsstatus zum Küchenmesser. Nach dem vielversprechenden Trailer hatte ich mir eigentlich noch mehr Exzesse in vielerlei Hinsicht versprochen, trotzdem ein intensiver, gut gespielter Mix aus Psychodrama und Thriller.


#1262

Oh wie schön. Eine Gregory Peck Reihe.

Welchen älteren Nosferatu meinst du? Da gibt’s meines wissens nach doch nur den stummfilm? An den ist der adjani film sehr stark angelehnt. Fand den Film eher zäh. Sie war auch sehr stummfilmmässig geschminkt. Optisch ist der Film empfehlenswert.


#1263

Ja, ich meinte den Stummfilm von 1922. Bin ab und zu eingenickt, fand diesen Max Schreck auch nicht so gut und hoffe Kinski ist überzeugender.

Gregory Peck läuft schon seit Juni. Leider hab ich einige Termine verpasst bzw. ich hatte Gregory Peck gar nicht als interessanten Schauspieler auf meinem Radar. Aber er ist doch ziemlich charismatisch.
Verpasst habe ich z.B. leider Ein Herz und eine Krone, To Kill a Mocking Bird, Arabesque oder Schnee am Kilimandscharo und andere. Unmöglich alles zu sehen, dann würde ich nur noch im Kino sitzen :wink: Ich freue mich noch auf Das Omen und Ein Köder für die Bestie (Original Cape Fear) und vielleicht die Dostojewski Verfilmung Der Spieler.

Vor ein paar Tagen sah ich Das letzte Ufer - On the Beach von 1959.

Der Film ist echt ein kleiner Tipp und weniger bekannt. In s/w gedreht spielt er auf dem australischen Kontinent. Der Rest der Welt ist durch einen Atomkrieg zerstört. In Australien wartet man auf die atomare Wolke und bereitet sich auf das Ende der Welt vor. Quasi ein Inter apokalyptischer Film. Peck spielt einen U-Boot Kommandanten der sich mit seiner Crew nach San Francisco aufmacht um ein Notsignal zu überprüfen, während man in Australien noch einmal die Freuden des Lebens genießt. Der Film zeigt seine Stärke in den zwei Personen Dialogen; er entwickelt dann eine sehr vereinnahmende Atmosphäre. Er hat außerdem einen angenehmen erzählerischen Rhythmus. 7 oder mehr Punkte.

Auch Verschollen im Weltraum - Marooned von 1969 ist in angenehmen rhythmischem Wechsel inszeniert. Ein amerikanisches Raumschiff hängt manövrierunfähig im All fest. Die Sauerstoff Vorräte werden knapp. Auf der Erde bemüht sich Basis Leiter Gregory Peck um die Rettung der Mannschaft. Die Effekte waren für die damalige Zeit richtig gut. Es findet sich trockener Humor und ordentliches Schauspiel. Für Gene Hackman allerdings nicht seine größte Herausforderung. Die Inszenierung war im Stil eine Spur zu nüchtern über den ganzen Film, dennoch unterm Strich relativ spannend und unterhaltsam. Man konnte aus Lizenz Gründen leider nur eine DVD mit pixeligen UTs zeigen. 6,5 Pkt.

Aus der Isabelle Adjani Reihe sah ich The Driver von Walter Hill aus dem Jahre 1978.
Wortkarger und Musik armer Action Thriller mit gut eingefangenen Auto Verfolgungsjagden. Ein ehrgeiziger Cop will den “Driver” dingfest machen, also den , der bei einigen Coups das Fluchtauto gesteuert hat. Es weht atmosphärisch ein Hauch von Michael Manns Thief, dabei erreicht der Film jedoch nicht die Klasse dieses Films. 6,5 Pkt.

Auf Arte läuft ja gerade der Summer of Scandals. Dort wurde kürzlich das Drama Im Reich der Sinne gezeigt. Kannte ich noch nicht. Der ist ja voll Porno. Ich meine selbst aus heutiger Sicht hat es es mich doch leicht erstaunt, das der uncut auf den “normalen” Sendern läuft, wenn auch im Spätprogramm. Tolle Farben, schönes Szenenbild, leidenschaftliches Spiel und dennoch irgendwie dahin plätschernd, wegen der weniger fesselnden Story. 6- 6,5 Pkt.


#1264

Das wird jetzt womöglich für Proteste sorgen, aber…

Dark Star

Was für ein unlustiger, langweiliger Käse. Ich bin an Trash und abseitigem Humor eigentlich einiges gewöhnt, und hatte deshalb erwartet, dass ich zumindest irgendetwas an Dark Star mögen würde… aber ich habe mich tatsächlich die meiste Zeit nur gelangweilt. War der Humor vor 40 Jahren noch so schwach entwickelt? Selbst die angeblich so genialen Gespräche mit der Bombe (die zumindest mein Lieblingscharakter war) waren doch nur ein paar Minuten Küchentischphilosophie. Ich hatte mir entweder etwas intelligenteres oder etwas abstruseres erhofft, aber so verstehe ich leider gar nicht, was diesen Film zu einem Kultfilm gemacht hat. Ich fühle mich zu jung.

3,5/10

Enemy Mine

Auch irgendwo ein Kult-Sci-Fi Film, aber mit diesem bin ich aufgewachsen und das ist schon mal ein Pluspunkt. Hätte ich ihn heute zum ersten Mal gesehen, hätte ich ihn wahrscheinlich eine Spur zu kitschig gefunden. Aber die Geschichte von der Freundschaft zwischen zwei verfeindeten Soldaten im Weltall rührt mich immer noch. Außerdem mag ich diesen sympathischen Pappfelsen-Look, den 8ßer Jahre Fantasy- oder Science Fiction Filme haben. Damals waren die Spezialeffekte gut genug, um einen in eine fremde Welt zu entführen, aber noch handgemacht. Ich würde nicht sagen, dass das besser ist als Computereffekte (natürlich sehen die inzwischen realistischer aus), aber es ist ein eigener Stil, den man nur schwer nachahmen kann.

7,5/10

Red Planet

Noch mal Weltall. Kann man sich mal ansehen, ist aber ohne große Highlights an mir vorbeigerauscht. Carrie-Anne Moss hat als Kommandantin eine spannende Rolle, und eigentlich ist ja auch die Geschichte gar nicht so schlecht. Aber irgendetwas fehlte mir. Außerdem gewinnt der Film den Preis für den mit Abstand unpassendsten Roboter, der je auf eine Mission geschickt wurde… was haben die sich nur dabei gedacht? :wink:

6/10